In den 70er Jahren erlebte die angeblich humorlose Bundesrepublik Deutschland eine unvergleichliche und unwiederholte Blütezeit des Nonsens wie auch des feineren Witzes. Entsprechend aufgeschlossen war man für die Erzeugnisse eines Teams aus Hollywood, das sich in jener Zeit darauf spezialisierte, der Filmkomödie ein neues Gesicht zu geben. Darüber sprechen wir in der heutigen Ausgabe unseres Podcasts. Auch im zweiten Film gehen wir an Bord, doch diesmal per U-Boot in die Tiefe. Und betrachten ein Drama, das das apokalyptische Kino wie wir es kennen, auf seinen Schultern trägt:
https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/die-unglaubliche-reise-in-einem-verrueckten-flugzeug-und-einem-serioesen-u-boot
A) Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug / Airplane
Amerikanischer Slapstick von 1979
Ein Taxifahrer und Ex-Vietnam-Pilot muss die Kontrolle über ein Flugzeug übernehmen, dessen Crew wegen einer Lebensmittelvergiftung außer Gefecht ist. Er kommt nur deshalb in diese Verlegenheit, weil er die Trennung von einer der Stewardessen nicht hinnehmen will und ihr in die startbereite Maschine nachsteigt …
David und Jerry Zucker und ihr Freund aus Jugendtagen Jim Abrahams gründeten 1970 in Wisconsin die Multimedia-Bühne „Kentucky Fried Theatre“, dessen schrägen, parodistischen Humor sie im beinahe gleichnamigen Kinoerfolg „Kentucky Fried Movie“ vom Regisseur John Landis auf die Leinwand bringen ließen. 1979 taten sie das mit beachtlichem Erfolg selbst. Der Titel „Airplane“ spielt auf die „Airport“-Katastrophenfilmreihe an und auf die in den 70ern überaus beliebten Disaster-Movies, veräppelt aber auch alles andere. Die Zucker-Brüder wurden zur festen Adresse durchgeknallter Slapstick-Komödien und konzentrierten sich später jeweils auf eigene Projekte.
B) Das letzte Ufer / On The Beach
Amerikanisches Endzeit-Drama von 1959
Im Jahre 1964 hat ein Nuklearkrieg die Welt entvölkert. Eine radioaktive Wolke bewegt sich unaufhaltsam auf den letzten noch unbehelligten Kontinent Australien zu, wo die Welt augenscheinlich noch in Ordnung ist. Die Menschen genießen das Leben, solange sie noch können, der Originaltitel „On The Beach“ verweist darauf. Unterdessen verteilt die Regierung vergifteten Tee an das Volk, um ihm zu gegebener Zeit ein würdevolles Ende zu ermöglichen. Parallel dazu bricht ein amerikanisches U-Boot auf, um einem mysteriösen Funksignal nachzugehen. Gibt es etwa doch noch menschliches Leben da draußen?
Als erste große Kinoproduktion macht dieser Schwarzweißfilm die drohende (hier bereits vorweggenommene) Nuklearkatastrophe zu seinem Plot. Der couragierte Filmemacher Stanley Kramer leitet ein eindrucksvolles Ensemble.
Nächste Woche: ein Halloween-Special mit „Blutgericht in Texas“, „The Visit“ und dem Team vom Podcast „Filmtieftauchen“.
Lieber Monty, lieber Torben,
was dabei rauskommt, wenn man sich die ‚Kultfilm-Azubis‘ häppchenweise-nichtlinear zu Gemüte führt…
SENF!!!
Ich gestehe, dass die ‚Kentucky Fried‘-Filme von Zucker/Zucker/Abrahams sowohl in meinen Schultagen, in Zeiten erhöhten Eskapismusbedarfs während des Zwangsurlaubs mit Ypsilon Tours, als auch als Student komplett an mir vorbeigerauscht sind. Reden hören hatte ich reichlich von ihnen, ein paar Titel sind, samt ihren schrägen Filmplakaten, noch aus der Kino-Werbung und dem einen oder anderen Trailer in Erinnerung, doch den Weg in eine Vorstellung fand ich BEWUSST nie. Nicht einmal in aktuellen Streaming-Zeiten habe ich was von denen gesehen…
Aufgrund eurer Inhaltsangabe werde ich aber den Verdacht nicht los, dass der Plot von ‚Airplane!‘ eine gepflegte Verhohnepiepelung des Thrillers ‚Flight Into Danger‘ aus den Spät-Fünfzigern von Arthur Bailey sein muss. Diese Vorlage hat noch zu Schwarzweiß-Zeiten der Südfunk Stuttgart unter der Regie von Theo Mezger zu einer der frühen Fernseh-Sternstunden („Straßenfeger“) drittverwertet (Erstverwertung durch das Kanadische Fernsehen CBC, Zweitverfilmung durch die Paramount).
In dem weitgehend kammerspielartig angelegten Fernsehfilm ‚Flug in Gefahr‘ agieren u.a. die beiden schauspielernden Brüder Günther und Hanns Lothar Neutze, die den Tag retten müssen, Benno Sterzenbach als bärbeißiger Doktor, der alles andere als seine erhoffte Ruhe auf dem Transkontinentalflug bekommt, ein hektisch-besorgter Klaus Schwarzkopf als Repräsentant der Fluggesellschaft, Wolfgang Stumpf als gezwungen-beherrschter Leiter der Flugsicherung, sowie Ingmar Zeisberg als Stewardess, die dabei assistieren muss, die Maschine nicht zu Klump zu fliegen.
In seiner knapp über einstündigen Kompaktheit immer noch fesselndes Stück Fernsehgeschichte mit sehenswerter Ensembleleistung (und nostalgischen Aufnahmen vom ländlichen, noch nicht metastasierten „Landesflughafen“ Stuttgart-Echterdingen Anfang der 60er). Zu finden in einer der öffentlich-rechtlichen Mediatheken, auf DVD von den üblichen Klassiker-Verwertern, und als Ripoff irgendwo auf DuTube!
SENF ENDE — und viele Grüße!