Wie alt wird sie gewesen sein? Vielleicht 70 oder 80. Sie wohnte schon immer in dem Viertel. Die Leute hatten sie gern, die kleine Alte, deren einzige Beschäftigung darin bestand, die Tauben zu füttern. Jeden Tag die Tauben zu füttern.
Den ganzen Tag war sie in den öffentlichen Anlagen und verteilte mit vollen Händen Weizenkörner. Die Wächter in den Parkanlagen kannten sie und grüßten sie voller Rührung. Ein Fotograf hatte sie um Erlaubnis gebeten, eine Ansichtskarte von ihr zu machen, die die Alte inmitten ihrer Tauben zeigte. Sie war natürlich dazu bereit. Auf ihre Art war sie berühmt.
Eines Tages erfuhr man – wie, weiß ich nicht, durch ihr Testament vielleicht -, dass die vielen Körner, die sie verteilt hatte, vergiftet waren. Viele Jahre hindurch hatte sie lächelnd mehrere tausend Tauben vergiftet.
Die Leute aus dem Viertel wollten es gar nicht glauben. Sie machte einen so netten Eindruck.
Georges Simenon: „Die Verlobung des Monsieur Hire“