Die heutige Folge unseres Podcasts spannt den Bogen vom alten Hollywood in die Swinging Sixties:
https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/frau-ohne-gewissen-und-andere-erbschleicher
Frau ohne Gewissen / Double Indemnity
US-Kriminaldrama von 1944
Mit kühler Raffinesse wickelt Phyllis Dietrichson den braven Versicherungsmakler Walter Neff um den Finger, um ihren Mann erst zu versichern und dann um die Ecke zu bringen. Die beiden schaffen es sogar, einen Unfall vorzutäuschen, was die Prämie verdoppelt. Doch als Walters Freund und Kollege Barton Keyes ihnen auf die Schliche zu kommen droht, beginnt das perfekte Team auseinanderzubrechen …
James M. Cains Buchvorlage wurde innerhalb weniger Jahre in Hollywood zweimal prominent verfilmt. Es war die Version des eigentlich auf Komödien spezialisierten Billy Wilder, die nicht nur besser funktionierte, sie gilt heute als archetypisches Beispiel für den klassischen Film Noir. Es duellieren sich: Barbara Stanwyck, Fred MacMurray und Edward G. Robinson.
Die Strohpuppe / Woman Of Straw
Britischer Thriller von 1963
Der Millionär Charles Richmond tyrannisiert seine Mitwelt vom Rollstuhl aus: er quält seine schwarzen Bediensteten, die er schlechter behandelt als seine Hunde, und demütigt seinen Neffen Anthony, einen bei ihm angestellten Lebemann, dessen Vater er in den Selbstmord getrieben hat, um sich die Mutter zu angeln. Nun ist auch sie nicht mehr am Leben, und Anthony sinnt auf Rache. Er engagiert die ahnungslose Italienerin Maria, um sie für sein Komplott zu benutzen …
Die James-Bond-Produzenten verbaten Sean Connery, pro Jahr mehr als einen weiteren Film zu drehen, was seinen Hass auf die 007-Rolle schürte und ihn von Anfang an zu einer vielseitigen Rollenwahl antrieb. Basil Dearden ließ ihn an der Seite von Gina Lollobrigida und dem Altstar Ralph Richardson seine bis zuletzt fieseste Rolle verkörpern.
Nächste Woche: Harry und Sally und Haus der Schatten
Lieber Monty, lieber Torben,
was beim nichtlinear-häppchenweisen Hören der ‚Kultfilm-Azubis‘ so alles herauskommt:
Nörgel, nörgel…
Der Billy-Wilder-Film Noir heißt mit originalem Titel ‚Double INdemnity‘, und nicht etwa Double „Idemnity“, wie ihr beiden beharrlich behauptet (und zwar nicht nur in dieser Folge eures Blogs). Aber ihr kriegt von mir selbstverständlich mildernde Umstände, denn ich weiß nur zu gut, wie hartnäckig sich historische Erst-„Verleser“ in einer Fremdsprache im Gedächtnis festfressen können… (Fragt mich bloß nicht, was ich z.B. anstellen musste, und wie lange es dauerte, um „kind of a“ aus meinem Sprachzentrum zu tilgen und durch „A kind of“ wirksam zu ersetzen…😁)
Der Begriff ‚Double Indemnity‘ wurde, darf man annehmen, mit voller Absicht als Filmtitel gewählt – bezeichnet er doch ein Element von US-Lebensversicherungen, wonach der Versicherer bei Tod des/der Versicherten infolge zufälliger Umstände die doppelte Versicherungssumme auszahlt. Gleichzeitig stenografiert er sozusagen die Kernhandlung aufs Filmplakat und in den Vorspann: Als mindestens unterstützendes Element geht dieser Umstand nämlich mit in die Motivation der beiden ’schleichenden Erben‘ Stanwyck und MacMurray ein. Ausgeschlossen ist besagte doppelte Versicherungsleistung u.a. bei Tod des/der Versicherten durch Selbsttötung, Tötung durch den/die Begünstigte/n (!) oder Naturereignisse.
Versicherungsmathematisch betrachtet scheint es sich für die Versicherer um ein geringes, „beherrschbares“ Risiko zu handeln; entsprechende Klauseln in den Versicherungsbedingungen machen sich gut als Augenfänger und lassen sich aggressiv bewerben.
Im Deutschen gibt es wohl nur die Möglichkeit, diesen ganzen Sachverhalt relativ weit ausholend zu umschreiben, aber jedenfalls keinen ähnlich griffigen und sprachrhythmisch eingängigen Sechssilber, was den deutschen Verleihtitel ‚Frau ohne Gewissen‘ — immerhin auch sechs Silben— erklärt, jedoch keineswegs entschuldigt in seiner dumm-reißerischen Spoilerhaftigkeit. Aber mit deutschen Titeln ist es ja bekanntlich ohnehin so eine Sache…
Ansonsten gehe ich mit eurer Beurteilung des Films weitestgehend d’accord. Barbara Stanwyck liefert hier sicherlich eine der besten darstellerischen Leistungen ihrer an Glanzlichtern gewiss nicht armen Karriere. Interessieren würde mich, wie genau der zum Entstehungszeitpunkt des Films noch verhältnismäßig „junge“ Wilder beim Dreh mit der Eigenheit der Stanwyck zurande kam, jeweils gleich in der ersten Aufnahme ihre beste, d.h. lebendigste Leistung abzuliefern und mit wachsender Zahl an Wiederholungen zunehmend an Farbe zu verlieren – während doch die Mehrzahl ihrer Kolleg/inn/en eher „Wiedeholungstäter/ innen“ sind.
Herr Wilder, wie haben Sie das gemacht?
Auch der Pyramid Folly mit Nicht-James-Bond Sean Connery als durchtriebenen ’smooth operator‘ neben Gina Nazionale war ein sauber konstruierter Hingucker, der als „Sittengemählde aus dem gebirgichten Mittel-England“ 😉 und Studie zur Wohlstandsverwahrlosung des Establishments im Spät-Empire ein interessantes Zeitdokument abgibt. Und imho sind ja die meisten der frühen Filme, in denen Connery NICHT Bond spielt, sehenswert.
Allerdings pflichte ich Torben darin bei, dass man nach den Vorfällen auf der Seereise die unbeglichene Rechnung meilenweit aus der Handlung herausragen und die arg konventionell ausgleichende Gerechtigkeit in Form tätiger Solidarität der Unterprivilegierten ebenso meilenweit kommen sieht…
Insgesamt wieder ein sehenswertes Kultfilm-Azubi-Pärchen: Danke dafür — und nix für ungut…!