Summer of Kult: Humphrey Bogart

Er ist neben Marilyn Monroe der Letzte aus der Reihe der „Unsterblichen“ Hollywoods und der Inbegriff des Kultstars schlechthin. In der ersten Staffel unseres Podcasts mit den amtlichen 42 Kultfilmen spielte er dreimal die Hauptrolle und wurde in zwei weiteren Filmen inhaltlich zum Thema gemacht und vor der Kamera parodiert. Im Podcast haben wir uns die Frage gestellt, was diese Filme wirklich bzw. heute noch taugen – wie wir das immer so machen. Und begonnen haben wir mit dem Film, dessen Kult selbst den der übrigen 41 – abgesehen vielleicht von der „Rocky Horror Picture Show“ – überstrahlt: „Casablanca“.
Umberto Eco meinte: „Wenn sich ältere Herren des Abends vor dem Fernsehgerät versammeln, ein Getränk in der Hand, dann kann es nur einen Film geben: Casablanca.“ Dieses launige Dichterwort wollen wir in unserem Rückblick auf die erste Staffel unseres Podcasts so nicht stehen lassen:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/summer-of-kult-humphrey-bogart

Tabak-Reklame von 1984

Wie man hin und wieder liest, kam Humphrey DeForest Bogart am 23. Januar 1899 zur Welt, ein Datum, dass von der Pressestelle seines Studios auf jenen Weihnachtsabend des selben Jahres umdatiert wurde, der heute in der Wikipedia steht. In der Nacht zum 31. Januar 1957 starb Bogart nach einem neunmonatigen Kampf gegen den Krebs. Zwei Jahre später drehte Jean-Luc Godard „Außer Atem“ – auch der inzwischen Kult und der erste von vielen Filmen, der Bogart als historische Figur zelebrieren.
Als Humphrey Bogart und Lauren Bacall heirateten, war er 45 und sie 18. Zur allgemeinen Überraschung war die Ehe glücklich und hielt.
Wenig erfolgreich war die erste Hälfte von Bogarts Karriere gewesen. Als Bühnen- und Filmschauspieler erntete er Verrisse und wurde von berühmteren Filmgangstern um die Ecke gebracht. Erste Aufmerksamkeit erregte er als Bösewicht in dem Stück „Der versteinerte Wald“, 1936 durfte er diese Rolle auch im Film spielen. Bevor er mit „Casablanca“ zum Mythos wurde, wurde er mit „Die Spur des Falken“ zum Star. Regie führte erstmalig John Huston, mit dem Humphrey Bogart befreundet blieb.

Neben den drei Kultfilmen der heutigen Präsentation gibt es noch einige andere, die beinahe ebenso kultig sind, vor allem „Der Schatz der Sierra Madre“ und „African Queen“ – beide von John Huston – und die Komödie „Wir sind keine Engel“ vom „Casablanca“-Regisseur Michael Curtiz. Der größte Kult aber umweht Humphrey Bogart selbst. Und am dichtesten wabert er, wenn Bogey denn unverstandenen Zyniker mit dem weichen Kern verkörpert. So auch im dritten und schrägsten Beitrag unseres Triptychons. Howard Hawks inszenierte „Tote schlafen fest“ und stellte ihm einmal mehr seine Entdeckung Lauren Bacall an die Seite. Wie wir wissen, ist sie dort geblieben. Bis zuletzt.

Wir wiederholen diese Gespräche aus der 1. Staffel:

Casablanca
US-Liebesdrama von 1943

Im Zweiten Weltkrieg ist Casablanca in Französisch-Marokko ein wichtiger Auswanderungshafen für europäische Flüchtlinge. Auf das heißersehnte Visum warten viele im „Café Americain“. Dessen Betreiber Rick Blaine ist zum Zyniker geworden, als ihn seine große Liebe Ilsa beim Einmarsch der Deutschen in Paris verlassen hat. Plötzlich steht ebendiese Ilsa bei ihm im Lokal und stellte eine haarsträubende Forderung: Rick soll Transitvisa beschaffen: für sie und ihren Geliebten Viktor. Wie ein jeder weiß, wird es zuletzt auf dem nebligen Flughafen zu einer weiteren Abschiedsszene kommen … und zum Beginn einer wunderbaren Freundschaft … 

„Casablanca“ war ein aktuelles Zeitstück, das sich nahtlos zum klassischen Hollywoodfilm an sich wandelte, zu einem Schlagwort, das jeder kennt und einordnen kann. Selbst wer den Film nicht gesehen hat, benutzt Redewendungen und Satzbausteine wie „die üblichen Verdächtigen“ oder „Spiel’s noch einmal, Sam“. Humphrey Bogart und Ingrid Bergman wurden zum Inbegriff des romantischen Leinwandpaares und verdrängten ein anderes, ähnlich glückloses Liebespaar auf den zweiten Platz: Rhett und Scarlett aus „Vom Winde verweht“.

Die Spur des Falken / The Maltese Falcon
Amerikanisches Kriminaldrama von 1941

Die zwielichtige Brigid O’Shaughnessy beauftragt Privatdetektiv Sam Spade, einen Mann zu überwachen. Spade übergibt die Aufgabe seinem Partner Archer. Als der kurz darauf umgebracht wird, ahnt Spade, dass die Dame ihn belügt. Ein schmieriger Typ namens Joel Cairo klopft bei ihm an und bittet ihn, den „Maltester Falken“ aufzuspüren, eine wertvolle Statuette aus dem 16. Jahrhundert. Auch der feiste Mr. Gutman ist mit seinen psychotischen Handlangern hinter dem Vogel her. Und: Mrs. O’Shaughnessy …

Der klassische Detektivroman „Der große Schlaf“ von Dashiell Hammett war schon zweimal Verfilmt worden, doch das waren noch klassische Gangsterfilme gewesen. Mit John Hustons Umsetzung begann die Ära des Film Noir, deren wichtigste Typen und Topoi wir hiermit schon beisammen haben. Der allerwichtigste: sein Held, der furchtlose Einzelgänger.

Tote schlafen fest / The Big Sleep
Amerikanisches Kriminaldrama von 1946

Der greise General Sternwood wird erpresst. Privatdetektiv Marlowe erhält von ihm den Auftrag, seine aufmüpfige Tochter Carmen im Auge zu behalten: eine spielsüchtige Nymphomanin. Wie sich zeigt, hat sie aus verschmähter Liebe den Sekretär ihres Vaters getötet. Marlowe kann den Verdacht auf eine Verbrecherbande lenken. Doch dann entdeckt er, dass Carmens Schwester, die launische Vivian, mit den Herren in dunkle Geschäfte verwickelt ist. Nun ist der ganze Trickreichtum des Schnüfflers gefragt, um die Gangster gegeneinander auszuspielen. Nicht zuletzt, weil er sich für Vivian zu interessieren beginnt …

Weder Romanautor Raymond Chandler noch Regisseur Howard Hawks haben die Handlung dieses Drehbuchs wirklich verstanden. Umso stimmiger geriet die Atmosphäre des Films, in der Humphrey Bogart auch den zweiten großen Hardboiled Detective der amerikanischen Kriminalliteratur verkörpert: Philip Marlowe. Das Ergebnis gilt als Hauptwerk des Film Noir, einer Strömung, die bei uns nicht ganz korrekt „Schwarze Serie“ genannt wurde.

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