Zum Tode von Bob Ziegenbalg
Der Saarbrücker Theatermann Bob Ziegenbalg ist tot, eine tragende Figur im St.-Johann-Kapitel meiner Biographie. Zuletzt sah ich ihn Anfang der 90er, als er aus unserer gemeinsamen Arbeit bei der SR-Funkreihe „Auf in den Keller“ ausschied, um sich mit Volldampf dem „Kinder- und Jugendtheater Überzwerg“ zu widmen, wie es damals noch hieß. Ein wichtigerer Grund mag gewesen sein, dass ihm unser Format, das vor Publikum aufgezeichnet wurde, entsprechende Abgabefristen zumutete: vorher schriftlich zu verfassende Texte. Hätten wir das Ganze ohne den Rundfunk gemacht, hätte er es ewig hinausgeschoben und dann gesagt, „da improvisier‘ ich uns was.“
Vor genau 5 Jahren hatte ich nach langer Pause einen kurzen Facebook-Chat mit ihm. Ich hatte von seiner Pensionierung gelesen und ließ mich von ihm ermuntern, bei meinem nächsten Besuch in Saarbrücken anzuklopfen. Ich hatte zwar wenig Hoffnung, allzubald wieder dort aufzutauchen, glaubte aber, die restliche Zeit würde durchaus genügen. Das hat sie nicht.
Bob war mein Stalking-Opfer gewesen, als ich mit 18 die ersten (vollkommen ahnungslosen) Vorstöße in die freie Theaterszene der Landeshauptstadt versuchte, nachdem ich mich bisher nur im dörflichen Karneval als Parodist und Trällerkünstler hingehalten hatte. Eine Kollegin bei der Zeitung – wo ich eine Reprotechnikerlehre machte, um die Zeit bis zur Kabarett-Laufbahn zu überbrücken – hatte mir seinen Namen genannt, als ich sie nach lokalen Künstlergrößen fragte. Und nun stand ich bei ihm auf der Matte.
Heute weiß ich, was Bobs Gesichtsausdruck unter anderem bedeutet hat: „Ich kann doch gar nichts für dich tun. Na … komm erstmal rein…“
Natürlich hat Bob dann doch einiges für mich getan.
Einiges davon kann nur von außen kommen und war absolut notwendig. Anderes hat mich erfreut und insofern bereichert. So war Bob der der erste (und bis heutige einzige), der mir vom Mark-Twain-Musical „The Big River“ vorschwärmte und mit etwas daraus vorgespielt hat. Einmal zeigte er mir ein Video seines unvollständigen Mitschnitts des berühmten Kompilationsfilms „That’s Entertainment 2“ mit alten Highlights des MGM-Musicals. Ich weiß noch wie mir bei dieser Gelegenheit auffiel, dass „Lover, Come Back To Me“, das ich nur als Instrumentalnummer kannte, eigentlich aus einer amerikanischen Tonfilm-Operette stammte. Bei diesem Clip war ich ganz besonders Ohr.
Soweit es die letzten Bewegtbilder hergeben, die der SR nun zur traurigen Nachricht gezeigt hat, sah Bob zuletzt genauso aus wie damals: grau, aber nicht kahl, etwas weniger glatt, aber ohne Fett angesetzt zu haben. Im Grunde so, als wäre er lediglich von der Maskenbildnerin seiner Theatergruppe älter geschminkt worden. Scheint ein gutes Leben gewesen zu sein.