betr.: 22. Todestag von Jerry Goldsmith

„L. A. Confidental“, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von James Ellroy, kam 1998 heraus. Sie ist ein Geniestreich.
Die Handlung trägt sich in den frühen 50er Jahren zu. Regisseur Curtis Hanson erklärte zur Entstehung des Soundtracks, er habe Jerry Goldsmith auf die vielen Songs hingewiesen, die im Film gespielt werden, darunter auch einige Instrumentals von berühmten Unterhaltungsorchestern. Das Underscoring sollte diese „source music“ optimal einbinden. Deshalb habe sich der Komponist für eine Solotrompete entschieden wie sie auch in einigen der Musiktitel ertönt. Zu diesem Ansatz passt das ungewöhnliche Fehlen eines signifikanten Themas in Goldsmiths Partitur; in den Songs gibt es ja genug davon.
Es gibt aber noch eine andere Erklärung für die besondere sinfonische Cool-Jazz-Anmutung des Soundtracks von „L. A. Confidental“. Sujet, Schauplatz, Zeit der Handlung, Starbesetzung, Look und Atmosphäre erinnern nämlich an einen Filmklassiker, der 25 zuvor entstanden war: „Chinatown“ von Roman Polanski. Auch hierfür hatte Goldsmith die Musik geschrieben. In diesem Fall war er mit einem einzigen Thema ausgekommen, und auch dieser „Main Title“ wurde von einer Solotrompete gespielt. Film und Filmmusik wurden zu Klassikern. Die beiden Soundtracks könnten A- und B-Seite des selben Albums sein (was sich bei Goldsmith nicht von selbst versteht).
Jack Nicholson, der Hauptdarsteller von „Chinatown“, hat sich jahrelang darum bemüht, eine Fortsetzung zu drehen. Nachdem Roman Polanski aus juristischen Gründen von einer Einreise in die USA absah, inszenierte Nicholson den Film schließlich selbst. „The Two Jakes“ erschien 1990, 16 Jahre nach Chinatown, und gilt als missglückt.
In gewisser Weise löst „L. A. Confidental“ diese alte, unerfüllt gebliebene Verheißung ein. Trotz der Abwesenheit solcher Stars wie Nicholson, Faye Dunaway und John Huston kommt auch hinsichtlich schauspielerischer Leistungen keine Trauer auf. Und das alles durchpulst die Musik von Jerry Goldsmith. Sie verbindet nicht nur die alten Songs zu einer Einheit, sie macht aus den beiden Filmen ein Double-Feature.