„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (49)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/10/06/19056/

Fortsetzung vom 9.9.2022

15. Die Hälfte einer blauen Kuppel
(Half A Blue Ball)

Monk zuckte zusammen. Im ersten Augenblick fürchtete er schon, der Playboy hätte den Schwindel endlich bemerkt, die ganze Arbeit, die ganze Mühe sei vergeblich gewesen. Dann sagte Doc mit der Stimme des Piloten: „Ich hab mich mit Adonis unterhalten. Wir sind gleich da.“
„Warum auch nicht . . .“, sagte der Playboy. „Ich hab nichts verstanden, die verdammte Maschine macht einen Höllenlärm. Wie sieht’s unten aus?“
Monk wagte wieder zu atmen. Er war beruhigt. Es war alles in Ordnung. Der Playboy war viel zu betrunken, um überhaupt noch etwas zu bemerken.
„Vor uns ist eine Felseninsel”, erklärte Doc. „Auf der Insel befindet sich eine seltsame blaue Halbkugel.“
„Eine blaue Halbkugel?“
„Hier in der Arktis eine ungewöhnliche Erscheinung“, fügte Doc hinzu.
Der Playboy teilte in grobem Ton mit, dass er nichts, aber auch gar nichts von ungewöhnlichen Erscheinungen hielte, in der Arktis schon gar nicht.
„Gehen Sie ‚runter“, sagte er dann.
„Sehr wohl, Sir“, sagte Doc.

Monk platzte beinahe vor Neugier, aber er konnte Doc nicht weiter fragen, denn der Playboy blieb bei ihnen und starrte nach vorn, obwohl er doch immer noch nichts sehen konnte. Monk drückte den Vogel nach unten. Die blaue Halbkugel rückte näher, die scheinbar glatte Eisfläche löste sich in zahllose Schollen auf. Sie wirkten bedrohlicher, je tiefer sich das Flugzeug zur Erde senkte. „Sie sollten wieder in die Kabine gehen und sich anschnallen“, sagte Doc zu dem Playboy. „Ihre Leibwächter können Ihnen helfen.“
Monk zwängte sich hinter dem Steuerknüppel hervor und bugsierte den Playboy in die Kabine. Der Playboy kam nicht auf den Gedanken, nach dem zweiten Gardisten Adonis zu fragen. Er ließ sich willig anschnallen; am Ziel der Reise schien er nun seine guten Manieren wiedergefunden zu haben.
Monk kehrte ins Cockpit zurück. Von dort beobachtete er die Insel. Er sah jetzt, dass sie zum größten Teil mit Schnee bedeckt war, stellenweise war sie vereist, und wo die Felsen aus der weißen Masse ragten, war eine Landung unmöglich. Es gab überhaupt nur eine Stelle, wo ein Flugzeug aufsetzen konnte, und die lag im Süden, wo der Schnee tief und locker aussah, eine weiße Ebene, die vom Packeis begrenzt wurde.
Die Maschine ging noch tiefer, glitt knapp über die Schollen hinweg, schwenkte hinter die blaue Halbkugel und setzte auf der Ebene auf.
Die Ausmaße der Ebene waren für ein Rollfeld ziemlich knapp, aber für das, was Doc und Monk planten, konnten sie kaum knapp genug sein.
Die Kufen der Maschine schlitterten über den Schnee, die Geschwindigkeit war ein wenig zu hoch, aber Doc wusste das. Die hohe Geschwindigkeit gehörte zum Plan.

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Das Genre der Stunde: der Kriegsfilm

Das Genre möchte sowohl jene ansprechen, die sich die unterhaltsame Vermittlung einer pazifistischen Botschaft wünschen – eine Abbildung des Grauens und der Sinnlosigkeit einer Katastrophe, bei der es letztlich keine Sieger geben kann – als auch die Freunde expliziter Gewaltdarstellungen, in denen sich große Menschenmassen aufreiben. Pikanterweise ist einer der ewigen Klassiker des Genres „Die Brücke am Kwai“ (GB/USA 1957) ein Film, der einen Spagat hinbekommt. Das Schlussbild könnte sinn- und trostloser nicht sein, doch das Geschmetter britischer Marschmusik (die können es einfach am besten!) lässt den Militärromantiker im Publikum das Gesicht wahren. Alec Guinness ist ein Held, wenn auch ein gebrochener.
Die ältesten / schwarzweißen Evergreens des Kriegsfilms schlagen sich klar auf die Seite der Antikriegsbotschaft: „Im Westen nichts Neues“ (USA 1930), „Die große Illusion“ (F 1937) und „Die Brücke (D 1955).
Seit den späten 70er Jahren befördert der zunehmende Realismus der Darstellung die Option, sich am Gemetzel zu berauschen. Das gilt für so unterschiedliche Werke wie „Apocalypse Now“ (USA 1979) (sowie eine Vielzahl weniger bedeutender Vietnam-Filme) und „Das Boot“ (D 1981).
Der Transport patriotischer Gefühle wird vom Publikum am ehesten goutiert, wenn er aus Hollywood kommt – etwa in „Der Soldat James Ryan“ (USA 1998) -, denn auch hier gilt Hitchcocks alte Regel, dass Amerika nun einmal aus Ausländern besteht und seine Filme deshalb weltweit so gut verstanden werden.
Die Fantasy hat (vor allem im epischen Serienfernsehen) dem Kriegsfilm inzwischen den Rang abgelaufen, was explizite Gewaltorgien auf dem Schlachtfeld angeht. Der Kriegsfilm spezialisierte sich folgerichtig auf die möglichst getreuliche Abbildung historischer Szenen mit entsprechendem Anspruch: in Historienfilmen wie „Dunkirk“ (USA 2017) und „1917“ (USA 2019), aber auch in den zeitgenössischen Krisenstoffen „Sniper – Der Scharfschütze“ (USA 1993) und „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ (USA 2008).

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Breaking Out

betr.: Medienkunde

Und wieder gibt es für einen besonders alten Hut einen sexy Neologismus aus dem englischen Sprachraum!
Ein „breakout character“ ist das personelle Kernstück eines Spin Off: eine Nebenfigur, die aus einer Serie aussteigt, um von deren Erfolg profitierend ein eigenes Format zu tragen. Dieses Prinzip wurde 1960 in der „Andy Griffith Show“ erstmals vorgeführt (und bald darauf von Marvel Comics auch in einem Printmedium etabliert und gepflegt). Im Streaming hat es zu einer neuen Blüte gefunden, ermöglicht es doch den Produzenten, eine Serie nach deren Auslaufen mit einer Vorgeschichte weiter auszuwerten (wie im Falle des schmierigen Anwalts aus „Breaking Bad“). Nach hinten gibt es keine Luft mehr, weil die Figur erzählerisch oder biologisch an ihr Ende gekommen ist. So verfuhr man sogar im Kino (mit der Vorgeschichte des „Star Wars“-Helden Han Solo).
In der Ära des linearen Fernsehens wurden solche Geschichten noch parallel zum Hauptstrang erzählt, damit die Fans eines laufenden Erfolgs ein weiteres Mal einschalteten: „Frasier“ verließ die Kneipengesellschaft von „Cheers“, „Stockinger“ die Amtsstube von „Kommissar Rex“ – und Gaststars aus der alten Umgebung konnten zu Besuch kommen, um für gute Stimmung zu sorgen.
Nicht jede originelle Charge verträgt eine solche Beförderung und erweist sich ohne ihr natürliches Umfeld als nicht abendfüllend. Das kann sogar Hauptfiguren passieren.
Als nach gut zehnjähriger Pause der „Tatort“-Ermittler „Schimanski“ unter eigenem Logo auf den Bildschirm zurückkehrte, war die Luft raus. Ein Großteil des Vergnügens hatte in den Rangeleien des unkonventionellen Rüpels mit seinem (inzwischen verstorbenen) pingeligen Kollegen und in den Beschränkungen durch die Dienstvorschriften bestanden. Mit Schimanski als frühverrentetem Vagabunden, der mit einer schönen (und sehr pflegeleichten) Frau auf einem Hausboot im grenznahen Ausland lebte, fiel dieser Gag in sich zusammen – was angesichts des heißerwarteten Wiedersehens mit dem alten Haudegen niemanden störte.
Manche Figuren wollen aber einfach ihr Geheimnis bewahren. Über ein aktuelles Beispiel klagte ein Kritiker, dieser Held habe durch seine Leerstellen funktioniert. „Man sollte ihn nicht erklären, sondern als Deus ex Machina auf eine Geschichte loslassen. Aber das widerspräche natürlich der Kommerzlogik der Streamingdienste“.   

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Erinnerungen an Dirk Bach

betr.: „Dear Dicki“ (rororo)

„Crazy Race“ – mit Dirk Bach unterwegs im Reich der Klamotte – Bild: RTL / Universum Film

In gut zwei Wochen ist es zehn Jahre her, dass eines der beliebtesten TV-Gesichter uns jählings verlassen hat: Dirk Bach. Ein Mann, der für die Sachen, die er da auf dem Bildschirm trieb, im Grunde total überqualifiziert war.
Dass er zuallererst ein „richtiger Schauspieler“ gewesen ist, haben viele noch miterlebt. Und auch wer erst durch seine „Dirk Bach Show“ auf RTL an ihn geriet, die inzwischen dreimal so weit zurückliegt, wird etwas in dieser Richtung geahnt haben. Aber Dirks Charme wirkte jenseits solcher Einordnungen. Die gleiche Herzensgüte (ich möchte von „Knuffigkeit“ sprechen), die ihn persönlich auszeichnete, galt auch seinem Publikum – und umgekehrt.
Es war ein seltener Glücksfall. Dirk war echt.

Drei Freunde, die nun Hinterbliebene sind, haben das letzte Jahr damit zugebracht, unzählige Briefe anzuregen und einzusammeln, die andere ihm nun geschrieben haben: Hella von Sinnen (einst Dirks Mitbewohnerin), Cornelia Scheel und Pelle Pershing. Die Liste der Rückläufe ist beachtlich und reicht von Sandkastenfreundschaften über den Kölner Underground der 80er Jahre bis in unsere mediale Gegenwart. Irgendwo dazwischen tummeln sich ehrenvolle Kabarett-Größen, denn die Kleinkunst war eine, die Dirk ebenfalls beherrschte.
Für die vielen Fans des früh verstorbenen Komödianten versteht sich von selbst, warum sie sich dieses Buch – es ist eine richtige Schwarte geworden – sogleich besorgen werden. Aber obwohl ich ja gewissermaßen zu den Befangenen gehöre, glaube ich noch etwas darin gefunden zu haben, was uns alle angeht. Sogar die, die Dirk Bach erst noch entdecken müssen – zehn Jahre sind ja eine verdammt lange Zeit …

Die schriftlichen Souvenirs (die von unzähligen Fotos aus sämtlichen Lebensabschnitten des Helden begleitet werden) ergänzen sich auf verblüffende Weise zu einer biographischen Großaufnahme. Sie lassen sich in drei Gruppen aufteilen. Da sind einmal die zumeist großen Namen, die fast eine Auditoriumsperspektive einnehmen und denen Geschliffenes, aber nicht unbedingt Persönliches einfällt („Wäre schön, wenn du jetzt bei uns wärst. Gerade in diesen komplett verrückten Zeiten.“). Einige räumen das auch erfrischend ein („… ich will hier gar nicht unken und auf Kumpel machen; denn im Grunde kannten wir uns gar nicht.“).
Es gibt auch das verschwindende Grüppchen derer, die all die Jahre immer nur von sich selbst geredet haben und die es weiterhin tun („… ich hatte eine Affäre mit dem Darsteller des Jochanaan“).
Der weitaus größte Teil der Briefe jedoch erzeugt durch seine Wärme und Subjektivität diese übergreifende Wirkung, die ich meine.
Wenn man mehrere davon hintereinander liest, kann man auf den Gedanken kommen: schade, dass all das erst jetzt geschrieben wurde. Und dann fallen einem all die lebenden Mitmenschen ein, denen man vielleicht schon länger nicht mehr gesagt hat, wie lieb man sie hat oder wie gut man findet, was sie machen. – Nicht wenige sind in diesem Buch versammelt.

Obwohl ich nicht zu denen gehört habe, die Dirk „Dicki“ nannten (hätten nennen dürfen?), habe ich damals und auch danach immer wieder erlebt, wie üppig ihm die Liebe der Seinen schon zu Lebzeiten zuteilwurde, gerade von Hella.
Also: schon alles in Ordnung. Aber natürlich komme ich ins Nachdenken.
Ich habe lange auf einem Planeten gelebt, auf dem die Menschen einander einfach mal angerufen oder besucht (!) haben, weil sie sich mal wieder sehen wollten – ohne einen weiteren Grund. Das ist für uns Heutige außerhalb ganz enger Freundschaften schon beinahe Aberwitz. Meine Komplimente – egal ob menschlich oder professionell – sind den Adressaten meistens eher peinlich. Im Zweifelsfalle muss ich noch ein bisschen üben.
Allgemein löst spontane Zustimmung in unseren optimierten virtuellen Abläufen häufig Misstrauen aus – Was will der von mir? Aber all das kann ja keine Ausrede sein!
Auch davon handelt „Dear Dicki“. Es ist ein „kugellustiges“ Fanbuch (ich liebe dieses Wort aus Rolf Kaukas Zeiten) und eine Biographie, die bisher vermisst wurde.
Und es ist noch weitaus mehr. 

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Wie man sowas macht

Anfang des Monats lief „Three Thousand Years Of Longing“ an, der neue Film von George Miller, dessen wichtigstes Projekt die „Mad Max“-Filme sein dürften.
Einst erzählte er einem Filmjournalisten von den unterschiedlichen Absichten, die ihn bei einem Interview antreiben (wohlgemerkt im Interview, nicht unbedingt beim Filmemachen), etwa vom „Kniefall vor dem eigenen Ego“ und von dem Verlangen weiterzuvermitteln, was er gelernt habe: „Da besteht so eine Art Verantwortung, meine ich. Spielberg analysiert dauernd, was er macht. Er arbeitet mit Kindern und verallgemeinert sofort, was er tut. Er sagt dir, warum er so und nicht anders mit Kindern arbeitet. Ich habe viel von ihm gelernt…“
Obwohl Miller das voll Bewunderung erzählt, findet er die exakte Umschreibung für das Gefühl, das mir Spielbergs Filme zuverlässig bereiten: ich fühle mich von diesem Regisseur immer wie ein Kind behandelt. Und zwar wie eines, dem man nach jeder Bevormundung auch noch erklärt, warum man sie so und nicht anders durchgeführt hat. Er macht das, um seine Sub-Botschaft zu unterstreichen und sicherzustellen, was ich den Spielberg-Effekt nennen möchte: Ich bin der Erwachsene, und du nicht. Ohne meine Betreuung wärest du an einem Ort wie diesem völlig aufgeschmissen! – Er meint den Kinosessel.

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Berg- oder Gardinenpredigt

Gegen die Botschaften der Bergpredigt ist ja nun wirklich nichts einzuwenden, aber eine Stelle habe ich nie gutgeheißen: Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halte ihm auch die linke hin!
Ist das nicht eine Aufforderung zur Feigheit? Hat man jemals einen Angreifer dadurch besänftigt, einen Konflikt dadurch beigelegt, dass man sich alles gefallen ließ?

Aber Jesus könnte es ganz anders gemeint haben, habe ich mir kürzlich sagen lassen.
In biblischer Zeit schlug man nur mit der rechten Hand. Die linke Hand galt als unrein. Der Schlag auf die rechte Backe war also nur mit dem Handrücken möglich. Das war eine Geste der Erniedrigung, so schlug ein Herr seinen Sklaven.
Die linke Backe hinzuhalten, wie in der Bergpredigt verlangt, demonstriert: ich bin dir gleichgestellt! Es bedeutet: du kannst mich noch einmal schlagen, aber damit würdest du anerkennen, dass wir auf Augenhöhe sind. So wird es zu keinem zweiten Schlag kommen, denn der Herr wird sich nicht auf die Stufe eines Sklaven begeben. Dann hat die Gewalt ein Ende.

Das hätte mir einleuchten können.
Es liegt in der Natur der Sache, dass man Kindern solche Bilder nicht erklärt.

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Unkraut aus dem Blätterwald

betr.: Ixen für Anfänger

Dieser Screenshot von der Website der „Stuttgarter Zeitung“ wird uns heute als Stilblüte präsentiert. Der belustigende Effekt entsteht aber erst, wenn man die Zeile laut liest und auf dem letzten Wort betont – dann bedeutet sie nämlich: es sitzen zu wenig Ärzte im Knast, angesichts ihrer nicht korrekt ermittelten und aufgearbeiteten Verfehlungen. Journalistisch beabsichtigt ist vermutlich der Sinn, der bei der Betonung des dritten Wortes entsteht: in unseren Justizvollzugsanstalten mangelt es an Medizinern. Auf diese wohlmeinende Betonung ist die Überschrift angewiesen, will sie nicht missverstanden werden – insofern ist sie in der Stilblüten-Spalte ganz richtig aufgehoben.
Überaus Spitzfindige Sarkasten können auch das zweite Wort betonen und damit einem somit unterstellten gesellschaftlichen Klima widersprechen, das davon ausgeht, man habe als Knacki sein Anrecht auf medizinische Versorgung verwirkt, und jeder Gefängnisarzt sei einer zuviel.

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„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (48)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

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Fortsetzung vom 1.9.2022

Monk konnte es sich nicht leisten, Beautys Stimmbänder heilen zu lassen, weil er weder dessen Sprache noch dessen Stimmlage mächtig war. Doc dagegen hatte eine ungewöhnliche Fähigkeit, die Stimmen und Dialekte anderer Menschen nachzuahmen.
„Wo ist dieser verdammte Beauty?“ brüllte der Playboy wieder. „Ich schlage so lange auf ihn ein, bis er wieder reden kann!“
Doc Savage ahmte die Stimme des Piloten nach. „Ich glaube, wir sind nicht mehr weit vom Ziel.“
Der Playboy presste das Gesicht an ein Fenster und verfluchte abermals sein Missgeschick, das ihn mit Blindheit gestraft hatte.
„Wie sieht’s unten aus?“ wollte er wissen. Doc beschrieb ihm die Szene. Sie befanden sich über einer gewaltigen Ebene aus Packeis, das mit einer Schneeschicht bedeckt war. Einzelne Böen wirbelten den Schnee auf, in der Ferne ragte ein niedriges Gebirge auf.
„Sie sind verrückt!“ kreischte der Playboy. „Sie haben sich verflogen!“
„Innerhalb der nächsten fünfzehn Minuten müssen wir die Stelle erreichen, die Sie als Ziel angegeben haben“, sagte Doc. „Ich habe die Position genau überprüft.“
„Sagen Sie mir Bescheid“, befahl der Playboy. „Sie sollen mir die Gegend beschreiben. Vorläufig kommt mir alles ziemlich sinnlos vor.“
Doc ging wieder zu Monk ins Cockpit. Er hatte sich auf einer Karte den Längen- und den Breitengrad, den der Playboy genannt hatte, mit einem Punkt markiert; eine rote Linie deutete die Strecke an, die sie bereits zurückgelegt hatten. Sie war nicht mehr weit von dem Punkt entfernt, und Monk wunderte sich, denn die Gegend wirkte, als sei sie für die menschliche Besiedlung absolut ungeeignet.
„Die Gegend macht mir den Eindruck, als wäre noch nicht einmal ein Forscher hier gewesen”, bemerkte er bissig.
Doc schwieg. Monk überlegte, wie sie im Fall einer Havarie den Weg zurück in die zivilisierte Welt finden sollten; das Ergebnis seiner Überlegungen stimmte ihn traurig.
„Das ist bestimmt die menschenleerste Ecke der ganzen Erde“, brummelte er. „Da heißt es immer, der Nordpol wäre erforscht, aber das ist bestimmt eine maßlose Übertreibung.“
Doc seltsame goldene Augen starrten aufmerksam nach vorn.
„Dort!“ sagte er plötzlich und deutete mit dem Finger.
Monk griff nach einem Fernglas.
„0 Gott!“ sagte er fassungslos. Er beugte sich vor, um das seltsame Gebilde, das aus Eis und Schnee ragte, besser zu erkennen. „Was … was ist das?“
„Die Blaue Kuppel“, sagte Doc.
Monk blickte verständnislos zu Doc auf.
„Die … was?!“ fragte er.

Nach allen Seiten dehnte sich die scheinbar endlos weiße Fläche, nur direkt vor der Maschine gab es eine Unterbrechung. Hinter einem schmalen offenen Wasserstreifen erhob sich eine Insel, die anscheinend aus einem einzigen, riesigen Felsen bestand, der nicht die geringste Vegetation aufwies. Der Felsen ragte glatt und kalt aus dem Atlantik und wirkte so fest und unerschütterlich wie der Felsen von Gibraltar. Das Meer hatte die Eismassen gegen den Felsen geschoben und sie zermalmt und zu Schollen aufgetürmt, einige waren so groß wie Häuser. Die blaue Kuppel erhob sich wie ein Gebilde aus einer anderen Welt über das Eis und über die Insel und funkelte wie ein blauer Achat, den ein Titan in dämmeriger Vorzeit hier verloren hatte.
Monk starrte auf das Gebilde und schluckte trocken hinunter. Er war plötzlich so heiser, als hieße er wirklich Beauty und hätte seine Stimme eingebüßt. Er räusperte sich.
„Das . . . das ist ungewöhnlich“, stammelte er. „Das habe ich nicht erwartet. Es war also doch schon mal jemand hier . . .“
Abermals schielte er zu Doc; dann begriff er, dass einer der wenigen Menschen, die je in diese Einöde vorgedrungen waren, Doc Savage war. Nicht einmal Doc hätte beim Anblick dieses Gebildes eine solche Gelassenheit zur Schau tragen können — wenn er dieses Gebilde nicht gekannt hätte.
„Doc“, sagte Monk leise.
Der Bronzemann schien ihn nicht zu hören. „Doc!“
Der Bronzemann wandte sich um. Monk packte Doc an der Schulter und rüttelte ihn. „Du weißt, was es ist!“ rief er. „Was ist es?“
Doc antwortete nicht, er fand keine Gelegenheit mehr dazu, denn in diesem Augenblick steckte der Playboy seinen Kopf ins Cockpit und sagte laut: „Ich hab‘ euch gehört!“

Ende des 14. Kapitels

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Der eigene Beruf und seine Folgen

Als ich heute eine meiner Lieblings-Radiosendungen nachhörte, wurde ich Zeuge eines hochinteressanten Smalltalks. Am Ende der Sendung fragte der Moderator den übernehmenden Kollegen, was denn heute so bei ihm geplant sei. Er antwortete, zu Gast erwarte er später eine Psychologin, die in einer Langzeitstudie zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen sei: „Hättest du gedacht, dass der Beruf für unsere Persönlichkeitsentwicklung  viel entscheidender ist als andere wichtige Faktoren wie z.B. die Geburt des ersten Kindes?“
Antwort: „Ich hätte gedacht, sie ist nicht wichtig, weil sie schon auf dem eigenen Charakter aufliegt und auf Vorheriges folgt.“ (Mein Lieblingsmoderator fügte noch mit feiner Ironie hinzu, ihn überrasche, dass es so etwas wie Persönlichkeitsentwicklung überhaupt gebe.)
Da ich die folgende Sendung ja nun schon verpasst hatte, diskutierte ich ein wenig mit mir selbst.
Aktueller Stand: ich glaube, der Beruf, den wir tatsächlich ausüben, hat immensen Einfluss auf unsere Entwicklung. Denn er weicht ja bei vielen von demjenigen ab, den sie sich vielleicht einmal gewünscht haben. Nach meiner Beobachtung kann der tatsächliche Bedarf an Prinzessinnen, Models und Medienschaffenden keinesfalls mit der Zahl derer mithalten, die zu solchen Tätigkeiten bereit wären. Viele haben mir erzählt, sie hätten sich noch nie gefragt, was sie eigentlich werden wollten – „es hat sich einfach so ergeben“. Das ist häufig äußeren Zwängen geschuldet. Aber zu dem Zeitpunkt, da solche Weichen gestellt werden, scheinen andere Themen einfach interessanter zu sein.

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Was ist ein Gopnik?

betr.: SZ-Artikel über „Tracks East“ bei arte

Ein Gopnik (russisch für „Kleinkrimineller“) ist ein halbseidener bzw. krimineller Mensch osteuropäischer Prägung („den dürren Körper im Trainingsanzug mit Wodkaflasche und Zigarette im Mund“). Das habe ich gerade in einem Zeitungsartikel gelernt, der – ebenso wie sein rezensatorischer Gegenstand –  darum bemüht ist, Klischees über Osteuropa „über den Haufen“ zu werfen. Alarmiert las ich weiter. (Warum alarmiert? Weil nach meiner Überzeugung, Klischees – im Gegensatz zu den meisten Vorurteilen – ausnahmslos stimmen! Jedenfalls alle, die ich bis heute überprüfen konnte.)
Der Artikel war dann gar nicht so schlimm, denn ich habe einige einschlägige Metaphern dazugelernt und meine Kenntnisse über „Tristesse und Plattenbau-Elend“ ordentlich ausbauen können. Und schon im zweiten Absatz hielt er einen Trost für all die Nostalgiker bereit, die ohne folkloristische Gruselvorstellungen nicht zurechtkommen (also Leute wie ich): der „Gopnik-Stlye“ sei popkulturell einer der wenigen, „die der Osten nicht vom Westen übernommen hat“.
Na also!

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