Die schönsten Hörspiele, die ich kenne (31): „Vom Land“

Hörspiel von Elisabeth Weilenmann nach dem Roman von Dominik BartaORF 2021 – Länge: 54’14; Credits: https://oe1.orf.at/hoerspiel/suche/16051

Die Bäuerin Theresa ist um die sechzig und hat ihr Leben lang hart gearbeitet, Kinder bekommen, sich einem Ehemann untergeordnet, den sie sich nicht aussuchen durfte, und das stumpfe, reaktionären Klima im Dorf ertragen. Auf einmal legt sich hin und spricht nicht mehr. Der Hausarzt ist ratlos, die Angehörigen sind überfordert. Die erwachsenen Kinder müssen anreisen, von wo auch immer es sie hin verschlagen hat, und endlich wieder miteinander reden. Theresas Mann muss lernen, Hilfe und Gefühle zu akzeptieren. Und selbst der zwölfjährige Daniel muss seinem verbohrten Onkel Max entschlossen entgegentreten, um seinen einzigen wirklichen Freund vor der Fremdenfeindlichkeit seiner Scholle zu schützen.
Und Theresa? Ihr Zusammenbruch ist spätes Aufbegehren. Sie ist nicht krank, sie will raus.

Was der Debütroman von Dominik Barta taugt, weiß ich nicht – der SZ war er etwa zu grob und ungelenk. Jedenfalls gibt er die Vorlage für ein ORF-Hörspiel her, das das ganze Grauen der ländlichen „Gemeinschaft“ bündelt und in intelligente Dialoge und fesselnde Konflikte umsetzt. Solche Provinz-Stoffe werden in Rezensionen gern mal als „Western“ etikettiert. Was „Vom Land“ für mich persönlich dem Westerngenre voraushat, ist der Realismus der Figuren und die Nähe, die ich zu ihnen aufbauen kann. Ich glaube, alle diese Leute einmal gekannt zu haben – in einer gottlob fernen Vergangenheit.

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