Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (64)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/10/06/19056/

Fortsetzung vom 23. Dezember 2021

Aput war immer noch ein fähiger Jäger, der von den Eskimos als Führer anerkannt wurde und dessen Rat sie schätzten. Er war nur deswegen nicht der Häuptling, weil es in der kleinen Gruppe keinen Häuptling gab. Aber er war Schamane, der Medizinmann, er hatte noch mehr Einfluss als die meisten Häuptlinge, und er kannte Doc Savage, den er ebenfalls für eine Art Schamanen hielt, einen Schamanen der Weißen, die unverständlicherweise im Süden lebten, wo es nicht einmal das ganze Jahr über Schnee gab, aus dem sie Iglus hätten bauen können, und die sich deshalb mit Steinen behelfen mussten; er kannte ihn so gut, dass ihm Docs Stimme genügte, um ihn zu identifizieren. Trotzdem wunderte er sich, und es brauchte eine Weile, um die Überraschung zu verkraften.
„Chimo!“ sagte er schließlich. „Willkommen.“
„Danke“, sagte Doc. Er sprach jetzt im Idiom der Eskimos. „Es berührt mich tief, dass du mich willkommen heißt, obwohl ich dir und deinen Leuten viele Sorgen und Kummer bereitet habe.“
Aput zuckte mit den Schultern, schälte sich aus seinen Fellen, reichte Doc die Hand und schüttelte sie herzlich.
„Wir haben gehofft, dass du kommst“, sagte er. „Wir haben sehr auf dich gehofft.“
Doc sah, dass Aput nur eine Hose aus Seehundsfell trug und einige Lumpen um die Schultern geschlungen hatte.
„Hast du nichts anzuziehen?“ fragte er.
„Dieser Sunlight hat uns schon vor langer Zeit unsere Kleider abgenommen“, sagte Aput. „So wollte er uns an der Flucht hindern. Jeden Tag lässt er von seinen Leuten unsere Decken und Felle zählen, damit wir uns daraus nicht heimlich etwas zum Anziehen machen. Wenn wir auf die Jagd gehen, gibt er uns Kleidung, aber seine Männer gehen mit. Sie sind bewaffnet und bewachen uns. Nach der Jagd nimmt er uns alles wieder ab.“
Doc schüttelte den Kopf; so hatte er sich die Lage der Eskimos, seiner Verbündeten, nicht vorgestellt.
„Wann ist Sunlight zu euch gekommen?“
„Ackane“, erwiderte Aput.
Ackane bedeutete „im vergangenen Jahr“, aber es war nicht wörtlich zu nehmen. Vermutlich bedeutete es in diesem Fall nur „vor langer Zeit“.
„Sunlight und seine Männer kamen auf einem großen Boot“, berichtete Aput. „Das Boot war größer als hundert Kajaks. Es war gegen die Felsen gefahren und hatte ein Loch, durch das Wasser drang. Sie sind an Land gegangen. Wir haben ihnen Essen gegeben. Aber der dünne Mann, der Sunlight genannt wird, wollte in die blaue Kuppel.“
„Schlimm“, sagte Doc.
„Sehr schlimm. Sunlight hat versucht, uns auszuhungern, damit wir ihm verraten, was die große Kuppel ist. Wir stellten uns dumm und primitiv.“*
Aput schmunzelte. Doc nickte beifällig.
„Ausgezeichnet“, sagte er.
„Wir haben gemacht, was du uns befohlen hast. Wir haben alles getan, was wir tun sollten und weswegen du uns hergebracht hast. Wir haben niemand erlaubt, die blaue Kuppel zu betreten.“
„Ihr solltest vor allem auf den Inhalt der Kuppel aufpassen“, sagte Doc leise.
Aput nickte. „Ja. Aber es ist uns nicht gelungen. Sunlight hat uns beobachtet und gesehen, wie die Geheimtür sich öffnete, als einer von uns in die Nähe der Tür kam. Er hat gewusst, wie die Tür funktioniert, aber wir haben ihm nichts gesagt. Er hat uns nichts zu essen gegeben, und er hat uns geprügelt, aber wir haben ihm nicht gesagt. Er hat alles schon gewusst. Er hat uns nur gefragt, um uns auf die Probe zu stellen.“
„Wahrscheinlich nicht“, sagte Doc. „Er hat einen von euch beobachtet, und er ist intelligent genug, um zu wissen, wie ein magnetischer Türöffner funktioniert. Er hat bestimmt den weißen Kaninchenmantel untersucht und die kleinen eingenähten Magneten gefunden.
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* Die hier weitgehend unverändert präsentierte Übersetzung von Karl Heinz tut dem Romantext, der unserer gewachsenen Sensibilität für den eigenen Alltagsrassismus freilich längst nicht mehr genügt, gleichwohl unrecht. Dieser Satz von Aput ist ein gutes Beispiel. Im Originaltext lautet er: „We pretended tob e very ignorant Eskimos.“ In der deutschen Taschenbuchausgabe von 1974 lautet er „Wir waren sehr unwissend und sehr primitiv.“

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Albträume fürs Mittagsschläfchen

betr.: 36. Todestag von Andrei Arsenjewitsch Tarkowski

Andrei Tarkowskis letzter Film war mein erster. „Opfer“ verschaffte mir einen soliden Vorgeschmack der erbarmungslos getretenen Vollbremse, mit der dieser Regisseur seine Themen verhandelt. Doch nicht nur das. In einer Szene bedrängt der betagte Bergman-Schauspieler Erland Josephson eine deutlich jüngere Frau, im Angesicht des drohenden Weltuntergangs, ein Kind mit ihm zu zeugen. In der Zeitungskritik wurde diese Szene zur „blödesten Anmache der Kinogeschichte“ geadelt. Ich nickte unwillkürlich als ich das las. Der große Tarkowski kann also nicht nur langatmig, er kann auch peinlich, dachte ich.
Aber es war ja wie gesagt meine erste Begegnung mit seiner Arbeit. Ich richtete mich auf Überraschungen ein. Bis heute habe ich keine erlebt.

In der Folge hat mich noch zweimal sehr beeindruckt, wie es dieser Kinoerzähler schafft, aus hochinteressanten Vorlagen Filme zu machen, die sich nicht merklich vom Fleck bewegen, die den ganzen Körper des Betrachters überziehen wie eine gewaltige, erstickende Fresszelle. Immer wieder lese ich mir in Gedanken die Inhaltsangabe des Lem-Romans „Solaris“ vor und brenne darauf, sie endlich verfilmt zu sehen: Der Psychologe Kelvin erhält den Auftrag, zum Planeten Solaris zu reisen, weil aus der dortigen Raumstation nur noch verworrene Botschaften zur Erde dringen. Er wird von einem Kenner der Örtlichkeit vor dem geheimnisvollen Ozean auf diesem Planeten gewarnt. Dort angekommen, findet Kelvin die Station verkommen und die vier übriggebliebenen Crewmitglieder in befremdlicher Verfassung vor. Unter den überraschenden Figuren, die er sonst in der Einrichtung trifft – Kinder und junge Mädchen – läuft ihm plötzlich auch seine verstorbene Frau Hari über den Weg …
Aus der poetischen Trance dieser Kurzinfo erwachend muss ich jedesmal an die drei vergeblichen Versuche denken, die ich im Angesicht von Tarkowskis „Solaris“-Verfilmung unternommen habe, die Augen offenzuhalten. (Warum drei solcher Versuche? Weil man die Anwesenheit der großartigen Grundidee noch immer spürt!)

Noch konsequenter hat der Regisseur seinen populärsten Film versemmelt: „Stalker“. Auch hier macht das Sujet überaus neugierig: die Geschichte eines diebischen Desperados, der berufsmäßig in die verbotene Zone eindringt, die die Regierung um von Außerirdischen zurückgelassene Artefakte errichtet hat. „Stalker“ hat ein noch quälenderes Tempo und überdies ein nassfeuchtes, dreckiges Ambiente. Hat man ihn endlich überstanden, kann man sich bei der Recherche der Hintergründe durchaus amüsieren. Die Autoren der literarischen Vorlage „Picknick am Wegesrand“, die Gebrüder Strugatzki, haben Tarkowski – einem seriösen Gerücht zufolge – wegen Verunglimpfung ihres Werks verprügelt (oder das zumindest vorgehabt). Zuvor hatten sie Jahre damit zugebracht, ihre Geschichte nach den Wünschen des Regisseurs immer wieder umzuarbeiten. Aus dieser Unternehmung ist Tarkowskis Äußerung überliefert, diese oder jene Mühe lohne sich nicht: „Die Zuschauer sind sowieso Dummköpfe!“ Arkadi Strugatzki zitiert sich im Produktionstagebuch: „Ihm ist das Drehbuch zu bunt, es muss langweiliger werden.“ Boris soll ihm geantwortet haben: „Ein Genie ist eben ein Genie … Ertrag es, Bruderherz!“

Tarkowskis Filme sind wie gemacht für internationale (vor allem französische) Filmjournalisten, Medienstudenten und Festival-Kuratoren, die sich nicht dabei ertappen lassen wollen, einen Kunstfilm nicht gemocht oder verstanden zu haben.
Spätestens nach dem Tod des Regisseurs kannte die Verklärung keine Widerstände mehr. Kurz zuvor war Reaktorblock 4 des Atomkraftwerks von Tschernobyl in die Luft geflogen, was den aktuellen Film „Opfer“ für schlichte Gemüter zur weisen Vorahnung hochdekorierte.
Der Meister war schlau genug, sich an den Deutungen seiner Arbeit niemals zu beteiligen und sagte stattdessen in seinen seltenen Interviews (etwa anlässlich der Veröffentlichung von „Stalker“) Sätze wie: „Mir ist es wichtig, in diesem Film das spezifisch Menschliche, Unzersetzliche festzumachen, das sich in der Seele jedes Menschen offenbart und seinen Wert ausmacht!“
Das weist ihn in der Tat als visionären Medienbürger aus. In den sozialen Netzwerken hätten angesichts derartigen Quarks zahllose Emoji-Herzchen sogleich höher geschlagen.

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Sprechen am Mikrofon – Die Wahrheit

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Zwillinge – bei der Geburt getrennt

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Ein Augenblick der Besinnlichkeit

Geht Ihnen das auch so? In diesem Jahr habe ich so gut wie keinen dieser automatisierten Weihnachtsgrüße bekommen, die sonst immer auflaufen  – weder digital noch analog. Nicht, dass ich in den vergangenen Jahren besonders gerührt gewesen wäre, sie zu erhalten. Aber ihr plötzliches gleichzeitiges Ausbleiben ist mir aufgefallen, das muss ich zugeben.
Ein Freund, dem ich davon berichtete, meinte nur so wolkig wie zutreffend, die zwei Jahre Corona hätten eine ganze Menge überkommener Gewohnheiten hinweggeschwemmt. Ich fragte mich kurz, ob mein kleines Problem tatsächlich ein Beispiel dafür sei, traute mich aber nicht recht, das weiter zu erörtern.
Wäre ich Science-Fiction-Held – und wer ist das nicht in der Welt der Sozialen Medien? -, dann hieße mein letztes Kapitel für dieses Jahr vermutlich „Death Of The Christmas Bots“.

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„Rampenlicht“ nochmals aufgeblendet

betr.: 45. Todestag von Charlie Chaplin / „Rampenlicht“ (ARD-Fassung von 1975) morgen um 17 Uhr im Metropolis Kino Hamburg

Als ich vor einigen Tagen meinen Kindheits-Lieblingsfilm „Rampenlicht“, nach vielen Jahren zum ersten Mal vollständig wiedersah, erlebte ich eine Überraschung. Ich hatte keine Ahnung, dass davon eine zweite Synchronfassung existiert. Als Chaplin seine ersten Worte sprach, kriegte ich erst mal einen Schreck, denn solche Neufassungen sind meistens überflüssig und in der Regel viel schlechter, weil man ihnen die größere Entfernung zum Zeitkolorit des Films anmerkt.
Mein Schreck milderte sich sogleich, als ich den Sprecher der Hauptrolle erkannte: Friedrich W. Bauschulte, bei dem ich mich immer gut aufgehoben fühle.
Da ich den Film szenenweise auswendig kann, konnte ich sehr gut gegenhören. Ich musste ich zu meiner Freude feststellen, dass die ganz neu formulierte zweite Version erheblich besser geraten ist. Die zahllosen sexuellen Untertöne (bei einem bis ins Opa-Alter vaterfreudigen Mann wie Chaplin obligatorisch) sind hier, wenn auch angemessen dezent, doch klar und deutlich. In einem der ersten Dialoge zwischen Chaplin und seiner Partnerin Claire Bloom wird die Vermutung ausgeräumt, es könnte sich bei ihr um eine Prostituierte handeln. Die Szene ist in der Urfassung angesichts des spürbaren Unbehagens der Bearbeiter so umständlich, dass man sie kaum kapiert. Überhaupt ist die Sprache flüssiger, wirkt der ganze Film weniger sentimental – was ich ihm bei aller Liebe immer ein wenig übelgenommen hatte. Die erste Fassung mutet mir im Nachhinein wie eine Kinderfunk-Version an. Das ist seltsam, denn sie ist die Kinofassung der Erstauswertung, während das Remake von der ARD bestellt wurde. Im Fernsehen habe ich sie aber niemals angetroffen, auch dann nicht, als der Film bald nach ihrer Entstehung durch Chaplins Ableben häufiger wiederholt wurde. 
Die Besetzung ist in beiden Fällen prächtig. Auf den famosen Alfred Balthoff in der Titelrolle zu verzichten, gelingt mir aus den genannten Gründen. Die Rolle des Mädchens ist in beiden Fällen ein Schwachpunkt. Marion Dengler spielt tadellos, wird aber vom allzu rührseligen Ansatz der Dialogregie ausgebremst. Helga Trümper hat zwar die besseren Texte, aber – wie üblich – den Charme einer Synchron-Maschine. Ihr abgebrühter Sound versendete sich in der Atmosphäre der 70er Jahre. In einem solchen Kostümfilm irritiert er mich bis zum letzten Take.
Aber das ist auch schon alles, was es hier zu meckern gibt.

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Der Song des Tages: „Stop The Cavalry“

Missverständnis zum Fest – aber tröpfelnde Tantiemen für diese heiße Scheibe.

Jona Lewie hatte Anfang der 80er mit dieser Single einen großen Sommerhit und brachte es in meiner ungeprüften Erinnerung später noch zum Two-Hit-Wonder.

Im Hausfrauenfunk wurden neben den Charts immer auch sogenannte Oldies gespielt, also eine kleine Auswahl von 50er- und 60er Jahre Titeln wie „Black Is Black“ von Los Bravos oder „Eloise“ von Barry Ryan – Songs, die bis heute als Oldies laufen. Wie wir mittlerweile wissen, sollte eine solche Alterskarriere den Hits dieser Jahre nicht mehr vergönnt sein, denn die nachrückende Flut aktueller Singles ist längst zu einem Maelstrom geworden, und das aufkommende Formatradio verschob ältere Titel aus dem Vollprogramm auf spezialisierte Nostalgie-Wellen.
Ausnahmen sind Klassiker wie Elvis oder die Beatles.
Und Weihnachtslieder.
Selbst der Dudelfunk hat alle Jahre wieder plötzlich für zwei Wochen ein Herz für Streicher, Bigbands, Crooner und coole alte Entertainer – natürlich nur, wenn sie festliche Töne anschlagen.

Jona Lewies Song „Stop The Cavalry“ ist qua Konzept ein Friedenslied, obwohl er zu heiter und verspielt ist, um von der Antikriegsbrigade akzeptiert zu werden. Außerdem erschien er zu einer Zeit, als Demonstrationen noch andere Schwerpunkte hatten: die erste große Umweltschutzwelle rollte, und sonst protestierte man hauptsächlich gegen zivil genutzte Atomkraft.
Wegen einiger weniger Takte am Ende des Refrains – als der Sänger davon träumt, Weihnachten zu Hause verbringen zu dürfen – kam aber das Gerücht auf, es müsste sich bei diesem Song um ein Weihnachtslied handeln (besonders bei uns Halbstarken, die den Text nur phonetisch mitsangen, aber die Glöckchen im Arrangement hörten und sich das Wort „Christmas“ erklären ließen).

Dieser Ruf muss sich erhalten haben, denn ab und zu läuft „Stop The Cavalry“ Jahr für Jahr im Festprogramm; ich hab ihn gerade wieder aufgeschnappt. Und das bedeutet wieder ein paar Piepen unter dem Christbaum des guten Jona Lewie.

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„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (63)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/10/06/19056/

Fortsetzung vom 16. Dezember 2022

„Schnell, ins Zelt!“ rief Doc in der Mayasprache. Er rief es in einem Ton, der sich von seinen Flüchen nur unwesentlich unterschied. Er buddelte so lange im Schnee, bis er die Münze gefunden hatte. Als er das Zelt betrat, saß Monk mit unschuldigem Gesicht in einer Ecke. Der Posten hatte ihn nicht bemerkt.
Der Playboy hatte sich wieder in seine Decken gewickelt und schlief. Trotz seiner Jugend schien er ein körperliches Wrack zu sein. Doc berührte ihn vorsichtig. Der Playboy wälzte sich auf die andere Seite und fing an zu schnarchen. Er schlief also wirklich.
„Wo ist der Kasten, Monk?“ flüsterte Doc.
„In einem Schneehaufen vierzig Schritte vor dem Zelt“, erwiderte Monk ebenso leise. „Wenn du meinen Fußspuren folgen könntest, würdest du . . .“
„Schon gut.“ Doc schnitt ihm das Wort ab. „Halte die Stellung und mach keine Dummheiten.“
„Willst du weg? Aber der Posten . . .“
Doc zog ein scharfes Messer aus der Tasche und schlitzte die Rückwand des Zeltes auf. Er kroch hindurch und band den Schlitz mit einem Stück Schnürsenkel wieder zu. Monk türmte von innen einige Felle und Decken davor, so dass die Öffnung nicht zu sehen war.
Im weiten Bogen schlich Doc geduckt um das Zelt und fand mit einiger Mühe Monks Fährte, die Wind und Schnee schon fast ausgelöscht hatten; er ertastete sie mehr als er sie sah. Er entdeckte den Kasten, zog sich noch weiter vom Lager zurück und klappte ihn auf. Der wichtigste Gegenstand war ein tragbares Kurzwellengerät.
Zehn Minuten verbrachte Doc mit dem vergeblichen Versuch, Kontakt mit Ham und Long Tom aufzunehmen. Er war sehr beunruhigt. Er untersuchte das Gerät, aber anscheinend war es in Ordnung. Also war bei Ham und Long Tom etwas nicht in Ordnung.
Er packte das Gerät wieder ein und stopfte sich die Taschen mit dem Inhalt der Kiste voll, soviel er davon unterbringen konnte. Er vergrub den Kasten und das Funkgerät wieder im Schnee, dann kroch er zu einem der Iglus, in denen die Eskimos lebten. Er schob sich in den niedrigen Tunnel und an den kleinen Vorratsiglus vorbei in den grollen, aus Eisblöcken gebauten Raum.

Der Boden war mit Fellen bedeckt. Die Wände und die Decke waren von blakenden Tranlampen geschwärzt, und rings um den Rauchabzug in der Mitte hatte sich Ruß in dicken Schichten abgelagert. Die Lampe brannte; bei ihrem Schein sah Doc einige vermummte Gestalten, die rings um einen Eisblock, der offenbar als Couch oder Paradesessel diente, auf der Erde schliefen. Doc trat zu einem der Schläfer und klopfte ihm auf die Schulter.
„Aput“, sagte er. „Erschrick nicht — ich bin Doc Savage.“
Aput schlug die Augen auf. Er war ein alter, stämmiger Mann mit zerknittertem Gesicht. Verblüfft starrte er Doc an.
„Doc Savage“, murmelte er. „Er sieht nicht so aus, aber es ist seine Stimme …“
Aput gehörte zu der Gruppe Eskimos, die Sunlight auf der Felseninsel in der Nähe der blauen Kuppel angetroffen hatte. Er war einer der Eskimos, die Sunlight offen in die Augen geblickt und behauptet hatten, keine große blaue Kuppel zu sehen, weil es sie gar nicht gab. Das war natürlich nur ein Trick gewesen, um Sunlight zu verwirren.

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Die schönsten Hörspiele, die ich kenne (21): „Corpus Delicti“

Dieses Familiendrama von Charles Maitre entstand 1970 beim BR. Credits, Hintergründe und komplette Präsentation unter https://www.bremenzwei.de/audios/hoerspiel-kein-mucks-226.html

„Warum haben Sie keine Meldung gemacht?“ – „Vielleicht aus Angst, man könnte sie wiederfinden. Seit drei Tagen herrscht eine wunderbare Ruhe hier im Hause. Das Verschwinden meiner Frau bereitet mir einiges Vergnügen. Wieso sollte ich so tun, als ob ich zutiefst verzweifelt wäre? Schreiben Sie Ihren Bericht, und machen Sie sich um mich keine Sorgen! Ich bin mit meinem Gewissen im Reinen!“

Marthe Moureau ist verschwunden. Als Oberhaupt einer kleinstädtischen Familie war sie unbeliebt, denn sie regierte mit starker Hand, auch wenn sie und ihr Mann Eduard ihrer Verwandtschaft aus einigen Nöten heraushalfen. Eduard ist der Erste, der zugibt, dass ihn die mysteriöse Abwesenheit seiner Frau aufrichtig freut. Er bleibt auch dann noch dabei, als die Polizei zu ermitteln beginnt …

Alte Krimi-Hörspiele sind ein zweischneidiges Vergnügen. Ihre szenische Atmosphäre ist unter den heutigen Produktionsbedingen nicht mehr herstellbar (nur ganz wenige der alten Ateliers sind noch in Betrieb). Doch die unfreiwillige Komik, die sich aus den putzigen Umständlichkeiten der Nachkriegszeit (von der Sorte: „Jim ist der Kosename von James.“), einer arg konstruierten Handlung ohne jede Logik (siehe Francis Durbridge) und einer betulichen Auffassung von weltläufiger Lebensart und Polizeiarbeit ergibt, steht der angestrebten Spannung oftmals im Wege.
Das Kammerspiel „Corpus Delicti“ weist keinen einzigen dieser Mängel auf. Das Buch ist bei aller Deftigkeit menschlich einleuchtender als uns lieb ist, die Dialoge sind frei von den zeittypischen Klischees und Verkrampfungen. Außerdem haben wir es hier mit dem seltenen Fall eines perfekten Verbrechens zu tun. Dass ausgerechnet Rene Deltgen die männliche Hauptrolle spricht, der sich als onkelhafter Star der „Paul Temple“-Reihe unter Tonnen von Krimi-Trash beerdigt hat, gibt diesem Glücksfall eine besondere Ironie.

Vor wenigen Jahren hat mit dem Podcast „Kein Mucks!“ endlich eine gründliche Zugänglichmachung historischer Hörspiele eingesetzt. Nur zwei Dinge sind daran zu kritisieren. Bedauerlich ist, dass sich bislang nur um Krimis gekümmert wird – immerhin lässt der Erfolg der Reihe auf eine entsprechende Ausweitung der Bemühungen hoffen. Ärgerlich ist, dass in der gut recherchierten Moderation des Podcasts immer wieder von „verschollenen“ Hörspielen die Rede ist. Lasst uns bei der Wahrheit bleiben, Freunde: die betreffenden Bänder gingen nicht versehentlich verloren, sie wurden mutwillig gelöscht, weil es den Verantwortlichen an historischem Bewusstsein mangelte. Wer das aus unerfindlichen Gründen nicht zugeben will, der sollte es lieber unerwähnt lassen.
Wir leben in einer Epoche, in der analoge Archivbestände in nie dagewesener Weise vernichtet werden, um sie nicht aufwändig digitalisieren zu müssen.
Beliebte Podcasts wie „Kein Mucks!“ können dazu beitragen, dass dieses grauenvolle Treiben zumindest vor den Schatzkammern des Rundfunks Halt macht … einstweilen. 

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