Zum Franchise

Wenn Begriffe aus einem Fachbereich in einen anderen hinüberwandern, sich vage an seiner eigentlichen Bedeutung orientierend, dann ist das niemals ein gutes Zeichen. Man denke nur an schöne Dinge wie Oper, Zirkus und Theater, die sogleich einen unflätigen Klang annehmen, wenn man sie etwa auf das Familienleben oder die Effizienz einer Abteilung im Unternehmen anwendet.
Auch wenn das niemand zugeben wird: mit dem Begriff „Franchise“ verhält es sich genauso, seit er in kulturellen Kontexten Verwendung findet. Im Zusammenhang mit Hollywood ist seine Bedeutung schlicht verheerend.

In seiner aktuellen politischen Kolumne im „Spiegel“ gebraucht ihn Markus Feldenkirchen für eine niedergehende Partei (da passt er gut hin, ist aber wiederum kein Kompliment).
Feldenkichen erinnert uns: „Franchise bedeutet, dass ein Oberboss sich ein Produkt ausdenkt, dann genau festschreibt, wie dieses Produkt zu sein hat und wie die Räumlichkeiten aussehen sollen, in denen das Produkt verkauft werden soll, ehe dann andere, sogenannte Franchisenehmer, die einzelnen Filialen zwar irgendwie leiten dürfen, im Kern aber fremdbestimmt sind. Vom Oberboss oder irgendeinem Headquarter. Denn das gehört zum Franchisebegriff dazu: dass die lokalen Leiter [eines Kettenrestaurants] nicht einmal die Dicke des sauren Gürkchens im Cheeseburger ändern dürfen, ohne Ärger mit dem Headquarter zu bekommen.“
Wer sich vorstellen kann, dass unter derartigen Bedingungen kreative Arbeit auch nur denkbar sei, der hat einen völlig anderen beruflichen Background und ganz andere Interessen.

In der alten Zeit des Studiosystems gab es diese End-Bosse auch. Doch sie überließen die künstlerische Ausführung letztlich ihren Angestellten und straften unter Umständen das Endergebnis ab. Sie verstanden ihr Handwerk, obwohl sie selten angenehme Menschen waren – so das Urteil eines Kenners und Leidtragenden der Verhältnisse, des klassischen Hollywood-Regisseurs Jack Arnold. Auch sein arrivierterer Kollege Billy Wilder hat sich in diesem Sinne geäußert. Man stelle sich vor, was etwa Walt Disney – seinerzeit einer der kleineren Studiobosse – empfinden würde, dürfte er sich ein aktuelles Produkt seines Imperiums ansehen. Vergessen wir nicht: Disney war zunächst selbst Künstler. Das sind die Bosse unserer Tage nicht.

Veröffentlicht unter Medienphilosophie | Verschlagwortet mit , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Kultfilm Azubis: Helden wie sie im Buche stehen

Literarische Krimihelden mit Leinwanderfahrung stehen im Mittelpunkt der heutigen Folge unseres Podcasts. Der Hauptfilm wurde uns mehrmals vonseiten des Publikums angetragen:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/eine-leiche-zum-dessert-blutsverwandte

Eine Leiche zum Dessert / Murder By Death
Amerikanische Krimiparodie von 1976

Der exzentrische Millionär Lionel Twain lädt die fünf berühmtesten Detektive der Welt nebst Anhang zu einem Wochenende in sein in gruseliger Einöde gelegenes Landhaus ein. Schon aus Eitelkeit erscheinen sie alle, denn neben einem üppigen Dinner wird ihnen ein Mord versprochen. Der Hausherr erklärt ihnen, dieser würde sich um 12 Uhr ereignen, Täter und Opfer säßen bereits mit am Tisch. Dem siegreichen Ermittler winkt eine Million Dollar. In der Tat verwandelt sich das Anwesen um Mitternacht in ein Tollhaus – doch wer nun eigentlich tot oder lebendig ist, ist eines der vielen Rätsel, die zu lösen sind.

Neil Simon war zeitweise der erfolgreichste Theaterautor des Broadway – und bleibt einer der witzigsten. Mit dieser Genreparodie fügte er seinen zahlreichen Filmadaptionen ein Originaldrehbuch hinzu, das er noch am Set verfeinern konnte. Die sowohl literarisch als auch filmisch wichtigsten fiktiven Krimihelden der Zeit – Hercule Poirot und Miss Marple, das elegante Ehepaar Charles aus der „Thin Man“-Serie, Charlie Chan sowie ein Hybrid aus den Hard-boiled-Detectives Sam Spade und Philip Marlowe – werden von einem ebenso schillernden Filmstar-Ensemble verkörpert und von den Giganten ihres Mediums synchronisiert. Dass die große Myrna Loy vor diesem Spaß zurückschreckte, weil ihr das Drehbuch zu gewagt war, erweist sich im Rückblick als prophetischer Akt der traurigen Sorte.

B) Blutsverwandte / Les Liens de Sang
Französisch-Kanadischer Thriller von 1977

Die 17jährige Muriel Stark wird nachts in einem Hauseingang erstochen, wo sie nach einer Party vor einem Wolkenbruch Schutz gesucht hatte. Die Augenzeugin, ihre 15jährige Cousine Patricia Lowery, kommt völlig verstört und mit Schnittwunden auf die Polizeiwache und meldet den Vorfall. Nach ein paar Tagen widerruft sie ihre Aussage und nennt ihren 19jährigen Bruder Andrew als den Mörder. Als Detective Carella an Muriels Tagebuch gelangt, lernt er nicht nur das Opfer besser kennen, sondern auch ihren Cousin und eifersüchtigen Liebhaber Andrew. Carella taucht in das Leben der drei Teenager ein …

Unter den Titel „Blood Relatives“ war dieser Film so etwas wie ein Ausflug des französischen Starregisseurs Claude Chabrol in den Hollywood-Mainstream, die Figuren sind erheblich freundlicher gezeichnet seinen französischen Filmen. Das aus Ed McBains Kriminalromanen berühmte „87. Revier“ wird nach Montréal verlegt, sein Held Steve Carella vom kanadischen Weltstar Donald Sutherland verkörpert.

Nächste Woche: Blue Velvet und Caché

Veröffentlicht unter Film, Krimi, Literatur, Podcast, Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Was macht eigentlich ein Lektor?

Autor ist einer der schönsten Berufe der Welt, obwohl man hin und wieder von Selbstmitleid befallen wird: Leser und vor allem Kunden (Verlage, Sender …) neigen dazu, das geschriebene als ohnehin vorhanden zu betrachten. So wie Musikfreund mitunter denkt: es ist alles schon da und kommt kostenfrei aus dem Smartphone.
Weiterhin wird die Eitelkeit des Schreibenden von der regelmäßigen Nachfrage überschattet, was man dem Publikum an Niveau und handwerklicher Sorgfalt zumuten sollte und was nicht.
In der ihm eigenen trocken-humorigen Art berichtet Philip K. Dick in seiner Kurzgeschichte „Not By It’s Cover“ (leider trägt die deutsche Übersetzung den albernen Titel „Einwand per Einband“) zwischen den Zeilen auch von solchen Anliegen. In der Hauptsache geht es um die Letzten Dinge, wie sich das bei ihm gehört. Es ist ein Text, der insgesamt einfach Spaß macht – und Autoren ganz besonders.
Fans des Schriftstellers können sich noch über einen Querverweis auf einen seiner Klassiker freuen: „Und jenseits – das Wobb“.

Veröffentlicht unter Literatur, Medienphilosophie, Science Fiction | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

Veröffentlicht unter Cartoon (eigene Arbeiten), Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , | Schreibe einen Kommentar

Häppchen für Erregbare

„Rage Bait“ („Wut-Köder“) bedeutet „etwas Provozierendes“. Es ist die Umkehrung von „der heiße Scheiß“ ins Negative und außerdem der „Begriff des Jahres 2025“ in Großbritannien. In der damit bezeichneten Wutkultur gilt: je kranker und absurder desto besser. Denn gezielte Provokation in Form von Lügen, Übertreibungen und Falschnachrichten sind effektiv, wenn es gilt, ohne Anstrengung möglichst viel Aufregung, Interaktionen und gewinnbringende Klicks zu generieren. Der Algorithmus belohnt Kontroversen mit höherer Reichweite. Sie sind der emotionale Klebstoff der Menschen möglichst lang auf den Plattformen hält und die Kassen der Tech-Konzerne klingeln lässt.
Das Ö1-Magazin „Digital.Leben“: »Rage Bait ist effektiv und billig herzustellen. Die Kosten tragen die Gesellschaft, die Demokratie und die Diskussionskultur. Ritchie Pettauer, Kommunikationsexperte vom Publizistikinstitut der Uni Wien: „Wenn man es ständig mit Extrempositionen zu tun hat, verliert man das Gefühl für die Mitte und das verringert sich grundsätzlich die Dialogbereitschaft. Ich glaube, das ist der größte Schaden für die Demokratie.“ Nach seiner Überzeugung hat sich Rage Bait vom Social Media-Jugendslang zu einem Leitbegriff der modernen Aufmerksamkeitsökonomie entwickelt. Als Gegenmittel empfiehlt er: „Ignoranz! Das ist die höchste Form der Abstrafung. Möglichst schnell weiterscrollen, das Video nicht fertigschauen. Damit verhindert man seine Verbreitung. Aber man muss aufpassen, dass man die Balance hält. Wer sagt: ich reagiere auf gar nichts mehr, das mich emotional triggert, wird auch an Dialogqualität einbüßen.“ «

Veröffentlicht unter Gesellschaft, Medienkunde | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

Veröffentlicht unter Cartoon (eigene Arbeiten), Fernsehen, Gesellschaft, Kabarett und Comedy | Verschlagwortet mit , , | Schreibe einen Kommentar

Die wiedergefundene Textstelle: Monolog des Augenarztes

Verbrechen und andere Kleinigkeiten
Crimes And Misdemeanors

Orion Pictures 1989
Drehbuch und Regie von Woody Allen

Zeit: Gegenwart
Ort: Hotel Waldorf Astoria

Der Augenarzt Judah Rosenthal (ein Mann Ende 50) hat seine Geliebte Dolores ermorden lassen, weil sie ihn erpressen wollte, ihretwegen seine Ehe aufzugeben. Rosenthal wundert sich, wie gut er mit seiner Schuld leben kann. Er philosophiert darüber mit dem von Woody Allen gespielten kleinen Filmemacher am Rande einer Hochzeitsfeier im Waldorf Astoria

Ben sagte mir, dass Sie Filme machen. Ich habe eine tolle Mordgeschichte für Sie. – Ich hab zuviel getrunken, verzeihen Sie bitte. Ich, äh … ich sehe, dass Sie lieber allein wären.
… Also gut. Dann erzähle ich ihnen meine Geschichte. Sie hat aber eine seltsame Wendung. Es ist eine Geschichte zum Frieren.
Nehmen wir an, da ist ein Mann, der sehr erfolgreich ist. Er hat alles. Auch eine glückliche Ehe. Aber wie das so ist, wenn eine solche Beziehung in die Jahre kommt … irgendwann leistet er sich eine Affäre. Mit einer jüngeren, sehr attraktiven Frau. Klar. Das ist ja der Witz an der Sache.
Und eines Tages klammert ihm diese Frau zu sehr. Er will Schluss machen, sie will nicht. Und sie erpresst ihn, sich zu entscheiden. Sie stellt ihm ein Ultimatum.
Er weiß sich keinen anderen Rat, als sich zu erkundigen, wo er einen Killer herbekommen könnte, um diese Frau … um seine Geliebte zu beseitigen. So etwas haben wir alle schon tausendmal im Kino gesehen, und dort ist es ja üblicherweise so, dass der Übeltäter – also in diesem Fall er selbst – Gewissensbisse bekommt. Dann macht er irgendeinen Fehler. Oder der der Killer macht einen … Wir haben uns jedenfalls angewöhnt, dass solche Untaten … der Ehebruch ist ja auch noch zu bedenken … dass solche Untaten bestraft werden müssen. Sogar in unmoralischen Geschichten mit sehr fiesen Figuren, kommt der Übeltäter normalerweise nicht davon. Seine Schuld wird ihn einholen, auf die eine oder andere Weise.
Mein Held ist natürlich auch so geprägt, er hat diese Filme auch gesehen. Und ihm, einer Stütze der Gesellschaft, ist es gar nicht wohl dabei, sich mit solchem Halbweltgesindel einzulassen. Aber schließlich kommt er zu dem Ergebnis, dass er keine andere Wahl hat. Er lässt seine Geliebte ermorden.
Rein organisatorisch geht alles gut, niemand verdächtigt ihn, mit der Sache zu tun zu haben, auch seine Frau hat nichts von der Affäre mitbekommen.
Jetzt bleibt noch sein Gewissen. Nachdem die schreckliche Tat also vollbracht ist, stellt er fest, dass ihn ein tiefsitzendes Schuldgefühl quält. Kleine Funken aus seinem religiösen Hintergrund, den er bisher abgelehnt hatte, tauchen plötzlich wieder auf. Er hört die Stimme seines Vaters. Er stellt sich vor, wie Gott jede seiner Bewegungen beobachtet. Plötzlich ist das Universum nicht mehr leer, sondern voller Gerechtigkeit und Moral, und er hat sich dagegen vergangen. Panik erfasst ihn. Er gerät an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Um ein Haar hätte er es der Polizei gestanden.
Und dann, eines Morgens, wacht er auf. Die Sonne scheint, seine Familie ist bei ihm, und auf rätselhafte Weise ist die Krise vorüber. Er macht mit seiner Familie Urlaub in Europa, und die Monate vergehen. Er stellt fest, dass er nicht bestraft wird.
In Wahrheit hat er sogar Erfolg. Der Mord wird jemand anderem zugeschrieben: einem Penner, der schon mehrere Morde auf dem Gewissen hat, und deshalb … Ich meine, auf einen mehr oder weniger kommt es nicht an. Jetzt ist er vollkommen frei. Sein Leben verläuft wieder in den gewohnten Bahnen. Er lebt wieder in seiner geschützten Welt des Reichtums und der Privilegien.
Jetzt sehen Sie mich so komisch an. Aber wieso? Alle Menschen tragen doch Sünden mit sich herum. Manche von ihnen richtig schlimme Untaten. Was sollte er denn machen? Sich stellen? Nein! Na ja, vielleicht hat er hin und wieder Gewissensbisse, aber mit der Zeit verschwinden auch die.
Ich sagte ja, es ist eine Geschichte zum Frieren. Die Wirklichkeit zwingt uns zur Vernunft. Wir müssen leugnen, sonst können wir nicht weiterleben.
In der Literatur wäre so eine Geschichte eine Tragödie. Oder im Kino. … Sie gehen zu oft ins Kino. Ich spreche von der Wirklichkeit. Wenn Sie ein Happy End wollen, müssen Sie ins Kino gehen.

Bearbeitet von Monty Arnold

Veröffentlicht unter Film, Manuskript | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Unter lärmenden Kretins

Der alte Autorenfilmer und Kinskiversteher Werner Herzog hat mich mit seinen schrägen Äußerungen vor laufender Kamera stets irritiert. Sein langes „Spiegel“-Interview liest sich hingegen ganz großartig (wenn er von seinem amerikanischen Exil auch ein klein wenig gut reden hat, was das strategische Wohlverhalten in Deutschland betrifft).
Bei seinen Auftritten in den Sozialen Medien lege er Wert auf „inhaltliche und erzählerische Substanz“, der Mittelklasse attestiert er „das existenzielle Wesensmerkmal (…) Panik. Ohne Panik kann sie nicht existieren“. In unserem Umfang mit der AfD erblickt er „diese Mischung aus Wehleidigkeit und Zorn“. Vor den Produkten der KI fürchtet er sich nicht, denn „es sind Totgeburten“. Sie „lassen sich sofort enttarnen, weil ihre Oberflächen vollkommen glatt sind und versehen mit einem optimistischen Säuselton. Die KI wird in 2000 Jahren keinen Film machen, der nur halb so gut ist wie einer meiner Filme.“ Den Filmemachern von heute ruft er zu: „Ohne Lesen werdet ihr nie einen guten Film machen!“ Und warum ist Lesen so wichtig? „Bücher sind intensiv und transportieren Substanz, es ist nichts dazwischengeschaltet. Im Kino haben Sie immer Kamera und Technik, dazu Schauspieler mit ihrer merkwürdigen Psychologie, es gibt Finanzprobleme und die Postproduktion. Da sind immer Dutzende von Ebenen im Spiel, bis man ein Endergebnis auf der Leinwand hat. Literatur ist unmittelbar – fast so, wie ich jetzt mit Ihnen spreche.“ Und wenn eines Tages niemand mehr liest? „Wir würden etwas verlieren, was zutiefst menschlich ist. Dass wir mit einem anderen Kopf denken.“

Veröffentlicht unter Film, Gesellschaft, Literatur, Medienphilosophie | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Kultfilm Azubis: Haie im Wolkenkratzer

Der Rückweg vom Rentierschlitten auf den Boden der Tatsachen führt an den Chefetagen der Wolkenkratzer vorbei, in denen die New Yorker Großkapitalisten sitzen. Zwei wild entschlossene Aufsteiger kommen uns auf ihrem Weg nach oben in der ersten Podcast-Ausgabe des Neuen Jahres entgegen:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/wall-street-wie-man-erfolg-hat-ohne-sich-besonders-anzustrengen

A) Wall Street

Amerikanisches Gesellschaftsdrama von 1987

Im New York der 80er erarbeitet sich der aus einfachen Verhältnissen stammende Yuppie und Börsenmakler Bud Fox (Charlie Sheen) ohne das Wissen seines Chefs das Vertrauen von Gordon Gekko (Michael Douglas). Der enigmatische Finanzhai mag den gelehrigen jungen Burschen und überzeugt ihn davon, auch Insidergeschäfte und andere krumme Touren nicht abzulehnen. Fox‘ Familien- und Beziehungsleben verzahnt sich immer mehr mit dem Imperium seines Förderers. Das wird sich als gefährlich erweisen.

In den 80er und 90er Jahren hatte Oliver Stone bei kommerziellen reißerischen Dramen und Thrillern, die dem Publikum das vage Gefühl einer Haltung vermittelten, die Nase in Hollywood so weit vorn wie Gordon Gecko die seine an der Wall Street. Die Filme des Regisseurs haben die Zeit unterschiedlich gut überstanden. Während etwa die Freude über seine Aufarbeitung der Kennedy-Ermordung inzwischen von diversen Faktenchecks vermiest wurde, bietet „Wall Street“ heute eine treffliche Zusammenfassung des ersten Jahrzehnts im entfesselten Neoliberalismus. Keine wertende übrigens. Selbstverständlich gab es inzwischen auch eine Fortsetzung.

B) Wie man Erfolg hat, ohne sich besonders anzustrengen / How To Succeed In Business Without Really Trying
Broadway-Musial-Verfilmung von 1968

J. Pierpont Finch folgt dem verlockenden Taschenbuch-Ratgeber „Wie man Erfolg hat, ohne sich besonders anzustrengen“ und steigt tatsächlich binnen Tagen vom Fensterputzer zum Aufsichtsratsvorsitzenden einer großen Firma auf, von der wir nie erfahren, womit sie sich eigentlich beschäftigt. Finch helfen seine Chuzpe, der Zufall und die Zuneigung der Sekretärin Rosemary, die er jedoch beinahe ignoriert. Am liebsten lässt er die Torheit seiner Konkurrenten für sich arbeiten, doch zur Not bringt er sie trickreich zu Fall.

Frank Loessers Bühnenmusical, das dem Film zugrundeliegt, basiert auf einem Roman von Sheperd Mead und erhielt 1962 den Pulitzerpreis. Es ist ein Segen, dass die Broadway-Besetzung sich ungewöhnlicherweise in der Verfilmung erhalten hat. Somit kommen wir auch in den Genuss der Allround-Performance von Robert Morse, dem verblüffendsten Musical-Filmhelden seit James Cagney in „Yankee Doodle Dandy“. Die Choreographie stammt von Bob Fosse.

Nächste Woche: auf mehrfachen Wunsch Eine Leiche zum Dessert sowie Blutsverwandte

Veröffentlicht unter Film, Filmmusik / Soundtrack, Gesellschaft, Kabarett und Comedy, Musicalgeschichte, Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Wie schlug sich die greise Nachwuchskraft?

Nachtrag zum 11. Dezember 2025

Heute geht mit „Eine tödliche Hochzeit“ die vierteilige Hörbuch-Reihe im SRF Krimi Podcast zuende, in der vier von zwölf neu verfasste „Miss Marple“-Krimis präsentiert wurden. Das gewissermaßen unausweichliche Qualitätsgefälle zu den Originaltexten von Agatha Christie zieht sich durch die kurze Reihe, obwohl der letzte Fall immerhin einen launigen Sound hat. Verblüffend war, wie wenig sich die zeitgenössischen Autorinnen für den Charakter ihrer Protagonistin interessiert haben. Susanne Janson, die die Lesungen für den SRF produziert hat, gab im Gespräch mit ihrem Podcast-Kollegen Wolfram Höll sogar selbst zu, sich mit den Marple-Romanen eigentlich nicht auszukennen. (Der hier schon erwähnte klassische Fall „The Mirror Crack’d From Side To Side“ wird erst jetzt von ihr gelesen …)
Als Hörgenuss sticht die 2. Folge ein wenig heraus. Der Vortrag von Patrick Güldenberg ist überdurchschnittlich (gefolgt von Janna Horstmann in Folge 4), und auch der Soundtrack der „Jadekaiserin“ lohnt bereits das Anhören. Ich wünschte, ich könnte die Musik von Yang Jing auf Tonträger erwerben. Stilistisch erinnert diese Geschichte allerdings eher an Håkan Nesser als an Agatha Christie.
Es hätte schlimmer kommen können.

Veröffentlicht unter Hörbuch, Hörfunk, Krimi, Literatur, Podcast, Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar