„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (40)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/10/06/19056/

Fortsetzung vom 6.7.2022

12. Kapitel
Die Attacke (Island Raid)

Doc antwortete nicht; er verließ sich darauf, dass Ham und Monk ohnehin bald alles erfahren würden. Er öffnete einen der Ausrüstungskästen und zog drei Tauchgeräte heraus. Die Männer legten die Geräte an, klemmten die Kästen unter den Arm und stiegen ins Wasser.
Doc trug am Handgelenk einen phosphoreszierenden Kompass, mit dem er sich auch unter Wasser orientieren konnte. Er richtete sich nach dem Kompass, bis sie die Insel erreicht hatten, dann drehte er ihn nach innen, damit die Leuchtzeichen ihn nicht verrieten.

Leise stiegen sie aus dem Wasser und schlichen zu einer Mulde, die der Fluss in die Felsen gegraben hatte. Vor ihnen lag ein niedriges Kliff, das in regelmäßigen Abständen in gleißendes Licht getaucht wurde, wenn es in den Kegel des Leuchtfeuers weiter stromaufwärts geriet. Hinter dem Felsen lag das burgähnliche Gebäude.
Es klickte leise, als Doc abermals einen der Kästen öffnete; Ham und Monk fühlten, wie ihnen Kopfhörer in die Hand gedrückt wurden. Sie stülpten die Kopfhörer über. Sie hörten ein Stimmengewirr, von dem sich allmählich eine Stimme deutlich abhob.
„Civan“, sagte die Stimme, „weißt du noch, wie wichtig Serge Manow für mich war?“
„Serge Manow war Ihr größter Feind“, erwiderte Civan.
„Genau“, sagte die andere Stimme. „Und jetzt hab‘ ich einen anderen größten Feind.“
„Wen?“ fragte Civan.
„Savage“, sagte die bedrohliche Stimme. „Civan, ich möchte am liebsten in der Umgebung von New York bleiben und diesen Savage erledigen, aber es ist nicht möglich. Ich habe andere Pläne, die ich nicht gefährden darf. Savage könnte sie gefährden. Deswegen fliegen wir in die Arktis.“
„Ja, Sir“, sagte Civan.
„Ich habe Verabredungen mit Männern getroffen, mit denen ich ins Geschäft kommen möchte“, sagte die Stimme. „Sie werden ebenfalls in die Arktis kommen, aber nicht gleichzeitig, sondern einer nach dem anderen.“
Schritte verklangen.
„Wer ist der Mann?“ flüsterte Monk.
„John Sunlight“, sagte Doc.
„Aber wieso …“
„Ich war vorhin schon einmal hier“, sagte Doc. „Es ist mir gelungen, bis zum Haus zu schleichen und an einigen Fenstern Haftmikrophone zu befestigen. Hinein konnte ich nicht — das Haus wird zu gut bewacht. Übrigens befindet sich rings um die Insel eine Alarmanlage, sie wird von Bojen getragen. Kein Boot könnte sich unbemerkt der Insel nähern.“
„Deswegen sind wir also geschwommen“, sagte Monk. „Alles klar. Aber warum liegen wir hier herum? Wir vergeuden nur Zeit …“

Oben an der Treppe, die zum Haus führte, stand ein Posten, ein dunkelhäutiger, dunkelhaariger Mann. Er dachte an die Monate, die er auf dem Eisbrecher in der Arktis verbracht hatte. Er dachte daran, wie und wovon er und die anderen unterwegs gelebt hatten, und ihm war ein wenig elend.
„Beregeeles!“ schrie eine Stimme aus einem der Fenster. „Pass auf, du dummer Hund! Siehst du das Feuer nicht?“
Der Posten setzte sich in Trab, entdeckte einige Yards weiter unten am Weg ein Feuer und rannte hin. Das Feuer war nicht der Rede wert. Anscheinend hatte jemand einen Zigarettenstummel weggeworfen, und einige dürre Grashalme hatten Feuer gefangen. Sie qualmten mehr als sie brannten.
„Jemand hat eine Zigarette weggeworfen!“ rief er zum Haus hinauf.
Inzwischen waren Doc, Ham und Monk längst in dem burgähnlichen Gebäude. Doc hatte das Feuer entfacht, aber nicht mit einer Zigarette.
Doc ging voraus. Er durchquerte ein Foyer, das so groß wie ein kleiner Saal war, öffnete geräuschlos eine Tür und schob sich hindurch.
Sunlight war nicht im Zimmer; dafür saß Civan am Tisch.
Er entdeckte Doc, stieß einen Schrei aus und eilte zu einer anderen Tür. Er konnte Doc nicht erkannt haben, denn Doc trug einen kugelsicheren transparenten Helm, der zugleich als Gasmaske diente, und ein glitzerndes Kettenhemd.

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Vom Gendern

Hier würde Gendern nicht nötig sein – die korrekte Einordnung der Schöpferin von „Mary Poppins“ hätte genügt. – Vorwort eines Kinderbuchs von 1969.
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Han Solo privat

betr.: 80. Geburtstag von Harrison Ford

Als jemand, der „Star Wars“ aus tiefstem Herzen abscheulich findet, kenne ich Harrison Ford vor allem aus den Heldenrollen, die er jenseits seiner beiden wichtigsten Filmreihen gespielt hat. Er war darin stets – egal ob er den US-Präsidenten, einen Geheimagenten oder tatsächlich einen Mann aus dem Volk verkörperte – ein grundanständiger Bürger der Mittelklasse (vielleicht mit etwas mehr Charisma), der außerplanmäßig in eine wüste Action verwickelt wird und sich darin verblüffenderweise bewährt. Seinem Gesicht war bis zuletzt eine gewisse Überraschung anzumerken (über die Action wie über seine Fähigkeiten), die vermutlich in Entrüstung umschlagen wird, sobald die Krise bewältigt und der Film vorüber ist.
Dieser Eindruck erstand wieder vor meinem Auge auf, als ich diese Anekdote von Thomas Gottschalk las: „Einmal habe ich ihn mit seiner Familie im Londoner Zoo gesehen. Da hat er Pizza für die Kinder geholt, und dann kamen die Wespen, und alle waren gestresst und haben gestritten. Da bringt’s dir auch nix, wenn du Indiana Jones bist. Ein anderes mal hat Ford, der ja auch Pilot ist, den Regisseur Wolfgang Petersen, dessen Frau und mich in seinem Flugzeug nach Las Vegas mitgenommen. Petersens Frau hat aus Versehen etwas Rotwein verschüttet. Ford saß dann verzweifelt schrubbend am Boden, der Fleck hat ihn wahnsinnig gemacht. So stellt man sich Hollywoodstars eigentlich nicht vor.“ Thomas Gottschalk will durch diese und ähnliche Erlebnisse zu der Einsicht gelangt sein: „Filmstars sind auch nicht glücklicher als andere Menschen“.

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Der Komiker als Filmheld (14): „Der Komödiant“

In dieser Reihe werden Filme vorgestellt, deren Helden Komiker sind. Nach einer kurzen Inhaltsangabe werden die Filme hauptsächlich danach beurteilt, wie kundig und glaubhaft sie diesen Beruf abbilden. (Meistens entspricht dieser Aspekt aber auch der Gesamtnote.) Biopics werden an anderer Stelle behandelt.

England um 1955. Der gealterte Music-Hall-Conférencier Archie Rice tritt in einem englischen Seebad auf.  Die Ehe mit seiner hochneurotischen Frau Phoebe ist eine Qual für beide und für die drei herzensguten erwachsenen Kinder Frank, Jean und Mick. Auch in besseren Tagen war Archie nie so souverän und erfolgreich wie sein Vater, der etwas klapprige aber fröhliche Billy.
Mick wird an die Front geschickt, Jean, die sich in sozialen Projekten engagiert, beobachtet mit Grausen, wie ihr Vater einer 19jährigen den Hof macht, der Zweitplatzierten einer von ihm moderierten Schönheitskonkurrenz. Archie verspricht dem Mädchen eine Revuekarriere und bringt ihre reichen Eltern dazu, seine nächste Produktion zu finanzieren.
Als Jean ihrem Großvater davon erzählt, hintertreibt er die Verbindung, indem er die Eltern des Mädchens darüber aufklärt, dass Archie keineswegs Witwer ist. Die Produktion, die Archie bereits angekurbelt hat, platzt. Der alte Billy, der die Folgen seines Handelns nicht vorhergesehen hat, lässt sich zu einer Rückkehr auf die Bühne überreden. Das wird ihm nicht gut bekommen …

Kurioserweise ist ausgerechnet die herzlose Unterhaltungsbranche von einer fachlichen Nachsichtigkeit, die in allen anderen Gewerken (Krankenpflege, Automechanik, Atomphysik, Einzelhandel …) in den Ruin bzw. in eine Umschulung führen würde – oder doch wenigstens zum Hinauswurf. Im Kultur- und Medienbetrieb ist diese Zwangsläufigkeit außer Kraft gesetzt, und so kann man sich beträchtliche Jahre darin halten, ohne den geringsten Funken von Instinkt oder Talent zu besitzen. Sieht man einmal von Fozzie Bär ab, dem schlechten Witzeerzähler aus der „Muppet Show“, wiegt die zu einem solchen Lebenswandel nötige Zähigkeit das Fehlen von Charme, Kunstfertigkeit, Timing oder gutem Material nicht auf. Das gilt besonders in der deutschen Comedy, wo man weder Weiterlesen →

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Vom Gendern

betr.: Monika Maron im Interview mit der „Welt am Sonntag“

„Eigentlich habe ich gedacht, dass es durch diese ernste Situation in der Ukraine ein Ende mit diesem ganzen Gendergewäsch nimmt, weil es eben nicht wichtig ist. Aber es wird immer extremer. Es versucht sogar das zu übertönen, was wirklich existenziell ist. Das ist beunruhigend.“

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Unter keinem Dach ein Ach

betr.: 19. Todestag von Winston Graham

Unser kultureller Mainstream durchläuft einen Zeitgeist, in dem unentwegt das Loblied auf die Institution der Familie gesungen wird. Gegenwärtig erscheint diese Keimzelle der Gesellschaft und des christlichen Abendlandes als ein Raum, in dem keine Gefahren drohen, keine Probleme lauern sondern deren Lösung wartet und in dem auf Loyalität und Fürsorge immer Verlass ist. Die unvermeidlichen Spannungen unter Angehörigen erscheinen schlimmstenfalls als harmloses Gerangel, und jedes Ungemach, das im wirklichen Leben auf die Nähe familiärer Strukturen angewiesen ist, wird geleugnet.
Dies geschieht sowohl in Genres, die (unwohlverstanden) dafür prädestiniert sind (romantische Komödien, Kinderfunk, Disney-Filme …) als auch dort, wo es mit einem Gewissen Aufwand hergeleitet werden muss („Star Wars“, Superheldenfilme, Thriller, Actionfilme …).
Die kreative Beschneidung durch diese einseitige Darstellung könnte auch glücklichen Familienmenschen auffallen. Sie bremst das erzählerische Konfliktpotenzial aus, das für wirklich fesselnde Erzählungen unerlässlich ist (von einem freiwilligen Realitätsverzicht ganz zu schweigen). Eine Unmenge großer Literatur und großen Theaters beruht auf solchen Konflikten, außerdem eine Unmenge amüsanter Seifenopern aus den 80er Jahren.

Ein Autor, der gegenwärtig in Redaktionen und Produktionsgesellschaften keinen Fuß auf den Boden bekäme, ist sicherlich Winston Graham, der die Romanvorlage für „Marnie“ lieferte und mit „Debbie“ (verfilmt unter dem Titel „The Walking Stick“) eine weitere junge Frau in Nöten in den Mittelpunkt stellte. Während sich bei „Marnie“ der familiäre Ursprung der schwelenden Schwierigkeiten erst im dritten Akt herausstellt, umfängt die abends heimkehrende Debbie schon im ersten Kapitel eine unverkitschte häusliche Atmosphäre. Sie schildert sie uns in der Rolle der Erzählerin.*

Vater und Mutter waren zu Hause; sie hatten das Abendessen schon fast hinter sich. Wir aßen immer in der Küche, sommers wie winters und sogar dann, wenn wir Besuch hatten. Es war ein langer Raum, der an ein Eisenbahnabteil erinnerte; am einen Ende war viel Platz zum Kochen und am anderen zu Essen. Die Gegend um den Herd sah wie der Kommandostand eines Weltraumfahrzeugs aus.
Abgesehen von meinem Schlafzimmer war die Küche der einzige gemütliche Raum im Haus.

Als ich hereinkam, war Dr. J. Douglas Dainton, Member oft he Royal College of Surgeons, Licentiate oft he Royal College of Physicians, gerade damit beschäftigt, einen Schmelzkäserest aus dem Silberpapier auf ein Knäckebrot zu kratzen. Gegen den Toaster gelehnt war ein Buch über Herzkrankheiten, das er zur gleichen Zeit zu lesen versuchte. Dr. Erica Dainton, Medicinae Baccalaureus, Chirurgiae Bacalareus, rührte in ihrer Kaffeetasse und las irgendein Paperback für Intellektuelle, dessen Titel ich nicht erkennen konnte. Als sie mich erblickte, gab sie der Brille auf ihrer Nase einen leichten Stups und sagte: „Du kommst wieder sehr spät. Bist du auf einer Party gewesen?“ – Sie wartete ständig darauf, dass ich plötzlich ein fröhliches Eigenleben entfalten würde.
„Nein, ich hab bloß meine Arbeit fertiggemacht. Habt ihr mir was zu Essen übriggelassen?“
„Selbstverständlich. Aber es wird längst kalt sein. Es kam auf den Tisch, bevor Minta gegangen ist.“
Mein Vater sah von seinem Silberpapier hoch und lächelte mich mit seinem Arztblick an. „Du bist ja ganz durchnässt, Debbie. Gott sei Dank muss ich heute nicht raus.“
Er ergriff das saubere Messer, das eigens zu diesem Zweck neben seinem Teller lag, und blätterte damit eine Seite um.
Nach einem kurzen Austausch über den öffentlichen Nahverkehr und dem Hinweis, Sarah habe für mich angerufen, war die Unterhaltung für den Augenblick erschöpft. In unserer Familie wurde eine Menge diskutiert, aber im Austausch von Banalitäten waren wir nie sehr gut. Als meine Mutter merkte, dass ich nichts mehr zu sagen hatte, zog sie ihre Brille dankbar wieder auf die Nasenspitze herunter. 


So etwas erzählt uns ein Autor (zumal gleich zu Beginn) nicht ohne Hintergedanken. Ich begann Übles zu ahnen.
Als ich diesen Text gemeinsam mit einem meiner Schüler analysierte (ein junger Mann Anfang 30, dessen Lebensgefährtin die Gründung einer Familie plant), meinte dieser, das seien doch alles sehr liebe Menschen.
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* Die Textpassage wird leicht gekürzt wiedergegeben.

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Vom Gendern

Kai Luehrs-Kaiser im rbbKultur Radio

Ich bin ein etwas nachlässiger, leicht unwilliger Genderer – und das ist kein Bekenntnis zu Dieter Hallervorden.
Als Gegner des Genderns möchte ich mich auch nicht aufspielen. Ich achte und respektiere die guten Absichten, die dahinterstecken mögen. Dennoch führt es sprachlich gesehen zu Murks, es ist nicht konsequent durchführbar. Wie gendert man bitteschön das Wort „eine“ bzw. „einer“? (Etwa so: „eine-R“?) Was macht man mit dem Wort „Bürgermeister“? Sagt man „Bürgermeister-In“? Wenn es nur so einfach wäre. Dann müsste man konsequenterweise sagen „Bürger-In-meister-In“ und in der Folge „Bürger-In-meister-In-Assistent-In“ – und was der Ungetüme mehr wären.
Schwerer als diese sprachästhetischen Einwände wiegt, dass das Gendern eine Pedanterie und Dogmatik verrät, die man nicht teilen muss und die überdies sprachphilosophisch vom Himmel gefallen ist. Worte beziehen ihre Bedeutung daraus wie sie verwendet werden und nicht aus kritischen Hinzufügungen.
Weiterhin ist das Gendern, wie es sogar in der „Tagesschau“ Einzug gehalten hat, ein binärer Code und damit eine mittlerweile recht grobe Unterscheidung. In einer Zeit da es gesetzlich vorgeschrieben ist, dass jede Busfahrerstelle in Goslar oder Tauberbischofsheim nicht nur für Männer und Frauen sondern divers ausgeschrieben werden muss, greift sie zu kurz. Es wird gern argumentiert, da seien ja „alle mitgemeint“. „Mitgemeint“ waren bisher – jedenfalls bei mir – schon immer alle.

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Wie man Filme kuckt

Ein Freund, mit dem mich eine Liebe zum Kino der guten alten Zeit verbindet, überließ mir ein Büchlein, das ihm jemand geschenkt hatte und dass er nun an mich weiterreichte, weil er es nicht wiederlesen wollte  –  wir beide sind Menschen, für die es das Natürlichste ist, einmal gelesene Bücher aufzuheben. Dieses Buch hieß „Im Kino“.
Als Nicht-Liebhaber der Kolumnen von Harald Martenstein wusste ich, was mein Freund meinte. Dennoch las ich es flüchtig. Die darin versammelten Kolumnen gefielen mir wieder nicht. Das Vorwort allerdings ist ein kleines Kunstwerk. Harald Martenstein schreibt über seine Art, Filme zu sehen und zu mögen, genau das, was ich auch als meine Art bezeichnen würde.
Da heißt es sinngemäß:

Filme sind so verschieden. Mit dem Film lässt sich mehr anstellen als mit dem Theater. Du kannst an einem Tag drei Filme sehen – drei Romane sind nicht zu schaffen. Ein langweiliger oder schlechter Film ist besser auszuhalten als schlechtes Theater oder schlechte Literatur.
Dass ich in meinen besten Zeiten nur 100 Filme pro Jahr geschafft habe – nicht 200 oder mehr, wie es sich für echte Spezialisten gehört -, finde ich in Ordnung, denn das Kino wird für Leute wie mich gemacht, für die hoffentlich nicht ganz blöde Masse, nicht für eine Handvoll Spezialisten.
Ein Film, den ich mögen soll, muss mich unterhalten. Das kann auch auf eine komplizierte, langsame und elaborierte Weise geschehen. Was ich zum Beispiel nicht mag, sind Filme, die klüger erscheinen wollen als sie sind, Angeber- und Bescheidwisserfilme, Werbefilme für eine bestimmte Meinung, manipulativen Kitsch und ranschmeißerische Zielgruppenfilme. Ich muss spüren, dass die Filmemacher nicht in erster Linie auf einem Egotrip sind oder einfach ein kommerzielles Rezept anwenden. Ich will spüren, dass sie bei der Arbeit an ihr Thema gedacht haben und an mich, ihr Publikum. Dass sie auf der Suche nach etwas gewesen sind. Im Idealfall vergesse ich dann, dass ich hinterher eine Kritik schreiben muss. Ich lasse mich willen- und meinungslos treiben, und am Ende ist es, als erwachte ich aus einem Traum.

Da er schonmal dabei ist, schreibt Martenstein auch, was er von einer guten (im Sinne von gutgeschriebenen) Kritik erwartet:

Kritiken müssen eine Meinung riskieren und damit das Risiko des Irrtums. Anders als Lexikonartikel dürfen sie ihre Subjektivität ruhig offen ausstellen. Dann fühle ich mich ernstgenommen. Natürlich sollten sie auch unterhaltsam sein!  

Besser kann man es nicht ausdrücken.

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Die wiedergefundene Textstelle: „… und nachher beginnt er wie ein Esel zu schreien“

betr.: 141. Jahrestag des ersten Auftritts von Pinocchio

„Pinocchio“ von 1939 gilt unter historisch gebildeten Disney-Spezialisten als dessen bester abendfüllender Zeichentrickfilm – bis heute, also das spätere Schaffen des Unternehmens berücksichtigend. (Ein kommerzieller Erfolg brachte er dem jungen Studio übrigens nicht, da durch den heraufziehenden Zweiten Weltkrieg die europäischen Märkte wegbrachen.)
Eine der unbestreitbaren Qualitäten des Films (auch wenn man „Bärenbrüder“ oder „Pocahontas“ persönlich schöner findet) ist seine Bereitschaft, echten Grusel zu verbreiten wenns drauf ankommt. Ich erinnere mich, dass mir die Szene, in der sich die missratenen Jungs zur Strafe in Esel verwandeln, wahrhaftig die Schuhe ausgezogen hat.
In der insgesamt sehr finsteren Romanvorlage von Carlo Collodi ist ausgerechnet diese Szene viel weniger grausam. Sie verzichtet auf die demütigende Geschwindigkeit, in der sich die Verwandlung im Film vollzieht. Pinocchio quasselt so lange, bis uns das spätere Ende des Fluchs fast als ausgemachte Sache erscheint. Das viele Gerede (es wird weiter unten etwas gerafft wiedergegeben) dient dem Erzähler als Plattform für seine struwwelpeterhafte Horror-Pädagogik. Disney war klug genug, auch hier einzugreifen und uns ein differenzierteres Bild der Verfehlungen anzubieten, die zu einer solchen Bestrafung geführt haben. Pinocchio und Lampwick (Docht) sind nicht nur Schulschwänzer und Ausreißer, sie saufen auch, rauchen, besuchen so etwas wie eine Spielhölle und zertrümmern die Einrichtung – während die Kinder im Roman mit Holzsoldaten spielen, in Theaterzelte gehen und mit Kohle freche Sachen an die Wand schreiben.

Fünf Monate währte schon dieses schöne Schlaraffenleben (die Tage gingen dahin, ohne dass man je ein Buch oder eine Schule zu Gesicht bekam), als Pinocchio eines Morgens beim Erwachen eine böse Überraschung erlebte.
Als er sich beim Erwachen natürlich am Kopf kratzte, musste er bemerken, dass seine winzigen Ohren um mehr als Handbreite gewachsen waren. Der Burattino hatte von Geburt an so winzige Ohren, dass man sie mit bloßem Auge kaum sehen konnte – jetzt sahen sie wie kleine Reisigbesen aus.
Weil er keinen Spiegel fand, schüttete er Wasser in ein Waschbecken, und als er sich darin spiegelte, sah er sein Ebenbild verschönert mit einem Paar kräftiger Eselsohren!
Er fing an zu weinen, zu schreien, den Kopf gegen die Wand zu schlagen; aber je verzweifelter er sich gebärdete, desto länger wurden seine Ohren.
Auf den Lärm hin kam das Murmeltier aus dem oberen Stockwerk herunter. Weiterlesen →

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„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (39)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

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Fortsetzung vom 28.6.2022

Monk wanderte am Ufer entlang und sah sich um. Das Gebüsch war ziemlich dicht, die Nacht einiger-maßen dunkel, es bestand also wenig Gefahr, dass sie entdeckt wurden. Er brauchte nicht sehr aufzupassen, er konnte es sich erlauben, an Fifi zu denken.
Er kehrte zu Ham zurück, der zur Insel hinüberstarrte.
„Ich hätte mich fast verlaufen“, sagte er.
„Das wundert mich nicht“, sagte Ham.
Monk setzte sich auf einen Stein. Der Stein lag nicht fest auf und kippte um. Monk fiel auf den Rücken und stöhnte.
„Ich hab mir weh getan“, teilte er mit.
„Gut!“ sagte Ham fröhlich.
Monk tastete nach dem Stein und überlegte ernsthaft, ob er ihn Ham an den Kopf werfen sollte, als dicht neben ihm plötzlich ein Schatten auftauchte. Es war nichts zu hören, der Schatten war ganz einfach da, als wäre er immer da gewesen.
„Doc!“ sagte Monk verblüfft.
„Ja“, sagte Doc ruhig. „Habt ihr die Ausrüstung mitgebracht?“
„Ich sitze darauf“, sagte Ham. „Doc, wo hast du gesteckt, was hast du mit den sieben Banditen angestellt? Was . .“
Doc ließ ihn nicht ausreden.
„Sie sind auf dem Dach längst wieder zu sich gekommen und halten bestimmt alles für einen Unfall. Ich bin den sieben Banditen gefolgt, glücklicherweise haben sie mich nicht gesehen. Sie sind jetzt da drüben auf der Insel.“
„Ich verstehe“, sagte Ham. „Dann ist also auch …“
„John Sunlight“, sagte Doc. „Ja, er ist auf der Insel. Wir werden eine Razzia machen und ihn uns schnappen.“
Sie nahmen die Kästen mit der Ausrüstung auf und kletterten hinunter zum Fluss. Die Kästen waren aus Metall, wasserdicht und hatten Griffe wie Koffer.

Am Wasser blieb Doc stehen.
„Wir müssen vorsichtig sein“, sagte er ruhig. „John Sunlight ist ungewöhnlich intelligent, es wird keine Kleinigkeit sein, ihn zu überwältigen.“
„Wir sind nicht ängstlich“, sagte Monk gelassen.
„Darum geht es nicht“, sagte Doc. „Ich will euch nur warnen. Auch Don Carlos, der Coronel, ist nicht ängstlich. Er ist der oberste Geheimagent eines kleinen, lateinamerikanischen Staats. Auch der sogenannte Playboy, zugleich Regierungschef in Lateinamerika, hat im allgemeinen keine Angst …“ „Von beiden hab‘ ich schon gehört“, sagte Monk. „Aber was hat das mit uns zu tun?“
„Sie haben immerhin soviel Angst vor Sunlight, dass sie auf Anhieb seiner Einladung gefolgt sind“, sagte Doc. Monk sah Doc befremdet an.
„Woher weißt du das alles?“ fragte er.

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