„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (39)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/10/06/19056/

Fortsetzung vom 28.6.2022

Monk wanderte am Ufer entlang und sah sich um. Das Gebüsch war ziemlich dicht, die Nacht einiger-maßen dunkel, es bestand also wenig Gefahr, dass sie entdeckt wurden. Er brauchte nicht sehr aufzupassen, er konnte es sich erlauben, an Fifi zu denken.
Er kehrte zu Ham zurück, der zur Insel hinüberstarrte.
„Ich hätte mich fast verlaufen“, sagte er.
„Das wundert mich nicht“, sagte Ham.
Monk setzte sich auf einen Stein. Der Stein lag nicht fest auf und kippte um. Monk fiel auf den Rücken und stöhnte.
„Ich hab mir weh getan“, teilte er mit.
„Gut!“ sagte Ham fröhlich.
Monk tastete nach dem Stein und überlegte ernsthaft, ob er ihn Ham an den Kopf werfen sollte, als dicht neben ihm plötzlich ein Schatten auftauchte. Es war nichts zu hören, der Schatten war ganz einfach da, als wäre er immer da gewesen.
„Doc!“ sagte Monk verblüfft.
„Ja“, sagte Doc ruhig. „Habt ihr die Ausrüstung mitgebracht?“
„Ich sitze darauf“, sagte Ham. „Doc, wo hast du gesteckt, was hast du mit den sieben Banditen angestellt? Was . .“
Doc ließ ihn nicht ausreden.
„Sie sind auf dem Dach längst wieder zu sich gekommen und halten bestimmt alles für einen Unfall. Ich bin den sieben Banditen gefolgt, glücklicherweise haben sie mich nicht gesehen. Sie sind jetzt da drüben auf der Insel.“
„Ich verstehe“, sagte Ham. „Dann ist also auch …“
„John Sunlight“, sagte Doc. „Ja, er ist auf der Insel. Wir werden eine Razzia machen und ihn uns schnappen.“
Sie nahmen die Kästen mit der Ausrüstung auf und kletterten hinunter zum Fluss. Die Kästen waren aus Metall, wasserdicht und hatten Griffe wie Koffer.

Am Wasser blieb Doc stehen.
„Wir müssen vorsichtig sein“, sagte er ruhig. „John Sunlight ist ungewöhnlich intelligent, es wird keine Kleinigkeit sein, ihn zu überwältigen.“
„Wir sind nicht ängstlich“, sagte Monk gelassen.
„Darum geht es nicht“, sagte Doc. „Ich will euch nur warnen. Auch Don Carlos, der Coronel, ist nicht ängstlich. Er ist der oberste Geheimagent eines kleinen, lateinamerikanischen Staats. Auch der sogenannte Playboy, zugleich Regierungschef in Lateinamerika, hat im allgemeinen keine Angst …“ „Von beiden hab‘ ich schon gehört“, sagte Monk. „Aber was hat das mit uns zu tun?“
„Sie haben immerhin soviel Angst vor Sunlight, dass sie auf Anhieb seiner Einladung gefolgt sind“, sagte Doc. Monk sah Doc befremdet an.
„Woher weißt du das alles?“ fragte er.

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Ars Gratia Artis

Der Lauf der Zeit bringt es mit sich, dass immer häufiger Leute pensioniert werden, die man persönlich oder dem Namen nach kennt. Ich schüttle mich dann jedesmal – reflexartig.
Die Idee, in Pension zu gehen, finde ich (der ich auf Ämtern seit jeher „Freier Autor“ ins Kästchen eintrage) ganz grauenvoll – unabhängig davon, wie sehr ich die Idee des Alterns an sich – mal mehr, mal etwas weniger – grauenvoll finde.
Mein junger Freund und Kollege Fritz Schaefer verblüffte mich mal mit dem Hinweis, er hätte gar nichts dagegen, seine kreative Arbeit für sich ganz allein zu machen. Er brauche weder einen Auftraggeber noch ein Publikum dafür. Wir beide stellten uns ihn dann auf einem Grundstück in Südfrankreich vor, ein Bild malend. Und auf dem Nachbargrundstück spukte Erik Ode in seiner Ur-Altersrolle in „Sonne, Wein und harte Nüsse“ …

Ganz so ist es bei mir nicht. Zugegeben: mein Wunsch, nie pensioniert werden zu müssen – was ich als freischaffender Künstler ja gottlob tatsächlich nicht muss – beruht auf zwei unbescheidenen Hoffnungen: dass ich bis zuletzt fit genug bleibe, um arbeiten zu können und dass ich weiterhin so gefragt bin, dass ich bis zuletzt auch arbeiten soll. Mir würde das Fehlen eines Publikums (es muss ja kein großes sein) wohl den Boden unter den Füßen wegziehen.
Aber hundertprozentig kann ich es auch wieder nicht wissen.
Das fiel mir auf, als ich kürzlich ein Interview mit der 81jährigen Schriftstellerin Monika Maron las: „Ich habe viele Freunde, die Freiberufler sind, die können sich das Altern überhaupt nicht leisten und bleiben darum länger zwar nicht jugendlich, nicht jung, aber doch sie selbst. Und andere, die in Rente sind, mit denen man früher genauso geredet hat wie mit besagten Freunden, erzählen einem plötzlich nur noch von ihren letzten Reisen und über irgendwelche bildungsbürgerlichen Aktivitäten.“ – Tirili, dachte ich, dieses Interview handelt von dir! Außerdem freute ich mich für Frau Maron, dass die einrostenden ihrer Freunde nicht nur über Krankheiten mit ihr reden wollen.
Doch dann ging’s weiter: „Werden Sie für immer arbeiten?“ – „Was sonst? Es ist eine Frage der Existenz. Das ist für mich das Schrecklichste, dass ich schreiben muss bis zum letzten Atemzug, auch wenn ich schon blöd bin im Kopf oder niemand mehr lesen will, was ich schreibe.“ Die Reporterin versuchte, eine Lanze für mich zu brechen: „Meistens ist die Argumentation von Schriftstellern genau andersherum: Sie können nicht leben, ohne zu schreiben.“ – „Ich würde gerne rausfinden, was ich täte, wenn ich nicht mehr schreiben müsste. Ich würde mich wahrscheinlich langweilen, aber ob ich nur schreibe, wenn am Ende auch ein verkäufliches Buch entsteht oder ob ich auch nur ganz ungeniert vor mich hinschreiben würde – das werde ich wohl nicht herausfinden.“

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Eine Wagenladung Abschied

betr.: die Radiomoderatoren Matthias Keller (BR-Klassik) und Jürgen Liebing (Deutschlandfunk Kultur) gehen in den Ruhestand

Vor vielen Jahren hatte ich das Vergnügen, eine Filmmusik-Reihe auf dem NDR gestalten zu dürfen. Als der Tag der letzten Ausgabe gekommen war, war mein Redakteur unerbittlich: ich durfte meine Dernière bekanntgeben und mich von meinen Hörern verabschieden, aber mehr nicht. Das fand ich damals etwas kleinlich. Spät ereilt mich die Einsicht: nach dem Radioprogramm vom Sonntag bin ich anderer Meinung – die beiden Herren, die sich da zurückgezogen haben, waren natürlich deutlich länger am Werk als ich.

Matthias Keller feiert vor … (Bild: BR)

Solche Rückzüge tun mir immer ein bisschen weh. Auch wenn ich einer scheidenden Radiostimme ambivalent gegenüberstand, geht doch jedesmal ein klein wenig von der alten Tugend flöten, die das öffentlich-rechtliche Radio noch immer auszeichnet.
Um Jürgen Liebing, der auf dem tiefnächtlichen Sendeplatz „Chansons und Balladen“ alle vier Wochen auf Sendung war, tut es mir auch deshalb leid, weil er den Begriff „Chanson“ in der rotierenden Moderatorenrunde ganz besonders ernst genommen hat – wenn mir auch seine Auswahl stets zu einseitig war (er spielte vor allem Musik aus der zweiten deutschen Chanson-Blütezeit der 70er Jahre und streute hie und da etwas Französisches ein). Die übrigen für mich noch empfangbaren einschlägigen Formate kümmern sich entweder nur um die aktuelle deutsche Szene oder spielen schlichtweg angelsächsischen Pop (also „… und Balladen“).
Liebing erleichterte mir seinen Abgang, durch die selbst für seine Verhältnisse überbrodelnde Rührseligkeit. Dabei störte mich weder das Thema seiner Musikauswahl („Abschied“) noch die gelegentlichen „persönlichen Anmerkungen“, sondern dass er zwei Stunden lang von nichts anderem redete als dass nun sein letztes Radiostündlein geschlagen habe. (Mir fiel bei dieser Gelegenheit auf, dass er all die Jahre immer so geklungen hat …) Wie reich uns seine Nachfolge mit dieser Musikfarbe versorgen wird hat, wird sich zeigen.  

Wie und mit wem es nach dem Ausscheiden von Matthias Keller weitergehen wird, wissen wir. Der Mitbegründer der Filmmusiksendung “BR-Klassik Cinema – Kino für die Ohren“ nannte seine Ausgabe am Sonntagabend gleich „Kellers letzte Sendung“ und prahlte diesmal ganz offen mit dem, was er sonst nur nebenbei überdeutlich einstreut: mit der innigen persönlichen Nähe, die er zu den Komponisten der Filmkunst gepflegt hat. Wenn man ihm eine Weile zuhörte, konnte man den Eindruck haben, er sei der Guru der gesamten Branche. Das finde ich schon deshalb so unbehaglich, weil in dieser Sendung (die keine ausschließlich aktuelle Ausrichtung hat) generell so getan wird, als sei Zeitgenossenschaft ein Qualitätskriterium. Gut ein Drittel der gespielten Musik entfällt ohnehin auf das Haupt- und Spätwerk von John Williams und den erst kürzlich verstorbenen Ennio Morricone.
Anstatt seine liebevoll geförderten Nachfolger einfach in die Sendung einzuladen, tat Keller so, als wären sie spontan hereingeplatzt, um ihn nochmal ordentlich hochleben zu lassen. Bei diesem Geplauder hörte ich zum ersten mal die natürlichen Stimmen von Ben Alber und Antonia Goldhammer, die sonst vom Blatt moderieren und dann ein einstudiertes Johanniskraut-Tremolo zur Schau stellen, das unentwegt nach Reklame klingt. Die noch am wenigsten Glücksbärchi-hafte Stimme dieses Trios ist nun verstummt.

Nachtrag:
Die nächste Sendung eröffnete Frau Goldhammer mit den Worten: „Es ist die Cinema-Sendung Nr. 1 in der Zeitrechnung nach Matthias Keller!“. Man wolle sich aber seiner auch weiterhin würdig erweisen …

Nachtrag 2:
Eine Woche später ist Herr Alber wieder dran. Er beschreibt in einer Moderation „düstere Hornklänge, etwas im Klang heruntergedimmt, damit sie dunkler klingen!“ – Nanana! Das ist definitiv nicht der Sound von Matthias Keller, sondern der eigentlich unnachahmliche Stil von Vincent Neumann, dem Chef-Filmmusik-Beauftragten von Deutschlandfunk Kultur.

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Vom Gendern

Was weiterhin ganz wertfrei gegen den pauschalen Zwang zum Gendern spricht, ist, dass seine Regeln von niemandem beherrschbar sind – am allerwenigsten von den Betroffenen.
Gestern erzählte mir ein befreundeter Schauspieler, wie sich bei einer ersten Leseprobe eine Person mit den Worten vorstellte: „Ich bin hier die Dramaturg-In.“ Ich fragte sofort nach: „Ist es denn nötig, zu gendern, wenn man von nur einer Person spricht?“ – Ja, antwortete er, denn die Betreffende (sie stellte sich mit einem weiblichen Vornamen vor) ist nicht-binär. Erstmalig leuchtete mir die hörbare Abtrennung der Endsilbe –in wirklich inhaltlich ein – wenn auch erst auf Nachfrage.
Aber wollte ich diese Regel nun umsetzen, würde es augenblicklich Missverständnisse geben. Die Anrede „liebe Dramturg-Innen“ würde dann nur für nicht binäre Personen dieses Berufsstandes gelten.

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Zur Geschichte des Drehbuchs

„Drehbuch = das Notieren einer Geschichte zum Zwecke ihrer Verfilmung“ (Wolfgang Kohlhaase)

Anfang des 20. Jahrhunderts waren Motion Pictures noch keine Kunstform, sondern eine Kuriosität, eine Jahrmarktsattraktion. Die Filme waren kurz und eines Inhalts wie „Baby lernt laufen“ oder „Der Kraftmensch“. Ab 1902 wurden solche Spektakelchen in den USA „Movies“ genannt. 1909 wird erstmals ein Film als „Photoplay“ bezeichnet, was darauf verweist, dass er eine richtige (dramatische) Handlung hat. Damit erwacht das Bedürfnis nach einem Schriftstück, das diese Handlung zuvor festlegt und der Herstellung des Films eine Struktur gibt. Im Jahre 1911 wird dafür die Bezeichnung „Scenario“ geprägt, 1916 erstmals von einem „Screenplay“ gesprochen.
Zu dieser Zeit gibt es bereits erste Fachbücher, die erklären, wie man ein Drehbuch schreibt. Herbert Case Hoagland ist in „How To Write A Photoplay“ noch der Meinung, das Verfassen eines Drehbuchs erfordere kein besonderes Geschick als Autor, da man ja keine Dialoge schreiben müsse. Im Stummfilm nahm das Entwickeln einer Geschichte und die Verteilung der Szenen im Hinblick auf den Wechsel der Filmrollen im Projektor tatsächlich einen größeren Raum ein. (Auch auf den Texttafeln des Stummfilms gibt es freilich schon gelegentlichen Dialogwitz.) Der übliche Tarif für ein Drehbuch lag bei etwa 25 Dollar.

Mit dem Tonfilm wurde die Bedeutung des Drehbuchs obligatorisch. Billy Wilder, der in Berlin in den letzten Tagen des Stummfilms als Drehbuchautor begann, in dieser Funktion in Hollywood seinen Weg machte und als Regisseur immer auch sein eigener Drehbuch-Co-Autor blieb, brachte es auf den Punkt, ein Film ohne gutes Drehbuch könne niemals ein guter Film sein.
Im damaligen Hollywooder Studiosystem waren für die Ausfertigung der Drehbücher eigene Abteilungen zuständig, die eher dem Produzenten als dem Regisseur unterstellt waren. In Frankreich, dem Geburtsland des Kinos, sah die reguläre Arbeitsteilung vor, dass Handlungsverlauf und Dialoge von unterschiedlichen Autoren betreut wurden. Inzwischen hat die komplizierte Art, wie Filme finanziert werden, dazu geführt, dass an der Entstehung eines Drehbuchs für einen gewöhnlichen kommerziellen Film mindestens ein Dutzend Leute beteiligt ist. Das macht die Entstehung eines wirklich guten Drehbuchs im Wilder’schen Sinne unmöglich. Die Regie ist hauptsächlich damit beschäftigt, die unvermeidlichen faulen Kompromisse zu kaschieren (wofür ihr ein nie dagewesenes Arsenal an optischen Tricks zur Verfügung steht). Dass diese Kompromisse sich untereinander so ähnlich sind, hat einen weiteren Grund. Er heißt „Screenplay. The Foundations Of Screenwriting“. 1979 war ein gewisser Syd Field (1935-2013) in die Fußstapfen solcher Pioniere wie Herbert Case Hoagland getreten. Sein „Handbuch zum Drehbuch“ war das erste einer inzwischen beträchtlichen Menge vergleichbarer Produkte, in denen im Wesentlich immer dasselbe erklärt wird. Zunächst war Fields Buch ein pfiffiges Gedankenspiel, das auswertete, welche (noch unausgesprochenen) Gesetze bisher bei der Herstellung und Vermarktung erfolgreicher (und also: gelungener) Filmkunstwerke auszumachen sind. Der Erfolg dieses Buches beruhte darauf, dass es auch für Kinogänger attraktiv war. Laien freuten sich nun, mit Begriffen wie „Plot Point“ oder „Parallelmontage“ angeben zu können, doch der Effekt, den das Buch auf die Branche hatte war weitaus bedeutsamer. Die Filmindustrie sah darin einen Leitfaden, wie man es künftig immer anstellen sollte, wenn man nicht leichtfertig einen Misserfolg riskieren wollte.
Field wurde zum Guru, eine immer größere Gemeinde betete seine Lehren nach und freute sich über Fields wichtigste Botschaft, das Versprechen: „Das kannste auch!“. Acht der unzähligen Nachzügler seines Buches schrieb Field gleich selbst. Auch wer gar nichts von der Sache verstand, konnte nun Regeln nachbeten, sich auf sie berufen und in Geldgeberkonferenzen das Produkt eines Profis mit „ausdiskutieren“.
Das langfristige Ergebnis dieses „Handbuchs“ war eine Formatierung der Filmkunst, die Auswirkungen für ihr kreatives Potenzial sind verheerend.
Dass Serien zurzeit so viel beliebter sind, hängt zu einem erheblichen Teil damit zusammen, dass sich manche ungebührliche Einmischungen unter dem Regiment eines Showrunners nicht durchführen lassen und dass Vorschriften wie die, eine Geschichte müsse 90 Minuten dauern, an einer bestimmten Stelle ihren Wendepunkt haben u. ä., in der „epischen Erzählweise“ von selbst auflösen.

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Klassiker sucht Zielgruppe

betr.: 81. Geburtstag von Jeff Wayne

Wer es auf Nachruhm anlegt, sollte sich auch über die Form der Schublade Gedanken machen, in der sein Schaffen aufbewahrt werden soll. Und ihm muss klar sein, dass das Netz, das wir mit dem Kürzel www bezeichnen, immer grobmaschiger wird, je mehr es zusammenzuhalten hat. Längst sind die Maschen so groß, dass auch ein gefeiertes Vinyl-Klappalbum hindurchpasst.

Der Eintrag „Jeff Wayne“ fehlt in meinen Rocklexika, und sein nicht unbedeutendes Konzeptalbum „War Of The Worlds“ (basierend auf dem gleichnamigen Literatur- und Popkultur-Klassiker von H. G. Wells) wird nicht in den einschlägigen Büchern über Album-Klassiker aufgeführt.  „War Of The Worlds“ brachte immerhin den Hit „Eve Of The War“ hervor, doch auch der schaffte es nicht in die der Pflege erinnerungswürdiger Popsongs gewidmeten Leselexika. (Als typisches  One-Hit-Wonder taugt er nicht, da sein Interpret Justin Hayward zuallererst der Frontmann der Moody Blues ist.) Gäbe es so etwas wie eine seriöse Kultur der Hörspiel-Sekundärliteratur, würde dem Werk vielleicht am Ende der Würdigung von Orson Welles und seiner 1938er Adaption ein kleiner Abschnitt gewidmet.
Der immer breitere Strom nachrückender Textdateien, Audio- und Videoclips, die auf unseren Computern, in Clouds und endlosen Datenströmen auf einen flüchtigen Augenblick unserer Aufmerksamkeit hoffen, erlaubt es wohl nicht anders. Aber am heutigen Tag ist der Name Jeff Wayne ein willkommener kleiner Wink, sich dem Algorithmus einmal bewusst zu entziehen.

Künstlern wie Wayne und ihren Werken bleibt nichts anderes übrig, auf eine Gelegenheit zu warten, sich im Rahmen einer vergänglichen Würdigung noch einmal in Erinnerung zu bringen und sich in das eine oder andere physische Regal zu retten. Im genannten Falle war dies eine 2005 erschienene Luxus-Neuausgabe des Albums. Im opulenten Booklet scheint auch der Grund auf, warum die Erinnerung diesem Opus so herzlos mitgespielt hat. Die Bezeichnung „Musikwerk“ („one oft he best known and best selling musical Works of all time“) bezeichnet eine Mischung aus Rock-Oper und Hörspiel, ein Kuriosum also. Im Musical-Zusammenhang taucht sie nicht auf, da sie weder (ihrerseits) verfilmt noch auf der Bühne verwirklicht wurde. Nicht einmal  der aufgeschlossenste Feuilletonist wüsste, wo er diese Platte nach Hörgenuss und Rezension hinsortieren soll.
Die Zielgruppe für „Jeff Wayne’s The War Of The Worlds“ trat nur kurz im Jahre 1978 zusammen und hat sich wieder zerstreut.

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Man ist so jung wie’s im Drehbuch steht

betr.: 51. Jahrestag der Premiere von „Carnal Knowledge“

Die Freundschaft von Jonathan und Sandy dauert vom College bis ins gestandene Mannesalter, und immer haben die beiden vor allem ein Gesprächsthema: Sex. Jack Nicholson (dessen Karriere gerade richtig in Fahrt kam) als Draufgänger Jonathan und der berühmte Sänger Art Garfunkel als der eher schüchterne Sandy sind ein sympathisches Gespann, doch der Film hat einen Schönheitsfehler. Zu Beginn sehen wir das Duo auf einer Party. Sie ermutigen sich selbst und einander gegenseitig, ein Mädchen anzusprechen. Irgendetwas stimmt nicht an dieser zutiefst alltäglichen Situation. Die Dialoge wirken verrutscht, unwirklich, ein wenig debil. (Eigentlich undenkbar bei einem Drehbuch von Jules Feiffer!) Das Gefühl verstärkt sich noch, als es dann tatsächlich zur geplanten Eroberung kommt. Als die Handlung voranschreitet und der erste Zeitsprung passiert, kapieren wir natürlich, dass die Szene auf der Party in der Jugend der Helden spielte, und wir uns hätten vorstellen müssen, die beiden Schauspieler wären wesentlich jünger als der 33jährige Nicholson. Da so etwas maskenbildnerisch nicht zu leisten ist, hat man es einfach gleich sein lassen.

Das nicht erratbare (weil von der Wirklichkeit abweichende) Alter der Figuren kann so verwirrend sein, dass man den Film nur versteht, wenn man vorher eine Inhaltsangabe gelesen hat. So etwas kommt vor, seit es Filme gibt. Zu den verwirrendsten Beispielen gehören die Eröffnungsszene des Horrorfilms „The Mole People“ (USA 1956) und sämtliche gemeinsamen Szenen der männlichen Hauptdarsteller in „A Very British Scandal“ (GB 2018), denn Hugh Grant und Ben Whishaw altern in den Jahrzehnten des Handlungsverlaufs keine Sekunde, und es ist unmöglich herauszufinden, wie ihr Altersunterschied nun genau aussieht – dabei ist der so etwas wie das Thema des gesamten Films.
Inzwischen hört man immer wieder von einer Software, die dieses Problem lösen kann. Wir bleiben wachsam.

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Bernard Herrmanns letzter Pfirsichlikör

betr. 111. Geburtstag von Bernard Herrmann

Die Musik für seinen „Taxi Driver“ stellte Marin Scorsese vor ein besonderes Problem, denn er konnte das Konzept nicht wiederholen, mit dem er bisher so gut gefahren war. Seine vorangegangenen Werke „Hexenkessel“ und in gewisser Weise auch „Alice wohnt hier nicht mehr“ waren dafür gefeiert worden, dass ihr Soundtrack auf der Popmusik basierte, die das Milieu und die Zeit ihrer Charaktere abbildete. Im Mittelpunt seines neuen Films stand nun kein typischer Vertreter eines bestimmten Milieus. Robert De Niro spielte einen Anfang der 70er Jahre noch völlig unvorstellbaren Helden, eine Art Amokläufer, der dem Publikum als Identifikations- und Sympathiefigur angeboten wird und aus dessen Perspektive uns die ganze Geschichte erzählt wird.

Ähnlich wie Woody Allen (nur in umgekehrter Reihenfolge) musste Scorsese in seinem Soundtrack-Verhalten von bereits existierenden Schallplattentiteln auf eine Originalpartitur umsteigen. „Taxi Driver“ Travis Bickle gesteht seinem Date: „Ich höre nicht sonderlich viel Musik, aber ich würde es gern. Wirklich.“ Die Alternative zu einer Variation über die nicht vorhandenen musikalischen Vorlieben der Hauptfigur war eine Illustration ihres finsteren Weltbildes.
Scorsese wollte den Besten für diesen Job, aber Bernard Herrmann hatte kein Interesse. Er mochte schon den Titel des Films nicht („zu proletarisch“). Immerhin ließ er sich dazu überreden, das Skript zu lesen. Darin fand er etwas, was ihn schließlich umstimmte: „Ich mag die Stelle, wo er Pfirsichlikör über seine Cornflakes kippt. Ich mache es.“
Der für alle Beteiligten unerwartete Erfolg des Films verschaffte Bernard Herrmann zusätzlich zu seinem künstlerischen Triumph (mit einem coolen und für ihn vollkommen ungewöhnlichen Sound, der wie das Werk eines viel jüngeren Musikers klang) auch einen würdigen Abschluss seines Lebenswerks. Kurz vor Weihnachten 1975 reiste Herrmann nach Los Angeles, um die Musik zu dirigieren. Die letzte Session fand am 23. Dezember im Beisein von Martin Scorsese und Steven Spielberg statt, der die Bekanntschaft des Meisters machen sollte. Nach den Aufnahmen fuhr Herrmann in sein Hotel, legte sich hin und stand nicht wieder auf.

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„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (38)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

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Fortsetzung vom 22.6.2022

Der Playboy traf um zehn Uhr abends auf John Sunlights Insel ein. Zwei Stunden vorher hatte sich Don Carlos mit allen Anzeichen von Verwirrung verabschiedet.
Der Playboy war ein großer, aufgedunsener Mann, der sich selbst für einen schönen Mann hielt. Er war noch verhältnismäßig jung — jung in Anbetracht seines Amts -, hatte einen roten Schmollmund, große, feuchte Kuhaugen und würde in wenigen Jahren, wenn er weiter an Gewicht zunahm, aussehen wie eine riesige braune Qualle.
„Mein Kabinett hat mich ermächtigt“, sagte er zu John Sunlight, „Ihrer Einladung zu folgen und mit Ihnen in Verhandlungen einzutreten.“
Das war gelogen; die Zeit hatte gar nicht mehr ausgereicht, um mit seinem Kabinett Verbindung aufzunehmen, aber er wusste, dass das Kabinett nichts dagegen einwenden würde. Es bestand aus den ältesten und gerissensten Advokaten und Geschäftsleuten, die er hatte auftreiben können, und er war klug genug, im allgemeinen auf ihre Ratschläge zu hören.
„Ich habe etwas mit Ihnen zu besprechen“, sagte Sunlight. „Aber nicht hier. Es wäre mir lieb, wenn wir uns in einer Woche in der Nähe des Polarkreises treffen könnten, ein wenig nördlich von der Hudson Bay.“
Der Playboy hatte ebenfalls Einwände gegen ein unwirtliches Klima. Er war von seiner tropischen Heimat verwöhnt, außerdem war er in die Vereinigten Staaten gekommen, um politische Gespräche zu führen und sich nebenbei ein wenig zu amüsieren. Er lehnte ab, zum Polarkreis zu reisen.
Sunlight versicherte auch ihm, dass es das Land des Playboys in fünf Monaten nicht mehr geben würde, sollte er so halsstarrig sein, auf die Verabredung zu verzichten.
Auch der Playboy dachte darüber nach, wieviel er über Sunlight wusste; wenn Sunlight sagte, etwas sei wichtig, dann war es wichtig.
„Wie komme ich dorthin?“ fragte er missmutig. „Mit einem Flugzeug, inkognito.“
Mehr Informationen ließ Sunlight sich nicht entlocken, und der Playboy verabschiedete sich und fuhr mit dem Motorboot zum Festland zurück. Er war sehr vergrämt. Er war ein Regierungschef, eine bedeutende Persönlichkeit, und ließ sich herumkommandieren wie ein Lakai. Am meisten aber ärgerte ihn, dass er immer noch nicht wusste, was Sunlight eigentlich wollte. Er war nicht der einzige, der neugierig war und sich fragte, worum es ging. Auch Andrew Blodgett „Monk” Mayfair und Theodore Marley “Ham” Brooks
waren neugierig, und einstweilen hatten sie nicht mehr Chancen, etwas herauszufinden als Don Carlos und der Playboy.
Monk und Ham lauerten hinter einem Gebüsch am Ufer gegenüber John Sunlights Insel; ein Funkspruch Doc Savages hatte sie herbeordert. Sie wussten nicht, was sie hier sollten, sie wussten überhaupt nichts. Sie hatten Doc nicht mehr gesehen, seit er mit den bewusstlosen Helfern Sunlights abgefahren war. Sie wussten nicht einmal, dass Doc die Banditen wieder auf dem Dach des Hochhauses deponiert hatte. Ihnen war nur bekannt, dass Long Tom in Docs Wohnung geblieben war, um Fifi zu bewachen, und darüber waren sie nicht sehr glücklich; denn Fifi gefiel ihnen beiden. Sie beneideten Long Tom.

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Lieber den Tod als den Verrat

Der Roman „Port Sudan“  von Olivier Rolin erschien 1994, wurde aber erst letztes Jahr auf Deutsch  veröffentlicht. Die an sich spannende Idee einer Nachforschung, wer der mysteriöse A gewesen sein mag, der verstorbene Absender eines Briefes, der nur die Kopfzeile enthält, geht leider in Unmengen von pseudo-philosophischem Gerede unter. Dass es dabei unentwegt um Sex geht, banalisiert die Suche des Helden, erfüllt aber immerhin unser liebstes Klischee über unsere Nachbarn, die Franzosen.
Man möchte diese Prosa beiseite legen und sie entrümpeln lassen, ehe man weiterliest, um sich Handlung widmen zu können. Man sehnt sich nach den Zeiten zurück, da fleißige Verlagsmitarbeiter des „Reader’s Digest“ aktuelle Romanveröffentlichungen zu Kurzfassungen zusammenstrichen, um sie dann zu viert in einem Sammelband herauszugeben. (Dagegen hatte es damals im Feuilleton große Vorbehalte gegeben, aber was schert uns das heute?)
Auf die beschriebene Weise ließe sich der folgende hübsche Text aus einer ermüdenden Passage im 9. Kapitel herausoperieren.

Ich glaubte die Qualen zu kennen, die er gelitten hatte, nur hatte ich sie in jüngeren Jahren durchgemacht, und das war mein Glück. Solange man noch voller Kraft ist, widersteht man fast allem. Mein Schmerz erschien mir zu jener Zeit, als könnte er nicht größer sein, und trotz meiner damaligen Unerfahrenheit hatte ich mich nicht geirrt. Es passierte mir tatsächlich nie wieder, dass ich so zerrissen wurde.
Selbst der Tod von Freunden und Verwandten zerstört einen nicht so sehr wie der Verrat. Der Tod lässt den innersten Kern des Lebens unversehrt, wo die Gewissheit man selbst zu sein ihren Ursprung hat. Er bewahrt die Spuren, durch die immer wieder etwas vom Glanz vergangener Tage auflebt, ein verblasstes Bild, das uns nicht zwingt, uns mit Grauen von ihm abzuwenden.
Der Verrat hingegen verschont nichts, nicht einmal die Vergangenheit, deren Bedeutung er völlig umkehrt und vergiftet. Das einzige, was von ihr übrigbleibt, ist also der Schatz an Bildern, an verinnerlichten Gewohnheiten, die man mühselig zerstören, für immer zerstreuen muss, wenn man überleben will, während es bei Toten einen imaginären Raum gibt, indem wir ihnen weiterhin begegnen.
Der Tod fixiert für immer die Gesichtszüge, Worte und Haltungen. Während man mit Schrecken ahnt, dass sich das Bild desjenigen, der einen verlassen hat, mit jeder Sekunde unmerklich verändert. Dass ihm Gedanken durch den Kopf gehen, die einen nicht einschließen und von denen man nie etwas erfahren wird.
So sehr wird die Seele von der Gewohnheit bestimmt, dass sie wie mechanisch fortfährt, ausgerechnet von der Seite Trost zu erwarten, die einst Stütze und Freude, nun zu ihrem Henker geworden ist.

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