Vom Ende

betr.: Edouard Louis, „Der Absturz“. Aus dem Französischen von Sonja Finck. Aufbau Verlag, 2025

Für die Zugfahrt hatte ich mir ein paar Bücher zum Thema Tod mitgenommen. Ich hatte sie hastig in meinen Rucksack gestopft, weil ich gehofft hatte, mit ihrer Hilfe könnte ich das, was mir geschah, bzw. das, was passiert war, besser verstehen. Ich stellte den Rucksack zu meinen Füßen ab und zog „Das Jahr das magischen Denkens“ von Joan Didion heraus. Als ich das Buch durchblätterte, öffnete es sich von selbst auf einer Seite, die ich einige Jahre zuvor bei meiner ersten Lektüre mit einem Eselsohr versehen hatte. An dieser Stelle des Essays liest Didion Philippe Ariès „Studien zum Mittelalter“ und stellt die Frage, welche Anzeichen für den nahenden Tod ein Sterbender bei sich selbst wahrnimmt, vor allen anderen Menschen.
Didion und Ariès geht es um ein Wissen, das nichts mit Medizin oder Biologie zu tun hat. Es geht ihnen nicht um Fälle, in denen ein Mensch unheilbar krank ist und unaufhaltsam auf den Tod zugeht wie bei den verschiedenen Stadien von Krebs. Es geht ihnen vielmehr um ein nicht rational erklärbares Wissen, über das nur der Sterbende selbst verfügt, eine Art Gespür, eine Vorahnung. Der Tod kündigt sein Kommen vorher an, schreibt Ariès und erzählt von Menschen im Mittelalter, die sich nach einem anstrengenden Marsch hinlegen und verkünden, sie würden jetzt sterben, obwohl sie nach außen keinerlei Anzeichen von Erschöpfung oder Krankheit zeigen.
Während ich aus dem Fenster sah und vor meinen Augen Felder und Wälder vorbeizogen, fragte ich mich: hatte mein Bruder am Ende seines Lebens auch ein solches Gefühl gehabt? Hatte er vor allen anderen gewusst, dass er sterben würde, noch bevor die klinischen Symptome eines möglichen Todes aufgetreten waren? Hatte er es geahnt als innere Gewissheit in Form eines rätselhaften, fast schon übernatürlichen Gespürs, ganz so, als könnte ein Mensch einen stummen Dialog mit seinen Organen führen?
Mein kleiner Bruder erzählt, dass er – mein großer Bruder – in den Jahren vor seinem Tod, als seine Gesundheit noch einigermaßen stabil war, immer wieder gesagt hat, welche Sachen mein kleiner Bruder behalten könne, falls er – mein großer Bruder – stirbt. Mein kleiner Bruder sagt: „Ich schwöre, keiner von uns dachte, dass es so weit kommen würde.“
Ich stelle mir meinen großen Bruder nachts allein im Bett vor, im Bewusstsein seines nahenden Todes, ohne diese Erfahrung in Worte fassen zu können. Ich stelle mir vor, wie der Tod als geisterhafter schwarzer Strom in seinen Mund eindringt wie Erbrochenes, das in die falsche Richtung fließt – die Vorahnung des Todes.

Der französische Literaturstar Édouard Louis hat mit seinem Roman „Das Ende von Eddy“ 2015 eine autofiktionale Buchreihe über seine Familie begonnen, die zehn Jahre später mit „Der Absturz“* ihren Abschluss gefunden hat. Der Roman erzählt die Geschichte von Louis‘ Bruder, eines ständig scheiternden Träumers: In der Arbeitswelt ohne Aussicht, wünscht er sich ein größeres Leben. Eines, in dem er Kathedralen restauriert, die Welt bereist und die Liebe seines Vaters verdient. Doch nichts davon lässt seine Wirklichkeit zu, er versinkt in Alkohol- und Spielsucht und bleibt ein tragischer Phantast. Edouard Louis sucht seinen Bruder zu ergründen, schonungslos, verzagt, aber auch zornig, denn: „Der Tod erfordert schnelles Lernen.“

Édouard Louis, geboren 1992, gilt als einer der wichtigsten Autoren der jüngeren Generation. Sein Roman „Das Ende von Eddy“ machte ihn 2015 international bekannt. Er erzählte darin von seiner Kindheit in einem Dorf in Nordfrankreich und dem Aufwachsen in prekären Verhältnissen. In „Anleitung ein anderer zu werden“ erzählt er davon, wie er die Grenzen seiner Herkunft hinter sich ließ. Seine Bücher erscheinen in 35 Sprachen und werden an Bühnen überall auf der Welt fürs Theater adaptiert. Zuletzt erschienen „Im Herzen der Gewalt“, „Wer hat meinen Vater umgebracht?“ sowie „Die Freiheit einer Frau“. Édouard Louis lebt in Paris.

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Sprechen am Mikrofon – Die Wahrheit

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Der letzte Jahresrückblick

… im Podcast

Monty und Torben blicken zurück auf die Kunst- und Kulturgenüsse des Jahres: Bücher, Hörbücher, Live-Erlebnisse und natürlich Filme. Was waren Torbens Tops und Flops im Kino? Er ruft zehn Titel des vergangenen Jahres auf, ich beschränke mich auf je ein Hui und ein Pfui (meinen schrecklichste der Schrecken). Was haben wir zuletzt besonders gern gelesen (bzw. vorgelesen)? Wir sprechen über unsere Live-Erlebnisse und Hörvergnügen – und beantworten die Frage: wo gibt es sehr Gutes völlig umsonst? Und worauf freut sich Torben im neuen Filmjahr – während ich mich da vollkommen überraschen lasse? All das das wird schonungslos offenbart:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/der-letzte-rueckblick-fuer-dieses-jahr

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Viel Knef für’s Auge, noch mehr für die Ohren!

betr.: 100. Geburtstag von Hildegard Knef / das mediale Festtagsprogramm dazu

Der Tod der großen Hildegard Knef vor 22 Jahren wurde von großer Anteilnahme begleitet, sie war ein Star bis zuletzt. Ihr heutiger Jubeltag wurde in den öffentlich-rechtlichen Programmen schon im Voraus intensiv begangen: mit zwei neuen TV-Dokus, einer „Langen Nacht“ im Deutschlandfunk und anderem. Ein besonderer Leckerbissen für alle, die sie noch nicht kennengelernt haben, ist Knefs Lesung einiger langer Auszüge aus ihrer berühmten Autobiographie „Der geschenkte Gaul“ (eines Welterfolgs von 1970), die jetzt in der ARD Audiothek nachzuhören sind. Parallel zum Buch erschien bereits eine Doppel-LP, die sich inhaltlich mit dem Hörbuch von 1999 überschneidet und zu einem Stimmenvergleich einlädt: knapp 30 Jahre liegen zwischen den Aufnahmen.

MDR KULTUR

Hildegard Knef:
Der geschenkte Gaul

10 Folgen à c.a. 30 Minuten

Im Dezember 1998 wurde in Hildegard Knefs Privaträumen in Berlin eine Lesung ihrer Autobiografie „Der geschenkte Gaul“ aufgenommen. Sie selbst wählte die Kapitel für die gekürzte Hörfassung aus. Die Knef war zu diesem Zeitpunkt 73 Jahre alt. Die Aufnahme lebt von ihrer rauchigen Stimme, dem schnoddrigen Berlinern, dem abgeklärten Ton. Die Rückschau auf die Anfänge ihrer Karriere in Krieg und Nachkriegszeit ist auch eine persönliche deutsche Geschichtsstunde. Hildegard Knef wurde am 28. Dezember 1925 in Ulm geboren und wuchs in Berlin auf. Sie arbeitete zunächst als Trickfilmzeichnerin bei der UFA, war dann als Schauspielerin, später auch als Chansonsängerin erfolgreich. Ihr autobiografisches Werk „Der geschenkte Gaul“ landete 1970 auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste und wurde anschließend in 17 Sprachen übersetzt. Hildegard Knef verstarb im Frühjahr 2002 im Alter von 76 Jahren.
Am 28. Dezember wäre sie 100 Jahre alt geworden.
Produktion: Roof Music/tacheles! 1999

Verfügbar bis 17. März 2026

1. In ihren Erinnerungen beschreibt Hildegard Knef vor allem die Zeit zwischen 1930 und 1950. In der ersten Folge geht es um Ihre Kindheit, u. a. über ihren Großvater, bei dem sie einige Jahre lebte und den sie sehr liebte.

2. Hilde verlebt ihre Jugend in Berlin zwischen Bombenhagel und Hunger. Nach Probeaufnahmen für die UFA bekommt sie einen Ausbildungsvertrag zur Schauspielerin an der Staatlichen Filmschule Potsdam-Babelsberg.

3. Hilde lernt wie besessen, arbeitet an ihrem Lispeln und an den berlinischen Endsilben. Sie hat erste Dreharbeiten und lernt den Tobis-Chef Ewald von Demandowsky kennen, der verheiratete Mann wird ihre erste große Liebe.

4. Drastisch schildert Hilde Knef die letzten Kriegstage. Gemeinsam mit dem Geliebten „EvD“ erlebt sie die Schlacht von Spandau. Verkleidet mit einer Volkssturmuniform beginnt eine verzweifelte Flucht aus dem Bombenhagel.

5. „Ich komme von Ewald von Demandowsky, und ich habe Ruhr, Läuse und keine Papiere“. So meldet sich Hilde Knef bei Viktor de Kowa. Sie wird aufgenommen und ist dabei, wenn Nachkriegstheatergeschichte geschrieben wird.

6. Kurt Hirsch beginnt, eine Rolle im Leben der Knef zu spielen. Ihr Mentor, der Filmproduzent Erich Pommer, kurbelt mit der Rolle in „Die Mörder sind unter uns“ ihre Filmkarriere an. Bald heißt es: Berlin oder Hollywood?

7. Bei der Premiere von „Die Mörder sind unter uns“ bleibt Hildes Stuhl leer. Sie ist mit Kurt Hirsch auf dem Weg nach Hollywood. Doch anstatt Ruhm hat sie hier bald wieder dieses Gefühl der Abhängigkeit und Hilflosigkeit.

8. Hilde ist zurück um „Die Sünderin“ zu drehen. Der Skandal um den Film stellt alles in den Schatten. Mit dem Wirtschaftswunder hat sich „eine auf Keuschheit bedachte Betulichkeit“ breit gemacht im Nachkriegsdeutschland.

9. Weil der Skandal um „Die Sünderin“ bald in Verfolgung ausartet, verlässt die Knef Deutschland, dreht im Ausland. Doch dann bekommt sie ein besonderes Angebot aus Amerika: Als erste Deutsche soll sie am Broadway spielen.

10. Hilde spielt die „Ninotschka“ in „Silk Stockings“ am Broadway. Cole Porter hat aus dem Ernst Lubitsch-Film ein Musical adaptiert. Die monatelangen Proben sind nervenaufreibend. Und Marlene Dietrich kommt zur Premiere.

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Die wiedergefundene Textstelle: Ein Killer wird gedungen (3)

Fortsetzung vom 21. Dezember 2025

Bei Anruf Mord
Dial M For Murder

Warner Brothers 1954
Drehbuch von John Michael Hayes nach dem Theaterstück von Frederick Knott
Regie: Alfred Hitchcock

Tonys Monolog – Teil 3: Der Plan

In dem Sack sind eintausend Pfund in bar für ein paar Minuten Arbeit, denn weiter ist es nichts. Ohne jedes Risiko. Das muss Sie irgendwie reizen. Ihr ganzes Kartenhaus kann jeden Augenblick einstürzen. – Nun sehen Sie mich nicht so entgeistert an! Es stand in allen Zeitungen. Eine Frau wurde tot aufgefunden. Sie hatte eine Überdosis Morphium genommen. Sie war dem Zeug schon eine ganze Weile verfallen. Man konnte nur nicht feststellen, wo sie es herhatte. Aber wir wissen es, nicht wahr?
Die 1000 Pfund befinden sich in einem Stadtkoffer in einer Gepäckaufbewahrung, irgendwo in London. Wir sehen uns natürlich nie wieder. Sobald Sie Ihren Teil erledigt haben, schicke ich Ihnen per Post den Aufbewahrungsschein und den Schlüssel. Hier sind hundert Pfund als Anzahlung.
Den Gesamtbetrag wird man in meinen Kontoauszügen nicht vermissen. Seit einem Jahr habe ich jede Woche von der Bank zwanzig Pfund abgehoben, immer in 5-Pfund-Noten. Und die habe ich dann nach und nach in Pfundnoten eingewechselt. Ich gehe zweimal in der Woche zum Hunderennen und wette am Toto, genau wie Sie.

Eine Bedenkzeit kann ich Ihnen leider nicht bieten. Ich habe alles so arrangiert. Die Sache soll morgen abend vor sich gehen, es muss morgen sein. Genau dort, wo Sie jetzt stehen.
Morgen abend gehen Halliday, so heißt der Amerikaner, und ich zu einem Herren-Essen. Sie bleibt hier. Sie wird früh ins Bett gehen und sich das große Sinfoniekonzert im Radio anhören. Das tut sie immer, wenn ich ausgehe.
Um genau 3 Minuten vor 11 werden Sie das Haus von der Straße aus betreten. Die Haustür ist nie abgeschlossen. Den Schlüssel zu dieser Tür finden Sie hier … unter dem Treppenläufer auf der fünften Stufe.
Sie gehen dann zu diesem Fenster und verstecken sich hinter dem Vorhang. Um punkt 11 Uhr werde ich zum Telefon gehen, um meinen Chef anzurufen. Ich werde die falsche Nummer wählen, nämlich diese. Weiter werde ich nichts machen. Wenn das Telefon klingelt, werden Sie sehen, wie das Licht im Schlafzimmer angeht. Wenn sie die Tür aufmacht, wird der Lichtschein in dieses Zimmer fallen. Also rühren Sie sich nicht, bis sie am Telefon ist.
Es muss ganz geräuschlos vor sich gehen.
Wenn es vorüber ist, nehmen Sie den Hörer hoch und pfeifen ganz leise – und hängen ein. Und was auch geschehen mag, sprechen Sie nicht. Ich sage kein Wort. Wenn ich Ihr Pfeifen höre, hänge ich ein und wähle nochmal, diesmal die richtige Nummer. Ich werde mit meinem Chef sprechen, als ob nichts gewesen wäre, und gehe in den Saal zurück.
Dieser Koffer wird hier stehen. In dem sind die Sachen, die in die Reinigung kommen sollen. Sie machen ihn auf und werfen die Anzüge auf den Boden. Dann tun Sie den Zigarettenkasten und ein paar Pokale hinein. Sie schließen ihn wieder, schnappen ihn aber nicht zu. Dann lassen Sie den Koffer hier stehen, genau wo er jetzt steht. Als ob Sie weggelaufen wären.
Nun das Fenster. Sie geht oft noch einmal durch den Garten, bevor sie ins Bett geht, und gewöhnlich vergisst sie, das Fenster zuzumachen, wenn sie zurückkommt. – Das werde ich der Polizei erzählen …
Wenn es geschlossen ist, machen Sie es auf und lassen es offen. Dann gehen Sie auf dem selben Weg zurück wie Sie gekommen sind – durch diese Tür.
Und jetzt kommt die Hauptsache! Wenn Sie wieder rausgehen, legen Sie den Schlüssel an die selbe Stelle, an der er gelegen hat. Unter den Treppenläufer.
Wie wird die Polizei den Fall rekonstruieren? Man wird annehmen, dass Sie durch das Fenster gekommen sind. Sie dachten, es wäre niemand zu Hause, nahmen den Koffer und gingen an die Arbeit. Sie hörte ein Geräusch. Sie machte im Schlafzimmer Licht. Sie sahen das Licht unter der Tür und versteckten sich hinter dem Vorhang. Als sie hereinkam, packten Sie zu, bevor sie schreien konnte. Als Sie dann merkten, was Sie angerichtet hatten, ergriff Sie die Panik. Sie stürzten durch den Garten und ließen die Beute zurück.    
Ungefähr um zwölf komme ich zurück. Ich werde Halliday noch auf ein Glas Bier mitbringen, damit wir sie gemeinsam finden. Wir waren zusammen, seit wir von hier fortgegangen sind.
Das ist mein Alibi.

Bearbeitet von Monty Arnold

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Kultfilm Azubis: Oje du Fröhliche!

Was ist eigentlich ein Weihnachtsfilm? Darf man sowas selber entscheiden, oder machen das Väterchen Mainstream und Santa Algorithmus? Logisch, dass die Podcaster Monty und Torben in dieser Frage ganz unterschiedlicher Meinung sind – und nicht nur in dieser …

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/kevin-und-feivel-allein-zuhaus

A) Kevin – Allein zu Haus / Home Alone
US-Familienkomödie von 1990

Die Chicagoer Familie McAllister will zu Weihnachten mit angereister Verwandtschaft einen Trip nach Paris machen. Am Abend zuvor hat der achtjährige Kevin einen Streit mit seinem großen Bruder Buzz und übernachtet schmollend auf dem Dachboden. Am nächsten Morgen verlassen fast alle das Haus in heller Aufregung, weil sie verschlafen haben. Erst während des Fluges bemerkt Mutter Kate, dass Kevin gar nicht mitgekommen ist. Da das heimische Telefon gestört und die Nachbarschaft ebenfalls über die Feiertage ausgeflogen ist, macht sie sich verzweifelt auf den Heimweg, der Rest der Familie bleibt in Paris. Wüsste Kate, dass zwei Einbrecher den verwaisten Straßenzug für einen großen Beutezug ausbaldowert haben, wäre sie noch weitaus besorgter. Zu unrecht, denn Kevin weiß sich der Gangster zu erwehren.

Produzent John Hughes, dessen „Breakfast Club“ wir vor kurzem hier besprachen, und sein Regisseur Chris Columbus schufen einen Weihnachtsklassiker, der die unvermeidlichen Fortsetzungen nach sich zog und bis heute seine Fans hat. Noch nicht zehnjährig, war Hauptdarsteller Macaulay Culkin ein Weltstar. Als er die 14 erreichte, war er weg vom Fenster, und seine Kinderstar-Millionen hatten zum Auseinanderbrechen der Ehe seiner Eltern geführt.

 B) Feivel, der Mauswanderer / An American Tail
US-Zeichentrickmusical von 1986

Zum Weihnachtsfest 1885 wird ein weißrussisches Schtetl im Rahmen eines zaristischen Pogroms niedergebrannt. Auch die Mäuse des Ortes sind nun heimatlos. Familie Mauskewitz wandert in die Vereinigten Staaten aus, doch bei einem Unwetter während der Überfahrt wird der kleine Feivel von seiner Familie getrennt und erreicht nur mit Mühe das Festland. Auf der Suche nach seinen Angehörigen muss er erkennen, dass Vater ihm nicht die Wahrheit gesagt hat: es gibt durchaus Katzen in Amerika.

Der erste Film des ausgestiegenen Disney-Animationsdriektors Don Bluth, die finstere Parabel „Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH“, war ein Achtungserfolg. Sein zweiter, die Geschichte von Feivels Weg nach Amerika, eroberte die Herzen des Publikums, erlebte drei Fortsetzungen und eine Serie. Was die simple, an „Oliver Twist“ angelehnte Geschichte bis heute zu einem Juwel macht, sind u.a. die Schönheit des Artworks, die atmosphärische Dichte und der sinfonische Song-Score von James Horner, der gut zehn Jahre später mit „Titanic“ zum Star seiner Zunft aufstieg.

Nächste Woche: Wall Street und Wie man Erfolg hat, ohne sind besonders anzustrengen

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Schuppiges aus der Kiste

Im Gegensatz zum gleichnamigen Low-Budget-Horrorfilm von 1997 ist dies eine Actionkomödie. Statt den Film neu zu drehen, hat man sich etwas Lustigeres einfallen lassen. Wie gut ist dieses Konzept aufgegangen? Darüber sprechen Monty Arnold und Volker Robrahn im Podcast:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/anaconda-aktuelle-filmkritik

Anaconda
von Tom Gormican

Der frustrierte Hochzeitsvideoregisseur Doug und sein Jugendfreund, der verhinderte Schauspieler Griff, lassen sich von ihrer Midlife-Crisis dazu antreiben, ihren Traum in die Tat umzusetzen. Sie wollen einen Lieblingsfilm ihrer Jugend, den Billig-Schocker „Anaconda“ neu verfilmen – wozu Griff angeblich die Rechte besitzt. Sie reisen mit zwei Freunden und der mindestnotwendigen Ausrüstung an den Amazonas, wo ihnen erst die Leih-Anaconda verloren geht und dann ein sehr viel größeres wildes Exemplar in die Quere kommt.

Jack Black und Paul Rudd bespielen ihr vertrautes Rollenfach in einer altersgerecht bereinigten Version: ein Halbstarken-Ulk im Angesicht der Frührente. Und das im Urwald!

Fun-Fact:
So billig „Anaconda“ von 1997 auch war, die Filmmusik von Randy Edelman war atemberaubend und ist für den Rezensenten eines der letzten Beispiele für einen guten sinfonischen Score aus Hollywood (also einen, der nicht nur so tut). In Selton Mellos Trauer-Szene wird diese Musik in der aktuellen Verfilmung sogar ein paar Sekunden lang zitiert.

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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„The Nullpunkt Ballad“ – ein Chanson

betr.: 30. Todestag von Effi Effinghausen

Von allen Chansons von Eric Gabriel und Effi Effinghausen, die hier in den letzten Jahren vorgestellt wurden, ist „Die Nullpunktballade“ jenes, das die Grenzen der Gattung am weitesten überschreitet, das kühnste und persönlichste Werk des Duos. Man hört ihm den Zeitgeist der 80er Jahre an, einer Zeit, in der das Chanson als deutsche Liedform stillstand bzw. praktisch im Alleingang von Georgette Dee weiterentwickelt und vor einer begeisterten Subkultur verkörpert wurde. Dies ist Erics Originaltext:

Die Aufnahme der deutschen Fassung steht hier:
https://blog.montyarnold.com/2020/06/06/nullpunktballade-ein-chanson/

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Ixen für Anfänger: Vom Umgang mit dem Fragezeichen

betr.: Lesen vom Blatt / Sprechen am Mikrofon

Fortsetzung vom 16. September 2017

Etwas weniger abstrakt ausgedrückt: man mache sich bewusst, wie viele Arten von Fragen es im Leben gibt und wie unterschiedlich die Energie ist, die dahintersteckt.
Hier nur eine wenige Beispiele:

Nachfrage – Bitte um Bestätigung dessen, was man bereits ahnt oder vermutet / Bitte um eine Gedächtnisstütze
Suggestivfrage – Hoffnung auf Bestätigung dessen, was man gern hören möchte
Rhetorische Frage – Philosophische Äußerung, die als Frage verkleidet wird
Testfrage / Quizfrage – Eine Frage, deren Antwort man bereits kennt
Scherzfrage – humorige Variante der Quizfrage / ein Witz, den man mit Beteiligung des Zuhörers erzählt
Schicksalsfrage – Eine Frage, deren Beantwortung man nicht verlangen kann, aber man wäre nicht abgeneigt
Zwischenfrage – Maßnahme, um als Zuhörer den Faden nicht zu verlieren
Fangfrage – ironisches Stichwort, um eine entlarvende Äußerung zu befördern
Fachfrage – Bitte um Information auf einem Spezialgebiet
Gewissensfrage – Bitte um ehrliche persönliche Äußerung, Geständnis, Bekenntnis …

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