Flucht aus der Kochnische

In Interviews brachte Alfred Hitchcock, der damals populärste Filmemacher der westlichen Welt, gern seine Verachtung für Alltagsgeschichten zum Ausdruck, die es versäumen, uns aus ebendiesem Alltag hinauszuführen. Er nannte diese Produkte „Kitchen Sink Movies“. Ihr Versäumnis bestand darin, dass sie nichts zu erzählen hatten, was dem Publikum nicht jeden Tag selbst zur Genüge passiert, und dass sie etwas verweigerten, worauf wir mit dem Kauf der Kinokarte ein unausgesprochenes Anrecht erworben hatten: die Flucht daraus. Die Probleme mit müdem Nicht-Entertainment sind heute dieselben, sie haben nur prozentual zugenommen. Damals mag es Kleinmut gewesen sein, heute ist es eine Mischung aus fehlender Inspiration und den Beklemmungen eines verdorbenen Rezeptionsklimas, die es hervorbringen.

Als eine verdienstvolle deutsche Band ihre Auflösung aus Altergründen ankündigte, versuchte ein Fan, Altersgenosse und geachteter Journalist im Kulturteil eines wichtigen Magazins der Magie ihrer Themen auf die Spur zu kommen. Er malte eine Lebensgefühls-Collage, in der er auch der (guten) alten Zeit nachblickte: „Du sitzt morgens im Auto im Stau. Der Kaffee schmeckt nach Pappe. Du musst zur Bank, willst was besprechen. Wo früher eine Filiale war, hängt heute ein AfD-Plakat im Schaufenster. Du hast Jahre auf Elternabenden, in Kinderschuhgeschäften und auf Spielplätzen verbracht. Jetzt ziehen die Kinder aus. Und statt Freiheit spürst du Leere. Du sitzt am Bett deiner Mutter und ahnst, dass dies vielleicht das letzte Mal ist, dass sie dich ansieht. Dass dich nie wieder jemand so bedingungslos lieben wird wie sie. (…) Mut, Müdigkeit, Zusammenhalten, Wut, Erinnerungen, Liebe, Abstürze, Sehnsucht, Durchziehen.“ Der Autor lobt den von den Musikern daraus geschaffenen „Resonanzraum einer halben Generation (…) Das Big Picture fürs Auto, die U-Bahn, den Einkauf im Supermarkt, den Nachmittag am Badesee.“ Er kommt auch auf das Versagen der übrigen medialen Eskapismus-Angebote zu sprechen, (deren Auswahl wiederum die Generation kenntlich macht, um die es gerade geht): „Abends im Fernsehen überwiegend hilflose Talkmoderatoren, schlechte Serien und Zeug, das überall spielen könnte, aber mit deinem Leben nichts zu tun hat. (…) In einer Zeit, in der Fernsehen und Filme sich meist in Fantasy und Quatsch flüchten, Literatur sich oft ins Kleine und Banale zurückzieht“.
In einem Update dieses Lamentos würden noch Katzenvideos, Influencer-Lebenshilfe durch Influencer-Tipp und ein Netflix-Abo das Elend vergrößern. Dennoch ist Hitchcocks Problem damit einmal umrundet und eingetütet: das Unterhaltungsangebot hat der gefühlten Tristesse nichts entgegenzusetzen.
Während eine Band (unser Aufhänger zu Beginn) über solche Alltagsthemen 1zu1 singen und ihr Publikum damit erfreuen kann, sollten uns die fürs Fiktionale zuständigen Erzählmedien – die Filme und die Literatur, ganz gleich ob sie nun im Fernsehen kommen, gedruckt werden oder uns auf dem Smartphone begegnen – einen Eskapismus bieten, also eben nicht von Supermärkten, (geschlossenen) Sparkassenfilialen und verwaisten Kinderzimmern handeln. Mit dem Vorwurf „Fantasy und Quatsch“ verweist der Autor auf den versperrten Hinterausgang: Wenn etwas ausnahmsweise nicht trostlos und miefig ist, übertreibt es sogleich gerät zu einem Kitsch, der wie gesagt „mit deinem Leben nichts zu tun hat“ – oder doch so wenig, dass es nicht genügt, um mitzureißen und aus dem Alltag herauszuholen.

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Kultfilm Azubis: Nachbarskinder

Die Helden der beiden Filme im heutigen Podcast bildeten im eben wie in der Kunst ein unzertrennliches Gespann von Sandkastenfreunden: Harper Lee und Truman Capote.

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A) Wer Die Nachtigall stört / To Kill A Mockingbird
US-Drama von 1962

Es ist das Jahr 1932, die Zeit der Großen Depression. Atticus Finch, engagierter Anwalt im ländlichen Alabama, will seinen beiden Kindern, die er als Witwer aufzieht, ein Vorbild sein. Als ein schwarzer Farmarbeiter fälschlich wegen Vergewaltigung angeklagt wird, bestimmt man ihn zum Pflichtverteidiger. Trotz Finchs legendär gewordenen 9minütigen Plädoyers in einem Take, siegt die Gerechtigkeit nur auf Umwegen. Die Geschichte ist aus der Sicht der kleinen Tochter des Anwalts erzählt, Stellvertreterin der Autorin.

Harper Lees Bestseller erhielt 1961 den Pulitzer-Preis. Da er viel Humanismus, keine Liebesgeschichte, keinen wirklichen Bösewicht und nur wenig Action enthält, konnte sich der junge Produzent Alan J. Pakula die Rechte sichern. Er verhalf dem liberalen Filmstar Gregory Peck zur sprichwörtlichen „Rolle seines Lebens“ – was bei einer so langen Karriere etwas heißen will. Robert Duvall gibt sein Kinodebüt als geheimnisvoller Kinderschreck Boo.

B) Capote
Amerikanisches Biopic von 2005

Der New Yorker Gesellschaftslöwe und Erfolgsautor Truman Capote liest in einer schmalen Zeitungsnotiz von der bestialischen Ermordung einer Farmerfamilie im fernen Kansas. Er will eine Reportage darüber schreiben, wie die kleine Gemeinde Holcomb mit dieser verstörenden Situation umgeht. Die Mörder werden rascher gefasst als er dachte – und damit tut sich eine viel größere Erzählung auf, die jetzt erst richtig anfängt. Das Buch wird Geschichte machen, der Weg dorthin wird den Schriftsteller auffressen.

Wir erleben das Making-Of des ersten großen True-Crime-Erfolges „In Cold Blood“ und den Wendepunkt im Leben seines Autors Truman Capote. Philip Seymour Hoffman ist mit der genialen, abgründigen Skandalnudel so trefflich besetzt, dass selbst die Fans seiner Schauspielkunst ins Staunen gerieten. Klugerweise baut Bennett Miller seinen Film auf wenigen entscheidenden Kapiteln der Capote-Biographie von Gerald Clarke auf.

Nächste Woche: Die nackte Kanone und Die Morde des Herrn ABC

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Wie kommt das Gold ins Auge?

betr.: 118. Geburtstag von Ian Fleming

Die Krise, die die Filmreihe um James Bond gegenwärtig durchläuft, hat sicher damit zu tun, dass es diesen Helden und seine Präsenz auf der Leinwand schon so lange gibt. In mehr als 60 Jahren kann sich auch ein moderner Mythos ganz einfach abnutzen. Übler noch dürfte ihm der Zeitgeschmack zugesetzt haben, der inzwischen auch vor erfundenen Figuren nicht haltmacht.
Ihre erste Krise hatte die Bond-Reihe nach dem letzten Auftritt von Roger Moore erlitten, der zuletzt (1985) für den Part zu alt geworden und vom glücklosen Timothy Dalton abgelöst worden war.
„GoldenEye“
war 1995 nach sechs Jahren Pause, der längsten Unterbrechung bisher, der erste Film, in dem Pierce Brosnan die Titelrolle spielte. Die Produzenten hatten ihn schon zuvor haben wollen, aber wegen seiner Fernsehverpflichtungen einen Ersatz suchen müssen. (Mit Roger Moore war das einst ebenso gewesen.)
„GoldenEye“ ist nicht der Titel eines Romans – die Bücher des 1964 verstorbenen Autors Ian Fleming waren längst alle verfilmt, teilweise mehrfach. Er leitet sich von Flemings Anwesen auf Jamaika ab. 1944 hatte sich der spätere Erfolgsautor während einer Marine-Konferenz auf Jamaika aufgehalten. Es war Liebe auf den ersten Blick: „Ich war nie zuvor in den Tropen gewesen, und es gefiel mir sofort. Also beschloss ich eines Tages mir dort ein Haus zu bauen, in dem ich wohnen könnte, wann immer mir danach zumute wäre. Ich fand den richtigen Ort: eine Esel-Rennbahn am Meer, die nicht mehr in Betrieb war.“

Beruflich nahm Fleming nach dem Ende des Krieges, seine Arbeit als Journalist wieder auf und leitete die Auslandsabteilung eines Zeitungskonzerns. Sein Vertrag sicherte ihm zu, dass er zwei Monate pro Jahr in seinem Haus am Strand von Jamaika leben konnte.
Warum er seinem Traumhaus den Namen Goldeneye (ohne den Binnen-Großbuchstaben) gegeben hat, wird unterschiedlich erklärt. Eine Variante besagt, das er das Haus nach einem von ihm entwickelten Plan aus dem Zweiten Weltkrieg benannte, nach dem die Straße von Gibraltar vor einer Radarüberwachung durch die Deutschen geschützt werden sollte. Eine andere Version will wissen, dass er sich bei Carson McCullers‘ Romantitel „Reflections in a Golden Eye“ bediente.

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Der Song des Tages: „Bugsy Malone“

betr.: 50. Jahrestag der Präsentation von „Bugsy Malone“ auf dem Filmfestival von Cannes

Es gab und gibt in Hollywood eine Handvoll Filmkomponisten, die Williams heißen. Auch Paul Williams hat sich auf diesem Feld hervorgetan, war aber zuallererst Songschreiber; auch als Schauspieler hat er gearbeitet. Zu seinen Erfolgen zählt der Oscar für Barbra Streisands Song „Evergreen“ („A Star Is Born“), zu seinen Flops der immerhin legendäre Reinfall „Phantom Of The Paradise“ von Brian De Palma, für den er den Soundtrack komponierte. Mit seinen Musikerkollegen Barry Manilow, Rick Astley, Heino und Peter Maffay teilt der lustige rothaarige Bursche das Schicksal, dass sich gern in boshaften Kommentaren und Parodien über ihn lustig gemacht wurde.

Der heutige Tag ist ein schöner Anlass, seinen großartigen Titelsong für das Filmmusical „Bugsy Malone“ aufzulegen (wenn die Zeit nicht für das komplette Album reichen sollte).
Alan Parkers „Bugsy Malone“ ist ein komplett mit Kindern besetzter Gangsterfilm, in dem Jodie Foster einen frühen Auftritt hatte. Er ist sehr sorgfältig und stilecht ausgestattet, doch selbstverständlich zerfetzen die Kids einander nicht mit Maschinengewehrsalven: es wird mit Sahne geschossen. Eine besonders üble Auseinandersetzung der rivalisierenden Banden führte zu der dritten großen Tortenschlacht des amerikanischen Kinos nach „The Battle Of The Century“ (1927) und „The Great Race“ (1965).

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Notes On A Podcast: „Das Privatleben des Sherlock Holmes“*

Seit Jugendtagen ist „Das Privatleben des Sherlock Holmes“ einer meiner Lieblingsfilme. Er gehört zu den Top 5, falls es so etwas bei mir überhaupt geben kann.
Mehr als 50 Jahre nach seiner Entstehung bietet dieses leise, poetische Drama eine noch immer eine bemerkenswerte Variante der Holmes-Figur, die schon zuvor und besonders seither unablässig immer wieder parodiert, persifliert, plagiiert und neu ausgedeutet wird.
„Das Privatleben des Sherlock Holmes“ eröffnet das Spätwerk des großen Billy Wilder, ist für mich persönlich der beste Titel aus dieser Schaffensphase (weit vor „The Front Page“ oder „Avanti, Avanti!“) und wird dennoch fast immer vergessen.
Auch die Fachwelt mochte sich ihm nicht widmen. Wilders Kollegen Volker Schlöndorff, Helmut Dietl und Cameron Crowe unterließen es, ihn im Interview dazu zu befragen. Auch Hellmuth Karasek ignorierte den Film fast völlig, als er seine vor Flüchtigkeitsfehlern vibrierende „Nahaufnahme“ des Regisseurs in Buchform vorlegte. Er begründete das einmal schmallippig mit dem Hinweis, dass in diesem Film keine Stars vorkommen. So halbseiden eine solche Haltung für einen seriösen Filmhistoriker ist, so gut bringt sie auf den Punkt, was der heutigen Gemeinde dabei hilft, dieses Juwel zu übersehen.
Ein Genre dafür zu bestimmen, ist ebenso schwer wie die Beantwortung der Frage, was den hintersinnigen Komödienspezialisten Wilder eigentlich an seinem berühmten Gegenstand interessierte. Er demontiert seinen Helden nicht – obwohl der zentrale Fall des Films einer von denjenigen ist, die Holmes ungewöhnlicherweise nicht löst, und obwohl Watson hartnäckig versucht, herauszufinden, wie sein seltsam unnahbarer Freund und Mitbewohner es mit den Frauen und mit der Liebe hält. Er karikiert ihn nicht, obwohl es den Wilder-typischen Witz durchaus gibt.

Die Fernsehzeitungen scheiterten daran, den Film in kurzen Worten vorzustellen. Selbst die TV-Beilage des „Stern“ (einst ein wirklich ambitioniertes Heft im Heft) und die sorgsam-spitzfindige „TV Spielfilm“ schrieben unzutreffend darüber. So enthüllt der Film weder Holmes‘ Kokainsucht (die ist ein alter Hut), noch deutet er an, der Detektiv sei schwul – das argwöhnt Watson zwar zeitweise, doch es findet sich kein Beleg dafür.
Auch Billy Wilder selbst hat sich von seinem Lieblingsprojekt schließlich verbittert abgewandt, nachdem er vom Verleih gezwungen wurde, es von dreieinhalb auf zwei Stunden zu kürzen, und das Werk an der Kinokasse enttäuschte.
Als 1994 das MGM-Laserdisc-Label mit der Bitte an den Regisseur herantrat, bei der Rekonstruktion der Urfassung zu helfen, beschied Wilder knapp, er habe alles weggeschmissen. Die Wiederherstellung (sie fand sich später auch auf der Bluray-Veröffentlichung) blieb Fragment: von den fehlenden Szenen existieren heute nur noch entweder eine Tonspur ohne Bild, Filmszenen ohne Ton oder nur noch Standfotos.

Die zweistündige Schnittfassung, die wir heute zur Verfügung haben, ist von dieser Verstümmelung seltsam unbeschädigt. Der Film ist so makellos konstruiert, dass er vollständig wirkt. Und das ist nicht das einzige, was ihn bis heute sehenswert macht.

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* Der Podcast zu „Das Privatleben des Sherlock Holmes“ erscheint am 19. Juni.

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Lesen vom Blatt – Lange Sätze

betr.: Sprechen am Mikrofon / Übung

[Andrei Nikolajewitsch] Kolmogorows Axiome der Wahrscheinlichkeit und die Kalküle, die aus ihnen folgen[…], stellen den Zugang zur Wahrscheinlichkeit vom Intuitiven um aufs Kalkulierte, vom fehleranfällig Natürlichen aufs Künstliche – gerade so, wie Nachtsichtgeräte und Restlichtaufheller uns elektromagnetische Wellen erkennbar machen, die wir anderenfalls übersehen müssten, und gerade so, wie spezielle Mikrofone uns helfen, Ultraschall zur Kenntnis zu nehmen, und gerade so, wie Hundepfeifen uns erlauben, Töne zu erzeugen, die wir mit unseren Naturohren selbst nie hören würden, können Gleichungen, wenn wir regelrecht an ihnen herumschrauben, Ergebnisse produzieren, die Sachverhalte offenlegen, die uns anderenfalls verborgen bleiben müssten.

Dietmar Dath: „Niegeschichte“ – Matthes & Seitz Berlin

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Artificial Stupidity

Über das letztliche Obsiegen der KI über den Menschen mache ich mir keine Illusionen, ehrlich!
Wie unbeholfen und fehleranfällig sie aber immer noch ist (solange sie nicht von östlichen Cyber-Terroristen oder Sexualstraftätern genutzt wird), merke ich hin und wieder an den Illustrationen von ARD Sounds. Diese Mediathek wäre ohne kybernetische Hilfe kaum so zuverlässig mit Thumbnails für ihr gewaltiges Angebot zu versorgen.
Ich nutze selbst keine KI, habe aber vor einigen Tagen wieder erfahren dürfen, wie schwer sich mit ihr kommunizieren lässt, etwa wenn es gilt, Korrekturen an einer halbwegs brauchbaren Ablieferung vorzunehmen.
Die Abbildung zeigt ein Beispiel, das selbst Laien irritieren könnte – Laien des Radios, des Tonstudios, der Schlafmedizin, der Auftragskillerei wie auch der Sparte Grafik / Design.
Um im Jargon des beworbenen Beitrags zu bleiben: nicht nur „Mörder sind blöd“.

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„Ich hätt‘ mir was zu Lesen einstecken sollen.“

betr.: 9. Todestag von Roger Moore

Lange Zeit war das Geburtsjahr des dritten und am häufigsten agierenden James-Bond-Darstellers Roger Moore ein Rätsel. Genannt wurden stets wahlweise 1927 und 1929, immerhin der Stichtag 14. Oktober blieb gleich.
Die Idee, einen so sehr vom Ur-Bond Sean Connery abweichenden Typen zum neuen 007 zu machen, galt lange Zeit als haarsträubend, das relativierte sich im Laufe seiner 12jährigen Amtszeit. Heute spielt solcherlei keine Rolle mehr, da sich das Publikum für so weit zurückliegende Affären nicht einmal dann interessiert, wenn sie an eine so beliebte Marke gebunden sind.
Zwei Dinge bleiben mir in Erinnerung: Roger Moore brauchte zwei laue Auftritte, bis er diese Figur wirklich im Griff hatte, sein dritter Auftritt „Der Spion, der mich liebte“ geriet dafür umso eindrucksvoller. Außerdem hat er meines Wissens nie herumgejammert, wie schrecklich es sei, eine so begehrte Rolle ergattert zu haben, was bei seinen Agenten-Kollegen quasi zum Grundrauschen gehörte.
Überhaupt war Moore – eigentlich zu schön für diesen Part – nie um einen flapsigen Spruch verlegen, wenn die Leute von der Presse hereinkamen.
Nachdem er zum neuen Bond gekürt war, musste er abnehmen. Dazu meinte er: „Ich glaube, ich habe mehr Gewicht beim Friseur verloren als durch meine Diät und die Gymnastik.“
Als weitere typische Moore-Interview-Antworten sind diese erhalten.
„Was würden Sie tun, wenn Sie plötzlich sparen müssten?“ – „Als erstes bekämen die Kinder nichts mehr zu essen.“
„Warum tragen Sie so gerne Krawatten?“ – „Sie verhindern, dass die Soße beim Essen direkt auf das Hemd spritzt.“
„Sind Sie abergläubisch?“ – „Ach nein, überhaupt nicht. Aber ich würde auf keinen Fall unter einer Leiter durchgehen oder Salz verschütten. Das hieße, die Vorsehung herauszufordern.“
Moore hielt sich schauspielerisch nicht für besonders talentiert und erging sich ständig in Understatements, die an die des Bond-Erfinders Ian Fleming erinnerten – allerdings ohne dessen Konjunktiv, es ja eigentlich viel besser zu können. Als der Reporter Erich Kocian ihn 1979 fragte, wie er all diese Sentenzen über sein minderes Spiel denn wirklich meine, antwortete er mit entwaffnendem Lächeln: „So wie ich es sage. I’m a shit.“
In der Branche hörte man sonst niemanden etwas Böses, Boshaftes oder auch nur Hämisches über Roger Moore sagen. Er schien keine Feinde zu haben, gerade so, als sei er tatsächlich der unkomplizierte,  fröhliche Kollege, den man sich beim Betrachten seiner Bond-Filme so vorstellt.

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Kultfilm Azubis: Reiches Mädchen trifft Mann aus dem Volke

Gegensätze ziehen sich an, aber was kommt danach? Von der tiefen Spalte zwischen den Milieus handeln die Filme unserer heutigen Präsentation. Die Mädels stehen in unserem heutigen Podcast gesellschaftlich weit über ihren Lovern, doch das macht es für beide nicht einfacher:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/bodyguard-du-lebst-noch-105-minuten

A) Bodyguard / The Bodyguard
Amerikanisches Liebesdrama von 1992

Der frühere Secret-Service-Agent Frank Farmer soll sich um die Schauspielerin und Sängerin Rachel Marron kümmern, die seit einiger Zeit Drohbriefe erhält. Der Diva  selbst erzählt man weder von den Briefen noch von Farmers neuer Rolle in ihrem flatterhaften Leben. Als er ihre Villa in eine Festung umbauen lässt und ihr ins Privatleben hineinredet, wehrt sie sich. Doch dass er sie „niemals aus den Augen lassen“ darf, führt beide bald in Versuchung …

„Bodyguard“ war ein gewaltiger Erfolg und blieb es nicht zuletzt wegen Whitney Houstons Song „I Will Always Love You“. In den 80er und 90er Jahren brachte das Drei-Oktaven-Stimmwunder weltweit mehr als 170 Millionen Tonträger unters Volk und gewann sechs Grammys. Was der Film am Thema Starruhm für die Teenager-Zielgruppe geglättet hat, rückte das Leben umso grausamer wieder zurecht. 2012 wird Houston tot in einer Badewanne des Beverly Hilton Hotel in Los Angeles aufgefunden. Da liegt ihre Blütezeit längst hinter ihr, außerdem alles, was sich für einen Rockstar gehört: Skandale, Drogen-Exzesse, Entziehungskuren, Comebacks und Comebackversuche.

B) Du lebst noch 105 Minuten / Sorry, Wrong Number
Amerikanischer Thriller von 1948

Die schwerreiche Leona Stevenson liegt im Bett und telefoniert. Sie macht sich Sorgen, wo ihr Mann bleibt, doch in seinem Büro ist immerzu besetzt. Durch einen Vermittlungsfehler belauscht sie das Telefonat zweier Männer, die sich offensichtlich für einen Mord verabreden. Entschlossen, ein gutes Werk zu tun, denn Mrs. Stevenson hält sich für einen außerordentlich guten Menschen, teilt sie ihr Erlebnis im folgenden Anruf einem Polizeibeamten mit. Sie wird in dieser Nacht noch viele Anrufe tätigen und erhalten – und in ihren Leben wird kein Stein auf dem anderen bleiben …

„Sorry, Wrong Number“ war in der Blütezeit des Radios ein erfolgreiches Hörspiel. Während die Originalbesetzung, die Schauspielerin Agnes Moorehead, auf boshafte Charaktere quasi festgelegt war, konnte die schöne, aber abgründige Barbara Stanwyck in Film die Ambivalenz ihrer Figur optimal herausarbeiten: das herrschsüchtige, vereinsamte Alpha-Weibchen, das in sich selbst den schlimmsten Feind gefunden hat. Neben einem illustren Ensemblespiel, das der junge Burt Lancaster anführt, hält der Film eine elegante Thriller-Atmosphäre, gruselige Anrufer, ein verfallenes Strandhaus im nächtlichen Staten Island und ein Finale breit, das die Konventionen Hollywoods missachtete.

Nächste Woche: Wer die Nachtigall stört und Capote

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Ein bibelfestes Schreckgespenst

Heute im Podcast:
Die aktuelle Filmkritik

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Passenger
Romantischer Horrorfilm von André Øvredal

Maddie lässt sich von ihrem Verlobten Tyler dazu überreden, ein Leben als unbeschwertes Freiheit-Abenteuer im eigenen Camper zu wagen. Von der Bewohnerin eines Camps werden sie gewarnt, nicht nachts zu fahren und wenn, dann um Himmels Willen niemals anzuhalten. Leider haben sie das bereits getan, als sie auf der Strecke Zeugen eines mysteriösen Unfalls wurden. Und es sieht ganz so aus, als wäre ein mordlustiger Dämon zugestiegen, der sie nun begleitet: der „Passenger“.

Der Film greift den popkulturellen Trend des romantisierten „Van Life“ auf und lässt das Versprechen von Freiheit und Unabhängigkeit in klaustrophobischen Horror umkippen. Jacob Scipio und Lou Llobell spielen ein Pärchen im Banne des Übernatürlichen und Melissa Leo ihre Mahnerin am Wegesrand.

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