Neu im Kino: Fiese Reiche und schöne Knochen

Seit der Erfolg von „Knives Out“ zur Serie angewachsen ist, hat das uralte und irgendwie gemütliche Genre des Krimi-Kammerspiels, der Thriller in geschlossenen Räumen, wieder Konjunktur. Das passt prima zum Jubiläum der „Queen Of Crime“ Agatha Christie, das dieser Tage in den Mediatheken gefeiert wird. Aber ist der neueste Beitrag „The Housemaid“  auch so witzig wie es diese Beispiele?
Im aktuellen Podcast versuchen wir, es herauszufinden:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/the-housemaid-wenn-sie-wuesste-aktuelle-filmkritik

The Housemaid – Wenn sie wüsste
Thriller von Paul Feig

Die 27-jährige Millie hofft nach der Entlassung aus dem Gefängnis als Hausmädchen bei einem wohlhabenden Ehepaar neu anzufangen. Doch schon bald merkt sie, dass sich hinter der Fassade aus Luxus und Eleganz eine dunkle Wahrheit verbirgt, die weitaus gefährlicher ist als ihre eigene. Ein verführerisches Spiel um Geheimnisse, Skandale und Macht beginnt…

Sydney Sweeney und Amanda Seyfried spielen die Hauptrollen in dieser Verfilmung eines Bestsellers von Freida McFadden.

Außerdem unterhalten wir uns über den neuen Film von Ralph Fiennes:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/28-years-later-the-bone-temple

28 Years Later: The Bone Temple
Horror-Drama von Nia DaCosta

Nachdem Spike seine Heimatinsel hinter sich gelassen hat, gerät er in die Fänge der Satanistensekte um den Guru „Sir Jimmy Crystal“. Der kleine Junge wird genötigt, sich der Horde anzuschließen. Inzwischen hat Dr. Ian Kelson das Vertrauen eines grobschlächtigen Alpha-Virus-Trägers gewonnen, den er Samson nennt. Als Sir Jimmys Sekte Kelsons Refugium, den „Bone Temple“ entdeckt, erpresst er den Einsiedler, ihn bei seinen Plänen zu unterstützen …

Angeregt von der Comicserie „The Walking Dead“, die später erfolgreich als TV-Serie umgesetzt wurde, brachte der Brite Danny Boyle den Zombie-Mythos in „28 Days Later“ erfolgreich auf die Leinwand und machte inhaltliche Anleihen. Eine Fortsetzung später, legte er voriges Jahr mit „28 Years Later“ den Grundstein für eine neue Filmreihe, die nun im Kino ihre Fortsetzung findet.

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Zum Tode von Scott Adams

Sein „Dilbert“ war Ende der 80er Jahre der erste Comic-Strip, der sich spezifisch mit dem Computerzeitalter auseinandersetzte – wenn es hier auch vor allem der (nicht weniger wichtige) Büro-Alltag war, in dem Scott Adams Ignoranz und menschliche Doofheit wie unter der Lupe vorführte. Mit einer so zutreffenden Satire einen derartigen Erfolg zu haben, ist an sich schon ein dolles Ding: in seinen Glanzzeiten erschien „Dilbert“ in 2000 Zeitungen weltweit und wurde in Bücher gebunden.

Dass Scott Adams nun von uns gegangen ist, ist der Endpunkt eines mählichen Siechtums, das ihn und seinen Helden zuletzt unserer Aufmerksamkeit entzogen hat. Allem Anschein nach war es ein qualvolles.
Erstmals aufgeschreckt wurde ich durch die Kurzmeldung in einer fachlichen Reklamepublikation, die bereits einen Endpunkt setzte: im März 2023 stellte Adams seinen Comic ein, nachdem viele Zeitungen „Dilbert“ abgesetzt hatten und er den Übrigen wohl zuvorkommen wollte. Das wiederum war bereits die Folge „des sorglosen Umgangs seines Schöpfers mit Aussagen, die ihm als rassistisch gedeutet wurden. Adams hatte angegeben, dass er sich bisher mit der Gruppe der Afroamerikaner identifiziert hätte, jedoch eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Rasmussen seine Einstellung geändert habe. Darin hatten 47% der Afroamerikaner angegeben, dass sie die Aussage »It’s OK to be white« (einen von weißen Rassisten verwendeten Slogan) ablehnten. Adams gab an, dass er durch diese Umfrage bemerkt habe, dass er mit seiner Unterstützung und Identifikation mit der schwarzen Bevölkerungsgruppe der USA Teil einer »Hate Group« geworden sei, und empfahl, von Afroamerikanern Abstand zu halten.“
Das mag als Begründung, nach 40 Jahren die Freude an der eigenen Kunst verloren zu haben, unnötig und fadenscheinig sein, es ist dennoch ein aufschlussreiches Statement.
Später erfuhr ich, dass Adams sich schon 2006 als Holocaust-Zweifler hervorgetan und etwas später Misogynie zu einem männlichen Grundrecht erklärt hatte, selbstverständlich war er auch Covid-Impfskeptiker. Kurzum: das langsame Hinübersacken auf die rechte Seite, das sich bei in die Jahre kommenden Intellektuellen häufiger beobachten lässt.

Zuletzt war der Meister soweit, dass erDonald Trump persönlich um Hilfe anging. Im November 2025 bat er ihn auf „X“ um Unterstützung im Kampf gegen seine Krankenkasse: die verzögere ihm den Zugang zu einem dringend benötigten Prostatakrebs-Medikament. Trump versprach zu helfen.

Ich werde meine „Dilbert“-Comics in Ehren halten.

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Vom Nachleben wahrer Begebenheiten: Autofiktion (1)

Ich weiß nicht, ob das Kinopublikum wirklich so großen Wert auf den Wahrheitsgehalt seines Feierabend-Programms legt, doch es fällt auf, wie gern Hollywood seinen Produkten die Zeile voranstellt: „Nach einer wahren Begebenheit“. Während dieser Satz für mich eher nach schlechtem Gewissen klingt, mag er insofern gute Reklame sein, als sich auf dem Feld der Literatur die „Autofiktion“ tatsächlich großer Beliebtheit erfreut. Das Präfix „Auto“ (= von mir selbst / über mich selbst) hebt das folgende „Fiktion“ (= etwas Erfundenes) nämlich auf: nur die Details und der Stil sind fiktional, die enthaltene persönliche Interpretation ist legitim, dennoch sage ich die Wahrheit. Ich war dabei, ich muss es ja schließlich wissen.

Der trendige Begriff „Autofiktion“ ist seit langem in der Welt und hat es über den Umweg des Marketing-Sprech als Genrebegriff in den Sprachgebrauch geschafft. Clemens Böckmann dazu in der aktuellen „Wochentaz“: „Autofiktion, ernst genommen, bedeutet Ermächtigung und die Rückgewinnung einer zerstörten Autonomie. (…) Geschichten, die Identifikation erlauben, haben Konjunktur“  und fragt: „Was sagt es über eine Gesellschaft aus, dass sie die dringende Sehnsucht hat, sich mit den Opfern zu identifizieren? Wer meinte, mit dem Literaturnobelpreis für Annie Ernaux sei der Höhepunkt erfahrungsbasierter Literatur erreicht, wird durch die Programme deutscher Verlage und die Shortlists vieler Preise eines Besseren belehrt. (…) Folgt man der Spur der Autofiktion, führt sie direkt in Debatten über Identitätspolitik. Schon Ende der 1990er Jahre kritisierte Maxim Biller die Homogenität der deutschen Gegenwartsliteratur und verzweifelte an der selbstbezogenen, kleinbürgerlichen Langeweile angesichts ausschließlich weißer, nicht jüdischer Autoren.“ Inzwischen müsste Biller denselben auch noch ihr männliches Geschlecht und ihr fortgeschrittenes Alter zum Vorwurf machen, um nicht ungebührlich aus dem Erregungsraster zu rutschen – und würde sich damit gleich zweimal selbst in die Pfanne hauen.
Böckmanns Fazit: „Die realen Erfahrungen eines Opfers sollte niemand erleben müssen, doch ihre Erzählungen sind längst zur Ware geworden. Das Publikum will Leiden nachvollziehen – konsumieren – ohne daraus zwingend Konsequenzen zu ziehen.“ Als Grund dafür erkennt der Autor eine „Tendenz, sich nicht den Tätern zuordnen zu wollen. (…) Entsprechende Bücher bedienen das Bedürfnis nach Opfererzählungen und berühren Fragen von Schuld, blenden aber gesellschaftliche Verantwortung aus: Täter sind immer die anderen.“

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Immer noch viel besser als man denkt

betr.: 50. Todestag von Agatha Christie

Runde Geburtstage werden lieber gefeiert als runde Todestage. Doch Agatha Christie, die „Queen Of Crime“, steht über solchen Erwägungen. Ähnlich wie ihre Kollegin, die andere aktuelle Jubilarin Jane Austen, wird auch sie emsig immer wieder neu verfilmt, inzwischen erlauben ihre Erben sogar Nachdichtungen.*
Sowohl der wiedererwachte ARD-Krimi-Podcast „Kein Mucks“ aus auch der des SRF widmeten ihre aktuelle Folge am letzten Donnerstag der Erfinderin von Hercule Poirot und Miss Marple. In der kürzlich ins Netz gestellten Hörbuch-Reihe in der ARD Audiothek gibt es auch Erzählungen abseits dieser beiden Serien zu hören. Zwei davon liest erfreulicherweise der großartige Friedrich Schoenfelder, der bei dieser Aufgabe ebenso glänzt wie er es viele Jahre als Synchronschauspieler getan hat.

Ein besonderes Vergnügen vom 6. Januar ist noch auf der Homepage des Kultursenders Ö1 nachhörbar.** „Ausgewählt“ wirft unter dem Titel „Agatha Christie und die Musik“ einen Blick auf die Musik in einigen Verfilmungen der Christie-Krimis wie Nino Rotas Soundtrack zu „Tod auf dem Nil“ von 1977 oder das berühmte „Miss Marple-Thema“ von Ron Goodwin. Filmmusik ist hier ein guter Zugang, denn obwohl die britische Autorin Pianistin werden wollte und als junge Frau ein Musikstudium begann, spielt Musik in ihren Kriminalfällen kaum eine Rolle. Dass Agatha Christie Nino Rotas großartige Musik nicht mehr hören konnte, ist trotzdem bedauerlich.
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* https://oe1.orf.at/programm/20260108#819161/Agatha-Christie-und-die-Musik
** Siehe https://blog.montyarnold.com/2025/12/11/neue-faelle-fuer-miss-marple/

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Golden Globe für Bestes Drama: „Hamnet“

Mehr als 400 Jahre nach seinem Tod kann mit dem Namen Shakespeare noch jeder etwas anfangen. Über ihn persönlich wissen wir so gut wie nichts – nicht einmal mit Sicherheit, ob er die knapp 40 Dramen tatsächlich geschrieben hat, die sich teilweise bis heute auf den Spielplänen von Kino, Theater und Internet gehalten haben. Ab und zu wird er sogar selbst zum Thema. Es ist wieder soweit: Soeben hat „Hamnet“ den Golden Globe als bestes Drama erhalten, was zum Zeitpunkt unseres Gesprächs noch nicht klar war, aber Torben vermutete schon etwas in der Art:

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HAMNET

Historisches Drama von Chloé Zhao

Die feinfühlige Agnes und ihre große Liebe, der Handschuhmachersohn William, wirken in der streng normierten ländlichen Gesellschaft von Warwickshire wie Freaks. Immerhin: sie finden zueinander und heiraten. Schon bald zeigt sich, dass William in der Enge der Kleinstadt verrückt wird. Er muss nach London, um dort seiner Theaterambition nachzugehen. Da Agnes wiederum das Leben in der Natur nicht aufgeben will, lässt William sie und die drei Kinder Susanna, Judith und Hamnet zurück. Das tragische Ereignis, das die Familie bald darauf erschüttert, werden die Eheleute getrennt voneinander verarbeiten …

Die Autorin Maggie O’Farrell half der Regisseurin, ihren gefeierten Roman zum Drehbuch umzuarbeiten. Die Frucht ihrer Arbeit wurde auf dem Toronto International Film Festival im vorigen Jahr mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

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Zum Franchise

Wenn Begriffe aus einem Fachbereich in einen anderen hinüberwandern, sich vage an seiner eigentlichen Bedeutung orientierend, dann ist das niemals ein gutes Zeichen. Man denke nur an schöne Dinge wie Oper, Zirkus und Theater, die sogleich einen unflätigen Klang annehmen, wenn man sie etwa auf das Familienleben oder die Effizienz einer Abteilung im Unternehmen anwendet.
Auch wenn das niemand zugeben wird: mit dem Begriff „Franchise“ verhält es sich genauso, seit er in kulturellen Kontexten Verwendung findet. Im Zusammenhang mit Hollywood ist seine Bedeutung schlicht verheerend.

In seiner aktuellen politischen Kolumne im „Spiegel“ gebraucht ihn Markus Feldenkirchen für eine niedergehende Partei (da passt er gut hin, ist aber wiederum kein Kompliment).
Feldenkichen erinnert uns: „Franchise bedeutet, dass ein Oberboss sich ein Produkt ausdenkt, dann genau festschreibt, wie dieses Produkt zu sein hat und wie die Räumlichkeiten aussehen sollen, in denen das Produkt verkauft werden soll, ehe dann andere, sogenannte Franchisenehmer, die einzelnen Filialen zwar irgendwie leiten dürfen, im Kern aber fremdbestimmt sind. Vom Oberboss oder irgendeinem Headquarter. Denn das gehört zum Franchisebegriff dazu: dass die lokalen Leiter [eines Kettenrestaurants] nicht einmal die Dicke des sauren Gürkchens im Cheeseburger ändern dürfen, ohne Ärger mit dem Headquarter zu bekommen.“
Wer sich vorstellen kann, dass unter derartigen Bedingungen kreative Arbeit auch nur denkbar sei, der hat einen völlig anderen beruflichen Background und ganz andere Interessen.

In der alten Zeit des Studiosystems gab es diese End-Bosse auch. Doch sie überließen die künstlerische Ausführung letztlich ihren Angestellten und straften unter Umständen das Endergebnis ab. Sie verstanden ihr Handwerk, obwohl sie selten angenehme Menschen waren – so das Urteil eines Kenners und Leidtragenden der Verhältnisse, des klassischen Hollywood-Regisseurs Jack Arnold. Auch sein arrivierterer Kollege Billy Wilder hat sich in diesem Sinne geäußert. Man stelle sich vor, was etwa Walt Disney – seinerzeit einer der kleineren Studiobosse – empfinden würde, dürfte er sich ein aktuelles Produkt seines Imperiums ansehen. Vergessen wir nicht: Disney war zunächst selbst Künstler. Das sind die Bosse unserer Tage nicht.

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Kultfilm Azubis: Helden wie sie im Buche stehen

Literarische Krimihelden mit Leinwanderfahrung stehen im Mittelpunkt der heutigen Folge unseres Podcasts. Der Hauptfilm wurde uns mehrmals vonseiten des Publikums angetragen:

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Eine Leiche zum Dessert / Murder By Death
Amerikanische Krimiparodie von 1976

Der exzentrische Millionär Lionel Twain lädt die fünf berühmtesten Detektive der Welt nebst Anhang zu einem Wochenende in sein in gruseliger Einöde gelegenes Landhaus ein. Schon aus Eitelkeit erscheinen sie alle, denn neben einem üppigen Dinner wird ihnen ein Mord versprochen. Der Hausherr erklärt ihnen, dieser würde sich um 12 Uhr ereignen, Täter und Opfer säßen bereits mit am Tisch. Dem siegreichen Ermittler winkt eine Million Dollar. In der Tat verwandelt sich das Anwesen um Mitternacht in ein Tollhaus – doch wer nun eigentlich tot oder lebendig ist, ist eines der vielen Rätsel, die zu lösen sind.

Neil Simon war zeitweise der erfolgreichste Theaterautor des Broadway – und bleibt einer der witzigsten. Mit dieser Genreparodie fügte er seinen zahlreichen Filmadaptionen ein Originaldrehbuch hinzu, das er noch am Set verfeinern konnte. Die sowohl literarisch als auch filmisch wichtigsten fiktiven Krimihelden der Zeit – Hercule Poirot und Miss Marple, das elegante Ehepaar Charles aus der „Thin Man“-Serie, Charlie Chan sowie ein Hybrid aus den Hard-boiled-Detectives Sam Spade und Philip Marlowe – werden von einem ebenso schillernden Filmstar-Ensemble verkörpert und von den Giganten ihres Mediums synchronisiert. Dass die große Myrna Loy vor diesem Spaß zurückschreckte, weil ihr das Drehbuch zu gewagt war, erweist sich im Rückblick als prophetischer Akt der traurigen Sorte.

B) Blutsverwandte / Les Liens de Sang
Französisch-Kanadischer Thriller von 1977

Die 17jährige Muriel Stark wird nachts in einem Hauseingang erstochen, wo sie nach einer Party vor einem Wolkenbruch Schutz gesucht hatte. Die Augenzeugin, ihre 15jährige Cousine Patricia Lowery, kommt völlig verstört und mit Schnittwunden auf die Polizeiwache und meldet den Vorfall. Nach ein paar Tagen widerruft sie ihre Aussage und nennt ihren 19jährigen Bruder Andrew als den Mörder. Als Detective Carella an Muriels Tagebuch gelangt, lernt er nicht nur das Opfer besser kennen, sondern auch ihren Cousin und eifersüchtigen Liebhaber Andrew. Carella taucht in das Leben der drei Teenager ein …

Unter den Titel „Blood Relatives“ war dieser Film so etwas wie ein Ausflug des französischen Starregisseurs Claude Chabrol in den Hollywood-Mainstream, die Figuren sind erheblich freundlicher gezeichnet seinen französischen Filmen. Das aus Ed McBains Kriminalromanen berühmte „87. Revier“ wird nach Montréal verlegt, sein Held Steve Carella vom kanadischen Weltstar Donald Sutherland verkörpert.

Nächste Woche: Blue Velvet und Caché

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Was macht eigentlich ein Lektor?

Autor ist einer der schönsten Berufe der Welt, obwohl man hin und wieder von Selbstmitleid befallen wird: Leser und vor allem Kunden (Verlage, Sender …) neigen dazu, das geschriebene als ohnehin vorhanden zu betrachten. So wie Musikfreund mitunter denkt: es ist alles schon da und kommt kostenfrei aus dem Smartphone.
Weiterhin wird die Eitelkeit des Schreibenden von der regelmäßigen Nachfrage überschattet, was man dem Publikum an Niveau und handwerklicher Sorgfalt zumuten sollte und was nicht.
In der ihm eigenen trocken-humorigen Art berichtet Philip K. Dick in seiner Kurzgeschichte „Not By It’s Cover“ (leider trägt die deutsche Übersetzung den albernen Titel „Einwand per Einband“) zwischen den Zeilen auch von solchen Anliegen. In der Hauptsache geht es um die Letzten Dinge, wie sich das bei ihm gehört. Es ist ein Text, der insgesamt einfach Spaß macht – und Autoren ganz besonders.
Fans des Schriftstellers können sich noch über einen Querverweis auf einen seiner Klassiker freuen: „Und jenseits – das Wobb“.

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Häppchen für Erregbare

„Rage Bait“ („Wut-Köder“) bedeutet „etwas Provozierendes“. Es ist die Umkehrung von „der heiße Scheiß“ ins Negative und außerdem der „Begriff des Jahres 2025“ in Großbritannien. In der damit bezeichneten Wutkultur gilt: je kranker und absurder desto besser. Denn gezielte Provokation in Form von Lügen, Übertreibungen und Falschnachrichten sind effektiv, wenn es gilt, ohne Anstrengung möglichst viel Aufregung, Interaktionen und gewinnbringende Klicks zu generieren. Der Algorithmus belohnt Kontroversen mit höherer Reichweite. Sie sind der emotionale Klebstoff der Menschen möglichst lang auf den Plattformen hält und die Kassen der Tech-Konzerne klingeln lässt.
Das Ö1-Magazin „Digital.Leben“: »Rage Bait ist effektiv und billig herzustellen. Die Kosten tragen die Gesellschaft, die Demokratie und die Diskussionskultur. Ritchie Pettauer, Kommunikationsexperte vom Publizistikinstitut der Uni Wien: „Wenn man es ständig mit Extrempositionen zu tun hat, verliert man das Gefühl für die Mitte und das verringert sich grundsätzlich die Dialogbereitschaft. Ich glaube, das ist der größte Schaden für die Demokratie.“ Nach seiner Überzeugung hat sich Rage Bait vom Social Media-Jugendslang zu einem Leitbegriff der modernen Aufmerksamkeitsökonomie entwickelt. Als Gegenmittel empfiehlt er: „Ignoranz! Das ist die höchste Form der Abstrafung. Möglichst schnell weiterscrollen, das Video nicht fertigschauen. Damit verhindert man seine Verbreitung. Aber man muss aufpassen, dass man die Balance hält. Wer sagt: ich reagiere auf gar nichts mehr, das mich emotional triggert, wird auch an Dialogqualität einbüßen.“ «

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