Kultfilm Azubis: Das Grauen weit draußen

In der letzten Folge dieses Podcasts behauptete ich, von „The 5,000 Fingers Of Dr. T“ gäbe es keine deutsche Fassung. Ronny hat eine Synchronfassung im Netz gefunden, die der Sender RTL 1989 in Auftrag gegeben und ein einziges Mal gesendet hat. Man kann den Film exklusive der Songs also doch auf deutsch anschauen oder seine Kinder damit erschrecken.
Weiterhin ist die Umfrage, die wir hier zu diesem Podcast veranstaltet haben, inzwischen abgeschlossen. Lob und Tadel sowie Antworten auf einige Fragen werden wir hier demnächst vorstellen.
Um gruselige Ereignisse weit draußen vor den Toren der Stadt geht es heute. Und der erste Film wirkt so ähnlich wie die berühmte Limonade aus Österreich: er verleiht Flügel!

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/die-voegel-spiegelbild-im-goldenen-auge

A) Die Vögel / The Birds
Amerikanischer Öko-Thriller von 1963

Die extravagante, vermögende Melanie Daniels fährt nach Bodega Bay, um dem Juristen Mitch Brenner, den sie in San Francisco flüchtig kennengelernt hat, einen Streich zu spielen. Familie Brenner nimmt sie sehr freundlich auf und lädt sie ein, noch einen Tag zu bleiben, um an einer Geburtstagsfeier teilzunehmen. Indessen mehren sich unerklärliche Attacken von Vögeln und Vogelschwärmen, die immer aggressiver und koordinierter werden. Schließlich kommt es zu einem gefiederten Sturmangriff auf das Küstenstädtchen und auf das Haus der Brenners …

Daphne DuMauriers Kurzgeschichte „The Birds“ brachte die Angst der Briten vor der Tollwut und die Erinnerung an den Blitzkrieg der Nazis zum Ausdruck. Hitchcock machte daraus den ersten modernen Öko-Thriller, begründete den Viecher-Horror im Kino und definierte den Endzeitfilm wie wir ihn heute kennen. Viele ordnen das Werk als einen der wichtigsten Horrorfilme ein. Zuallererst ist der Film aber nur eines: großes Entertainment.

Unser heutiger Geheimtipp ist nur wenige Jahre später von einem anderen Hollywood-Altmeister inszeniert worden, doch darin machen sich die Menschen selbst das Leben schwer. Frei nach der alten Devise von Sarte: die Hölle, das sind die anderen.

B) Spiegelbild im goldenen Auge / Reflections In A Golden Eye
Amerikanisches Südstaaten-Drama von 1967

Major Penderton und Lt. Colonel Langdon leben mit ihren Ehefrauen auf einem Militärstützpunkt in Georgia am Rande großer Waldungen. Die kriegsfreie Zeit lässt Neurosen ins Kraut schießen, die allesamt sexueller Art sind. Der impotente Major (Marlon Brando) verzweifelt an seiner lebenslustig-gefühllosen Frau (Elizabeth Taylor), die sich mit Langdon vergnügt, während dessen Frau langsam durchdreht und der verschrobene Stallbursche Williams (Robert Forster in seinem ersten Filmauftritt) sie heimlich stalkt. Dass das nicht gut ausgeht, wird schon zu Beginn des Films verraten: „Dort im Süden steht ein Fort, in dem vor Jahren ein Mord geschah.“

John Hustons Verfilmung einer Erzählung von Carson McCullers zeigt uns eine Garnison in Friedenszeiten als Mikrokosmos verkorkster Beziehungen und Obsessionen. Die Rolle des verklemmt schwulen Major Penderton hätte für Montgomery Clift das Leinwand-Coming-Out werden sollen, doch Clift starb kurz vor Beginn der Dreharbeiten, und der von ihm beeinflusste Marlon Brando übernahm. Brandos Biograf Tony Thomas attestierte diesem „die komplizierteste, rundeste und intelligenteste schauspielerische Leistung“ seiner Karriere. Elizabeth Taylor glänzt einmal mehr als große Komödiantin in einem Drama.

Nächste Woche: Sein oder Nichtsein und King Of Comedy

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