Los geht’s mit der Zukunft!

Science Fiction = Naturwissenschaftlich motivierter Abenteuerroman, der einen erfundenen technischen Fortschritt mit einbezieht. Dass die Geschichte in der Zukunft spielt, ist also obligatorisch, aber nicht zwingend.

Der französische Schriftsteller Jules Verne (1828-1905) verband Elemente der Gothic Novel (Schauergeschichte) und der utopischen Reiseromane und schuf damit die Grundlage für die Science-Fiction-Literatur. Zwei Generationen später vervollständigte der Amerikaner H. P. Lovecraft (1890-1937) das Konzept, indem er ihm noch das wichtige Element des Weltraums hinzufügte und die Bedrohung etablierte, die von dessen Welten und deren Bewohnern ausgeht (Verne hatte sich noch mit einer Reise zum Mond begnügt, unter der vor allem die Mondbewohner zu leiden hatten) und vervollständigte die Strömung zu ihrer heutigen Konzeption. Zu den Welten, die es irgendwo da draußen also geben musste, konnten die Helden späterer Geschichtenerzähler nun aufbrechen.

Die russische und osteuropäische Literatur hat dieses Feld ganz besonders eifrig bespielt. Der Grund liegt auf der Hand: die Autoren der östlichen Hemisphäre, die seit den Zeiten von Iwan dem Schrecklichen (1530-1548) beinahe durchgehend unter unterdrückerischen Systemen zu leiden hatten, während anderenorts in der Alten Welt mit der Demokratie zumindest experimentiert wurde, und deren Kunstfreiheit entsprechend eingeschränkt bzw. abgestellt war, konnten Kritik an den Verhältnissen nur üben, wenn sie sie als Märchen aus einer fremden Welt / einer anderen Zeit verkleideten. Entsprechend zahlreich und wichtig sind deren Beiträge zum Genre; aus einem Roman von Karel Capek stammt etwa der Begriff „Roboter“.

Im 20. Jahrhundert wurde der Vielvölkerstaat USA zum Entstehungsland einer vielfältigen SF-Kultur, die nahtlos in ihre eigene Parodie übergeht. In von der Literatur abgeleiteten Kunstgattungen wie Film, Hörspiel und Fernsehserie konnte die Science-Fiction eine Reihe moderner Klassiker hervorbringen, von denen einige sogar Originalschöpfungen ohne literarische Vorlage  sind.

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Lesen vom Blatt: Lange Sätze

betr.: Sprechen am Mikrofon / Übung

Fortsetzung vom 31. März 2024

Zu Beginn des 2. Kapitels im Roman „Der stille Amerikaner“ von Graham Greene folgt ein langer Satz auf einen nur etwas kürzeren:

An dem Vormittag, an dem Pyle auf dem Platz vor dem Continental auftauchte, hatte ich genug vom Anblick meiner amerikanischen Kollegen von der Presse, großen, dicken, lauten, kindischen Menschen mittleren Alters, ständig mit abgestandenen Witzen über die Franzosen zur Hand, die diesen Krieg schließlich und endlich ausfochten. In regelmäßigen Abständen wurden sie, wenn ein Gefecht ordentlich zum Abschluss gebracht worden war und man die Gefallenen vom Schauplatz entfernt hatte, nach Hanoi, fast vier Flugstunden entfernt, gerufen, dort vom Oberkommandierenden empfangen, für eine Nacht in einem Pressecamp untergebracht, dessen Barkeeper, wie sie prahlten, der beste in ganz Indochina sei, in einer Höhe von tausend Metern (also außerhalb der Reichweite eines schweren Maschinengewehrs) über das neueste Schlachtfeld geflogen und dann wohlbehalten und geräuschvoll, wie nach einem Schulausflug, wieder vor dem Continental in Saigon abgesetzt.

Ungeachtet des sarkastischen Untertons tut Greene hier das selbe wie Booth Tarkington im Prolog zu „Der Glanz des Hauses Amberson“: er richtet uns einen Raum ein (ein Idyll), in dem sich das folgende abspielen wird. Wir alle – der Autor, die Figuren, (ggf. der Interpret) und ich (als Zuhörer bzw. Leser) werden für die nächste Zeit darin weiterleben.
Beide Texte sind unterschiedliche Verse auf die selbe Melodie, sogar das Arrangement ist identisch.
Greenes hintergründiger Witz entfaltet sich besonders gut, wenn wir seinen Text mit der gleichen schwebenden, etwas sentimentalen Gemütlichkeit lesen, die uns die Zeilen von Tarkington nahelegen.
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* Siehe https://blog.montyarnold.com/2021/05/19/18121/

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Der unfeine Unterschied

„Wo Comedy draufsteht, ist Scheiße drin!“ sagte der große Humorist Heinz Strunk – und machte sich auf den Weg zum nächsten seiner vielen gutdotierten Auftritte in einer TV-Comedyshow.
Marie Serah Ebcinoglu, eine der Chefredakteurinnen des „Missy Magazine“, versuchte in ihrer Huldigung der Serie „Curb Your Enthusiasm“ einen differenzierteren Ansatz. Mit ihrem Lob widerspricht sie Heinz Strunk nicht, denn die von ihr gerühmten Tugenden des beispielhaften US-Komikers und Comedy-Produzenten Larry David sind in der deutschen Comedy – und die sind im obigen Zitat gemeint – kaum anzutreffen.

Worin sich gute Comedy von schlechter unterscheidet, hat sie sinngemäß so erklärt:
Wo gute Comedy unersprießliche Dinge verhandelt (Diskriminierung, den 11. September oder mentale Gesundheit …), möchte schlechte Comedy von Ressentiments profitieren. Hier nennt sie als Beispiel Felix Lobrecht. In seinem Netflix-Special zielen Witze über Behinderte nur darauf ab, dass ihn diese Leute nerven, weil sie Raum im öffentlichen Leben einnehmen, etwa durch Behindertenparkplätze. Wenn sich Larry David in seiner Show (in einer Rolle, die ebenso automatisch mit ihm zu verwechseln ist wie es die Persona Lobrecht mit der Person Lobrecht ist) über Behinderte ereifert, ist sofort klar, wer hier der Blöde ist: er selbst – und nicht etwa „Roland im Rollstuhl“ wie in Lobrechts Pointe. Larry David überzeichnet die allzumenschliche Verlegenheit Nichtbehinderter im Kontakt mit Behinderten. – Ich möchte hinzufügen, dass es dem schrägen alten Zausel Larry David bei dieser ironischen Brechung offenbar leichter fällt, sich zum Idioten seines Gags zu machen als dem coolen und entsprechend eitlen Felix Lobrecht, den sein Publikum nach Möglichkeit als tollen Hecht erleben soll. Da beide sehr wohl um ihre äußere Wirkung wissen und sie sehr bewusst einsetzen, dürfen wir ihre Kunst als ein persönliches Statement betrachten. Sie erzielen den gewünschten Effekt und bauen ihre ganze Performance auf der erzielten Reaktion auf.

Zu Beginn stellt Frau Ebcinoglu übrigens fest: „Lachen ist eine Gemeinschaftsangelegenheit.“ Das führt zu einer harten aber gerechten Methode, mit der jeder individuell herausfinden kann, ob das von ihm verehrte Programm seine Zuneigung eigentlich verdient hat und ob es wirklich gute Comedy ist: lache ich über diese Gags auch dann, wenn ich ganz allein vor dem Bildschirm sitze?

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Der Song des Tages: „Tomorrow Is My Friend“

betr.: 100. Geburtstag von Henry Mancini

Einem Genie der Filmmusik wie Henry Mancini erweist man in einer Nische wie dieser die größte Achtung, wenn man seine zahlreichen Hits nicht ein weiteres Mal aufzählt. Okay! – Einen vielleicht, weil ich die Geschichte dahinter sehr hübsch finde: Mancini wurde mehrmals gebeten, aus seinem „Pink Panther Theme“ ein paar weitere hunderttausend Dollar herauszuholen, indem er einen Text dafür in Auftrag gibt. Er tat das Gegenteil: er untersagte ausdrücklich jede Vokalversion, weil nach seiner Überzeugung ein sehr albernes Lied dabei herausgekommen wäre.
Dass seine restlos unbekannten Arbeiten qualitativ nicht gegen seine Erfolge abstinken, beweisen „Me, Natalie“ oder das parodistische „Shadows Of Paris“. Oder der Song „Tomorrow Is My Friend“ aus der Komödie „Gaily, Gaily“. Wenn man den Text durchliest, könnte man denken: was für eine seichte, naive Schnulze. Gemeinsam mit der Musik – auf dem Album zum Film werden eine Liedermacher-Version und eine typische Mancini-Chorfassung gespielt – wirkt das ganz anders.
„Tomorrow Is My Friend“ müsste eigentlich ein ganz großer Ohrwurm sein.

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Angebote an den Volksmund: Das generische Füllmonster

betr.: Neologismus

Seit die KI von uns allen gratis genutzt werden kann, ist zu den obligatorischen retuschierten Portraitfotos noch das retuschierte Bewegtbild hinzugekommen. Wer jetzt einfach konsequent zu Hause bleibt und sich niemandem mehr zeigt, wer alle physischen Kontakte abbricht und nur noch virtuell mit anderen zusammenlebt, der kann sich störungsfrei in die Wahnvorstellung versetzen, tatsächlich so auszusehen wie in seinem Videoblog oder seinem TikTok-Auftritt.

Auch wer es etwas lockerer angeht, kann sich selbst im Social-Media-Auftritt kinderleicht jünger machen – um nichts anderes geht es ja. Und außerdem schlanker, fleckenloser, weniger spießig. Oder er kann die KI bitten, gleich etwas ganz Neues zu erfinden.

Noch sind diese Fakes auf den ersten Blick als solche erkennbar und lösen unwillkürliches Kopfschütteln aus. Doch noch ehe die rasant dazulernende KI die letzten verräterischen Zeichen getilgt haben wird, werden diese gar keine Rolle mehr spielen. Wir werden uns rasch daran gewöhnen, es „im Netz“ mit „Kunstfiguren“ zu tun haben. Es wird uns egal sein, dass wir von einigen unserer „Freunde“ niemals erfahren werden wie sie eigentlich aussehen. Und das wird uns nichts ausmachen – so wie wir im Grunde wissen, dass Hannibal Lecter privat Anthony Hopkins heißt und in Wirklichkeit niemals die Gesichter seiner Opfer anziehen würde, und uns trotzdem gerne vor ihm gruseln.
Das Wort „Kunstfigur“ will ich sogleich wieder zurücknehmen, denn mit „Kunst“ hat dies alles nichts zu tun, streng genommen nicht einmal mit Künstlichkeit. Wir sind auf einer ganz neuen Ebene der Verstellung, der (Selbst-)Täuschung angekommen.
Das Wort „Avatar“ zu recyceln finde ich deshalb unglücklich, weil der damit bezeichnete Gegenstand weiterhin gebräuchlich bleibt und – dem gegenseitigen Verständnis zuliebe – eine eigene Bezeichnung verdient.
Bis ein flotter Anglizismus dafür gefunden ist, würde ich vorschlagen, von einem Füllmonster zu sprechen.

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Wirkmächte und Schwerfälligkeiten

Das Wesen des Kopfkinos

Das Kino im Kopf dessen, dem eine Geschichte erzählt wird, ist weitaus älter als das Kino selbst – so weit, so banal.
Dass es bis in unsere heutige Zeit der allzeit verfügbaren bewegten Bilder ein urmenschliches Bedürfnis ist, sich selbst Bilder vorzustellen (das Kopfkino anzuwerfen), fand der Schriftsteller Clemens J. Setz durch einen aktuellen Trend belegt: er beschreibt in der „Zeit“ die immense Beliebtheit von Nacherzählungen brutaler Gewaltaufnahmen auf TikTok und YouTube. Die Stars dieser Formate erzählen abscheuliche Fundstücke aus dem Netz wie Hinrichtungsvideos nach „damit ihr es nicht selbst anschauen müsst“. Tatsächlich ernten sie hohe Klickzahlen von jenen, die diese Videos selbst dann nicht mehr anklicken, wie man herausgefunden hat. Warum nicht? Weil die eigene Vorstellungskraft viel entsetzlicher ist als das tatsächlich Gezeigte.
Außerdem kann man bei einem Film(chen) die Augen schließen, wenn man die Details nicht mehr erträgt. Die eigene Vorstellungskraft kann man nicht abschalten. Das wussten die Erzähler des Kinos fast von Anfang an.
So unterschiedliche Filmemacher wie Alfred Hitchcock und Werner Herzog haben das, was sie uns nicht hören und sehen lassen konnten oder wollten, in reagierenden Gesichtern gespiegelt – Hitchcock in „Easy Virtue“ (1927), Herzog in „Grizzly Man“ (2005).
Jack Arnold hätte das Alien in seinen B-Film-Klassiker „It Came From Outer Space“ („Gefahr aus dem Weltall“, 1953) überhaupt nicht im Bild gezeigt, wenn ihn das Filmstudio nicht dazu gezwungen hätte. Sein Film „Monster On The Campus“ („Der Schrecken schleicht durch die Nacht“, 1958) ist besonders spannend bis zu dem möglichst lange hinausgezögerten Moment, in dem das Titelwesen endlich zu sehen ist.
Historisch – weil konsequent umgesetzt – wurde der Kunstgriff spätestens in Steven Spielbergs erstem Kinofilm „Duel“ (1972): von dem dämonischen Truck-Fahrer, der dem Helden nach dem Leben trachtet, sehen wir nur die Stiefel. 

Nach diesem Prinzip funktioniert die Literatur seit jeher. Sie verlässt sich auf unser Kopfkino.
Clemens J. Setz freut sich über die ungebrochene Gültigkeit der Regel, „dass die richtig gewählten Worte eine reale Form von Telepathie darstellen“, auch bei der Generation Z. Bilder können in einem abstumpfenden, absurden Maße grausam auf uns wirken. Sie sind insofern weniger eindrucksvoll als wenn „mein eigener, ganz sich selbst überlassener Kopf beim Entwerfen von allein durch Worte suggerierten Bildern spielt“.
Für die Erzähler selbst können die grenzenlosen Kräfte der Imagination auch von Nachteil sein.
Woody Allen, der in 55 Jahren 50 Filme gedreht hat, beklagte in mehreren Interviews, dass ein Film nie so gut würde wie er es sich beim Schreiben des Drehbuchs vorstellt. Wenn er großes Glück habe, würde er immerhin nicht wesentlich schlechter. Mindestens einen seiner Filme hat Allen nach Fertigstellung vernichtet und mit anderer Besetzung vollständig neu gedreht.

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Endlich auch mal gesehen: „Dark Star – Finsterer Stern“

betr.: Schließung einer persönlichen Bildungslücke

Ein Raumschiff gleitet durchs Weltall, begleitet von den fröhlichen Klängen eines Country & Western-Songs. Vier Männer vom Typ „Öko-Schluffi next door“ (drei Astronauten und ein Passagier wider Willen) sind auf einer jahrelangen Mission, und es sieht entsprechend versifft aus. Auch die Technik nutzt sich immer weiter ab, und ein rundes Alien mit Hühnerfüßen, das einer der Astronauten unbedingt als Haustier behalten wollte und das von den anderen als „nichtsnutziges Hüpfgemüse“ verspottet wird, gerät außer Kontrolle und sorgt zunehmend für Misslichkeiten. Richtig gefährlich wird es, als eine der Bomben, die eigentlich instabile Planeten zerstören sollen, sich entschließt, gleich an Bord zu explodieren. Gutes Zureden hilft nicht, denn das Ding ist intelligent und hat seinen eigenen Kopf; heute würde man von einer KI sprechen …

Nicht erst in dieser Szene, gleich in der ersten Minute wird uns klargemacht, dass es sich a) um einen Jux handelt und b) ganz speziell „2001: Odyssee im Weltraum“ durch den Kakao gezogen wird. Wenn man den Film nun Jahre später sieht, muss man außerdem an „Alien“ denken, der uns eigentlich immer so vorkam, als hätten wir dort erstmals gesehen, wie unaufgeräumt, dreckig und uncool das Innere eines Raumschiffs aussehen kann, das uns ja stets als exklusiver, bei „Raumschiff Enterprise“ sogar recht gemütlicher Arbeitsplatz gegolten hat. Nun stellen wir fest: Dan O’Bannon, der an den Drehbüchern beider Filme mitarbeitete, hat es schon früher gewusst. (Dazwischen hatte es noch „Lautlos im Weltraum“ gegeben, der einen ähnlichen innenarchitektonischen Ansatz hat.)
„Dark Star“ ist ein sehr sympathischer Film, doch seine genrespezifische war 1974 schon ein alter Hut; die erwähnte TV-Serie hat das schon früher und besser gemacht. Die damaligen Kinogänger sahen ihn natürlich vor dem Hintergrund einer Flut von Science-Fiction-Trash, in dem die Reihe beachtlicher Klassiker, die dieses Genre ebenfalls hervorgebracht hatte, aus dem Blickfeld gerutscht war. Hinzu kommt, dass die Grenzen zwischen Elend und Größe im SF-Kino häufiger in beide Richtungen verschoben worden sind als in jeder anderen Sparte.

Der beste Grund, sich „Dark Star – Finster Stern“ heute anzusehen, ist vermutlich, dass es sich um ein Frühwerk von John Carpenter handelt, der erst vier Jahre später mit „Halloween“ so reich und berühmt wurde, dass er sich einen edleren Look leisten konnte. In der Tat zog dessen Erfolg auch „Dark Star“ mit sich, der bis dahin eine Art Geheimtipp für Enthusiasten gewesen war.
Immer wieder erstaunt die Pfiffigkeit, mit der „Dark Star“ die Beschränkungen von Bastelkeller und Pappkulisse überwindet. Doch der Look ist so schrabbelig und improvisiert, dass er uns Heutigen zuweilen den Blick auf die Tricksequenzen verstellt, die für ihre Verhältnisse gar nicht so übel waren.
Auch der Humor ist nicht gut gealtert. Die Witze sind entweder so gut, dass wir sie inzwischen zu oft gehört haben, oder sie waren schon immer flach. Der welke Strandball, der das bockige Alien spielt, ist allenfalls beim ersten Anblick lustig, danach ist er nur noch ein lästiges Billig-Requisit. Die Darsteller wirken sämtlich wie hilfsbereite Homies, die aus Nettigkeit mitspielen und dann zu ihrem jeweiligen Hauptberuf zurückkehren. Und ihre althippiehafte Surfer- bzw. Rockerromantik ist für mich persönlich keine Option, um mich aus diesen Niederungen herauszutragen.

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Sensitivity Reading – Dichtung und Wahrheit

Sensitivity Reading gibt es zweimal. Einmal so wie es sinnvoll sein könnte und wie es von den Verlagen dargestellt wird. Und ein andermal so wie es sich zuweilen tatsächlich abspielt und vom Autor als ein Akt der Zensur erlebt werden kann.
Dahinter steht die löbliche Absicht, im Rahmen des Lektorats zu kontrollieren, ob sich in einem Manuskript Formulierungen finden, die einzelne Lesende in ihren Gefühlen bzw. in ihrer Selbstwahrnehmung verletzen könnten. Der Autor soll auf diese Weise davor bewahrt werden, ungewollt und unbewusst den Eindruck zu erwecken, rassistisch, frauenfeindlich oder sonstwie angreifbaren Geistes zu sein. (Und der Herausgeber davor, sich mit kritischen Reaktionen herumplagen zu müssen.)

In einer Gegendarstellung, die ein Verlag auf Anfrage des BR abgab, hört sich das Verfahren (hier in Auszügen) so an: „Ein Sensitivity Reading wie es im Fall von Sören Siegs Buch ‚Oh, wie schön ist Afrika‘ stattgefunden hat, ist ein übliches Verfahren. Der Autor war von Anfang an in den Prozess einbezogen. Die Sensitivity Readerin wurde in vollstem Einvernehmen beauftragt, den Text zu prüfen. Das Ergebnis ihrer Lektüre wurde besprochen und dabei diskutiert, ob und wo man den Empfehlungen folgt. Ein Stellen vor vollendete Tatsachen hat es nicht gegeben. Sensitivity Reading ist für uns eine Form der Beratung. Ob wir den Empfehlungen folgen, wo wir sie weiterentwickeln oder ggf. auch verwerfen, ergibt sich immer im Gespräch zwischen Lektorat und Autor*innen. Letztere haben die entscheidende Stimme in diesem Prozess, so auch Sören Sieg.“
Der genannte Autor, Sohn des verstorbenen Satirikers Wolfgang Sieg und im Hauptberuf ein international erfolgreicher Komponist, erlebte das anders. Er erklärte in einem Interview mit dem BR, künftig gar nicht mehr über einen Verlag publizieren zu wollen. Er hatte zuvor ein Dutzend gut verkaufter Bücher geschrieben, einige davon unter humorvoll-provozierenden Titeln wie „Ich bin eine Dame, Sie Arschloch“.

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