Mal mal Durchpause!

betr.: Nachtrag zum Beitrag „Swiping – darf man das?“*

Was mir fast alle aktuellen Graphic Novels vermiest, ist die Abwesenheit eines im Wortsinne kreativen Szenarios. Es gibt in der Regel nur drei Varianten: Biographie (fremd), Biographie (eigene) oder Nacherzählung einer literarischen Vorlage. Das wäre halb so schlimm, wenn die heutigen zeichnerischen Kräfte erzählen könnten, aber gute Illustrationen ergeben eben noch keine grafische Erzählung.
Immerhin: zeichnen können viele von ihnen. Oder besser: malen (in dem Sinne, in dem man zu einen Kind, das man aufmuntern möchte, sagt: „Du kannst aber schön malen!“).
Was wir aber in letzter Zeit an Ab-Malerei geboten bekommen (und zwar von wirklich allgegenwärtigen Vorlagen, die einem sofort ins Auge springen), geht auf keine Kuhhaut. – Zumal diese Panels stilistisch keineswegs auf den Rest des Werkes schließen lassen.
Man möchte erleichtert ausrufen: „KI? ChatGPT? Brauchen wir gar nicht!“


Aktuelle Beispiele nicht-künstlicher Nicht-Intelligenz. Pauspapierkunst aus den aktuellen Graphic Novels „Amalia“ von Aude Picault und „Unter rotem Staub“ von Jan Bauer. Das untere Beispiel lässt sich immerhin als Parodie lesen …

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* Siehe https://blog.montyarnold.com/2018/05/26/10485/ und Vorangegangenes

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Der Song des Tages: „Strange Music“

betr.: Norwegischer Nationalfeiertag

Ein befreundeter Bariton aus Norwegen kannte das Musical „Song Of Norway“ nicht, als ich es ihm einst vorspielte – ein großer Erfolg am Broadway war es nämlich nicht, und es gibt auch keine populäre Verfilmung. Er amüsierte sich aber sehr über dieses Werk, das kompositorisch auf der „Peer Gynt Suite“ basiert und vorgibt, das Leben des Komponisten Edvard Grieg nachzuerzählen – selbstverständlich unter Umdrehung seiner sexuellen Neigung ins Heterosexuelle.
Als Musical-Sammler und Verehrer von Wright & Forrest* brauchte ich eine Weile, dieses Musical wirklich zu lieben. Ich nahm ihm ein wenig übel, dass ausgerechnet die „Morgenstimmung“ nicht mit-adaptiert wurde, aber das ist angesichts der Hit-Dichte von Griegs Komposition ein allzu kleinlicher Einwand. Inzwischen habe ich mehrere Lebensphasen hinter mir, in der die Londoner Gesamtaufnahme tagelang in Dauerschleife gelaufen ist.
Wäre „Song Of Norway“ ein Erfolg geworden, dann wäre sein großer Hit sicherlich „Strange Music“, ein Liebesduett, das auf der „Hochzeit in Troldhaugen“ basiert. Im Ernst: der Rest der Show ist ebenso grandios und campy.

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* Zu den Komponisten / Bearbeitern siehe https://blog.montyarnold.com/2017/01/11/broadways-like-that-40-wright-and-forrest-und-die-klassik/

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„It’s All A Question Of Masks – Selbstinszenierung und Modernität bei Noël Coward“ (7)

Fortsetzung vom 9. Mai 2023

(siehe auch https://blog.montyarnold.com/2023/01/24/noel-coward/)

Tamara Hahn hat vor einigen Jahren in aller Stille ein Buch vorgelegt, das uns in Fragen der Selbsterfindung und Selbstdarstellung ein Leitfaden sein kann – gerade in den Zeiten der Sozialen Medien. Nebenbei ist dies das einzige Buch überhaupt, das in deutscher Sprache über Noël Coward vorgelegt worden ist: „It’s All A Question Of Masks – Selbstinszenierung und Modernität bei Noël Coward“. Am Beispiel dieses Universal-Künstlers, der vor etwa 100 Jahren den modernen Prominenten im Selbstversuch quasi erfunden hat, erfahren wir allerlei Erstaunliches zum Thema Medienkompetenz. Es handelt sich um eine Dissertation von 2002, die der Lit Verlag Münster 2004 veröffentlicht hat und die noch immer erhältlich ist. Die Autorin hat mir gestattet, diesen bereichernden Text hier als Serie wiederzugeben, wofür ich mich ganz herzlich bedanke.

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Vorspiele auf dem Theater (4)

Werkanfänge mit Musik-, Theater- oder Medienbezug

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Zero Mostel und Molière

Es ist ein Jammer, dass der Vollblutkomödiant Zero Mostel (1915-1977) in seinem professionellen Leben (soweit ich weiß) niemals Molière gespielt hat. Aufzeichnungen existieren davon jedenfalls nicht. Immerhin fiel den Titelgrafikern einer Molière-Leseausgabe für Schüler (1963) auf, wie gut Autor und Akteur zusammengepasst hätten. Offensichtlich wurde ein Broadway-Bühnenfoto vom Vorjahr dazu verwendet, das Zero Mostel in seiner Hauptrolle in „A Funny Thing Happened On The Way To The Forum“ zeigt.

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Warum Politiker so schnell altern

Im aktuellen „Spiegel“ wird der Neurowissenschaftler Emmanuel Mignot auf historische Persönlichkeiten angesprochen, die mit sehr wenig Schlaf auskamen. Die 8-Studen-Schlaf-Regel für alle sei in der Tat Unsinn, bestätigt er. Menschen brauchten unterschiedlich viel Schlaf. Sie entwickelten aber auch Taktiken. Zu Angela Merkel, die selbst 35stündige Sitzungen durchgehalten hat, sagt Mignot: „Ich bin mir sicher, dass Merkel in diesen 35 Stunden müde war. Wenn man sie da herausgenommen und auf einen Stuhl gesetzt hätte, wäre sie in Sekunden eingeschlafen. Menschen in einem solchen Amt leben in einem permanenten Zustand des Schlafentzugs. Und war viele von ihnen gut können, ist einzuschlafen, sobald sie eine kleine Pause haben, also zum Beispiel im Flugzeug sitzen. Sie holen den Schlaf einfach nach. Aber das heißt nicht, dass sie in den langen Wachphasen nicht müde wären.“
Der recht sportliche ehemalige Außenminister Klaus Kinkel hat in einem Interview nach seinem Ausscheiden aus dem diplomatischen Dienst interessante Details zu dieser Technik verraten. Er habe wie fast alle seine Amtskollegen die unvermeidlichen Steh-Empfänge für Nickerchen genutzt, während Reden gehalten werden, während derer man selbst sich nicht zu bewegen braucht und weitgehend unbeobachtet ist. Sei es denn nicht schwer gewesen, unbemerkt im Stehen zu schlafen, noch dazu mit Sektglas in der Hand? Nein, das könne man trainieren, sagte Kinkel. Viel schwieriger sei das diskrete Wieder-Wachwerden. Es muss genau zur rechten Zeit passieren – zum Ende der Ansprache, kurz bevor der Applaus einsetzt – und man dürfe dabei nicht zucken oder hochschrecken. In so einem Moment nicht zu grunzen oder mit den Kopf zu wackeln, das sei hier die große Kunst.

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„Gottes Brot und Teufels Aufstrich“ (72)

Eine Graphic Novel von Monty Arnold
mit Zeichnungen von Stefan Sombetzki

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Von Politik ein andermal

betr.: 96. Geburtstag von Mort Sahl (†)

Mort Sahl war eine Legende der sich in den USA zur volkstümlichen Kunstform entwickelnden Stand-up-Comedy.* Woody Allen schreibt in seiner Autobiographie über ihn und seine Wirkung:

[Anfang der 60er Jahre brachte in der Stand-Up-Szene] jeder (…) politische Witze. Das war das Negative an der ungeheuren Popularität von Mort Sahl. Mort war ein Genie und machte eine Menge einmalig guter Gags mit politischem Bezug, und Tausende von weniger Begabten glaubten, sie könnten das auch. Ein paar konnten es tatsächlich, die meisten aber nicht.
Die anderen waren einfach Komiker, die auf der politischen Schiene unterwegs waren, während Mort ein aus tiefstem Herzen politischer Mensch war, redegewandt und stets bestens informiert. Aber vor allem lag es an Morts überwältigender Persönlichkeit, und die hatten andere einfach nicht. Er war ein unglaubliches Bühnentalent, so begabt, dass die anderen darüber nur Negatives zu sagen hatten: „Er kommt ja nur raus und redet. Kann doch jeder.“ Während andere also Witze mit politischem Bezug machten, mitunter sogar sehr gute, war es bei Mort vor allem seine Persönlichkeit, die das Publikum fesselte.
Witze mit tagesaktuellem Bezug haben den Vorteil, dass die Leute durch die Nachrichten schon im Thema drin sind, man muss nur auf die Bühne kommen und mit ein paar Reizworten einsteigen, schon lachen alle. Aber ich fand Mort eigentlich noch genialer und lustiger, wenn er nichts Politisches machte.
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* Siehe https://blog.montyarnold.com/2020/08/31/16584/

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Dima spielt auf

betr.: 129. Geburtstag von Dimitri Tiomkin

Viele Jahre lang wurde sich darüber amüsiert, dass ausgerechnet ein Russe der wichtigste Komponist des amerikanischen Edelwestern war. Auch der ST. GEORGE HERALD hat dies verschiedentlich getan und dabei übersehen bzw. ignoriert, dass Tiomkin Ukrainer war. Dieses Detail ist mit ihm gemeinsam in einer Nische versunken, in die ich bei dieser Gelegenheit ganz herzlich einladen möchte.
Besser als an das Berliner Gastspiel den ehemaligen Konzertpianisten Tiomkin vor 100 Jahren erinnern wir uns an die Inflation, die noch übler war als unsere heutige. Der Eintrittspreis von 200 Milliarden Mark ist trotzdem imposant …

Die Abbildung stammt von der Homepage des BR, dessen hochinteressanter Programmschwerpunkt „Der Wilde Sound der 20er“ sich dort immerhin nachlesen läasst.

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„It’s All A Question Of Masks – Selbstinszenierung und Modernität bei Noël Coward“ (6)

Fortsetzung vom 29. April 2023

(siehe auch https://blog.montyarnold.com/2023/01/24/noel-coward/)

Tamara Hahn hat vor einigen Jahren in aller Stille ein Buch vorgelegt, das uns in Fragen der Selbsterfindung und Selbstdarstellung ein Leitfaden sein kann – gerade in den Zeiten der Sozialen Medien. Nebenbei ist dies das einzige Buch überhaupt, das in deutscher Sprache über Noël Coward vorgelegt worden ist: „It’s All A Question Of Masks – Selbstinszenierung und Modernität bei Noël Coward“. Am Beispiel dieses Universal-Künstlers, der vor etwa 100 Jahren den modernen Prominenten im Selbstversuch quasi erfunden hat, erfahren wir allerlei Erstaunliches zum Thema Medienkompetenz. Es handelt sich um eine Dissertation von 2002, die der Lit Verlag Münster 2004 veröffentlicht hat und die noch immer erhältlich ist. Die Autorin hat mir gestattet, diesen bereichernden Text hier als Serie wiederzugeben, wofür ich mich ganz herzlich bedanke.

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