betr.: Sprechen am Mikrofon
Hörbücher werden nicht nach qualitativen Kriterien besetzt, sondern nach kommerziellen. Man wählt vorzugsweise beliebte Darsteller aus dem Fernsehen aus. Die Annahme, es müsse ja zu brauchbaren Ergebnissen führen, wenn Schauspieler mit dieser Arbeit betraut werden – Angehörige eines Gewerbes also, das dem literarischen Vortrag verwandt sei – ist längst widerlegt und der scheinbare Widerspruch gründlich erforscht und entzaubert.* Die so entstandenen Produkte umgeben uns also in großer Zahl, und wir müssen uns zu ihnen verhalten, wenn wir selbst am Mikrofon arbeiten.
Zu Beginn des Unterrichts wird man bei mir mit einer irritierenden Anweisung konfrontiert: bis wir aus dem Gröbsten raus sind – und das kann einige Monate dauern – verordne ich meinen Schülern eine Diät. Hinsichtlich der Menge mache ich Ihnen keine Vorschriften, rufe sie aber zu einer gehaltvollen Ernährung auf.
Da zu Anfang nicht nur Orientierung an den richtigen Vorbildern überaus wichtig ist, sondern auch die Vermeidung von falschen Vorbildern und ein Bruch mit lebenslangen Gewohnheiten und Vorurteilen, ist diese Umstellung unerlässlich.
Ich bitte die sich mir Anvertrauenden, einstweilen von den Heroen jener „guilty pleasure“-Produkte Abstand zu nehmen, die die Branche so gerne auf ihre Ab- und Zuhörer ausschüttet und die den Löwenanteil der Hörbuchproduktionen ausmachen: große Namen ohne einschlägige Qualifikation, die sich – und ich spreche hier ausdrücklich von der Hörbuch-Arbeit! – in zwei Kategorien teilen: die aufreizend Schlampigen, welche aus unterschiedlichen Gründen meinen, Respekt vor Ihrem Material nicht (mehr) nötig zu haben, und die Sorgfältigen, deren sicher gut gemeinter Eifer alles noch schlimmer macht.** Weiterlesen









