Kein richtiger Soundtrack-Komponist – aber was für einer!

Zum Tode von Chuck Mangione

Mit 84 im Schlaf zu sterben klingt erst einmal großartig; „mehr als 30 Alben“ aufgenommen und zwei Grammys gewonnen zu haben, das schafft auch nicht jeder. Andererseits war Chuck Mangiones Instrument das Flügelhorn. Ein befreundeter Berliner Musiker hat mir vor einigen Jahren erklärt, wie unsexy dieses Instrument sei – ganz besonders wenn die Jungs rechts und links davon E-Gitarre und Saxophon spielen. (Ich fürchte, sogar Luftgitarre würde auf gewisse Gemüter größeren Eindruck machen …)
Von Maginones angeblich größtem Hit „Bellavia“ (1977) habe ich noch nie gehört. Warum bin ich heute dennoch ein bisschen traurig?
Das steht hier:

https://blog.montyarnold.com/2019/05/11/die-grossen-acht-2-chuck-mangione-children-of-sanchez/

Veröffentlicht unter Filmmusik / Soundtrack, Musik | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Prima vista 0,5: „The System Of Dr. Tarr and Prof. Fether“

betr.: Lesen vom Blatt / Übung

Eine Prima Vista Lesung in abgemilderter Form lässt sich durchführen, wenn man sich verschiedene Übersetzungen der selben Textpassage vornimmt: die erste wird still gelesen, die zweite laut.
Der Inhalt ist bekannt, der Wortlaut ändert sich.

Die erste der beiden Übersetzungen vom Anfang einer der berühmtesten Erzählungen des Edgar Allan Poe leistet sich am Ende unserer Textprobe eine kühne Interpretation („ich sah ihn nie wieder“), die sowohl in den folgenden Fassungen als auch im Poe’schen Urtext fehlt. Dort heißt es über den Freund des Erzählers, er „now took leave, and I saw him no more.“ – Was lediglich bedeutet, er habe sich entfernt wie besprochen.

1. „Edgar Allan Poe: Erzählungen in zwei Bänden“, Band 2
Übersetzt von Hedda Eulenberg für Büchergilde Gutenberg 1965

2. „Edgar Allan Poe – Das gesamte Werk in zehn Bänden“, Band 1
Deutsch von Arno Schmidt und Hans Wollschläger für Walter-Verlag AG Olten 1966

Weiterlesen →

Veröffentlicht unter Literatur, Mikrofonarbeit | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , | 3 Kommentare

Doppelt so breit und halb so kultig: der 16mm-Film

„Das Bild ist körnig, und die Schärfe muss manchmal während der Projektion nachgestellt werden. Der Ton rauscht ein wenig und kommt von kleinen Lautsprechern. Die Leinwand ist entweder so groß wie ein Bettlaken oder das Filmbild wird einfach auf eine weiße Wand geworfen. Der Projektor wurde irgendwo im Raum aufgebaut, und im Hintergrund hört man leise seine Laufgeräusche“. So beschreibt Wilfried Hippen in der „taz“ den Charme des 16mm-Formats. „Diese Kinoerfahrungen aus Klassenzimmern, Filmclubs, Gemeindesälen und Hobbykellern prägten viele, die mit dem analogen Kino aufwuchsen.“ Wer wie ich in den 70er Jahren zur Schule ging, kannte die Technologie aus dem Unterricht. Für den pädagogischen Einsatz in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen wurden eigens 16mm-Filme produziert, deren unfreiwilliger Komik sich zu meiner Zeit bereits die vorführenden Lehrkräfte schämten. Neben dem Leben von Tieren und Pflanzen oder landeskundlichen Themen (ich erinnere mich an die sehr theatralische Darstellung einer „typischen“ Gerichtsverhandlung, die offenbar in die 50er Jahren hergestellt worden war und die Arbeitsweise der Doku-Soap vorwegnahm) wurde in solchen Programmen auch vor Drogen gewarnt oder Sexualkunde vermittelt. Apropos: „… ein wichtiger Teil der Geschichte des 16mm-Films war die Pornographie. Das Unterhaltungsmedium, mit dem die sogenannte ‚adult Industry‘ ihre größten Profite machte, waren vor der VHS-Ära die 16mm-Filmrollen.“
Das 16mm-Format wurde schon 1923 eingeführt und hatte „keine Aura wie der Super 8-Film, der auf vielen Festivals und in Spielfilmen wie ‚Super 8‘ gefeiert wird. 16mm ist kein Mythos, sondern auf den ersten Blick nicht viel mehr als eine Industrienorm. (…) Filme wurden dank der Verkleinerung der Filmstreifen von 35mm auf 16mm billiger und dadurch demokratischer – sowohl bei der Herstellung als auch in der Verbreitung, also bei Kameras und den Projektoren. Das Filmemachen war nicht mehr das Monopol von Studios, die sich als einzige die großen Kameras und das teure Filmmaterial leisten konnten. Filmkopien konnten billiger hergestellt und überall dort gezeigt werden, wo es Platz für die viel kleineren Projektoren gab. So entstanden viele Nischen, in denen eine neue, vielfältige und wilde Filmkultur sprießen konnte. (…) In solchen Nischen konnten etwa die Avantgardefilme von Kenneth Anger, Jonas Mekas und Andy Warhol entstehen. Nicht so bekannt wie dieser Künstlerikonen der 1960er Jahre ist Maya Deren, die in den 1940er und 190er Jahren mit ihren 16mm-Filmen die Avantgarde vor dieser Avantgarde war. (…) Ein anderer Filmkünstler, der Dank 16mm in Hollywood seine Filme kompromisslos nach seinen eigenen Visionen inszenieren konnte, war John Cassavetes“, bei dessen Film „Faces“ übrigens Steven Spielberg als unbezahlter Laufbursche mitarbeitete.
„Auch der Dokumentarfilm, wie wir ihn heute kennen, wurde erst durch die 16mm-Kameras möglich, denn nur mit ihnen konnten die Kameraleute nach draußen gehen, um dort beweglich und spontan die Wirklichkeit in ihren Bildern einzufangen.“
Noch immer wird auf diesem Material von unerschrockenen Nostalgikern produziert, doch die Haltbarkeit solcher Kopien ist besonders niedrig („Essigsyndrom“).

Veröffentlicht unter Film, Medienkunde, Monty Arnold - Biographisches | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

Veröffentlicht unter Cartoon (eigene Arbeiten), Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Kultfilm Azubis (9): The Hole in the Donut

In der heutigen Folge des Podcasts geht es um zwei Helden, die völlig aus der Welt gefallen sind und sich doch erstaunlich planvoll in ihr bewegen, einer davon eine Kunstfigur, der andere der Erfinder seiner selbst.

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/forrest-gump-buster-keaton-wie-hollywood-ein-genie-zerbrach

A) Forrest Gump
Amerikanische Komödie von 1994

Auf einer Parkbank in Savannah unweit einer Bushaltestelle sitzt ein Mann namens Forrest Gump. Er ist angereist, um eine Jungendfreundin zu überraschen und hat als Präsent für sie eine Schachtel Pralinen auf dem Schoß. Den wechselnden Passanten, die im Laufe des Films neben ihm platznehmen werden, erzählt er seine wechselvolle Lebensgeschichte: seine Entwicklung vom gehbehinderten Außenseiter im amerikanischen Süden mit einem IQ von 75 zum Supersprinter, sein Einsatz im Vietnamkrieg, seine Karriere als Pingpong-Meister, seine Arbeit als Shrimps-Fischer, die unerfüllte Liebe zu Jenny, die ihn wegen seiner sexuellen Unreife nicht als festen Partner in Erwägung zog. Der Zufall führt Forrest mit Elvis Presley, John Lennon, der Hippie-Bewegung und mehreren US-Präsidenten zusammen. Unverdrossen bewahrt er sich Zuversicht und Optimismus und hält sich an Lebensweisheiten von der Sorte: Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man bekommt.

Trotz seines schwermütigen Helden und dessen mühsamen Lebensweges wurde Forrest Gump zu einem der größten Feelgood-Movies der Jahrtausendwende: die Geschichte eines reinen Toren, der sein Land liebt und seinem Herzen folgt. Hauptdarsteller Tom Hanks hatte die sprichwörtliche Rolle seines Lebens gespielt, erhielt den zweiten Hauptrollen-Oscar hintereinander und beschränkte sich für den Rest seiner Karriere hauptsächlich auf positive Helden und leichte Stoffe.

B) Buster Keaton – Wie Hollywood ein Genie zerbrach
Französische TV-Doku von 2016

Buster Keaton zählte neben Charles Chaplin und Harold Lloyd zu den erfolgreichsten Komikern der Stummfilmzeit und hat letzteren in der heutigen Bewertung meilenweit hinter sich gelassen. 1928 ist er auf dem Höhepunkt seiner Karriere – und sieben Jahre später ganz unten: ein arbeitsloser Alkoholiker, den die Ehefrau aus der gemeinsamen Villa und aus der Familie verstoßen hat. Der entscheidende Auslöser dieses Absturzes ist eine einzige tragische Fehlentscheidung. Keaton wird in Hollywood nie wieder zu alter Größe aufsteigen, doch er wird sich berappeln und sogar ein Glück erfahren, das nur wenigen zuteilwird: das Miterleben der eigenen Wiederentdeckung durch die Nachwelt.

Kunstvoll verwebt die Dokumentation Bilder aus Keatons Filmen zu einer biographischen Erzählung und – das ist das Ungeheuerliche – zu einem weiteren Film des großen Poeten der Stummfilmzeit. Handlung: das Schicksal eines Künstlers, der im Räderwerk des alten Studiosystems zerrieben wird.

Nächste Woche: „The Big Lebowski“ und „Der Mann, der zweimal lebte“

Veröffentlicht unter Film, Gesellschaft, Kabarett und Comedy, Podcast | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

Veröffentlicht unter Cartoon (eigene Arbeiten), Film, Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Prima vista 0,5: „Die Katzen von Ulthar“

betr.: Lesen vom Blatt / Übung

Eine Prima Vista Lesung in abgemilderter Form lässt sich durchführen, wenn man sich verschiedene Übersetzungen der selben Textpassage vornimmt: die erste wird still gelesen, die zweite laut.
Der Inhalt ist bekannt, der Wortlaut ändert sich.

Heutiges Beispiel aus „Die Katzen von Ulthar“ von H. P. Lovecraft

Variante 1:

Es heißt, in Ulthar, das jenseits des Flusses Skai liegt, darf niemand eine Katze töten; und wenn ich sie betrachte, die am Feuer sitzt und schnurrt, kann ich das durchaus glauben. Denn die Katze ist kryptisch und vertraut mit seltsamen Dingen, die den Menschen verborgen sind. Sie ist die Seele des alten Aigyptos und Trägerin von Geschichten aus vergessenen Städten in Meroe und Ophir. Sie ist vom Geschlecht der Herren des Dschungels und Erbin der Geheimnisse des ehrwürdigen und sinistren Afrika. Die Sphinx ist ihre Cousine, und sie spricht ihre Sprache; aber sie ist viel älter als die Sphinx und erinnert sich an das, was jene vergessen hat.
In Ulthar lebten, bevor die Bürger das Töten von Katzen überhaupt verboten, ein alter Kätner und dessen Frau, die ihr Vergnügen daran fanden, die Katzen ihrer Nachbarn in Fallen zu fangen und umzubringen. Warum sie dies taten, ich weiß es nicht; außer, daß vielen die Stimme der Katze in der Nacht verhaßt ist und sie es übel aufnehmen, daß Katzen im Zwielicht verstohlen über Höfe und Gärten huschen. Doch aus welchem Grund auch immer, diesem alten Mann und seiner Frau machte es Spaß, jede Katze zu fangen und umzubringen, die in die Nähe ihrer elenden Hütte kam; und wegen mancher Laute, die nach Einbruch der Dunkelheit erklangen, stellten sich viele Einwohner vor, daß die Art des Umbringens mehr als eigentümlich war. Doch die Leute sprachen mit dem alten Mann und seiner Frau nicht über solche Dinge; das lag an dem habituellen Ausdruck auf den verwelkten Gesichtern der beiden und daran, daß ihre Hütte so klein war und so dunkel verborgen unter den Eichen hinter einem vernachlässigten Hof lag. So sehr wie die Katzenbesitzer diese merkwürdigen Leute haßten, fürchteten sie sie in Wahrheit doch mehr; und anstatt sie als brutale Meuchelmörder anzugehen, besorgten sie nur, daß sich kein umhegter Liebling oder Mäusefänger zu dem abgelegenen Schuppen unter den dunklen Bäumen verirrte.

Übersetzung: Michael Walter für die „Phantastische Bibliothek“, Suhrkamp 1997 / 1980

Variante 2:

Man erzählt sich, dass in Ulthar, jenseits des Flusses Skai, niemand eine Katze töten darf; und ich bin durchaus willens, dem Glauben zu schenken, während ich jene betrachte, die schnurrend vor dem Kamin sitzt. Denn die Katze ist rätselhaft und steht den seltsamen Dingen nahe, die für Menschen unsichtbar sind. Sie ist die Seele des antiken Ägyptos, und mit ihr kamen Geschichten aus vergessenen Städten in Meroë und Ophir. Sie ist verwandt mit den Herren des Dschungels und erlebte die Geheimnisse des uralten und finsteren Afrika. Die Sphinx ist ihre Cousine, und sie spricht ihre Sprache. Aber sie ist älter als die Sphinx und erinnert sich an das, was jene vergessen hat.
Lange bevor die Bürger das Töten von Katzen verboten, lebten in Ulthar ein alter Kleinbauer und seine Frau, die sich daran ergötzten, die Katzen ihrer Nachbarn zu fangen und zu töten. Warum sie dies taten, weiß ich nicht; obgleich viele die nächtlichen Gesänge der Katzen hassen und es übelnehmen, dass Katzen in der Dämmerung durch Höfe und Gärten schleichen. Doch dieses alte Ehepaar fand, weshalb auch immer, Vergnügen daran, jede Katze, die sich ihrer Kate näherte, zu töten; und eingedenk einiger nach Einbruch der Nacht vernommener Geräusche stellten sich viele Dörfler vor, dass die Tiere auf ganz sonderbare Weise getötet wurden. Die Dörfler sprachen jedoch nie mit dem Alten und seiner Frau über solche Dinge; wegen des berüchtigten Ausdrucks in den verwirrten Gesichtern der beiden und weil ihr Häuschen so klein war und in einem finsteren Winkel, im Schatten ausladender Eichen am hinteren Rand eines vernachlässigten Hofes stand. Um die Wahrheit zu sagen – sosehr die Katzenbesitzer diese kauzigen Leute auch hassten, sie fürchteten sie noch viel mehr; und anstatt sie brutale Mörder zu schimpfen, achteten sie lediglich darauf, dass kein geschätztes Haustier und kein geschätzter Mäusejäger sich je in Richtung der abgelegenen Bruchbude unter die dunklen Bäume verirrten.

Übersetzung von Andreas Fliedner und Alexander Pechmann für „H. P. Lovecraft – Das Werk II“, FISCHER Tor 2021

Veröffentlicht unter Literatur, Mikrofonarbeit | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Depublikation – Ändern, was sich nicht mehr ändern lässt

Obwohl das Internet bekanntlich nichts vergisst, kann es immerhin guten Willen zeigen. Harald Martenstein erläutert das mit dem „Depubliziertwerden“ im „Zeit-Magazin“ aus der Perspektive des Betroffenen: „Eine Zeitung löscht im Netz einen bereits gedruckten Text, weil er angeblich furchtbar ist. Der Text ist vor allem deshalb furchtbar, weil er in einem für die Zeitung relevanten Milieu für Empörung sorgt. Auch in der Redaktion brennt die Luft Die Zeitung steht von innen und außen unter Druck. Der Text ist in der Welt, das lässt sich nicht ändern. Und er wird jetzt erst recht gelesen. Das Depublizieren im  Netz ist eine Demutsgeste, ein rituelles Opfer. Dem Autor des furchtbaren Textes wird öffentlich eine Backpfeife verpasst, in der Hoffnung, die Götter dadurch milde zu stimmen und Nachahmer abzuschrecken. Der Inhalt des Textes wird als Tabu markiert.“
Leider funktionieren die digitale Öffentlichkeit wie auch die von ihr geführten „Diskurse“ wie das sprichwörtliche ungezogene Kind, das eine Sache erst dann richtig sexy findet, wenn sie ihm verboten wird (Martenstein deutet es bereits an).
Es hat also Tradition. Die Methode hat Tradition und ihre Sinnlosigkeit ebenfalls. In der Ära der Holzmedien fiel sowas noch unter „Zensur“ bzw. „Selbstzensur“.
Im Fernsehen gab es für solche Inhalte früher den berühmten „Giftschrank“, aus dem Beiträge nach langer Schmorzeit auch wieder herauskommen konnten – so gut oder schlecht wie zuvor, jetzt aber eingestänkert mit dem lockenden Aroma des Skandals.

Veröffentlicht unter Fernsehen, Medienkunde | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

Veröffentlicht unter Cartoon (eigene Arbeiten), Gesellschaft | Verschlagwortet mit | Kommentar hinterlassen

Prima vista 0,5: Der Wind in den Weiden

Wie Alexander Solloch im bereits an dieser Stelle gepriesenen Buch über den „Unübersetzer“ Harry Rowohlt berichtet, zählt der Kinderbuchklassiker „The Wind In The Willows“ von Kenneth Grahame mit rund zehn deutschen Bearbeitungen zu den am häufigsten ins Deutsche übersetzten Büchern. Er räumt auch ein, dass es angesichts dessen nicht ohne weiteres feststellbar sei, ob Harrys Übersetzung wirklich die beste wäre, aber vieles spricht dafür. (Gerd Haffmanns attestierte seinen Arbeiten „eine oder zwei Synapsen mehr als andere Übersetzungen“.)

Bei Grahame beginnt das Buch so:

The Mole had been working very hard all the morning, spring-cleaning his little home. First with brooms, then with dusters; then on ladders and steps and chairs, with a brush and a pail of whitewash; till he had dust in his throat and eyes, and splashes of whitewash all over his black fur, and an aching back and weary arms. Spring was moving in the air above and in the earth below and around him, penetrating even his dark and lowly little house with its spirit of divine discontent and longing. It was small wonder, then, that he suddenly fung down his brush on the foor, said ‘Bother!’ and ‘O blow!’ and also ‘Hang springcleaning!’ and bolted out of the house without even waiting to put on his coat. Something up above was calling him imperiously, and he made for the steep little tunnel which answered in his case to the gravelled carriage-drive owned by animals whose residences are nearer to the sun and air. So he scraped and scratched and scrabbled and scrooged and then he scrooged again and scrabbled and scratched and scraped, working busily with his little paws and muttering to himself, ‘Up we go! Up we go!’ till at last, pop! his snout came out into the sunlight, and he found himself rolling in the warm grass of a great meadow.

Wir wollen drei der deutschen Buchanfänge betrachten, die in den letzten 100 Jahren erschienen sind.
1929 erschien in Stuttgart die „Einzig berechtigte Übersetzung ins Deutsche“ von Else Steup.

Der Maulwurf, Cornelius Grabfuß, hatte großes Frühlingsreinemachen. Er hatte den ganzen Morgen wie wild in seinem kleinen Häuschen geschuftet, erst mit Besen, dann mit Staubtüchern und dann mit einem Eimer voll Tünche und einem Pinsel auf Leitern und Tritten und Stühlen. Schließlich hatte er Hals und Augen voll Staub, seinen schwarzen Pelz voller Tüncheflecken, und dazu taten ihm Rücken und Arme weh. Überallhin drangen die Frühlingslüfte, sie waren oben in der Luft und unten in der Erde um ihn herum. Sie erfüllten sogar sein düsteres armseliges Häuschen mit ihrem Geist göttlicher Unruhe und Sehnsucht.

Harry Rowohlt eröffnete 1973 so:

Den ganzen Vormittag hatte der Maulwurf geschuftet: In seinem kleinen Haus war der Frühjahrsputz ausgebrochen. Zuerst mit Besen und Staubtuch, dann auf Leitern und Trittleitern und Stühlen und drittens mit Pinsel und Tünche. Bis er Staub in Gurgel und Augen hatte und Placken weißer Tünche auf dem schwarzen Pelz und ein Reißen im Rücken und Schmerzen in den Armen. Der Frühling rumorte oben in der Luft herum und unten in der Erde herum und rund um den Maulwurf herum.

Und so wird es weitergehen, denn der Ruhm von Grahames Werk ist ungebrochen.
Zuletzt legte Michael Stehle 2019 die so beginnende Bearbeitung vor:

Der Maulwurf hatte den gesamten Vormittag dem Frühjahrsputz seines kleinen Hauses gewidmet. Zuerst mit dem Besen, dann mit einem Staubtuch und zuletzt, ausgerüstet mit einem Pinsel und einem Eimer weißer Farbe, stand er auf Stühlen und Leitern. Bis er schließlich Mund und Augen voller Staub hatte und sein schwarzer Pelz mit weißen Farbklecksen übersät war. Außerdem taten ihm der Rücken und die Arme weh – und all das, während um ihn herum die Luft und die Erde vom Duft des Frühlings erfüllt waren.

Veröffentlicht unter Mikrofonarbeit, Übersetzung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen