Meckern im Mäusekino: „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“

betr.: Filmrätsel

Charlotte Chandlers Biografie über die Filmschauspielerin Bette Davis ist solide informativ und liest sich gut, verbreitet aber zuweilen etwas Kaffeeklatsch-Atmosphäre. Dazu passen auch die fröhlich verfassten Inhaltsangaben.
Welche Fehler haben sich hier eingeschlichen?

Auflösung am kommenden Mittwoch

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Kultfilm Azubis (11) / TV-Special Nr. 2: To Star Trek And Beyond

Die kultigste Episode der kultigsten TV-Serie schlechthin trifft auf ein im All verschollenes Juwel. Heute im Gespräch: Hennes Bender:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/tv-special-nr-2-to-star-trek-and-beyond

A) Kennen Sie Tribbles? / The Trouble With Tribbles
Raumschiff Enterprise-Abenteuer vom 29.12.1967

Um eine Ladung genetisch verbesserten Getreides zu bewachen, wird die Enterprise per Notruf zur Raumstation K-7 gerufen. Da dieser Vorrat dazu bestimmt ist, eine Hungernot auf der Sherman-Planetengruppe zu verhindern, besteht Föderationssekretär Barris darauf, dass Kirk eine Wache dafür abstellt. Die klingonischen Außenposten sind nicht weit, und Barris befürchtet Sabotage.
Die Besatzung bummelt durch die Raumstation, und Lt. Uhura lässt sich von einem windigen Händler ein kleines Pelztierchen schenken, einen Tribble.
An Bord der Enterprise wie auch auf K-7 beginnt sich diese niedliche Spezies sprunghaft fortzupflanzen. Schließlich fallen die Tribbles auch über den Getreidevorrat her – wodurch sie sich noch hemmungsloser vermehren. Stecken hinter der Invasion der kleinen Wesen etwa die Klingonen, die sich inzwischen auch auf der Raumstation eingefunden haben? 

Die beliebteste Folge der klassischen „Star Trek“-Serie ist bezeichnenderweise eine, in der der stets gepflegte Humor die Oberhand gewinnt, eine Sitcom innerhalb einer Dramaserie. Ausgerechnet hier treten erstmals die Klingonen auf, die wichtigsten Feinde der Föderation der Vereinigten Planeten. Dass diese hier noch gar nicht wir richtige Klingonen aussahen, wurde später in der Nachfolgeserie „Deep Space Nine“ ironisch aufgearbeitet.

B) Class Of ’99 (ohne deutsche Fassung)
Fernsehspiel aus der anthologischen Horror- und Science-Fiction- Serie „Rod Serling’s Night Gallery“ vom 22.9.1971

Schauplatz ist der stilisierte, hell erleuchtete Hörsaal einer nicht benannten Akademie. Als Prüfer tritt der Gruselfilmstar Vincent Price auf, um die mündliche Abschlussprüfung durchzuführen. Nach einigen Fragen zu allgemeinen Themen, geht er dazu über, den Charakter seiner Studenten zu testen. Er fordert sie dazu auf, ihren Antipathien untereinander freien Lauf zu lassen, was bald lebensgefährliche Formen annimmt. Wer Skrupel hat, seinen niedrigen Instinkten nachzugeben, droht durchzufallen …

Die „Night Gallery“ blieb der einzige Versuch des früh verstorbenen visionären Autors und Selbstdarstellers Rod Serling, an seinen historischen Erfolg als Showrunner der „Twilight Zone“ anzuknüpfen, einen Meilenstein der Fernsehgeschichte. Für Serling war das Projekt ein persönliches Desaster, für die Nachwelt bedeutungslos. Dabei ist „Rod Serling’s Night Gallery“ ein Inka-Schatz der Satire, des Nervenkitzels und der verwegenen Regiekonzepte. Die Episoden bestehen aus Geschichten, die exakt so lange dauern wie nötig: zwischen drei Minuten und einer knappen Stunde.

Nächste Woche: „Thelma & Louise“ und „Der Agentenschreck“

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Im Kino gewesen …

Worum geht’s?

Es ist Sommer, und somit genug, trotzdem kommt aus Hollywood nur Aufgewärmtes auf den Tisch. Heute: das Remake einer sehr vergnüglichen Pannenserie aus den 80er und 90er Jahren. Auch die Neuauflage trägt den Titel „Die nackte Kanone“, der Held heißt weiterhin Frank Drebin und ist ein schusseliger Polizeiermittler, der Hauptdarsteller heißt immerhin fast genauso, nämlich Liam Neeson statt Leslie Nielsen. Sein Gegenspieler ist ein Tech-Milliardär im Format eines James-Bond-Bösewichts. Aber mehr muss man zur Handlung auch nicht vorher wissen.

Was taugt der Film?

Das Ergebnis ist amüsanter als befürchtet und nutzt seinen Nostalgiefaktor, um uns mit der digitalen Realität inhaltlich wie auch in seinen Mitteln weitgehend zu verschonen. Einige Gags sind wirklich gut, manchmal sogar mehrere hintereinander, und mit CCH Pounder und Danny Huston gibt es zwei ganz großartige Nebendarsteller. Leider ist das Duo im Mittelpunkt ein Totalausfall. Die Schaumgeborene Pamela Anderson wirkt wie eine Anspielung, die kein Mensch mehr kapiert, und Liam Neeson lüftet nun auch das letzte der wenigen Geheimnisse seiner Schauspielkunst: witzig sein kann er auch nicht.
Das apokalyptische Finale ist ein bisschen unappetitlich. Die alten Leslie Nielsen-Klamotten sind dem Remake in jeder Hinsicht vorzuziehen. Aber wer heute gern ins Kino möchte, der ist in der „nackten Kanone“ allemal besser aufgehoben als in den Sälen nebenan.

Was Torben dazu meint und was wir uns noch so zu erzählen haben, gibt es hier:
https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/die-nackte-kanone-2025-filmkritik

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Abfälle inklusive: Der Director’s Cut

Dass ein großer Teil der Regie eines Films (die genaue Quote schwankt von Quelle zu Quelle) am Schneidetisch geleistet wird, ist inzwischen eine Binsenweisheit. Kaum zu glauben, dass ein so berühmter Mann wie Ridley Scott einmal Zeiten erlebte, in denen er nicht Herr über die endgültige Schnittfassung gewesen ist. Warum gerade Ridley Scott? Das Beispiel erscheint mir passend, weil mit seinem Umbau von „Blade Runner“ etwas seinen Anfang genommen hat, das inzwischen obligatorisch ist – und somit ohne jede Aussagekraft: der „Director’s Cut“.
Anfang der 90er Jahre ließ Scott mit der abermaligen Veröffentlichung seines bereits als Klassiker geführten Films von 1982 am Baum der Verwertungsmöglichkeiten einen weiteren starken Ast sprießen. Inzwischen hat er mehrere solcher Überarbeitungen seines „Blade Runner“ vorgelegt. Inzwischen gilt gefühlsmäßig die Regel: zu jeder kommerziell erfolgreichen Produktion existiert irgendwo ein Director’s Cut, und der ist schon deshalb als besser einzuschätzen, weil er länger ist als die ursprüngliche Kinofassung. Zu dieser Sicht hat auch die Gewohnheit beigetragen, auf den LDs, DVDs und blurays, die unterdessen Einzug gehalten haben, Bonusprogramme zu reichen, in denen die „deleted scenes“ den attraktivsten Teil ausmachen. Man kann sich denken, dass diese Szenen aus guten Gründen nicht in den Film hineingekommen sind bzw. extra gedreht wurden, um sie hier nachträglich zeigen zu können – es tut der Begeisterung keinen Abbruch.
In die diversen Varianten, die Francis Ford Coppola mittlerweile von „Apocalypse Now“ nachgelegt hat, sind auch Szenen eingeflossen, von denen er selbst sagte, sie würden den Film ausbremsen und seinen Rhythmus zerstören – wie recht er damit hatte, kann jetzt jeder für kleines Geld persönlich nachprüfen.

Disney ändert vor allem aus gesellschaftspolitischen Gründen an seinen Werken herum, und auch hier kann ein Bedarf an weiteren Bearbeitungen jederzeit behauptet werden.
In den Zeiten einer sich rasant entwickelnden Möglichkeit, bewegte Bilder am Computer zu retuschieren, wird – gerade bei Science-Fiction-Sujets – gern auch an der einstigen Zukunftsvision herumgepopelt. George Lucas‘ „aktualisierte“ „Star Wars“-Saga gilt allgemein als verunglückt, doch alles Gejammer der Fans hilft nichts: die Urfassung wird nicht mehr zugänglich gemacht. (Geschieht dies eines Tages doch, bedeutet das wieder „stupid money“ von der Fangemeinde…).
Auch den „Blade Runner“ bekommt man in der alten Fassung nicht mehr zu sehen, doch Scotts Retuschen waren noch anderer, waren inhaltlicher Art. Am vielgerühmten dystopischen Design änderte er nichts, stattdessen entfernte er den Off-Kommentar des Helden und baute ein Ende an, das diesen in neuem Licht erscheinen lässt (ist er nicht selbst einer der künstlichen Menschen, die er zu jagen hat?).

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Die schönsten Filme, die ich kenne (126): Kikis kleiner Lieferservice

Im Werk des japanischen Trickfilmmeisters Hayao Miyazaki ist es schwer, das eine Meisterwerk zu küren, das alle übrigen seiner Glanzleistungen überstrahlt. Einiges spricht für „Chihiros Reise ins Zauberland“, doch viele andere werden von den Fans immer wieder als „Lieblingsfilme“ genannt und weisen einzelne Vorzüge auf, die in „Chihiro“ nicht hineingepasst bzw. deren Wirkung torpediert hätten. „Kikis kleiner Lieferservice“ (12 Jahre vor „Chihiro“ entstanden) bewährt sich in diesem Gedankenspiel ganz mühelos.

Hexen-Lehrmädchen Kiki verlässt mit dreizehn Jahren ihre Familie, um in einer fremden Stadt ihre magischen Kräfte zu vervollkommnen, so wie es die Tradition vorsieht. Zusammen mit ihrem schwarzen Kater Jiji gelangt sie in eine Stadt am Meer, wo sie eine Bleibe und gute Freunde in einer Bäckerei findet. Und einen Job: einen Backwaren-Lieferservice, für den sie ihre Flugfähigkeit nutzen kann. Der linkische Tombo, der an der Entwicklung eines fliegenden Fahrrades arbeitet, macht keinen großen Eindruck auf sie. Sein Versuch, sie auf eine Party mitzunehmen, um sie mit Gleichaltrigen in Kontakt zu bringen, scheitert an einem schwierigen Auftrag bei Unwetter. Ausgerechnel, als Kikis Magie buchstäblich lebenswichtig ist, droht sie ihr verloren zu gehen. Das Mädchen erlebt die erste große Krise seiner Pubertät …

„Kikis kleiner Lieferservice“ ist verblüffend. Er bringt etwas fertig, was eigentlich nicht funktionieren kann: zärtlichen Slapstick. Ohne einen Schurken oder persönlichen Gegenspieler verschafft er seiner Heldin eine maximale Herausforderung. Ohne dass eine Apokalypse oder der Sieg einer finsteren Macht droht, kommt eine Spannung auf, die noch in der Bildfolge des Abspanns nachklingt. Das Finale mit dem trudelnden Zeppelin mag etwas reißerisch sein (er kommt in den zugrundeliegenden Kinderbüchern nicht vor), doch wirkliche Gefahr droht nur einer Person: Tombo, dessen Rettung der Heldin alles abverlangt. Letztlich ist dieses Husarenstück ohnehin vor allem wegen der Verbindung zwischen Kiki und Tombo interessant (zumindest werden wir eingeladen, es so zu sehen).

Zu Beginn müssen wir uns nur auf eine Besonderheit einlassen: Hexen sind nett haben einen guten Ruf – wenn sie überhaupt jemand zur Kenntnis nimmt. Der kleinen Kiki schlägt in der Fremde vor allem Hilfsbereitschaft entgegen, die Menschen sind freundlich, höchstens mal etwas muffelig. Wie Miyazaki es schafft, diesen kindgerechten Plot zu einer klugen, humorvollen Parabel zu machen, die ohne billigen pädagogischen Effekt auskommt, hat mehr Magie als der Auszubildenden des Hexenberufs selbst zu Gebote steht.
Die vorbehaltlose Art, mit der die Bürger der Hafenstadt Kikis seltsamem Berufsbild begegnen, erinnert an die tschechischen Märchenfilme und -serien, die ihre große Zeit in den 70er Jahren hatten. (Wir reduzieren dieses Repertoire heute auf „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, den schönsten, wenn auch nicht besten Beitrag.) Auch zum Thema „Hexenmädchen findet sich selbst“ gibt es hier ein Programm: „Das Mädchen auf dem Besenstiel“ (1972), bei dem uns damals vorgeführt wurde, wie gefährlich es sein kann, übermenschliche Fähigkeiten zu besitzen bzw. zu erwerben (Strafe: 300 Jahre Nachsitzen). „Kikis kleiner Lieferservice“ ist frei davon, doch mit dem Grusel geht auch die Zauberei weitgehend flöten: sogar die Verwandlung ihrer finsteren Kammer in ein gemütliches Zuhause ist für Kiki Handarbeit (da hilft keine Hexerei). Kiki hat nicht einmal drei Haselnüsse zur Verfügung.

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Haneke über Synchronisation

Die Arbeit des international gefeierten Regisseurs Michael Haneke hat zu einem erheblichen Teil in Frankreich stattgefunden. Das forderte ihn auf einem scheinbar nebensächlichen Feld besonders heraus: um im deutschen Sprachraum ausgewertet zu werden, musste er die betreffenden Filme in seine Muttersprache synchronisieren lassen, woran er jeweils mitarbeitete und sich viel Zeit nahm. Das Ergebnis von Hanekes Sorgfalt lässt sich besonders gut in „Die Klavierspielerin“ beobachten einer zweisprachig gedrehten Produktion, die in Wien spielt. (Im Grunde ein Heimspiel: Haneke kam in München zur Welt, wuchs aber in Wien auf.)
Außerdem mussten die Hauptfiguren auch beim Musikzieren gedoubelt werden, also beim Klavierspiel, dessen virtuose Beherrschung ein wichtiger Teil der Handlung und ihrer Metaphorik ist.
Die deutsche Fassung der „Klavierspielerin“ ist ein Musterbeispiel dafür, wie gut deutsche Synchronisation unter Umständen sein kann, die im Routinebetrieb heute (wie schon im Jahre 2001) vollkommen surreal sind.
Der Regisseur macht sich darüber generell keine Illusionen: „Man schafft es nie, die Synchronsprecher zu einem wirklich guten Spielniveau zu bringen. (…) Durch die Synchronisation wird ein Film systematisch zerstört! Man verliert das Wesentliche der Atmosphäre, die zwischen den Personen beim Dreh entstanden ist. Man kann die Arbeit eines Schauspielers, der mit einem Partner vor der Kamera spielt, nicht mit der vor einem Bildschirm und einem Mikrofon vergleichen.“*

Dieses Urteil bewahrheitet sich sehr deutlich im komplett auf Deutsch entstandenen Film „Das weiße Band“ (2009), wo nur wenige Sätze neu aufgenommen werden mussten: die des Bauern, der sich später erhängt. Sein Darsteller hatte einen starken österreichischen Dialekt, der sich am Schauplatz der Handlung nicht motivieren bzw. erklären ließ. In der Mundart der Region wäre das Projekt nicht realisierbar gewesen, deshalb sprechen die Figuren alle hochdeutsch – bis auf den aus Bayern eingewanderten Gutsverwalter.
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* Das Zitat stammt aus „Haneke über Haneke“, einem Buch, das Gespräche mit Michel Cieutat und Philippe Rouyer versammelt. (Alexander Verlag 2013)

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Kultfilm Azubis (10): Wir sehen doppelt

In der heutigen Folge des Podcasts betrachten wir zwei Filme, in denen es einen Mann zweimal gibt – und das ist ärgerlich für alle Vier:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/the-big-lebowski-der-mann-der-zweimal-lebte

A) The Big Lebowski
Amerikanische Komödie von 1998

Jeff Lebowski, der sich schlicht The Dude nennt, ist der wohl trägste Mensch von Los Angeles, ein schlaffer Alt-Hippie, der sich ausschließlich von White-Russian-Cocktails ernährt, am liebsten Walgesänge hört und den Joint nur selten aus der Hand legt. Die verbleibende Zeit widmet er gemeinsam mit seinen Freunden Walter und Donny dem Bowling. Das Trio wird verkörpert von Jeff Bridges, John Goodman und Steve Buscemi.
Lebowskis Bummelei hat ein Ende, als er von zwei brutalen Figuren mit einem gleichnamigen Millionär verwechselt wird. Erst pinkeln die Kerle auf seinen Lieblingsteppich, dann wird er von ihnen verprügelt, um Schulden seiner angeblichen Frau Bunny bei ihm einzukassieren. Als ebendiese Bunny entführt wird, heuert der echte Mr. Lebowski seinen Namensvetter als Lösegeldkurier an. Der Dude vermasselt die Geldübergabe natürlich, und nun geht es richtig rund …

Während in der großen Welt Einigkeit darüber herrscht, dass die kultisch verehrten Coen-Brüder wesentlich bessere Filme gedreht haben (z.B. Fargo) oder künstlerisch wertvollere (etwa No Country For Old Men), wird in ihrer Fan-Blase keiner so abgefeiert wie The Big Lebowski. Wer hat recht?

B) Der Mann, der zweimal lebte / Seconds
US-Psychothriller von 1966

Der früh gealterte Banker und Ehemann Arthur Hamilton bekommt im Gedränge des städtischen Feierabends ein Stückchen Papier mit einer Adresse in die Hand gedrückt, das ganz unmissverständlich für ihn bestimmt ist. Außerdem meldet sich ein Mann mit nächtlichen Anrufen, der glaubhaft machen kann, ein totgeglaubter alter Freund zu sein. Ich lebe, und ich bin lebendiger als je zuvor! prahlt der Anrufer und lockt seinen früheren Tennispartner zu der notierten Adresse. Hamiltons saturiertes Leben in der Vorstadt, seine Ehe mit einer braven, loyalen Gattin – die ihn zu seinem Leidwesen noch immer begehrt – drücken ihn nieder, und so treibt ihn die Neugier zum verabredeten Ort.
Auf Umwegen wird er in ein ominöses Gebäude gebracht, wo man ihm anbietet, für 30.000 Dollar seinen Tod zu inszenieren und ihm eine neue Identität zu verschaffen. – Das ist viel Geld, aber schließlich müssen wir eine Leiche besorgen, die Ihren körperlichen Gegebenheiten weitgehend entspricht …, erklärt man ihm. Um dem noch unentschlossenen Kunden auf die Sprünge zu helfen, erpresst man ihn mit einem Film, der ihn als Vergewaltiger zeigt. – Das Publikum hat diese Szene schon gesehen und für eine Wahnsequenz gehalten, nachdem man Mr. Hamilton einen mit Drogen versetzten Tee gereicht hat.
Endgültig überzeugt ist er allerdings erst, nachdem ihn ein leiser alter Herr – der Gründer und Leiter der makaberen Institution – in eine Art Gesprächstherapie verwickelt: Hamiltons Leben könnte in all seiner geregelten Gemütlichkeit nicht trister und frustrierender sein. Als er sich das von der Seele geredet hat, unterschreibt er. Die Transformation kann beginnen.
Er beginnt ein neues Leben, das ganz nach seinen penibel protokollierten Wünschen und Launen in Kalifornien eingerichtet wurde. Und ahnt bald, dass das Skalpell des besten Chirurgen nicht zur entscheidenden Stelle seiner selbst vordringen konnte: seiner Persönlichkeit …

Mit diesem kompromisslosen, finsteren Drama wollte sich Rock Hudson aus seinem Rollenfach des führenden romantischen Komödienhelden der 60er Jahre freikämpfen. Das gelang ihm gründlich: das Projekt führte ihn in die Versenkung. Alle engeren Freunde und befreundeten Kollegen haben den Film gehasst, hatten dem Schauspieler gar davon abgeraten, und das Publikum sah es genauso. Die Zeit ist gekommen, ein differenzierteres Urteil zu fällen!

Nächste Woche: ein weiteres TV-Special mit dem Gast Hennes Bender. Es geht um „Star Trek“ („Kennen Sie Tribbles?“) und „Rod Serling’s Night Gallery“

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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