Ein Chaplin ohne Charlie

betr.: 109. Jahrestag der Premiere von „Mabel’s Strange Predicament“

Die Historiker sind sich nicht 100%ig sicher, aber viel spricht dafür, dass Charlie Chaplin sein legendäres Tramp-Outfit zum ersten Mal trug, als er unter der Regie seines Entdeckers Mack Sennett in der Komödie „Mabel’s Strange Predicament“ agierte. Chaplin hat seinen Look von da an fast unverändert beibehalten, bis er ihn 1940 – zu diesem Zeitpunkt längst sein eigener Regisseur – ein letztes Mal pflegte.

Zu den vielen Besonderheiten, die Charlie Chaplin in kurzer Zeit zum berühmtesten lebenden Menschen der Welt gemacht haben, gehörte eine Akribie, die dem Publikum in Form ihrer Ergebnisse präsentiert wurde. Wenn der Tramp einen Beruf ergriff – oder besser: einen der Jobs, die er fast so schnell wieder verlor wie er sie angenommen hatte -, faszinierte uns die routinierte Fingerfertigkeit, mit der er zu Werke ging. Er brachte jedes Handwerk so anschaulich auf den Punkt, als habe er es tatsächlich erlernt und längere Zeit ausgeübt. Besonders berühmt wurde sein Solo als Barmixer (dessen Motorik auch noch satirisch-fachgerecht verfremdet wird). Mein Lieblingsbeispiel stammt aus dem Spätwerk „Monsieur Verdoux“: Chaplin hat einen frisch ergaunerten Stapel Geldscheine nach Hause gebracht und zählt ihn erst einmal durch. Da er im Hauptberuf Schalterbeamter ist, behandelt er das Geldscheinbündel entsprechend, was sehr komisch aussieht.

Fast vergessen ist der Komiker Max Linder, knapp sechs Jahre älter als Chaplin und der erste Comedy-Filmstar von bleibendem Wert im Geburtsland des Kinos und der Stummfilmgroteske. In seinen Filmen sehen wir das echte Paris der Belle Époque (oder zumindest echte Möbel und Klamotten der Belle Époque im Atelier), auf den Standfotos erblicken wir den attraktiven Hauptdarsteller, einen kultivierten Dandy und Lebemann vom Alten Kontinent. Sieht man sich einige seiner Filme tatsächlich vollständig an, entpuppt sich der Kerl als draufgängerischer Rüpel ohne jede soziale Kompetenz. Unter seiner feschen Schale schlägt das Herz eines flatterhaften Egomanen, der weder mit Frauen und Kindern noch mit Tieren umgehen kann. Optisch sekundiert Linder dieses Konzept mit seinen Glubschaugen, die irre aus den Höhlen treten, wenn er wieder eine schräge Idee ausbrütet, und seine Zahnlücke scheint sich noch etwas zu weiten. Es ist ein früher Fall von Text-Bild-Schere, der hier zum Vergnügen beiträgt, so anarchisch wie die wildesten Kapriolen des amerikanischen Slapstickfilms.
Während Chaplin uns mit professionell anmutender Akkuratesse den Atem raubt, ist Linder – ganz im Gegenteil – selbst mit den Kleinigkeiten der Haushaltsführung restlos überfordert und improvisiert so barbarisch und unpfleglich, dass selbst Laurel und Hardy verlegen wegsehen müssten. Täuscht Max gar vor, ein Handwerk zu beherrschen – etwa das des Fußpflegers – dann wird er zu den derbsten und denkbar falschesten Mitteln und Maßnahmen greifen und dadurch seine Lacher provozieren. Bei Chaplin denken wir: das könnt‘ ich nicht! Bei Linder beruhigt uns die Gewissheit, dass wir uns so offensichtlich dann doch nicht blamiert hätten.
In einem Punkt ähnelt der frühe Chaplin seinem französischen Vorreiter: auch der Tramp war zunächst ein reichlich brutaler Wicht, dem die enge Weste näher war als die Jacke. In den folgenden Jahren – es sollten seine produktivsten sein – verfeinerte Chaplin seinen Charakter zu einem herzensguten, wenn auch wehrhaften Opfer der Gesellschaft. Mitte der 20er war er der erste, der Drama und Klamotte in einem Genre zusammengeführt hatte und als ernsthafter Künstler gefeiert wurde.
Da war Max Linder bereits aus dem Leben geschieden, noch keine 45 Jahre alt.

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Die freiwillig komische Leinwand – Die Filmreihe im Februar

betr.: Reihe im Metropolis Kino Hamburg

Die Filmreihe „Die freiwillig komische Leinwand“ basiert auf der Serie „Der Komiker als Filmheld“, die im ST. GEORGE HERALD in unregelmäßigen Abständen gepflegt wird. Ein Teil dieses Repertoires wird in Hamburg auch auf der großen Leinwand präsentiert. Dies sind die nächsten Termine:

DER HIMMEL KANN WARTEN – D 2000 – 92 Min., Regie: Brigitte Müller
Seit Kindertagen befreundet, stehen der melancholische Alex und der lebensfrohe Paul als Konkurrenten in der Endrunde des Comedy-Castings für  einen Fernsehvertrag. Es geht für beide schief. Um Alex aufzumuntern, macht  Paul dessen größtes Vorbild Rob Patterson ausfindig, Hüter des Geheimnisses  der legendären Huhn-Nummer. Patterson erklärt Alex, worin sein  künstlerisches Problem bestehen könnte …
Die an Erfolgen wie „Knocking On Heaven’s Door“ und „Absolute Giganten“  orientierte Buddy-Tragödie entstand im Gefolge des großen Comedy Booms der  90er Jahre.
Dienstag, 7.2., 19 Uhr

JOKER (DF) – USA 2019 – 122 Min., Regie: Todd Phillips
Der abgemagerte Einzelgänger Arthur Fleck kämpft in einer dreckigen  Großstadt der Trump-Ära um Anerkennung und Selbstfindung. Er versucht sich  als Stand-Up Comedian und verdient sein Geld als Miet-Clown in einer  schäbigen Agentur. Befeuert von Erniedrigungen, die durch seinen Job noch  befördert werden, wird ihm die Clownsmaske eines Tages zum wahren Gesicht.  Es ist das eines Horrorclowns.
„Joker“ ist ein verstörendes Drama, das auch Dank der großartigen Leistung  von Hauptdarsteller Joaquin Phoenix in Cannes gefeiert wurde. Zum  Publikumserfolg des Films trug maßgeblich die Einbindung in das  BATMAN-Franchise bei, die inhaltlich keine Rolle spielt.
Sonntag, 12.2., 19:30 Uhr

THE ENTERTAINER (OF) – GB 1960 – 96 Min., Regie: Tony Richardson
Der gealterte Music-Hall-Conférencier Archie Rice arbeitet Mitte der 50er
Jahre in einem englischen Seebad.  Seine kriselnde Ehe wird weiter beschädigt, als er einer 19jährigen den Hof macht, der Zweitplatzierten einer von ihm moderierten Schönheitskonkurrenz. Archie verspricht dem Mädchen eine Revuekarriere und bringt ihre reichen Eltern dazu, seine nächste Produktion zu finanzieren. Doch seiner Karriere wird das nicht helfen …
John Osbornes auch in Hamburg häufig gespieltes Theaterstück um den Niedergang des britischen Empire ist hier mit seiner Original– und Idealbesetzung auf Film gebannt. Jahrhundertschauspieler Laurence Olivier glänzt in einer tragikomischen Performance.
Freitag, 17.2., 19 Uhr

TV-Rolle (Kurzfilme):  DAS ENDE EINES HUMORISTEN + STAND UP – D 1972 / 2020, Regie: Theodor Grädler / Shahab Habibi
Ein Schwarzweiß-Oldie aus dem klassischen Krimifernsehen und ein Kurzfilm der Hamburg Media School runden die Reihe ab. „Tod eines Humoristen“ aus der  Serie „Der Kommissar“ kreist um den Alleinunterhalter Erwin Waldemann, der  sich in der jungen Bundesrepublik als ein Vorfahre heutiger Comedians  durchschlagen muss. Kommissar Keller muss klären, wie seine  Tochter und wichtigste Mitarbeiterin ums Leben kam. „Stand Up“ erzählt von  der Stand-Upperin Feri, die auch künstlerisch mit einem  rassistischen Übergriff umgehen muss.
Sonntag, 26.2., 19:30 Uhr – Wir erwarten mindestens einen Gast aus dem Produktionsteam des Films „Stand Up“ zum Gespräch.

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„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (69) 

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/10/06/19056/

So ähnlich hätte Doc ausgesehen, wenn ihn Jack Kirby gezeichnet hätte, der heute vor 29 Jahren starb. Diese (bis auf den zu gut gemeinten Hintergrund) sehr gelungene Zeichnung von Jay Piscopo habe ich der Seite Kirby-Vision entnommen.

Fortsetzung vom 31. Januar 2023

Monk wurde aus seinen Gedanken gerissen. Das Dröhnen eines Flugzeugs war zu hören, es kreiste über der Felseninsel. Einer der Banditen kam in den Iglu.
„Civan und die anderen sind da“, sagte er. „Sie werden gleich landen.“
Sunlight legte sich einen dunkelroten Umhang um die Schultern.
„Civan und seine Begleiter sollen zu mir kommen, sobald sie gelandet sind“, verfügte er. „Sie sollen die Gefangenen mitbringen.“
Der Mann, der ihm die Nachricht übermittelt hatte, nickte und hastete hinaus. Sunlight lachte klirrend.
„Sie sollen alle an meiner Demonstration teilnehmen“, sagte er. „Es wird ein einmaliges Erlebnis!“
„Darauf warte ich schon seit gestern“, nörgelte der Playboy. „Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich einen Tag später geflogen …“
„Hören Sie zuerst meine Geschichte zu Ende an“, sagte Sunlight. „Savage hatte natürlich nicht damit gerechnet, dass jemand sein Versteck finden würde. Es war Leichtsinn, vielleicht Dummheit — auch bedeutende Menschen können Fehler machen …“
Der Playboy zertrat seine Zigarette und sah sich beunruhigt um, als erwarte er, jeden Augenblick den berühmten Doc Savage in den Iglu kriechen zu sehen. Ihm missfiel, dass er in Machenschaften verstrickt worden war, die Doc Savage betrafen, und wäre gern einige tausend Meilen weit weg gewesen. Aber Sunlight ließ sich Zeit, offenbar befürchtete er keine Gefahr.
„Savage lebte also für seine absonderliche Karriere“, sagte Sunlight scheinbar gleichmütig, Weiterlesen →

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Bekehrung geglückt

betr.: 107. Jahrestag der Eröffnung des „Cabaret Voltaire“, späterer Geburtsort des Dadaismus, durch Hugo Ball

Den Ausbruch des Ersten Weltkriegs bejubelt zu haben, ist eine Torheit, die einige heute hochangesehene Intellektuelle begangen haben, die nachher zur Besinnung gekommen sind. Immer mal wieder wird ein solcher Fall neu bewertet. Das kann mehr als 100 Jahre später nur durch eine Nachwelt geschehen, die zumindest die Möglichkeit hat, es sich leicht zu machen.
Im Falle des Dadaismus-Miterfinders Hugo Ball geschah diese Nachbetrachtung mit viel Fingerspitzengefühl.

Hugo Ball wurde für 1914 frontuntauglich erklärt und empörte sich darüber im Schweizer Exil. Für die Berner „Freie Zeitung“ polemisierte er gegen seine deutsche Heimat. Noch bleibender war sein Buch „Zur Kritik der deutschen Intelligenz“. Der Katholik Ball postulierte darin die „Konspiration der protestantischen mit der jüdischen Theologie (seit Luther) und eine Konspiration beider mit dem preußischen Obrigkeitsstaat (seit Hegel)“.
Die diesjährige Verleihung des Hugo-Ball-Preises, der für „herausragende Werke lebender Persönlichkeiten“ vergeben wird, „die im Sinne Hugo Balls geisteswissenschaftlich und/oder künstlerisch arbeiten“, wurde abgesagt. Sie sollte  am 5. März in Balls pfälzischer Geburtsstadt Pirmasens stattfinden. Stattdessen ging man Ende Januar in einer Podiumsdiskussion der Frage nach, ob es sich bei den o.g. schriftlichen Zeugnissen des namensgebenden Künstlers um die verzeihliche Sünde eines Kindes seiner Zeit gehandelt habe oder um einen Augenblick der Wahrheit, der später nur kaschiert bzw. vergessen wurde. Man kam zu dem Ergebnis, solche Äußerungen machten nur einen verschwindend kleinen Teil in Balls Gesamtwerk aus, zumal sich vergleichbar antisemitische Tendenzen auch bei Schiller, Goethe, und Fontane fänden, sogar bei Thomas Mann, zuletzt ein leidenschaftlicher Kritiker des Nationalsozialismus im amerikanischen Exil, der weltweite Aufmerksamkeit genoss.
Ball habe sich später vom Antisemitismus gelöst und sich im Zuge seiner Reversion zum Katholizismus näher mit dem Alten Testament beschäftigt. Er bedauerte öffentlich seine Äußerungen über das Judentum und gab zu, er habe persönlich „viel gutzumachen“.
Das ist für einen 1927 Verstorbenen, der also Auschwitz gar nicht mehr erlebt hat, eine umso erhellendere Aussage, wie ich finde.
Die Stadt Pirmasens wird den Preis nicht abschaffen oder umbenennen – ein kühler Hauch zivilisierter Streitkultur in einem stickig-aufgeheizten Debattenklima.

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Letzte Lockerung

betr.: Ende der Maskenpflicht im ÖPNV

Eine berühmte Zukunftsforscherin und Spieleentwicklerin dachte unlängst in einem Interview darüber nach, ob wir am Ende der Pandemie-Beschränkungen alle zu Experten für soziale Simulationen gereift wären. Schon vor Jahren hatte sie an einem Experiment teilgenommen, in dem alle eine medizinische Maske trugen. Nach einer Weile gewöhnten sich die Beteiligten daran, in den halbverdeckten Gesichtern ringsum zu lesen.
Neulich habe ich mir in der U-Bahn ein kleines Grimassenschneiden mit einem Baby geliefert. Obwohl ich – der noch ungelockerten Regel entsprechend – eine Maske trug, konnte das Kind meine Mimik anscheinend mühelos deuten. Erst dachte ich, es müsse sich wohl um eine angeborene Fähigkeit handeln, die wir mit dem Erwachsenwerden wieder einbüßen – so wie die Fähigkeit, gleichzeitig zu schlucken und zu atmen, oder den Glauben an den Weihnachtsmann. Es kann aber auch sein, dass das Kind einfach nur im Training war. Schließlich hatte es sein ganzes Leben in der Pandemie verbracht.
Jedenfalls war es ein sehr lustiger Blickwechsel.

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„Queer In The Nineties“ im Februar

betr.: Filmreihe im METROPOLIS Kino Hamburg

Erst Mitte der 80er Jahre begann das Kino – besonders das europäische – wie selbstverständlich gleichgeschlechtliche Geschichten in den unterschiedlichsten heiteren und dramatischen Genres zu erzählen. In den 90ern drang das Setting schließlich in den Mainstream vor. Aus dieser Zeit wird in der Reihe »Queer in the nineties« eine kleine Auswahl vorgestellt, die zu weiterer Erforschung des Repertoires ausdrücklich einlädt.

But I’m a Cheerleader – Weil ich ein Mädchen bin
US 1999, Regie: Jamie Babbit, 85 min., engl. OV | Mit Natasha Lyonne, Clea DuVall, Michelle Williams
Megan ist seit zwei Jahren mit dem beliebtesten Footballspieler der High School zusammen, und ihre Noten sind exzellent. Zu dumm, dass sie Jared gar nicht gerne küssen mag und ihr Spind mit Frauenpostern tapeziert ist. Dies sind sowohl für ihre Freunde als auch für ihre besorgte Familie sichere Indizien, dass Megan lesbisch ist. So schafft man sie in das Umerziehungscamp „True Directions“, in dem Männer zu richtigen Kerlen und Frauen zu braven Hausmütterchen therapiert werden sollen, kurz gesagt: aus homosexuellen Menschen sollen glückliche Heteros entstehen. Die Komödie hat einen realen Hintergrund: weltweit werden noch immer zahlreiche sogenannte „Konversionstherapien“ durchgeführt, die von Betroffenen als psychische und physische Folter beschrieben werden.
So 5.2. 17 Uhr  – Einführung: Karola Oswald

Der Einstein des Sex
DE/PL 1999, Regie: Rosa von Praunheim, 102 min., 35mm | Mit Kai Schumann, Friedel Freiherr von Wangenheim, Ben Becker, Meret Becker
Rosa von Praunheim, als Filmregisseur in den 60er Jahren Vorreiter der politischen Schwulenbewegung in Westdeutschland, porträtiert Magnus Hirschfeld (1868-1935), den Pionier der Sexualforschung. Der liberale Jude Hirschfeld gründete 1897 das „Wissenschaftlich-Humanitäre Komitee“ und unterstützte eine Petition gegen den § 175, der Homosexuelle kriminalisierte. Mit seinem 1919 gegründeten Institut für Sexualforschung erfuhr er internationale Anerkennung. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Einrichtung jedoch zerschlagen. Hirschfeld starb im Exil. Seine Lebensstationen werden chronologisch bebildert und kommentiert.
So 12.2. 17 Uhr – Mit Einführung

Female Misbehavior
DE/US 1992, Regie: Monika Treut, 80 min., OmU, 16mm
„Monika Treuts Dokumentarfilme sind voller Kraft, und, man muss es sagen, voller Menschlichkeit. Man fühlt sich wie nach einem Abenteuerfilm. Die Helden und die Außenseiter, sie sind manchmal nicht so weit voneinander weg.“ – so Hans Schifferle in der Süddeutschen Zeitung.
Bondage handelt vom Vergnügen, gefesselt zu sein und den Schmerz als Lust empfinden zu können. Im Mittelpunkt steht die lesbische Sadomasochistin Carol.
Annie zeigt die Verwandlung des unscheinbaren Mauerblümchens Ellen Steinberg in die attraktive Porno-Queen Annie Sprinkle.
Dr. Paglia porträtiert die anti-feministische Feministin Camille Paglia, die sich als streitbare Professorin für Kulturwissenschaften in die amerikanische Medienöffentlichkeit katapultiert hat.
Max ist ein Porträt von Max Wolf Valerio, einem „Native American“, der früher die lesbische Anita Valerio war, bevor sie sich entschloss, ihr Geschlecht zu verändern.
Mo 13.2. 19 Uhr – Zu Gast: Monika Treut

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Stimme und Bewegung

betr.: Sprechen am Mikrofon

Auf der Schauspielschule lernt man, dass Sprache und Bewegung zusammenpassen müssen, wenn sie gleichzeitig erfolgen: sie müssen synchronisiert sein.
Die Gestik orientiert sich an den betonten Stellen (den akzentuierten Silben) der sie begleitenden Sprache.
Wenn ein zorniger Vater auf den Tisch haut und ausruft „Jetzt hab ich’s aber satt!“, erfolgt das Auftreffen seiner Handfläche auf der Tischplatte beim betonten Wort, in diesem Falle das letzte: „satt!“
Sich dieses Zusammenspiel von Körper und Stimme klarzumachen, hilft uns auch beim Vortrag einer körperlosen Off-Sprache am  Mikrofon.

1.
Nehmen wir zum Beispiel den Prolog des Romans „Kaltblütig“ von Truman Capote. Die Bilder, die dabei vor meinem inneren Auge auftauchen, zeigen die beschriebene Weite der Landschaft (für mich ist sie in einen Morgennebel gehüllt, aber das hat auf die Bewegung des Erzählers keinen Einfluss). Vom Filmkonsum geprägt, stelle ich mir eine langsame Kamerafahrt vor. Der Erzähler würde sie in gemächlichem Schritttempo begleiten …

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Der Mann fürs Finale

betr.: 77. Todestag von Rondo Hatton / 54. Todestag von Boris Karloff (übermorgen)

Der attraktive Sportjournalist Rondo Hatton kam durch ein gesundheitliches Problem zum Film: er litt an Acromegalie, einer Krankheit, die zur entfesselten Produktion von Wachstumshormonen führt. Lange bevor die inneren Organe des Schauspielers einander gegenseitig verdrängten und zerdrückten, mutierte sein schmales Gesicht zu einer derart markanten Visage, wurde sein Körper so grotesk, dass er in zahllosen Filmen des Thriller-, Horror-, Fantasy-Abenteuer- und Science-Fiction-Genres eingesetzt wurde. Wie sich das gehört, nahm die Universal Hatton unter Vertrag (das Studio, das die erste Horrorfilm-Ära der Filmgeschichte maßgeblich befeuert hatte) und vermarktete ihn als „Monster Without Makeup“. Seine Rollen waren oftmals so winzig, dass er nicht mal im Vorspann auftauchte, konnten aber jederzeit variieren, wenn das Drehbuch es erforderte.
Rondo Hatton erlag seinem Leiden Monate vor dem Start seines letzten Films „The Brute Man“. Es ist nicht ohne Ironie, dass der Horror als volkstümliches Filmgenre mit ihm starb.

A hard act to follow: um die legendären Verkleidungskünste seines Gegenspielers Sherlock Holmes nicht zu diskreditieren, tritt Rondo Hatton im Serienkrimi „The Pearl Of Death“ erst am Ende des dritten Akts auf. (Screenshot: Koch Media GmbH)

Es war die Zeit kurz nach Kriegsende. Die Überlebenden, die entstellt und versehrt von den Schlachtfeldern Europas zurückkehrten, machten den künstlichen Deformationsgrusel der Leinwand unpassend und überflüssig. Dieser Kulturwandel traf zwei der größten Legenden des Horrorfilms auf unterschiedliche Weise, zwei Männer, die häufig zusammen vor der Kamera gestanden haben: der klassische „Dracula“ Bela Lugosi und der erste und einzige unsterbliche Darsteller des Frankenstein-Monsters Boris Karloff. Während Karloffs Karriere bruchlos bis ans Ende seines Lebens weiterging (er starb mit 82 an einer Lungenentzündung, die er sich bei Dreharbeiten geholt hatte), versank Lugosi ab Mitte der 40er Jahre in einer demütigenden Abwärtsspirale aus Drogensucht, Selbstmitleid, Armut und erbärmlichen Projekten, die überdies durch Durststrecken voneinander getrennt waren. Zwar hat auch Karloff Trashfilme nicht gescheut, war aber nicht darauf festgelegt und arbeitete hauptsächlich zu seinem Vergnügen. Bis zuletzt war er hoch angesehen, spielte Theater und hatte auch überaus rühmliche Filmauftritte. Noch im hohen Alter verdiente er gut in der Fernsehwerbung und sprach in Trickfilmen.

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„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (68)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/10/06/19056/

Fortsetzung vom 21. Januar 2023

Sunlight lächelte wie ein Wolf. „Das kann ich mir denken!“
Der Playboy schluckte, er fühlte sich ein wenig unbehaglich.
„Sie meinen, dieser Savage.“ Er kratzte sich am Kopf, dachte angestrengt nach und erwischte einen Zipfel des Sachverhalts. „Sie meinen, Savage hat diese blaue Kuppel gebaut?“
„Die blaue Kuppel“, sagte Sunlight mit Nachdruck, „ist Savages Festung der Einsamkeit.“
„Festung der was?“
„Die Festung der Einsamkeit ist der Platz, an dem Savage seine wirklich wichtigen Studien betreibt“, erläuterte Sunlight. „Hier finden auch die Experimente statt, die er für zu gefährlich hält, als dass er sie in New York abhalten könnte.“
Der Playboy schluckte.
„Das … das ist phantastisch“, stammelte er. Er riss sich zusammen. „Aber die Leute reden viel, man darf nicht alles glauben.“
Sunlight nickte.
„Sie haben recht“, bestätigte er, „man darf nicht alles glauben. Aber vergessen Sie nicht, dass Savage tatsächlich eine phantastische Persönlichkeit ist, er ist in vielerlei Beziehung seiner Umwelt um Jahrzehnte voraus. Dieser Ort, diese Festung der Einsamkeit, war völlig unbekannt. Savage hat die Kuppel von Eskimos bauen lassen, das Material ist mit Flugzeugen herangeschafft worden, und es hat lange gedauert, bis die blaue Kuppel, wie Savage und die Eskimos die Halbkugel nennen, fertig war.“
Monk merkte, dass er den Mund offen hatte, und klappte ihn zu. Er wusste, dass die Geschichte, die der Playboy so phantastisch fand, bis ins Detail stimmte; er fragte sich aber, woher Sunlight so genau informiert war. Monk hatte auch gewusst, dass es die Festung der Einsamkeit gab, er hatte nur keine Ahnung von der Lage gehabt. Doc Savage hatte keinen seiner Männer eingeweiht. Er verschwand von Zeit zu Zeit, manchmal für Monate, und es war dann ganz unmöglich, ihn zu erreichen.

Wenn Doc von diesen Reisen zurückkam, erklärte er lediglich, dass er in seiner Festung der Einsamkeit gewesen war — und im allgemeinen brachte er von diesen Reisen neue Erfindungen und Entdeckungen mit, die die Fachwelt in Erstaunen versetzten.
Die Festung der Einsamkeit! Monk hatte gewusst, dass sie ein prächtiges Gebäude sein musste, wahrscheinlich mit einer riesigen Bibliothek und einem vorzüglich ausgestatteten Laboratorium — aber Einzelheiten hatte Doc ihm vorenthalten. Jetzt also sollte er dieses Bauwerk kennenlernen …

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