Die wiedergefundene Textstelle: Ein Killer wird gedungen (2)

Fortsetzung von gestern

Bei Anruf Mord
Dial M For Murder

Warner Brothers 1954
Drehbuch von John Michael Hayes nach dem Theaterstück von Frederick Knott
Regie: Alfred Hitchcock

Tonys Monolog – Teil 2: Die Erpressung

Sehen Sie, gerade eine Woche vorher war wieder einer dieser Herrenabende, und wir kamen auf Sie zu sprechen. Dass Sie beim Militär zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden waren, das war mir neu. Aber schon in Cambridge haben wir prophezeit: der gute Swann landet nochmal hinter Gittern.
Hat man Ihnen nicht einmal Ihre Kasse gestohlen, als sie damals Kassenwart waren, auf der Uni? Hundert Pfund in einer Kassette, Sie hatten Sie auf Ihrem Zimmer, und am nächsten Tag war sie fort …
Der gute alte Pedell wurde als Täter festgestellt, er verlor immer sein ganzes Geld beim Pferderennen, und die leere Kassette hat in seinem Garten gelegen. Pech für Alfred. – Aber, mein lieber alter Freund, wir alle wussten, dass Sie das Geld genommen hatten!

Sie wollen doch nicht etwa gehen? Interessiert es Sie nicht, zu erfahren, warum ich Sie wirklich habe kommen lassen?
Die Idee kam mir, als ich Sie an dem bewussten Abend sah. Ich sah plötzlich alles klar vor mir.
Ein paar Monate vorher hatten Margot und ich ein gemeinsames Testament gemacht, wonach – falls einem von uns etwas zustoßen sollte – der Überlebende Alleinerbe würde. Ihr Vermögen beläuft sich auf ungefähr 90.000 Pfund, alles mündelsicher angelegt und sehr leicht zu realisieren. Nur hatte ich zu bedenken, dass der Verdacht auch mich fallen würde. Ich brauchte ein Alibi. Und zwar ein gutes. Da sah ich Sie.
Ich habe mich oft gefragt, was wohl Leute machen, wenn sie aus dem Gefängnis kommen, Leute wie Sie zum Beispiel. Können sie Arbeit finden? Halten die alten Freunde zu ihnen? Wenn solche Leute nun nie Freunde gehabt haben? Meine Neugierde, das zu erfahren, war so groß, dass ich Ihnen folgte. Ich folgte Ihnen an dem Abend bis nach Hause.
Und seitdem folge ich Ihnen.
Ich hatte gehofft, dass ich Sie einmal bei etwas ertappen würde und dass ich dann in der Lage wäre, Sie zu beeinflussen.
Nach ein paar Wochen kannte ich alle Ihre Gewohnheiten, und das machte es bedeutend leichter.
Sie wissen ja, wie es ist. Zuerst war es nur Zeitvertreib, aber je mehr ich mich damit befasste, desto spannender wurde es. Ich bekenne, dass Sie mich faszinierten. Es gab Augenblicke, da hatte ich tatsächlich das Gefühl, dass wir eine Person wären.
Sie gingen regelmäßig zum Hunderennen, am Montag und am Donnerstag. Ich ging auch, nur, um in Ihrer Nähe zu sein.

Sie hatten Ihren Namen in Adams geändert.
Ich konnte leider nichts Nachteiliges finden, das entmutigte mich!
Dann verschwanden Sie eines Tages aus Ihrer Pension. Ich rief Ihre Wirtin an. Ich sagte ihr, Mr. Adams schuldet mir fünf Pfund. Das machte gar keinen Eindruck. Mr. Adams schulde ihr sechs Wochen Miete und einem ihrer Mieter 55 Pfund. Dabei sei Mr. Adams ein so reizender Mensch gewesen – das brachte sie am meisten aus der Fassung.
Ich hatte also Ihre Spur verloren und Sie beim Hunderennen wiedergefunden. Ich folgte Ihnen bis zu Ihrer neuen Wohnung am Belsize Park. Aus Mr. Adams war Mr. Wilson geworden. Mr. Wilson verließ Belsize Park mit einer unbezahlten Rechnung von 16 Wochen, war aber um die Begegnung mit einer Miss … Miss Wallace reicher.
Sie gingen mit Miss Wallace jeden Mittwoch und Sonnabend aus. Sie war schrecklich in Sie verliebt, nicht wahr? Wahrscheinlich dachte sie, Sie ließen sich den flotten Schnurrbart wachsen, um ihr zu gefallen. Arme Miss Wallace.
Juli, August, September wohnten Sie im Carlyle Court 27, erste Etage, bei einer Mrs. Van Dorn. Ihr verstorbener Mann hinterließ ihr ein großes Mietshaus, und zwei Hotels. Was für ein gutes Spekulationsobjekt, Captain Lesgate! Nur ein Nachteil: sie ist äußerst anspruchsvoll und lässt sich gern den Hof machen. Darum haben Sie versucht, Mrs. Van Dorns Wagen zu verkaufen. – Ich weiß, dass Mrs. Van Dorn Sie beauftragt hat, ich habe sie angerufen, kurz bevor Sie kamen. Aber sie verlangt nur 800. Das nächste Polizeirevier ist gegenüber der Kirche, zwei Minuten zu Fuß. Was würden Sie da erzählen? Alles? Was Sie wissen über Mr. Adams und Mr. Wilson? Dass ich versucht habe, Sie zu erpressen, für mich meine Frau ermorden? Was hält Sie davon zurück? Wenn meine Frau davon erfährt, wird sie sich totlachen! Und dass ich ihr gefolgt bin und sie beim Spaghettikochen beobachtet habe und den anderen Unsinn … man würde annehmen, dass Sie ihr selbst gefolgt sind. Warum sollten Sie Ihre Handtasche stehlen und Erpresserbriefe schreiben? Können Sie das Gegenteil beweisen? Sie können jedenfalls nicht beweisen, dass ich es war! Es würde darauf hinauskommen: Ihr Wort gegen mein Wort!
Ich würde nur sagen, dass Sie heute abend halb betrunken zu mir gekommen seien und aufgrund unserer alten Bekanntschaft versucht hätten, sich Geld zu borgen. Als ich es ablehnte, sprachen Sie von einem Brief, der meiner Frau gehört. Wenn ich Sie recht verstanden habe, versuchten Sie, ihn mir zu verkaufen. Ich gab Ihnen alles Geld, das ich bei mir hatte, und Sie gaben mir den Brief.
Sie machten mich darauf aufmerksam, dass, falls ich die Polizei benachrichtigen würde, Sie eine tolle Geschichte erzählen würden: Ich hätte von Ihnen verlangt, Sie sollten meine Frau ermorden.
Aber bevor Sie etwas unternehmen, denken Sie an die Folgen! Ich bin ziemlich bekannt. Man würde Fotos von mir veröffentlichen und auch von Ihnen. Und dann würde eine Abordnung von Pensionsinhaberinnen aufmarschieren, die nichts lieber täten, als über Ihre Charaktereigenschaften auszusagen. Und möglicherweise
hat Sie irgendjemand mit Miss Wallace gesehen.
Sie waren so vorsichtig, sich nie öffentlich mit ihr zu zeigen. Sie trafen sich an verschwiegenen Plätzen, wo Sie keiner kannte. Zum Beispiel in einer kleinen Teestube in Pimlico. Ja, es war sehr bürgerlich, nicht? Dahin kann man mit Mrs. Van Dorn schlecht gehen. Übrigens: weiß Mrs. Van Dorn von Mr. Adams, Mr. Wilson und Miss Wallace?
Sie haben die Absicht, Mrs. Van Dorn zu heiraten, stimmt’s?
Nein, ich bin nicht klug, ich hatte nur Zeit, mich mit Ihnen zu beschäftigen und mich in Ihre Lage zu versetzen. Daher weiß ich, dass Sie einverstanden sein werden. Weil Sie vorwärtsgehen werden wie der Esel, der den Stock auf seinem Rücken spürt und den Futtersack vor sich sieht!

Bearbeitet von Monty Arnold

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Die wiedergefundene Textstelle: Ein Killer wird gedungen (1)

betr.: 23. Todestag von Frederick Knott (vor drei Tagen)

Bei Anruf Mord
Dial M For Murder

Warner Brothers 1954
Drehbuch von John Michael Hayes nach dem Theaterstück von Frederick Knott
Regie: Alfred Hitchcock

Zeit: Gegenwart
Ort: Der Londoner Stadtteil Maida Vale, eine vornehme Wohnung

Tonys Monolog – Teil 1: Die Vorgeschichte

Der elegante Mittvierziger Tony Wendice nutzt die Abwesenheit seiner Frau und ihres Gastes aus New York, um einen Mann namens Lesgate unter einem Vorwand in seine Wohnung einzuladen. Erst als die beiden bei einem Cognac zusammensitzen, eröffnet er ihm, dass er ihn von früher kennt. Dann beginnt Tony von seiner Ehe zu erzählen …

Kurz nach unserer Heirat spielte ich in verschiedenen Turnieren und nahm Margot überallhin mit. Aber es gefiel ihr nicht, und als wir zurückkamen, wollte sie, dass ich das Tennis aufgebe und lieber Ehemann spiele. Wir schlossen schließlich einen Kompromiss. Ich fuhr allein zu den Meisterschaften nach Amerika und kam nach ungefähr drei Monaten wieder zurück. Ich merkte sehr bald, dass sie sich verändert hatte, während ich fort war. Sie schien nicht mehr in mich verliebt zu sein. Es kamen Anrufe, die sie sofort unterbrach, wenn ich in der Nähe war. Dann tauchte eine Schulfreundin auf, die sie öfters besuchte. Eines Tages stritten wir uns. Ich hatte für ein Hallentennisturnier gemeldet, und sie wollte mich wie immer nicht begleiten. Ich war im Schlafzimmer, als das Telefon klingelte, das Gespräch schien sehr lebhaft. Und jetzt schien es ihr plötzlich sehr recht zu sein, dass ich spielte, also packte ich meine Sachen in den Wagen und fuhr ab. Aber ich parkte den Wagen zwei Straßen weiter und ging zu Fuß zurück. Zehn Minuten später kam sie aus dem Haus und nahm eine Taxe, ich folgte ihr in einer zweiten. Die Schulfreundin war ein Junggeselle, der in Chelsea wohnte. Ich konnte durch ein Fenster beobachten, wie sie Spaghetti auf einer Gasflamme kochten. Sie sprachen nicht viel, sie schienen sich sehr gut zu kennen.
Es ist wirklich komisch, wie man Leuten ansieht, dass sie verliebt sind.
Ich ging lange durch die Straßen und überlegte mir, was passieren würde, wenn sie mich verlässt. Zunächst einmal müsste ich anfangen, Geld zu verdienen. Es wurde mir plötzlich klar, wie abhängig ich von ihr war. Ich hatte mich an einen gewissen Luxus gewöhnt auf der Höhe meines Ruhmes. Und jetzt war es bald mit dem Tennis vorbei und mit meiner Ehe anscheinend auch. Sie können sich nicht vorstellen, wie mir zumute war. Ich ging in eine Bar und fing an zu trinken. Als ich da so in meiner Ecke saß, kamen mir die unmöglichsten Gedanken. Ich überlegte mir, wie ich den Mann umbringen könnte, dann, ob ich meine Frau töten sollte – und das erschien mir viel vernünftiger. Als ich gerade dabei war, mir diese Situation zu überlegen, kam ich plötzlich auf einen ganz anderen Gedanken. Ich fuhr schließlich gar nicht zu dem Turnier.
Als ich nach Hause kam, saß sie an der gleichen Stelle, an der Sie sitzen. Ich sagte ihr, ich wolle das Tennis aufgeben, um mich ihr besser widmen zu können. Wie sich dann herausstellte, hätte ich mich gar nicht so aufzuregen brauchen. Die Spaghetti waren anscheinend ein zärtliches Abschiedsessen. Der Herr Freund musste wieder nach New York zurück.
Es kamen lange Briefe von drüben, meistens kamen sie donnerstags an. Und sie verbrannte sie alle – außer einem. Den steckte sie von einer Handtasche in die andere und trug ihn immer bei sich. Dieser Brief fing an, mich zu verfolgen, ich musste wissen, was darin stand. Und es gelang mir auch. Der Brief war äußerst interessant. Ich habe ihn ihr gestohlen. Ich bot ihn ihr sogar zum Kauf an in zwei anonymen Briefen. Ich hoffte, sie würde sich dann mit mir aussprechen. Sie tat es nicht, also behielt ich den Brief.
Jedenfalls hatten meine Briefe gewirkt. Sie müssen ihr Gewissen aufgerüttelt haben, denn die Korrespondenz schlief ein. Seither leben wir glücklich miteinander.
Wissen Sie, es ist komisch, dass es genau ein Jahr her ist, seit ich in der kleinen Bar saß und mich mit Mordgedanken trug. Ich hätte mich vielleicht dazu verleiten lassen, wenn ich nicht etwas gesehen hätte, was alle meine Pläne über den Haufen warf.
Ich habe Sie gesehen.

Bearbeitet von Monty Arnold

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Kultfilm Azubis: Die Hütte brennt

„Cabin Fever“ könnte man die heutige Podcast-Folge überschreiben. Wir fahren in die Berge und ziehen uns mit den handelnden Personen jeweils in ein kleines Chalet zurück. Der Kultfaktor des ersten Filmes ist diesmal ungewöhnlicherweise eine sehr elitäre Angelegenheit.

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/the-man-from-earth-und-noch-mehr-cabin-fever

A) The Man from Earth
Amerikanischer Independent-Film von 2007

Eine Gruppe von Akademikern überrascht den jungen Universitätsprofessor John Oldman bei der Auflösung seiner Wohnung – eines Hauses in den Bergen – und beim etwas übereilten Aufbruch mit dem Pick-Up-Truck, den er gerade mit seiner Habe belädt. Sie wundern sich über den abrupten Fortgang ihres Freundes und wollen ein wenig Abschied feiern. John lässt sich darauf ein und kehrt noch einmal mit ihnen in die weitgehend leere Wohnung zurück. Auf ihr Nachfragen gesteht er ihnen, dass er nie länger als 10 Jahre an einem Ort bleibe, und die seien nun um. Sie entlocken ihm den Grund: er sei ein 14.000 Jahre alter Mensch der seit der Altsteinzeit viele Leben gelebt und immer wieder neu begonnen habe. Mit dem Insistieren auf dieser Erklärung ruft er in der gelehrten Runde unterschiedliche Reaktionen hervor, und es kommt zu einer ebenso persönlichen wie philosophischen Debatte …

Der Film ist die posthume Realisation eines Originalrehbuchs des Science-Fiction-Autors Jerome Bixby, eine 200.000-Dollar-Indie-Produktion, die nur auf DVD herauskam. Die Gesichter des Ensembles sind uns aus Episodenrollen in diversen US-Serien vertraut. In einem amerikanischen Chatforum wurde dieses theaterhafte Kammerspiel so beliebt, dass sich Regisseur Richard Schenkman bei der Community bedankte und darum warb, die DVD zu erwerben und den Film weiterzuempfehlen. 

B) Die Falle
Deutsches Fernsehspiel nach einem Theaterstück von Robert Thomas von 1982

Grübelnd sitzt Daniel in einer Ferienhütte in den Bergen: mitten in den Flitterwochen hat er sich mit Elisabeth dermaßen zerstritten, dass sie fortlief und seither verschwunden ist, vielleicht auch verunglückt. Der Kommissar aus Chamonix versichert ihm, nach ihr zu suchen. Da klopft ein Pfarrer an und berichtet, Elisabeth sei wieder da und wolle sich aussöhnen. Er hat die Dame als Überraschung gleich mitgebracht. Daniel schwört, die Frau noch nie gesehen zu haben. Doch sie will nicht gehen. Und sie weiß einfach zu gut über alle Einzelheiten der kurzen Ehe bescheid, um sie dem Kommissar gegenüber als Betrügerin bloßzustellen. Ein Nervenkrieg nimmt seinen Lauf …

Das Stück von Robert Thomas wurde – so geht die Legende – erst vom Verlag abgelehnt, woraufhin er das Skript verärgert im Vorzimmer liegen ließ. Dort wurde es nachträglich entdeckt – und ein Erfolg. Alfred Hitchcock kaufte die Filmrechte, es kam leider nicht mehr dazu. Während „8 Frauen“, ein eher tutiges Werk des Autors, später Furore machte, ist „Die Falle“ gründlich vergessen und wird auf Krimi-Dinner-Abenden verheizt. Für Oswald Döpkes ZDF-Verfilmung mit den einstigen TV-Lieblingen Wolf Roth, Judy Winter und Hans Caninenberg können wir nur dankbar sein. Rolf Kühns Soundtrack verströmt edles Ennio-Morricone-Feeling.

In der nächsten Woche: Kevin – Allein zu Haus und Feivel der Mauswanderer

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Trouble im Paradies

Die aktuelle Filmkritik im Podcast

Was der dritte Teil der auf fünf überlange Filme angelegten Avatar-Saga taugt und wie gut man sich mit dem Stoff auskennen muss, um ihn überhaupt zu verstehen, ob es nicht vielleicht sogar ratsam ist, ihn sich einfach unvorbelastet anzuschauen, darüber spreche ich mit Volker Robrahn und Torben Sterner:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/avatar-fire-and-ash-aktuelle-filmkritik

AVATAR: FIRE AND ASH
Fantasy-Drama von James Cameron


In seinem neuen Leben ist der ehemalige Marine Jake Sully der Anführer der Omaticaya. Er und Neytiri trauern um ihren verstorbenen Erstgeborenen, während ihr überlebender Sohn Lo’ak sich die Schuld an der Katastrophe gibt. Als es gelingt, ihren Ziehson, den Menschenjungen Spider, von seiner Atemmaske zu befreien und die Luft von Pandora atmen zu lassen, interessiert sich das Militär dafür, wie sie das geschafft haben und will ihn entführen. Um General Frances Ardmore bei ihren Eroberungsplänen zu unterstützen, verbündet sich Colonel Quaritch mit der Schamanin Varang, Herrin des Asche-Clans Mangkwan und schlimmsten Feindin der Omaticaya.

Sigourney Weaver, Sam Worthington, Stephen Lang, CCH Pounder, Kate Winslet und viele andere agieren unkenntlich vor atemberaubender, wenn auch fiktiver Naturkulisse.

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Viel Kleinkram, aber keine Kompromisse!

Zum Tode von Rosa von Praunheim

Es gehört zum Wesen eines Provokateurs, dass er auch jenen zuweilen auf die Nerven geht, die seine Arbeit schätzen und ihm für vieles dankbar sein müssen.
Anfang der 90er Jahre wurde in der schwulen Subkultur diskutiert, ob es statthaft sei, versteckt-homosexuelle Prominente zu outen. Soweit ich mich erinnere (es mag trügen), war ich der einzige in meinem Blickfeld, der diese Maßnahme grundsätzlich für legitim hielt. Die jüngeren wie die älteren politisch aktiven Schwulen – die sogenannten Bewegungsschwestern – waren der Meinung, das dürfe man nicht und musterten mich indigniert. Ich hatte mich selbst in meinem konservativen Lehrbetrieb geoutet und damit letztlich sehr gute Erfahrungen gemacht – einige besonders offene Feindseligkeiten inklusive, die mir die Beendigung eines würdelosen Zustandes jedoch wert waren. Außerdem empfand ich den damaligen Zeitgeist als günstig, um der Gesellschaft mit einigen Denkanstößen aufzuhelfen. Das Ganze war ohnehin ein Gedankenspiel: ich hatte nicht die Absicht, irgendjemanden zu outen und hätte dafür auch gar nicht über die notwendige Öffentlichkeit verfügt.
Rosa von Praunheim verfügte darüber.
1991 saß er in einer Krawallsendung des jungen Privatfernsehens auf dem titelgebenden „Heißen Stuhl“ und sprach, wie es so seine Art war, über mancherlei, hauptsächlich aber über sich selbst. Die Koketterie, mit der in einem flüssigen, auf beiläufig gemachten Nebensatz Alfred Biolek und Hape Kerkeling outete, war mir unsympathisch. Aber sie wirkte: Rosa war in aller Munde, Biolek verhielt sich großartig (als die „Bild“ ihn darauf ansprach, bremste er sie mit dem Spruch „Das weiß doch jeder!“ für alle Zeit aus), und auch Kerkeling erfüllte meine niedrige Erwartung: erst stritt er auf wenig originelle Weise alles ab (indem er andeutete, Rosa wolle sich dafür rächen, dass er ihn habe abblitzen lassen), dann erkannte er, dass ihm sein Publikum diese Enthüllung keineswegs übelnahm, und schließlich ließ er sich von der Schwulenszene als wackerer Vorreiter feiern und auf zahlreiche Partys und Schnittchen-Büffets einladen, gerade so, als habe er sich tapfer selbst geoutet.

Es ist anzunehmen, dass Rosa von Praunheim mit diesem Outing zweier letztlich unverwüstlicher Publikumslieblinge tatsächlich dazu beitrug, dass sich das gesellschaftliche Klima in seinem Sinne weiter entspannte. Auch die Auswahl stimmte: hätte er zwei Fußballer von Bayern München für seine Enthüllung gewählt, wäre es denen übel ergangen.
Dass dieser Effekt nicht für die Ewigkeit war, dass sich die Lage heute wieder zunehmend homophob gestaltet, dafür kann Rosa von Praunheim nichts.
Was bleibt, sind seine c. a. 180 Filme, die unterschiedliche Genres bespielen und auch in der Qualität sehr voneinander abweichen. Meine beiden Favoriten sind seine RainerWernerFassbinder-Doku* (der einzige mir bekannte Film zu diesem großen Thema, der eine gewisse Ausgewogenheit besitzt) und das Dokumentarspiel „Härte“**. Ich glaube, diese Titel werden ihren Wert noch eine Weile behalten.  
_________________
* https://blog.montyarnold.com/2022/04/12/fuer-mich-gabs-nur-noch-fassbinder/
** https://blog.montyarnold.com/2022/07/23/haerte-rosa-von-praunheim/

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Die Kunst, das Richtige wegzulassen

Der Pulitzer-Preisträger Bill Mauldin (1921-2003), bekannt durch seine Landser-Karikaturen aus dem Zweiten Weltkrieg, lobte einst, was auch der wichtigste deutsche Comic-Künstler der Gegenwart, Ralf König, schätzt (und was er besonders bei seinem großen Vorbild Claire Bretécher am Werk sieht): Minimalismus. Verdichtung. Die Kunst, mit möglichst wenigen Strichen alles Nötige zu sagen.
Für Mauldin scheinen die meisten großen Comic Strips „in großer Hast gezeichnet zu sein. Selbst ihre begeistertsten Leser schienen zu glauben, dass die Autoren sich beim Ausdenken der Geschichten so erschöpft hatten, dass für die Zeichenkunst nicht mehr viel übrigblieb. Keinesfalls! Die einfachste Form des Zeichnens ist die einer wirren Überfülle. Zeichner, die jedes Fleckchen ihrer Werke mit Details beladen, gelten in der Branche als ‚Nietenpinsel‘, weil bei ihnen jede Niete in jedem Heizkörper stimmt. Was macht es dabei schon aus, wenn die Hauptsache im Bild verrutscht ist? Sie bieten dafür eine Rechenmaschine mit hunderten von Schaltern oder einen Baum mit jedem Blatt. Nichts überzeugt den Leser wohl mehr als ein Baum, an dem kein einziges Blättchen fehlt.“ (Man beachte Mauldins seherische Qualität, wenn er in diesem Zusammenhang von einer „Rechenmaschine“ spricht …)
Am Beispiel von Johnny Hart und dessen Strip „B. C.“ führt der Zeichner weiter aus: „… man gehe hin und platziere zwei ungewaschene Höhlenmenschen vor eine horizontale Linie, die die Oberfläche eines Moores oder die Unterkante eines bedeckten Himmels sein könnte, – oder vor eine geschwungene Linie, die den Hang eines Berges oder den Rand eines Regenbogens darstellen mag – und die Platzierung der Hauptsache im Bild darf einfach nicht verrutschen. Sie muss stimmen!“

Die frühen Cartoonisten des amerikanischen Zeitungscomics – und später die Humoristen unter ihnen – waren Großmeister der Verdichtung auf das Wesentliche. Dik Brownes „Hägar der Schreckliche“ ist ein berühmtes, „Tiger“ vom genialen Bud Blake** ein vergessenes Beispiel. Als die fleißigsten „Nietenpinsel“ dürfen die Vertreter des fotorealistischen Comics angesehen werden.
________________
* Siehe auch https://blog.montyarnold.com/2020/04/27/humor-omnia-vincit-12/
** Siehe https://blog.montyarnold.com/2014/11/26/die-verschollenen-nachbarn-der-peanuts/

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Wie kuckst du?

In der Stummfilmzeit war das Filmbild sogar quadratisch, bald setzte sich für viele Jahre das beinahe quadratische Bildschirmformat 4:3 durch. Cinemascope-Filme – Kinofilme im 2,35:1-Format, wie sie ab 1953 gedreht wurden – erschienen also im Pantoffelkino mit schwarzen Balken. Das wirkte auf das Publikum recht cool, obwohl rechts und links immer noch Teile des Bildes fehlten. Weil es den mathematischen Kompromiss zwischen beiden Formaten darstellte, wurde ab den 80er nach und nach das 16:9-Format im Fernsehen eingeführt, Jahre bevor die Bildschirme zu Hause tatsächlich breiter wurden. Mitte der 2000er Jahre hörten die deutschen TV-Sender damit auf, Programme in 4:3 zu produzieren, die Amerikaner machten noch bis etwa 2010 damit weiter.  

Das Format 16:9 entspräche eher dem menschlichen Gesichtsfeld, hieß es in der Übergangszeit hin und wieder im Kulturteil und in der Reklame der Elektromärkte. Das deckt sich zumindest nicht mit meiner Lebenserfahrung: mein Gesichtsfeld kommt mir eher 4:3 vor. Inhaltlich war das Breitbildformat auch kein purer Segen, denn was bei manchen Kinofilmen im Fernsehen hinzukam, fiel bei anderen weg, die nun oben und unten abgesägt wurden, um breiter auszusehen. Die Balken rechts und links – die sogenannten Pillarbox-Balken – wurden im Gegensatz zu den horizontalen Cinemascope-Balken von den meisten Programm-Anbietern eher als uncool empfunden.

Im Kino sitze ich meistens ziemlich allein in einer der vorderen Reihen, weil die meisten meiner Freunde auf das TV-Feeling nicht verzichten wollen und sich möglichst weit nach hinten setzen. Mir gefällt es, wenn mein Gesichtsfeld – sei es nun eher quadratisch oder querformatig – von der Leinwand genau ausgefüllt wird.

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Die wiedergefundene Textstelle: Das große Erlebnis des Meeresbodens

Früher war für uns die Welt am Ufer des Meeres zuende. Wir begnügten uns mit 145 Millionen Quadratkilometer Festland und hatten wenig oder keine Möglichkeit, die 355 Millionen Quadratkilometer Wasser zu erforschen oder in Besitz zu nehmen. Das hat sich entscheidend geändert.
Von Neugier oder aus Interesse getrieben, sind Männer in die Tiefe vorgedrungen, um unsere Kenntnisse von der Welt unter Wasser zu erweitern.
Wir haben diese Welt in drei Stockwerke eingeteilt: das Parterre (es reicht vom Grund bis 1000 Meter unter dem Wasserspiegel) nennen wir die bathypatelagische Zone, darüber (von 1000 bis 200 Meter Tiefe) liegt die mesopelagische Zone, auch als Dämmerungszone bekannt, und von 200 Meter bis zur Oberfläche folgt dann die epipelagische Zone.
Die Welt unter Wasser liegt in einer Durchschnittstiefe von 4000 Metern.
Sie weist Ebenen auf, Täler und Berge, und wir wissen, dass die tiefsten Abgründe des Meeres tiefer sind als die höchsten Berge des Festlandes hoch. Zwar gelingt es einem Freitaucher noch nicht, in diese bemerkenswerten Abgründe hineinzukommen. Gleichviel: wenn man eine mittlere Betätigungstiefe von 50 bis 60 Metern ansetzt, so steht dem Taucher heute ein Gebiet zur Erforschung offen, das so groß ist wie – na, wie sehr groß. Die Wissenschaftler haben bereits mit der Erforschung begonnen. Und viele von ihnen tragen einen Taucheranzug: Meeresbiologen, Hydrographen, Ozeanographen, Physiologen, Ernährungskundler, Archäologen und Ingenieure.
Auch wir werden eines Tages auf den Meeresgrund hinabsteigen. Doch bis dahin gilt es noch viel zu lernen.

Luigi Luagi (Siegfried Lenz) in „Auf Wiedersehen unter Wasser“ (1960)

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Er tut’s trotzdem

Heute bin ich zu Gast bei Mischa Lorenz im Podcast „Never Meet Your Idols“, was mich sehr freut. Wir hatten einander so viel zu erzählen, dass unser Gespräch gar nicht komplett in die Folge reinpasst:

https://creators.spotify.com/pod/profile/mischalorenz/episodes/28–Monty-Arnold–Synchron–Kritik–Frher-war-alles-Besser-e3c7ovh

Es kommt vor, dass man in solchen Interviews nach seinem Lieblingsfilm gefragt wird. Hier wurde ich nach meinen fünf liebsten Filmen gefragt. Das ist sehr rücksichtsvoll – und auch sonst hat es viel Spaß gemacht.
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Der Podcast:

In „Never Meet Your Idols“ spreche ich, Mischa Lorenz – freier Fotograf, Gründer von „bad kids production“, und ehemaliger Musiker – mit Menschen, die Beeindruckendes erreicht haben. Wir reden über die Höhen und Tiefen, die Herausforderungen hinter den Erfolgen und warum es manchmal besser ist, seine Vorbilder nicht persönlich zu treffen.

In dieser Folge ist Monty Arnold zu Gast – Kabarettist, Autor und Sprecher – und heute außerdem Blogger und Podcaster . Wir sprechen über seinen Weg von der Bühne ins Studio, Rätselhaftes aus der Synchronwelt, kreative Stolpersteine und warum ehrliche Kritik so viel Spaß macht. Außerdem geht’s um Lieblingsfilme, das schöne Hamburg, die goldene Ära der Funkwerbung – und natürlich „Deponia“.

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Kultfilm Azubis: Wir müssen drinnen bleiben

Wir kennen es aus dem Lockdown: manchmal darf man nicht raus. Blake Snyder erblickte darin sogar den Gegenstand eines ganzen Filmgenres: „Eingeliefert“. Ein moderner Klassiker und ein Film, der diesen Status knapp verfehlt hat, beschäftigen uns in der heutigen Folge des Podcasts:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/breakfast-club-zu-heiss-gebadet

A) Breakfast Club – Der Frühstücksclub
/The Breakfast Club
US-Jugendfilm von 1985

Fünf Jugendliche – Zitat: „ein Schlaukopf, ein Muskelprotz, eine Ausgeflippte, eine Prinzessin und ein Freak“ – müssen am schulfreien Samstag acht Stunden lang in der Schulbibliothek nachsitzen und einen Aufsatz darüber schreiben, wer sie sind. Beaufsichtigt werden sie von Konrektor Vernon, der die Kids zwar nicht mag, aber gern von ihnen als harter Hund bewundert werden will. Zwar wird im Laufe des Tages gegen viele Regeln verstoßen, doch letztlich funktioniert die Maßnahme: die Jugendlichen stellen sich ihren Vorurteilen, Zwängen und Ängsten, entdecken neue Seiten an sich und erkennen, was sie miteinander verbindet.

John Hughes‘ Film war mit einigen Stars des „Brat Pack“ besetzt, einer vielversprechenden Nachwuchsriege, zu der auch Tom Cruise, Matt Dillon und Nicholas Cage gerechnet wurden. Der theaterhafte Film wurde ein Überraschungserfolg und erwies sich als stilbildend für den amerikanischen Jugendfilm. Ein Teil seines Nachruhms beruht freilich darauf, dass man die Qualität dieses leicht erzählten Dramas vor allem an den nachfolgenden Teenie-Komödienund –Klamottengemessen hat.

B)Zu heiß gebadet / The Ladies Man
Musikalische US-Klamotte von 1961

Herbert H. Heebert muss am Tag seines erfolgreichen Schulabschlusses erkennen, dass das Mädchen seiner Träume einen anderen hat. Er schwört sich, nie wieder etwas mit Frauen zu tun haben zu wollen.
Der Ort, an dem er sich spätabends als Hausboy verpflichten lässt, entpuppt sich am nächsten Morgen als überdimensionales Puppenhaus einer früh verwitweten und kinderlos gebliebenen ältlichen Operndiva. Mrs. Helen Welenmelon fördert junge Künstlerinnen. Unversehens ist Herbert der einzige Mann in einem Haus mit 35 hinreißenden Musikerinnen, Schauspielerinnen und Tänzerinnen. Unter der Bedingung, nicht als Mann, sondern ausdrücklich als „Mädchen für alles“ angesehen werden, ist er bereit, zu bleiben. Vorerst!
Als das Fernsehen kommt, um die Diva in einer Homestory zu portraitieren, will sich Herbert nützlich machen. Mit ins Bild will er natürlich auch …

Der Starkomiker Jerry Lewis war tugendhaft genug, sich vor der Kamera nicht etwa mit Nieten zu umgeben, um selbst besser auszusehen – eine verbreitete Unsitte –, sondern Kollegen auszuwählen, die ihre eigenen Lacher verdienen konnten. Keiner von ihnen schaffte das häufiger als Kathleen Freeman, die bei ihm annähernd den Status der Evelyn Hamann im Loriot-Ensemble einnahm. Diesmal gesellt sich noch die leibhaftige Wagner-Diva Helen Traubel dazu. U.a. deshalb ist nicht etwa „Hallo Page“ die beste Konzeptklamotte des „total filmmaker“ Jerry Lewis, es ist „The Ladies Man“.

Nächste Woche: The Man From Earth und Die Falle

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