Der Song des Tages: „On The Boards“

betr.: 26. Todestag von Anthony Newley

1969, am Ende eines immens erfolgreichen Jahrzehnts am Westend, im Film und am Broadway, präsentierte sich Anthony Newley (Mitautor des Filmsongs „Goldfinger“) in einer filmischen Personality-Show namens „Can Heironymus Merkin Ever Forget Mercy Humppe and Find True Happiness?“ (ein Bandwurmtitel wie sie damals im Trend lagen). Er schrieb die Songs, führte Regie und spielte die Titelrolle des Entertainers Hieronymus Merkin. Neben seiner später noch berühmteren Ehefrau Joan Collins („Dynasty“) konnte Newley die Komikerkollegen Bruce Forsyth, Stubby Kaye, George Jessel und Milton Berle um sich scharen. Der Song, dem ein gewisses Nachleben vergönnt war, ist „On The Boards“. „Uncle Limelight“ (Forsyth) singt es, bevor er stirbt. „You’ll Like It“ versprach die Plattentasche. Es ist eines dieser schwungvollen Liebeslieder an den Entertainerberuf.
Und es ist das einzige, in dem die geniale Bekenntniszeile fällt:

I’d rather starve in make-up
than to wake up
as a clerk.

„On The Boards“ ist auch der Titelsong des Song-Albums, das Anthony Warlow 1992 herausbrachte. Der damals 31jährige Bariton überzeugte nicht nur als deutlich älterer, Rückschau haltender Uncle Limelight, sondern auch in den Tenorpartien seiner Liedauswahl.  

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Na also!

betr.: heutiges „Sonntagsrätsel“

Vor einigen Wochen habe ich an dieser Stelle mein Befremden über die KI-generierte Wiederauferstehung des inzwischen 100jährigen Hans Rosenthal geteilt. Im „Sonntagsrätsel“ erklang in seinem Angedenken eine Computerstimme, mich weniger an den geschätzten Moderator, sondern eher an den „Friedhof der Kuscheltiere“ denken ließ (an den Film von 1989, nicht an das Buch). Heute morgen nun die Gegendarstellung: der echte Hans Rosenthal wurde aus dem Archiv geholt und eine seiner eigenen Ausgaben der Ratesendung wiederholt. Welch ein Vergnügen – und das ganz ohne Reue und Bauchweh!
Ich hatte so viele Gründe zur Freude, einer sei nur genannt: die Fragen waren lösbar, aber nicht so katzenleicht wie ich es bei einer so alten Folge eines so gemütlichen Formates befürchtet hatte. (Der aktuelle Moderator Ralf Bei Der Kellen hat inzwischen eine sehr gute Balance gefunden.) Dieses Rätsels Lösung: die Fragen wirkten etwas schwerer, weil die gespielten Musiktitel und ihre Schöpfer und Interpreten längst nicht mehr so geläufig sind wie am 2. März 1969.
Eine Wehrmutstropfen gab es auch. Herr Bei der Kellen verriet uns, dass diese Wiederholung eine von lediglich 15 Sendungen dieser Reihe von und mit Hans Rosenthal sei, die im Archiv überhaupt überlebt haben. Es handelt sich um die Ausgabe Nr. 198, die älteste erhaltene Folge des „Klingenden Sonntagsrätsels“.

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Was ist eine Episode?

Zum Stichwort „Episode“ bietet der Duden eine ganze Reihe von Definitionen an, etwa diese: „flüchtiges Ereignis innerhalb eines größeren Geschehens; unbedeutende, belanglose Begebenheit.“ Aber nicht immer, denn Episoden gibt es schließlich auch bei Krankheiten. Und im Fernsehen.
In den 90er Jahren löste das englische Parallelwort zu unserem deutschen Begriff „Episode“ das Wort „Folge“ ab. Jede Ausgabe einer Serie – egal ob episch, anthologisch oder in sich abgeschlossen – war nun nicht länger eine Folge, sondern eine Episode. Bis dahin war das Wort „Episode“ im deutschen Sprachgebrauch nur jenen Folgen einer Serie zugedacht, die in sich abgeschlossen waren. „Raumschiff Enterprise“ und „Golden Girls“ waren Formate mit Folgen bzw. Episoden, Fortsetzungsreihen wie „Dallas“ oder Mehrteiler (heute „Miniserien“, noch so ein irreführend-unnötiger Anglizismus) wie „Der Seewolf“ hingegen bestanden aus „Teilen“. Das Wort „Folge“ war bei der kürzeren Form nicht verkehrt, aber ungebräuchlich. Und niemandem wäre es überdies eingefallen, die Ausgabe eines Showformates wie „Dalli Dalli“ als Episode zu bezeichnen.
Dass die aktuelle Sprachregelung das nun alles vereinheitlicht, ist weniger präzise, passt aber gut in den Zeitgeist. Wer interessiert sich schließlich heute noch dafür, welche Serien im linearen Fernsehen laufen.

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Ein Trick aus dem Volke

betr.: Sprechen am Mikrofon / Lesen vom Blatt

Beim fließenden Lesen vom Blatt ist es unerlässlich, den voraussichtlichen Satzverlauf zu erahnen. Dabei hilft die lange Leseerfahrung, die uns früher oder später mit jeder Satzkonstruktion mehrmals konfrontiert hat.
Unsere Alltags-Sprachkultur hält schlechte Gewohnheiten bereit, die von dieser Technik wegführen. Sie öffnet Hintertürchen, zu einem bequemeren Umgang mit der Sprache. Die RIAS-Sendereihe „Deutsch für Deutsche“, die sich mit gebräuchlichen Sprachtorheiten beschäftigte, beschrieb eine dieser „Abkürzungen“:

„Die Sendung zu Wilhelm Buschs 150. Geburtstag war gut vom Manuskript her, aber weniger gut in der Ausführung.“

Selbst wenn man vervollständigt, was gemeint ist („vom Manuskript her gesehen“), ist nicht einzusehen, warum der Schreiber der Fernsehkritik „vom Manuskript her“ sieht, soll er doch lieber gleich sagen: „Das Manuskript war gut. Die Sendung entsprach nicht der Qualität des Manuskriptes.“
Für Leute, die Schwierigkeiten mit der Satzbildung haben, ist dies „von … her“ eine immer willkommene Lösung aus der Verlegenheit.
Theaterbesucher sagen in der Pause:

„Also, vom Stück her ist es ja gut.“
„Auch von der Regie her finde ich es doch interessant!“

Die Fähigkeit, den Bau eines Satzes gleich zu Anfang zu überblicken und ihn richtig zu lenken, scheint verloren gegangen zu sein. Man konzentriert sich auf den Satzgegenstand, schleudert ihn heraus in der 1. Person Singular, und nun hängt man, was man über den Gegenstand – das Stück – sagen wollte, einfach dran und zwingt die Satzaussage mit Hilfe von Füllwörtern und Präpositionen, mit Mantel und Schleppe in den gewünschten Sinn.  

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* In der Folge „Auf dem Buttersektor zögerlich?“ vom 12. Juni 1982 von Annemarie Weber.

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Vorspiele auf dem Theater (14)

betr.: Werkanfänge mit Musik-, Theater- oder Medienbezug

„Lola Montez“ – deutsch-französischer Historienfilm über das Leben der berüchtigten Tänzerin und Königsmätresse von 1955, Buch und Regie: Max Ophüls.

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Meckern im Mäusekino – Auflösung

Auflösung des Rätsels vom 1. April

1. Das Ziel des Ausflugs ist von vorneherein ein vornehmer Nachtclub (obwohl es hellichter Tag ist), der Umweg über die Bowlingbahn kommt nicht vor.

2. Es ist Stan, der das Geld beiseitegeschafft und den Trick ersonnen hat und der von seiner Gattin enttarnt wird.

3. Kein Geldsack wird versteckt, sondern ein Geldbeutel.

4. Nicht beide Frauen nehmen das Geld aus dem Versteck, sondern nur Mrs. Laurel (lt. Zwischentitel „Mrs. Pincher“).

5. Die Damen wurden nicht nur versetzt, sondern zum Essen eingeladen und auf der Zeche sitzen gelassen. Die Einladung durch Stan und Ollie ist schon die zweite.

6. Stan wirft den „beruhigenden Blick“ nicht vor dem Essen, sondern als die erste kleine Zahlung für die Schokoladenlady fällig wird. Vorher hat er nur nach der Geldbörse in seiner Jacke getastet.

7. Der Verräter ist kein Nachbar, sondern die regionale Tratschtante, konsequent verkörpert von Patsy O’Byrne und in der ersten ZDF-Fassung „Trine Giftzahn“ genannt. Sie will die Ehefrauen ins Amüsierlokal begleiten, um die Früchte ihres Rufmordes zu genießen, versinkt aber auf dem Weg dorthin in einem tiefen Schlammloch, mit denen die Welt (bzw. die Innenstadt) von Laurel & Hardy so überreich gesegnet ist.

8. Die Küchenschlacht arbeitet mit allerlei Speisen und Geschirr, der Suppenteller bekommt aber als einziger eine lange Nahaufnahme.

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Das Genre der Stunde: der Diktatorenroman

Der „Diktatorenroman“ ist das ureigene Literaturgenre Lateinamerikas, der Gewaltherrscher ist die Schicksalsfigur dieses Kontinents. Gabriel García Márquez, der mit „Der Herbst des Patriarchen“ das krönende Werk dieser Gattung vorgelegt hat, merkte dazu an: „Die einzige Erscheinung von mythologischer Dimension, die uns die lateinamerikanische Geschichte beschert hat, ist die Diktatur.“
„Nicht eine Nation auf diesem Kontinent hat sich dem Phänomen zu entziehen vermocht“, führt Hanjo Kesting in seiner Buch- und Veranstaltungsreihe „Erfahren, woher wir kommen“ weiter aus. „Es ist ein verführerisches Thema. Zunächst weil es von der Macht und ihren Wirkungen handelt, außerdem weil es in Lateinamerika mythologische Dimensionen angenommen hat. Seit den Tagen Simón Bolívars beherrschten zahllose Diktaturen die Länder des südlichen Amerika und wechselten einander so häufig ab, dass sich nur wenige Namen dem Gedächtnis einprägen konnten. Demokratische Strukturen entwickelten sich über anderthalb Jahrhunderte hinweg nur spärlich, Wahlen – wenn sie überhaupt stattfanden – stellten meist eine Farce dar, Machtwechsel wurden in der Regel durch Militärputsche herbeigeführt. Der Grundtypus des Herrschers war der Caudillo – noch der spanische Diktator Franco hat sich so genannt -, eine Bezeichnung die in andere Sprachen kaum übersetzt werden kann. In unterschiedlichen Ausprägungen haben solche Caudillos die Geschichte des ganzen Kontinents bestimmt, und das so tiefgreifend, dass sich um diese Gestalten eine ganz besondere Aura herausgebildet hat. Und immer wieder wurden sie auch zum Gegenstand großer Literatur, zu Hauptfiguren von Büchern wie man sie so nur aus Lateinamerika kennt. So wie sich der Abenteuerroman in England, der Bildungsroman in Deutschland und der psychologische Gesellschaftsroman in Frankreich entwickelt hat, so hat sich in Südamerika in immer neuen Ausprägungen der Diktatorenroman herausgebildet. Als in den späten 60er Jahren der mexikanische Schriftsteller Carlos Fuentes ein Sammelwerk zum Thema ‘Die Väter des Vaterlandes‘ plante, suchte er namhafte Kollegen aus den Ländern Lateinamerikas für das Unternehmen zu gewinnen. Jeder Autor sollte ein Kapitel über die Diktatur in seinem Lande beisteuern. Als die Bitte um Mitarbeit den Peruaner Mario Vargas Llosa erreichte, arbeitete dieser bereits an seinem Roman ‚Gespräch in der Kathedrale‘, der 1969 in Barcelona, also in Europa, publiziert wurde. Augusto Roa Bastos aus Paraguay war mit der Niederschrift des Romans ‚Ich, der Allmächtige‘ beschäftigt, der gleichfalls einen Diktator in den Mittelpunkt stellt und 1974 in Buenos Aires erschien. Und der Kubaner Alejo Carpentier schrieb an dem Roman ‚Die Methode der Macht‘, der ebenfalls 1974 in Mexiko herauskam, ein Jahr vor ‚Der Herbst des Patriarchen‘ von Garcia Márquez. Die zeitliche Koinzidenz ist nicht zufällig. Alle erwähnten Autoren, so unterschiedlich ihre Perspektiven und Schreibweisen sein mochten, lieferte die Wirklichkeit Lateinamerikas Anstoß und Material für ihre Bücher.“ Die jeweiligen Machthaber wurden nicht als Personen karikiert, die Erzählungen versuchten die Essenz dieser Wirklichkeit und ihre Gesetzmäßigkeiten zu ergründen. „Als Ausgangspunkt und Modell gilt allgemein der Roman ‚El Señor Presidente‘ von Miguel Ángel Asturias aus Guatemala, geschrieben 1932, aber erst 14 Jahre später in Mexiko veröffentlicht.“ Die Verzögerung hatte politische Gründe …

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Die wiedergefundene Textstelle: Wohnwelten (4)

betr.: 108. Geburtstag von Robert Bloch

So lebt Norman Bates in Robert Blochs „Psycho“ – nur unwesentlich anders als in der filmischen Version.

Eine Viertelstunde später klopfte sie an die Tür des großen Holzhauses oben am Hang. Im Wohnzimmerfenster brannte nur eine einzige Lampe, doch der erste Stock war hell erleuchtet. (…)
Zunächst konnte [Mary] nicht fassen, was sie da sah. Sie hätte sich nie träumen lassen, dass es einen solchen Raum in der heutigen Zeit noch gab. Selbst bei einem so alten Haus wie diesem fanden sich normalerweise Anzeichen dafür, dass die Inneneinrichtung verändert und verbessert worden war. Aber das Wohnzimmer war nie modernisiert worden. Die Tapeten mit Blumenmuster, die dunklen, kunstvoll verschnörkelten Holzmöbel, der Teppich in Türkischrot, die schweren Polstersessel mit der hohen Lehne und der getäfelte Kamin stammten direkt aus dem letzten Jahrhundert. Es gab nicht einmal einen Fernsehapparat, der deplatziert hätte wirken können, sondern lediglich ein aufziehbares Grammophon auf einem Beistelltisch. (…)
[Mary] folgte [Norman] den Flur entlang, der unter der Treppe hindurchführte. „Ich hoffe, es macht Ihnen nichts aus, in der Küche zu essen“, murmelte er. „Es steht alles bereit. Setzen Sie sich, ich schenke uns Kaffee ein.“
In der Küche sah es aus wie im Wohnzimmer. An den Wänden waren deckenhohe verglaste Geschirrschränke um eine altmodische Spüle mit einer Handpumpe gruppiert. In einer Ecke kauerte ein großer Holzofen, der eine anheimelnde Wärme ausstrahlte. Und auf einem langen Holztisch waren Würste, Käse und hausgemachte Essiggurken in Glasschüsseln einladend angerichtet. Mary kam keinen Augenblick in den Sinn, über dieses Idyll zu lächeln, noch nicht einmal über das unvermeidliche handgehäkelte Motto an der Wand: „Gott segne unser Heim“.

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