But soon a wonder came to light, That showed the rogues they lied: The man recovered of the bite, The dog it was that died. . Oliver Goldsmith, „An Elegy on the Death of a Mad Dog“
Tom Stoppard gehört zu den meistgespielten zeitgenössischen Theaterautoren und ist mit dem Drehbuch für „Shakespeare in Love“ auch für die noch größere Gruppe der Filmbegeisterten gut zu fassen. Ich habe zuletzt über ihn gestaunt, als der SRF unlängst sein Jubiläum „100 Jahre Schweizer Hörspiel“ feierte, was auch im Netz gut nachzuverfolgen war und ist.
Da lief Stoppards Originalhörspiel-Oldie „Es war der Hund, der starb“ von 1983, eine Parodie auf die Spionage-Romane seines Landsmannes John Le Carré und dessen Held „Smiley“. Es geht um Purvis, einen alten Spion, der einen kompromittierenden Brief schreibt, bevor er seinen Selbstmord verpfuscht. Sein Kollege Blair, soll ihn am Krankenbett und später in der Klapse verhören, um herauszubekommen, was dieser schräge Typ eigentlich weiß und was er möglicherweise noch alles vorhatte. Abgesehen von wenigen Misslichkeiten ist diese Produktion bemerkenswert flott und wird mit einem präzisen Comedy-Timing angeliefert, wie es (Klischee hin oder her) im Schweizer Hörspiel nicht üblich ist. Herausragend: Wolfgang Reichmann als Blair – schwer geprüft von dem Unsinn, den der überlebende Purvis so redet, fehlbesetzt wie immer: besagter Purvis Hans Helmut Dickow (ein Liebling der SRF-Hörspielredakteure), dem man seine ausgestellt gute Laune wie gewöhnlich einfach nicht abnehmen will. Auch die Esels-Leidenschaft von Mrs. Blair ist etwas zu absurd. Damit ist das Sündenregister aber auch erschöpft. Hans Hausmann leitet ein Ensemble zum Küssen, das bei Blairs Ankunft in der Klinik zu besonderer Hochform aufläuft (mit Hein Bender-Plück als „Commodore“ und Hanna Burgwitz als irre Oberschwester). Der Wortwitz (Übersetzung: Hilde Spiel) sprüht, dass man am Ende gleich wieder von vorn anfangen möchte. Der SDR produzierte im selben Jahr eine Fassung von „The Dog It Was That Died“ mit Horst Bollmann und Lukas Ammann als Purvis und Blair.
Frau ohne Gewissen / Double Indemnity US-Kriminaldrama von 1944
Mit kühler Raffinesse wickelt Phyllis Dietrichson den braven Versicherungsmakler Walter Neff um den Finger, um ihren Mann erst zu versichern und dann um die Ecke zu bringen. Die beiden schaffen es sogar, einen Unfall vorzutäuschen, was die Prämie verdoppelt. Doch als Walters Freund und Kollege Barton Keyes ihnen auf die Schliche zu kommen droht, beginnt das perfekte Team auseinanderzubrechen …
James M. Cains Buchvorlage wurde innerhalb weniger Jahre in Hollywood zweimal prominent verfilmt. Es war die Version des eigentlich auf Komödien spezialisierten Billy Wilder, die nicht nur besser funktionierte, sie gilt heute als archetypisches Beispiel für den klassischen Film Noir. Es duellieren sich: Barbara Stanwyck, Fred MacMurray und Edward G. Robinson.
Die Strohpuppe / Woman Of Straw Britischer Thriller von 1963
Der Millionär Charles Richmond tyrannisiert seine Mitwelt vom Rollstuhl aus: er quält seine schwarzen Bediensteten, die er schlechter behandelt als seine Hunde, und demütigt seinen Neffen Anthony, einen bei ihm angestellten Lebemann, dessen Vater er in den Selbstmord getrieben hat, um sich die Mutter zu angeln. Nun ist auch sie nicht mehr am Leben, und Anthony sinnt auf Rache. Er engagiert die ahnungslose Italienerin Maria, um sie für sein Komplott zu benutzen …
Die James-Bond-Produzenten verbaten Sean Connery, pro Jahr mehr als einen weiteren Film zu drehen, was seinen Hass auf die 007-Rolle schürte und ihn von Anfang an zu einer vielseitigen Rollenwahl antrieb. Basil Dearden ließ ihn an der Seite von Gina Lollobrigida und dem Altstar Ralph Richardson seine bis zuletzt fieseste Rolle verkörpern.
Nächste Woche: Harry und Sally und Haus der Schatten
ANEMONE Familien- und Polit-Drama von Ronan Day-Lewis
Die aktuelle Kritik im Odcast
Jem Stoker (Sean Bean) will nach langer Zeit endlich seinen Bruder Ray (Daniel Day-Lewis) wiedersehen, der in absoluter Abgeschiedenheit in den Wäldern lebt. Ray ist nach überaus traumatischen Erfahrungen in der Irisch-Republikanischen Armee desertiert und hat mit der Welt gebrochen. Von heute auf morgen ließ er seine Frau Nessa und den gemeinsamen Sohn Brian zurück. Jem hat sich schließlich um die beiden gekümmert und musste mit ansehen, wie auch Brian zum Militär eingezogen wurde und dort mit seinen eigenen Dämonen ringt. In Rays Hütte liefern sich Jem und Ray ein Psycho-Duell, ohne sich zunächst recht im Klaren darüber zu sein, wie sie sich dessen Ausgang eigentlich wünschen.
Daniel Day-Lewis gilt seit den frühen Tagen seiner Karriere, spätestens aber seit dem Oscar für „Mein linker Fuß“ von 1989, als einer der besten Filmschauspieler der Welt. Er macht sich auf der Leinwand so rar, dass bereits sein schieres Auftauchen auf derselben wie eine Marienerscheinung gefeiert wird. Mit diesem Glanz will er nun auch seinen Sohn Ronan bestrahlen, der ihm dieses Drama als Mitautor und Regie-Debütant auf den Leib geschneidert hat.
ROOFMAN – Der Hochstapler Komödie von Derek Cianfrance
Der ehemalige Army Ranger Jeffrey Manchester (Channing Tatum), hält sich mit Überfällen auf Fast-Food-Restaurants über Wasser, seit er bemerkt hat, dass die Lokale von McDonalds baugleich sind und sich ihre Sicherheitsvorrichtungen alle auf die selbe Art umgehen lassen. Zugang verschafft er sich übers Dach, was ihm den Spitznamen „Roofman“ einbringt. Als er nach mehr als 40 erfolgreichen Einbrüchen gefasst wird, gelingt ihm der Ausbruch aus dem Gefängnis – nicht zuletzt, weil er das Wachpersonal mit der gleichen harmlos-liebenswerten Ausstrahlung täuscht, mit der er die ausgeraubten Restaurantmitarbeiter regelmäßig in Erstaunen versetzt hatte. Jeffrey verlässt nicht etwa die Gegend, wie die Polizei vermutet, sondern versteckt sich hinter der hohlen Wand einer nahegelegenen „Toys ‚R‘ Us“-Filiale, wo er sich häuslich einrichtet. Nach Ladenschluss startet er von dort behutsam in ein neues Leben. Nebenbei züchtigt er den Personalchef (Peter Dinklage) für seine Hartherzigkeit. Sogar eine neue Liebe (Kirsten Dunst) kann er sich auf seinen Freigängen erobern. Es dauert eine ganze Weile, bis ihn die Vergangenheit einholt …
Anglizismen werden fast so gerne sinnlos beklagt und verteufelt wie Bürokratie. Der Ärger über sie wird nicht kleiner, weil es neben der komplett sinnlosen Variante (Begriffe, die man genausogut auf Deutsch ausdrücken könnte) auch Bezeichnungen gibt, die etwas Neues Bezeichnen, das tatsächlich woanders entwickelt wurde und dessen internationale Bezeichnung uns daran erinnert, wie gut die Bundesrepublik inzwischen in vielerlei Hinsicht vom Rest der Welt abgehängt wurde. Daneben könnten uns Wörter wie „Handy“ nachdenklich machen, die englisch klingen, aber wiederum eine deutsche Erfindung sind. Richard Schuberth* hat die erste Variante beschrieben, eingeordnet und noch weitere Auswüchse aufgespürt:
Kulturell hat die angelsächsische Welt längst ihre Leitfunktion, niemand mehr hält (…) UK und (…) USA für cool und nachahmenswert. Englisch oder zumindest englisch klingende Begriffe als Prestigewert jedoch sind Selbstläufer und offenbaren die vierfache Zombiehaftigkeit der Menschen. Erstens reproduzieren sie stumpfsinnig den Fetisch des coolen Fachbegriffs; zweitens übertreiben sie in ihrem Sprachgebrauch geradezu jenes Prinzip parodistisch, dass sich die jeweils größte Konformität am nonkonformistischsten vorkommt und die jeweils letzten Schreie konzertierte Kanons sind; drittens offenbart es die Lust auf Herdenintelligenz, solange nur die Illusion aufrechterhalten bleibt, man wäre der Leithammel oder zumindest die Avantgarde-Herde, die der restlichen über die Abbruchkante vorausspringt; viertens – weniger zombiehaft als sehr menschlich – der Klangzauber, der magische Glaube, durch den banalen englischen Begriff statt eines banalen deutschen im Besitz besonderer Macht zu sein, der Macht, auf dem Wellenkamm der allerneusten Trends zu surfen, auf Augenhöhe mit den neuesten internationalen Entwicklungen. Ich rede nicht von Eindeutschungen englischer Idiomatik wie „Sinn machen“ (to make sense) oder dem noch ulkigeren „sein Hirn nicht darum wickeln können“ (I can’t wrap my brain around). Ihre volle Komik entfalten englische Angeberverben, wenn sie in deutschen Sätzen als Partizip Perfekt auftauchen: „Ich wurde gedisst!“, „Er hat mich gemansplaint!“, „Ich habe sie gegaslighted.“ (…) Es gleicht den Kindern, die Fantasie-Englisch brabbeln, weil sie spüren, wie viel eingebildete Souveränität die Erwachsenen aus der nackten Phonetik dieser Sprache ziehen. So parodieren sie die Eigenparodie der Erwachsenen mit tierischem Ernst.
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* Das neue Buch des Wiener Schriftstellers und Kulturwissenschaftlers Richard Schuberth „Der Paketzusteller“ ist gleichermaßen Bildungsroman wie Gesellschaftssatire. Seine wenig sympathische Protagonistin, die Facebook-Queen Gerhild, propagiert in ihrem digitalen Salon die totale Social-Media-Präsenz und beherrscht den digitalen Überlebenskampf. In analogen Dingen sieht die Sache allerdings anders aus … Richard Schuberth, geboren 1968 in Ybbs a.d. Donau, lebt in Wien, wo er u.a. als Romancier, Essayist, Cartoonist und Songwriter in Erscheinung tritt. 2021 erhielt er den Theodor Kramer Preis für Schreiben im Exil und Widerstand.
„Variety“ meldet den Tod von Udo Kier, unserem Mann in Hollywood, dem Star zahlloser Arthaus-, Trash- und Independent-Filme. Besonders gern erinnert sich Poki Pokinsson an die Arbeit mit ihm im Rahmen der Arbeit an dem Computerspiel „1½ Ritter“ nach dem gleichnamigen Film von Til Schweiger. Schon Kiers „Husky-Augen“ werden ihm unvergesslich bleiben, obwohl sie naturgemäß nicht von der Sprachaufnahme für das Spiel eingefangen werden konnten. Dieser Teil meines 16-Stunden-Gespräches mit dem innovativen Game-Creator Poki ist als Bonus-Track einer der letzten Folgen meines Kultfilm-Podcasts zu hören:
betr.: Die große „Siegfried Lenz Hörspiel-Edition“ ab Dezember in der ARD Audiothek
Dieser Archivschatz – 16 zumeist historische NDR-Hörspiele nach Siegfried Lenz – ist so beträchtlich, er darf hier nicht unverkündet bleiben:
1. Das schönste Fest der Welt – Sozial-Satire
Mit Richard Münch, Fritz Schröder-Jahn, Heinz Reincke u. a. Regie: Hans Gertberg NWDR 1955
Der Marquis de Serpa lädt auf seinem Landsitz in Spanien zu einem extravaganten Kostümfest. Die Gäste: Adelige, Snobs und die Crème der Gesellschaft aus aller Welt. Doch Vincente und Paolo, Abgesandte aus dem nahegelegenen Fischerdorf, drohen, die Feier zu sprengen. Der dekadente Marquis reagiert provokant. – 69 min.
Mit Hanns Lothar, Heinz Klingenberg, Jürgen Goslar u. a. NDR 1956
Das Hörspiel erzählt aus der Perspektive von Julius Stettenheim (1831-1916) und übernimmt dessen satirischen Ton. Unter dem Pseudonym Wippchen versorgte Stettenheim Presse und Publikum aus einem gemütlichen Schreibzimmer in einer Laube bei Bernau, einem Vorort Berlins, mit frei erfundenen Kriegsberichten. – 42 min.
3. Fortsetzung folgt. Zur Entstehungsgeschichte eines Illustriertenromans
Mit Heinz Reincke, Paul Hoffmann, Hans Gertberg, Ida Ehre u.a. Regie: Gerlach Fiedler NDR 1956
Ein Student schreibt einen Roman als Auftragsarbeit. Eigentlich ist ihm zuwider, Literatur als Massenware zu produzieren. Er macht sich dennoch an die Arbeit. – 50 min.
4. Zeit der Schuldlosen – philosophisch-politisches Drama
Mit Friedrich Siemers, Siegfried Wischnewski, Willy Trenk-Trebitsch u. a. Komposition: Siegfried Franz Regie: Fritz Schröder-Jahn SWF/NDR 1960
Neun Männer aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten werden willkürlich verhaftet und in eine Zelle gesperrt. Obwohl sie unschuldig sind, sollen sie dem geständigen Attentäter die Namen seiner Komplizen entlocken. Namen, die er selbst unter Folter nicht verraten hat. Das Attentat auf den Gouverneur erfordert Vergeltung, und ohne die gesuchten Namen gibt es für die neun Gefangenen keine Hoffnung auf Freilassung. – 67 min.
5. Zeit der Schuldigen – philosophisch-politisches Drama
Mit Willi Trenk-Trebitsch, Herbert Fleischmann, Victor Stefan Goertz u. a. Komposition: Siegfried Franz Regie: Fritz Schröder-Jahn NDR/SWF 1961 – 66 min.
Eine Gruppe von Männern wird zusammengetrieben. Sie sollen denjenigen benennen, der vor vier Jahren einen Widerstandskämpfer getötet hat. Fortsetzung des Hörspiels „Zeit der Schuldlosen“.
6. Meditationen beim Kniefall – eine Hörfolge
Mit dem Autor, Günther Dockerill, Wolfgang Engels u.a. NDR 1960
Ein Hausmeister, der in einer Anstalt öffentlichen Rechts tätig ist, beobachtet das Sozialverhalten der Mitarbeitenden. „Die Formen der Begegnung verraten bereits auf den ersten Blick, dass der Mensch sich nicht allein weiß, dass er den anderen entdeckt hat, mit dem anderen rechnet und sich auf wohlerwogene Weise auf ihn einstellt“, heißt es im Hörspiel. – 51 min. 7. Auf Wiedersehen unter Wasser – vom Tauchen und von Tauchern
Mit Siegfried Lenz u. a. Regie: Ernst Drolinvaux NDR 1960
Ein Kurs zum Sporttauchen hat ungeahnte Folgen: Ein Ehepaar setzt sich mit der Welt unter Wasser auseinander und bekommt einen neuen Blick auf die Dinge. – 54 min.
8. Haussuchung – spannendes Kammerspiel
Mit Renate Heilmeyer, Wolfgang Büttner, Rolf Nagel u.a. Regie: Fritz Schröder-Jahn NDR/SWF 1963
Christina lebt scheinbar glücklich mit ihrem Mann Bosse, der als Kriegsheld gefeiert wird, weil er einst die Brücken der Stadt vor der Vernichtung bewahrte. Eines Tages erscheinen zwei Beamte mit dem Auftrag, die Wohnung zu durchsuchen – und fördern Unerwartetes zutage. – 60 min.
9. Der Gesandte – Kammerspiel um einen Diplomaten
Mit Hans Paetsch, Rosel Schäfer und Ernst Jacobi Regie: Fritz Schröder-Jahn NDR/HR/SFB 1964
Nach dem großen Triumph eines Diplomaten – der Freilassung von neun inhaftierten Landsleuten – gerät plötzlich seine gesamte Existenz ins Wanken, als ein verfolgter junger Mann um Asyl bittet. – 67 min.
10. Das Gesicht – Doppelgänger eines Diktators
Mit dem Autor, Heinz Reincke, Dinah Hinz, Charles Brauer u.a. Regie: Egon Monk NDR 1965
Der Friseur Bruno Deutz, der dem Präsidenten einer fiktiven Diktatur zum Verwechseln ähnelt, soll bei öffentlichen Anlässen als dessen Double auftreten. Als der Diktator unerwartet stirbt, erlangt Bruno Deutz eine große Machtfülle. Er nimmt den Platz des Herrschers ein – und wandelt sich vom sanftmütigen Bürger zum tyrannischen Anführer eines Polizeistaats. – 75 min.
11. Die Enttäuschung – Rollenspiel im Gefängnistheater
Mit Hans Lietzau, Hans Clarin, Walter Jokisch u.a. Regie: Fritz Schröder-Jahn NDR/Süddeutscher Rundfunk 1966
Eine norddeutsche Landesbühne tritt vor den Insassen des renommierten Zuchthauses von Isenbüttel auf. Gespielt wird das Stück „Die Enttäuschung“. Ein halbes Dutzend Inhaftierter übernimmt dabei die Rolle von Statisten: Sie sollen wilde Tiere darstellen, die aus ihren Käfigen im Laderaum eines Frachters entkommen sind. Während Gefangenenschicksale und Bühnendramatik aufeinandertreffen, verschwimmen die Grenzen zwischen drinnen und draußen. – 57 min. 12. Das Labyrinth – schwarze Komödie
Mit Lucie Mannheim, Grete Mosheim u.a. Komposition: Siegfried Franz Regie: Fritz Schröder-Jahn NDR/Süddeutscher Rundfunk 1967
Das Gartenlabyrinth, das Elfis Vater geschenkt bekam, lässt Menschen spurlos verschwinden. Niemand kann erklären, wohin sie verschwinden oder was mit ihnen geschieht. Elfi fasst einen radikalen Entschluss: Sie will das Labyrinth nutzen, um die Stadt von Männern zu befreien, die schlecht mit ihren Ehefrauen umgehen. Doch ihr Plan gerät aus dem Ruder. – 62 min.
13. Nicht alle Förster sind froh – Kammerspiel in der Telefonseelsorge
Mit Gert Haucke und Heiner Schmidt. Regie: Fritz Schröder-Jahn NDR 1969
In der Telefonseelsorge erzählt ein Mitarbeiter seinem Kollegen von einem belastenden Fall. Darin geht es um einen Förster und seinen Sohn, die in einen Konflikt geraten. Der Kollege erkennt die Geschichte aus einem anderen Zusammenhang. Wird er manipuliert? Er lässt sich nichts anmerken. – 27 min.
14. Herr und Frau S. in Erwartung ihrer Gäste – Identitätsdrama
Mit Eva Katharina Schultz und Werner Rundshagen Regie: Fritz Schröder-Jahn NDR/SfB 1969
Henry und Anne richten eine Feier aus, zu der sie Menschen einladen, die für sie eine wichtige Rolle spielen, obwohl sie einander noch nie von ihnen erzählt haben. Anne kann nicht bis zur Ankunft der Gäste warten. Der Gast, den Henry eingeladen hat, verändert für die Paar alles. – 31 min.
15. Schweigeminute – Coming-of-Age-Drama
Mit Jona Mues, Nadja Kruse, Peter Maertens, Michael Prelle u. a. Musik: Maximilian Moormann (Singstimme) Regie: Sven Stricker NDR 2009
Christian hat mit seiner Englischlehrerin Stella Petersen eine kurze und leidenschaftliche Liebesaffäre. Bis zu einem tragischen Unfall. Der Erinnerungsstrom des Jungen gerät vor der akustischen Kulisse der schulischen Gedächtnisfeier zu einer intimen Zwiesprache mit der Toten. – 45 min. 16./17. Der Überläufer (1)-(2) – Antikriegs-Drama
Mit Timo Weisschnur, Maria Magdalena Wardzinska, Lukas Zumbrock u. a. Komposition: Tarwater Regie: Eva Solloch und Roman Neumann NDR 2020
Es ist der letzte Kriegssommer des Zweiten Weltkriegs, die Nachrichten von der Ostfront sind schlecht. Der junge Soldat Walter Proska aus dem masurischen Lyck wird einer kleinen Einheit zugeteilt, die eine Zuglinie sichern soll und sich in einer Waldfestung verschanzt. Proska stellen sich immer mehr dringliche Fragen: Wer ist der wahre Feind? Kann man handeln, ohne schuldig zu werden?
Das Hörspiel „Der Überläufer“ nach dem gleichnamigen Roman von Siegfried Lenz handelt eindringlich von Desertion, Schuld und Überlebensentscheidungen während des Zweiten Weltkriegs. Das Buch erschien im Jahr 2016 postum erschien und wurde 2020 auch verfilmt. – 53 / 54 min.
__________ Die Zeitangaben verstehen sich ohne angehängte Programmhinweise.
Die Prostituierte Nomi Malone versucht, ihrem alten Leben zu entkommen und in Las Vegas als Tänzerin Karriere zu machen. Zwar findet sie ihren ersten Job als „Lap Dancer“ in einem Hinterzimmer unter ihrer Würde, doch er ermöglicht ihr einen rasanten Aufstieg in die Galashow des legendären „Stardust Hotels“. In Cristal, Star der Show „Goddess“, findet sie eine erbitterte Konkurrentin. Sie quittiert deren Intrigen mit Sabotage und steigt weiter auf – auch weil sie ihr den Liebhaber ausspannt: Zack Carey, den Direktor der Show. Aber ihr Traum offenbart seine Schattenseiten, vor allem diese: sie wird auch in ihrer neuen Karriere nichts als eine Prostituierte sein.
Der „Kult“ des Films beruht auf seinem seismischen Misserfolg. Was diesen Flop so pikant macht, sind jedoch nicht seine dröge-hausbackenen Sexszenen, sondern der Umstand, dass Paul Verhoeven und sein Drehbuchautor Joe Eszterhas bei dem Versuch gescheitert sind, ihren eigenen Hit „Basic Instinct“ zu kannibalisieren. Die Freigabe ab 17 war ihnen dabei so wichtig, dass alles Handwerkliche in den Hintergrund trat. Nach all der Zeit darf man sich fragen: ist „Show Girls“ wenigstens unfreiwillig komisch und am Ende gar nicht so schlimm wie alle sagen?
B) Blue Jasmine US-Tragikomödie von 2013
Nach dem Scheitern ihrer Ehe mit einem betrügerischen Investment-Tycoon steht die flatterhafte Jasmine mit Chanel-Jäckchen und Louis-Vuitton-Koffer bei ihrer Schwester Ginger vor der Tür, um sich einzuquartieren. Jasmine, die das Leben auf Manhattans Upper East Side gewohnt ist, muss bis auf Weiteres unter einfachen Leuten in Downtown San Francisco leben, die ihr offensichtlich zuwider sind. Nach einem kurzen Versuch, zu jobben, hält sie Ausschau nach einem reichen Verehrer, der ihr die Rückkehr in ihr altes Leben ermöglichen soll. Doch die wie beiläufig eingestreuten Rückblenden verraten uns nach und nach die Details der Vorgeschichte. Und dass der Abstieg nicht aufzuhalten ist …
Bald nach seinen ersten Erfolgskomödien drehte Woody Allen ein paar Filme, die ihn als gelehrigen Bewunderer des schwedischen Meisterregisseurs IngmarBergman auswiesen. Zeitweise wurde schon befürchtet, er sei vollständig ins ernste Fach gewechselt. Aber erst gut 20 Jahre später lotete der Autorenfilmer die Abgründe der menschlichen Seele wieder ähnlich tief aus. „Blue Jasmine“ wurde allgemein als künstlerischer Erfolg gefeiert und gilt als die beste schauspielerische Leistung von Kate Blanchett.
Nächste Woche: Frau ohne Gewissen und Die Strohpuppe
In Eddington, einer fiktivem Kleinstadt im US-Bundesstaat New Mexico, ist die grassierende Corona-Pandemie noch nicht angekommen. Während sich der konservative Sheriff Joe Cross (Joaquin Phoenix) weigert, der Maskenpflicht Folge zu leisten, weil er das Virus für eine Erfindung hält, nimmt es der um seine Wiederwahl kämpfende Bürgermeister Ted Garcia (Perdo Pascal) umso genauer. Auch privat sind sich die beiden Männer in herzlicher Abneigung verbunden. Grund ist ihre jeweilige Vorgeschichte mit Joes heutiger Ehefrau Louise (Emma Stone). Sie hat seelische Probleme – wenn auch nicht annähernd so große wie ihre durchgeknallte Mutter Dawn, eine Verschwörungsaktivistin, die Besuch kam und einfach nicht wieder geht. Die Ereignisse überschlagen sich, als Sheriff Joe beschließt, ebenfalls für das Bürgermeisteramt zu kandidieren und kurz darauf ein Doppelmord geschieht.
Neben der Covid-19-Pandemie hält „Eddington“ Personal und Publikum auch mit Black Lives Matter, der Trump-Präsidentschaft, Pizzagate und QAnon, der Antifa, toxischer Männlichkeit, Rassismus, dem Genozid an den amerikanischen Ureinwohnern und der Bedrohung durch mächtige Tech-Konzerne auf Trab. Das Tollhaus USA tobt in einem Mikrokosmos. Anders als in ähnlichen Milieustudien wie „Cop Land“ oder „A Bad Day At Black Rock“ ist dies jedoch kein Kammerspiel.
Wenn das Gerede in einem Film nie aufhört, dann hat man es hoffentlich mit einem gut geschriebenen Dialogstück zu tun, in dem auf geistreiche Weise Feindseligkeiten ausgetragen werden. „Eddington“ bietet von Schauplatz und Personal her dafür die besten Voraussetzungen. Andererseits ist es aber ein Film von Ari Aster – und der mag es ja gern sehr groß und gewaltig. Ein Interessanter Widerspruch, dem wir hier versuchen, auf den Grund zu gehen:
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