Das Ende heißt „Copy And Paste TV“

betr.: Das Ende des episch erzählten Serienfernsehens

Die Konkurrenzprodukte „House Of The Dragon“ und „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ markieren einen nicht unwichtigen Punkt in unserer Mediengeschichte. Sie besiegeln das Ende der Ära der hochwertigen „episch erzählten Serie“, die „Die Sopranos“ vor gut 20 Jahren einläuteten. Schon die Werbung macht klar, dass bei diesen beiden parallel angekündigten Formaten jeglicher konzeptionelle Wagemut fehlt, dass sie zutiefst berechenbar und schon in der Vorberichterstattung kaum auseinanderzuhalten sind. Sie sind nicht die ersten Produktionen, die so konsequent den Spirit von Frische und Wagemut vermeiden, den die Serienfans und die Streamingdienste (die diese Entwicklung einst ermöglicht haben) noch immer am Werk sehen möchten (auch die „Sopranos“ haben mit ihren Vorzügen ja nicht ganz am Anfang gestanden), aber der Trend wird endgültig zur Gewissheit.
Der Kampf der großen Anbieter um die meisten Abonnenten sowie die gewaltigen Budgets, die dazu aufgewendet werden, führen dazu, dass man streng auf „Bewährtes“ setzt, sprich: auf die aufwendige Neuproduktion oller Kamellen. Die Presse zitierte in diesen Tagen einen Serienregisseur, der sein aktuelles Werk als „business-focused content“ bezeichnet. Wer so spricht, begibt sich aus dem Lager der Kunstschaffenden hinüber in das der Buchhalter. Früher hätte man ihn als „Erbsenzähler“ bezeichnet, doch es ist längst nicht mehr die Zeit von „Erbsen“, „Peanuts“ oder ähnlichem Gekrümel.
In einen solchen Klima wanderte soeben der für 90 Millionen Dollar bereits fertiggestellte Film „Batgirl“ (offenkundig Zugehöriger eines der größten Franchises) unausgewertet in den Giftschrank. Man unterstellt ihm, ein noch größeres Geschäft beschädigen zu können. Außerdem kann das misslungene Projekt auf diese Weise komplett als Verlust abgeschrieben werden.

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Sterbliche Superhelden

Alle Abbildungen: Disney Channel Screenshot

Finden Sie nicht auch, dass es inzwischen einfach zu viele Superhelden gibt? Der aktuelle Trend spuckt immer neue aus. Und wer einmal da ist, verschwindet nicht ohne Weiteres wieder, das liegt ja in der Natur dieser Leute. Vor 18 Jahren hat es ein sehr kommerziell gemachter, kommerziell erfolgreicher und sogar überaus gelungener Familienfilm (!) tatsächlich gewagt, Superhelden sterben zu lassen, und das gleich reihenweise: „Die Unglaublichen“.

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Ixen für Anfänger – Das Unhörbare mitlesen

Ixen – eine Technik, die beispielsweise in der Synchronarbeit zum Einsatz kommt – erfordert rasche und präzise Textauffassung. Diese Serie hält Sprech-Übungen bereit, um die betreffenden Instinkte zu schärfen.

Lesen Sie den folgenden Satz bitte laut vor, nachdem Sie sich zuvor überlegt haben, wie das zu geschehen hat. Sehen Sie sich bitte erst danach die zweite Fassung des Satzes an, lesen Sie diese und verfahren Sie schließlich ebenso mit der dritten.

Erste Fassung:

Es heißt, mit seiner Frau Luna habe Paul Lincke die Berliner Operette begründet.

Zweite Fassung:

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (44)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/10/06/19056/

Fortsetzung vom 3.8.2022

Am nächsten Tag sollte er in das Flugzeug steigen, um die unwirtlichen Gefilde des nördlichen Polarkreises zu bereisen; daher hatte er sich entschlossen, sich noch einmal nach Kräften zu amüsieren. Seine Vorstellung von Amüsement erschöpfte sich im Besuch zahlreicher Nachtlokale, wo er sich mit Alkohol volllaufen ließ, bis er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte.
Er hatte sich zwei Leibwächter von zu Hause mitgebracht. Sie waren ungewöhnlich kräftigt; einer war ziemlich groß, der andere klein und bullig. Ihre Gesichter waren gegerbt wie Sattelleder, ihr Ausdruck erinnerte an die Wachsfiguren im Schreckenskabinett oder an Rekonstruktionen der Neandertaler. Beide hatten Fäuste wie Schmiedehämmer:

Der Auftritt des Playboys im WACKY CLUB war typisch für den ganzen Abend; nur das Ende wich ein wenig vom Schema ab. Es begann damit, dass der Playboy eines der Showgirls übers Knie legte und nach Herzenslust verdrosch. Aber zufällig war der Freund des Mädchens anwesend. Er beförderte den Playboy mit einem Faustschlag quer über den Tisch. Die beiden riesigen Leibwächter warfen sich auf den jungen Mann, schlugen ihn nieder und traten ihm in die Rippen. Einer der Gäste zertrümmerte einen Stuhl auf dem Kopf eines Leibwächters, aber der fühlte sich kaum geniert.
Es gab einiges Aufsehen, bevor die Angestellten des Clubs jenen unverständigen Freund des Showgirls an die Luft befördert hatten. Dann beschwichtigten sie die übrigen Gäste, damit keiner aus Versehen die Polizei alarmierte.
Als der Playboy wieder zu sich kam, bestellte er sich sofort etwas zu trinken. Einer der Kellner beeilte sich, die Bestellung auszuführen. Er reichte dem Playboy ein Glas Whisky, das der auf einen Zug hinunterkippte. Dann raffte sich der Playboy auf, verwünschte seine Leibwächter, die zu spät eingegriffen hatten, und bewarf sie mit Flaschen, die er aus den Regalen hinter der Theke holte. Sie ließen die Beschimpfungen mit stoischem Gleichmut über sich ergehen; sie waren daran gewöhnt.
Bis hierhin lief alles nahezu programmgemäß ab; das heißt, mehr oder weniger nach dem Programm des Playboys. Nicht zum Programm gehörte, dass einer der Kellner dezent an die Tür zu einem der Hinterzimmer klopfte. Die Tür wurde spaltbreit geöffnet.

„Ich hab‘ ihm das Zeug in den Whisky gemischt“, sagte der Kellner; es war derselbe, der dem Playboy sein Getränk serviert hatte.
Durch den Türspalt wurde eine Banknote geschoben. Es war ein größerer Schein. Der Kellner steckte ihn ein und ging zufrieden weiter.
Der Playboy war wie immer bei seinen Besuchen in New York im kostspieligsten Hotel abgestiegen, er hatte die teuerste Suite gemietet und bei seinen Gelagen schon den größten Teil des Mobiliars ruiniert. Mittlerweile wäre die Direktion froh gewesen, ihn wieder loszuwerden, aber sie fürchtete diplomatische Verwicklungen. Deswegen nahm sie ihn mit zusammengebissenen Zähnen und fahlem Gesicht immer wieder auf.
Als der Playboy am Morgen des Reisetags aufwachte, fühlte er sich elend, sein ganzer Körper schmerzte, und er hatte einen schlechten Geschmack im Mund.
„Adonis!“ brüllte er.
Der Mann erschien in der Tür und kam zaghaft näher.
„Mach das verdammte Fenster zu!“ schnauzte der Playboy. „Das Zimmer ist voller Nebel.“
Der Gardist schloss das Fenster; dann stand er da und trat unbehaglich von einem Fuß auf den anderen. „Im Zimmer ist kein Nebel“, sagte er.
Der Playboy fluchte lauthals und warf dem Gardisten das Telefon an den Kopf. Dann überkam ihn Angst, denn er ahnte nun selber, dass kein Nebel im Zimmer war. Er konnte kaum etwas erkennen, die Möbel und der Gardist verschwammen vor seinen Augen.
Er ließ den Hotelarzt kommen.

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Vom Gendern

Mancher Anwalt des Genderns tut der Sache keinen Gefallen.
Ein Männer- bzw. Männlichkeitsratgeber widmet der Problematik ein ganzes Kapitel. Darin heißt es: „Ich meine: Echte Männer schaffen das. Wir haben schon eine Rechtschreibreform überlebt, wir haben das »Fräulein« aus dem Sprachgebrauch gestrichen, wir gewöhnen uns in Minuten an neue Begriffe wie »Uploadfilter« und »abkippende Sechs«, wir können uns vierstellige Passwörter merken, wir finden die Sternchen in »F*** you« ganz sinnvoll und haben die Wonnen des generischen Maskulinums ein paar Jahrzehnte angenehm ausgekostet.“
Keinen dieser Vergleiche finde ich hilfreich.
Die Rechtschreibreform ist ein kolossaler Blödsinn, gegen den ich mich auch nach Jahren mit Händen und Füßen wehre. Er wird auch dadurch nicht besser, dass sich die meisten Printmedien (nicht alle!) dreingefügt haben. Die Streichung des Wortes „Fräulein“ geschah im Bonner Regierungsbetrieb bereits, als ich vier Jahre alt war (der Autor war noch gar nicht auf der Welt) und hat mich persönlich entsprechend nicht herausgefordert. In einem passenden semantischen bzw. literarischen Textumfeld finde ich den Begriff „Fräulein“ noch immer hilfreich, zum Beispiel um die paternalische Haltung aufzuzeigen, für die er steht.
Dass wir uns an neue Begriffe wie „Uploadfilter“ und „abkippende Sechs“ gewöhnen, wird uns durch die Erkenntnis erleichtert, dass wir das meiste davon ebensoschnell wieder vergessen dürfen!
Vierstellige Passwörter kann ich mir gerade noch merken, aber die meisten haben leider „mindestens acht“ Stellen mit Zahlen, Buchstaben und Sonderzeichen. Und es werden täglich mehr.
Die Sternchen in »F*** you« finde ich persönlich bescheuert, auch in seiner akustischen Variante.
Und das generische Maskulinum abzuschaffen, weil wir es „ein paar Jahrzehnte angenehm ausgekostet haben“ überlasse ich denen, die aus dem gleichen Grund auch auf „Wonnen“ wie fließend Wasser und den ÖPNV verzichten würden.
Als prominentes Vorbild in Genderfragen wird Claus Kleber angeführt, der seinerzeitige Anchorman des „heute journal“. Kleber habe es doch tatsächlich noch kurz vor der Pensionierung (!) geschafft, die alte Gewohnheit abzulegen und mit dem hörbaren Sternchen anzufangen.
Auch Witze wie diese erreichen mich nicht: „Wenn Sie die Wörter »Kolleg*innen« oder »Politiker*innen« mit kleiner Sprechpause zu Hause vor dem Spiegel üben, dann schauen Sie ruhig mal an sich herunter. Kaum zu glauben, aber: Ihr Penis wird noch da sein!“ oder „Mit anderen Worten: Das Gendern wird sich auf lange Sicht ohnehin in irgendeiner Form durchsetzen, wenn ich gleich damit anfange, wirke ich vielleicht automatisch viel jünger. Und das ganz ohne Faltencreme und Hipster-Hosen!“
Der Autor teilt meine Zurückhaltung ganz offensichtlich, denn in den übrigen Kapiteln (mit Ausnahme des einen, in dem das Gendern noch einmal gestreift wird) gendert er selber nicht.
Schade. Das hätte ich sehen wollen.

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Softe Anklage

Noch 2013 hat Reinhard Mey in einer Laudatio seinen großen „Freund und guten Weggefährten“ Hannes Wader dieser Bewegung zugeschrieben, der er sich dann selbst zugesellte: „Ganz Deutschland stöhnte unter dem Joch amerikanischer Schlager, deutscher Schnulzen und einer lähmenden Tanzmusik. Ganz Deutschland? Nein! Ein kleines Häufchen unbeugsamer junger Leute lehnte sich dagegen auf. Sie sangen widerspenstige, widerborstige Lieder, die sie selber geschrieben hatten, und hofften, damit dem Schwachsinn speienden Drachen der Volksverarschung Paroli zu bieten.“
Lang ist’s her.
Auf seine alten Tage (nunmehr 80) bekennt sich der Protestsänger Hannes Wader zum Deutschen Schlager. Sein aktueller Song „Um eine bess‘re Welt zu schaffen“ folgt melodisch und bis ins Arrangement hinein so exakt dem alten Ohrwurm „Zusammenleben“, dass ich an ein Milva-Tribute-Album geglaubt hätte, trüge es nicht den beinhart waderhaften Titel „Noch hier – Was ich noch singen wollte“.

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Die wiedergefundene Textstelle: „Vorlesung über die Mikrobe der menschlichen Dummheit“

Dr. med. Hiob Prätorius
Independent Film, Berlin 1950
Produziert von Hans Domnick
Drehbuch von Curt Goetz nach seinem Theaterstück
Regie: Kurt Hoffmann

Zeit: Jahrhundertwende
Ort: — (Der Autor wollte sich nicht festlegen.)

Dr. med. Hiob Prätorius erfreut sich aufgrund seiner Güte und Menschenfreundlichkeit bei den Patienten, im Ärztekollegium und bei der Studentenschaft gleichermaßen einer großen Beliebtheit. Lediglich sein Kollege Prof. Speiter missgönnt ihm den Erfolg …
Im ersten Akt doziert Curt Goetz als ein in Gestik und Mimik enthusiastischer Tausendsassa pointenreich und mit viel Pathos über die „Mikrobe der menschlichen Dummheit“, die er für die Ursache allen Übels hält.
In diese Bearbeitung sind eingeflossen: die Urfassung von 1929, die Überarbeitung von 1945, die Verfilmungen von 1950 und 1965. Nicht berücksichtigt wurde die US-Version von 1951 „People Will Talk“ mit Cary Grant, für die Joseph L. Mankiewicz die Adaption besorgte.


Näheres zu diesem Text unter https://blog.montyarnold.com/2022/07/31/politische-rede-in-film-und-theater/

Könnte ich mit euch jenen Nachem besteigen, der uns über das schwarze Gewässer zum anderen Ufer geleitet wo im Reiche der Vergangenheit die Schatten der Verstorbenen mácra bibása – weit ausschreitend, wie wir wissen – verweilen, und könnten wir dort als lernbegierige Zaungäste einen ersten Blick in die blauen Geheimnisse tun, welch wundervolles Abenteuer wäre das! Stattdessen sollen wir Ihnen hier am toten Fleisch eines Mädchens beweisen, dass sie sterben musste und warum sie sterben musste, ohne Ihnen gleichzeitig verraten zu können, warum wir Leuchten der Wissenschaft, obgleich wir wussten, dass sie sterben musste, dieses nicht zu verhindern wussten.
Weder wir noch irgendeine Macht der Erde hätte ihr helfen können, nachdem es dem Gevatter beliebte, sich ihrer zu erinnern. Und wäre dieses letzte Geheimnis nicht um den Tod, so wäre unsere Aufgabe noch nüchterner als sie es schon ist, unsere Aufgabe, die darin besteht, Ihnen, nachdem wir Ihnen das Wunder der Geburt entzaubert haben, nunmehr die Poesie des Todes zu zerstören. Denn nichts Majestätisches hat dieser Geselle! Kein Mittel ist ihm zu schlecht, keine Mikrobe zu winzig, kein Zufall zu läppisch. Er ist kleinlich, berechnend, hämisch und übelriechend.
Nicht, dass wir ihn fürchten. Wenn wir bedenken, wie lange wir tot waren, ehe wir geboren wurden, ohne dass es uns gesundheitlich geschadet hat, müssen wir die Angst vor dem Tode verlieren. Aber es ist unsere Pflicht als Ärzte, ihn zu hassen! Von ganzem Herzen und von ganzer Seele. Es ist unser Beruf, ihn zu verabscheuen. Wir dürfen nicht müde werden, ihn zu verfolgen, zu belauschen, ihm auf die Finger zu klopfen. Und wenn wir ihm sein letztes Geheimnis auch nicht werden entreißen können, so wollen wir versuchen, ihm sein vorletztes zu entwinden! Aber dazu ist es nötig, seine schmutzige Wühlarbeit rückwärts zu verfolgen. Wir müssen sehen, wie er es gemacht hat. Wir müssen die Kadaver öffnen.
Auch Sie, meine Damen! Und zwar werden Sie nicht nur Ihre Nerven in der Gewalt haben, Sie werden die volle Wucht und Kraft Ihres Leibes ins Treffen führen müssen. Sie werden, um gewisse Zergliederungen vornehmen zu können, einen förmlichen Ringkampf mit den Leichen aufzuführen haben!
Sie werden sich das überlegt haben!
Trotzdem gestatten Sie mir, bevor ich dies Leichentuch wegziehe, hier, an der Schwelle des Todes, noch einmal vom Leben zu sprechen!
Sie wollen ja nicht immer hier unten bleiben. Nein, Sie wollen – einem dringenden Bedürfnis nachzukommen – Ärztinnen werden. Kranke gesund machen! Bravo! Das macht viel Spaß, solange Sie nicht daran sterben! Aber wo der Arzt ist, ist Krankheit. Und wo Krankheit ist, ist Tod! Krankheit und Tod – in dieser Gesellschaft werdet ihr euch euer Leben lang bewegen!
Kinder, ich verstehe euch nicht! Ja, wenn ihr zehn Leben zu leben hättet und wolltet eines auf diese Weise verbringen …, aber wo ihr nur das eine habt?
Wisst ihr, weiß eure Generation, wie schön die Welt ist? Gar nichts wisst ihr! Von Hungernöten wisst ihr! Ihr wisst etwas von Atombomben und internationalen Konflikten. Und von Nahrungsmitteln, die ins Meer versenkt werden! Von Völkern wisst ihr, die, um Heim und Leben zu schützen, sich Regierungen wählten. Und dann haben sie ihr Heim zu verlassen und ihr Leben zu geben, um diese Regierungen zu schützen! Millionen junger Menschen, die nicht kämpfen wollen, bekämpfen Millionen anderer junger Menschen, die ebenfalls nicht kämpfen wollen! Und die Errungenschaften der Wissenschaft haben wir zu keinem anderen Zwecke errungen, als um alles Errungene zu zertrümmern!
Das ist die Welt von heute!
Aber kann sich das morgen nicht ändern? Van Leeuwenhoek entdeckte die Mikrobe im Wassertropfen, Pasteur den Erreger der Tollwut, Robert Koch den Erreger der Schwindsucht, Roux und Grassé kämpften erfolgreich gegen die Malaria. Und Paul Ehrlich bezwang die Spirochaeten der Syphilis! Und dach dem Gesetz, dass ein Mittel gegen eine Krankheit immer dann gefunden wird, wenn diese Krankheit ihren Höhepunkt erreicht hat, wenn sie schier unerträglich geworden ist, nach diesem Gesetz muss heute oder morgen die Mikrobe der menschlichen Dummheit gefunden werden -:
„Denn was dem Abgrund kühn entstiegen,
Kann durch ein ehernes Geschick
Den halben Weltkreis übersiegen …
Zum Abgrund muss es doch zurück!“
Und wenn es gelingt, ein Serum gegen die Dummheit zu finden, diese entsetzlichste aller ansteckenden Krankheiten, dann wird es im Nu keinen Hass, keine Zölle und keine Kriege mehr geben, und an die Stelle der internationalen Diplomatie wird der gesunde Menschenerstand treten.
Aber wer soll den Anfang machen mit der Gescheitheit? Solange nicht alle kuriert sind, ist der einzelne Kluge der Dumme! Das wiederum ist das Dumme! Und deshalb sage ich: wem es gelänge, den gesunden Menschenverstand mit einem Schlage wiederherzustellen, wäre ein Wohltäter der Menschheit, sei er nun ein Prophet durch die Macht der Lehre, oder – am sichersten – ein Arzt durch die Erfindung eines Serums!
(zärtlich werdend) Die Dummheit tot! Welch phantastische Perspektive! Nur in der Liebe, meine Lieben, wo die Dummheit jedes Maß übersteigt, da ist sie entzückend und liebenswert, und da sollten wir auch der Besiegten ein dauerndes Asylrecht gewähren.
Und damit sind wir wieder beim Thema, bei Ihrem Thema, meine Damen, denn Ihr Thema ist die Liebe, nicht die Anatomie. Gelehrt sind wir genug. Was uns fehlt, ist Freude, was wir brauchen, ist Hoffnung, was uns nottut, ist Zuversicht, und wonach wir verschmachten, ist Frohsinn!
Wo sollen eure Kinder die Frohnatur hernehmen, wenn Mütterchen Knochen zersägt!?
Und darum, bei allem schuldigen Respekt vor der Wissenschaft, helfen Sie uns, den Tod zu bekämpfen mit den Mitteln, die Ihnen Gott in den Schoß gelegt hat: mit der Gnade, neues Leben zu gebären! Bewahren Sie sich die Heiterkeit Ihres Gemütes für Ihre Kinder. Und, wenn es auch ein wenig altmodisch anmutet: Kriegen Sie welche!

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