Auf einer Comic-Convention nimmt das titelgebende Medium heute nur noch einen kleinen Teil der Hallenfläche ein. Zuletzt waren es vor allem Influencer, die sich hier stattdessen breitmachten, doch dieser Trend ist gottlob wieder etwas rückläufig. Was man weitaus zahlreicher antrifft als Comichefte, sind Sprecher: also stimmliche Interpreten von Computerspielen, Hörspielen, Filmen und Serien, die sich jedoch in der Regel alle unter der Rubrik „Synchron“ ihrem Publikum präsentieren bzw. präsentieren lassen. In Stuttgart gab es nun ein Trio auf der Bühne, das in der aktuellen Game-Version einer beliebten Filmreihe zu sehen ist (oder besser: der Game-Version eines Franchise. Das ist die einzige Kategorie, die in der gegenwärtigen Sprachregelung der Rede wert ist). Zwei Dinge wurde aus berufenem Munde gesagt, die ich so nicht stehenlassen möchte. Auf die Frage nach den Unterschieden zwischen der Synchronarbeit und dem Sprechen für Software gab es die nicht nur wischiwaschihafte, sondern schlichtweg irreführende Antwort: das sei eigentlich letztlich dasselbe, in beiden Fällen würde man seine eigene Persönlichkeit einbringen, um eine Figur zum Leben zu blala. (Über die tatsächlich erheblichen Unterschiede beider Arbeitstechniken und ihrer Herausforderungen wurde an dieser Stelle schon ausführlich berichtet.) Dann fiel noch ein Satz, den ich nie vergessen werde: „Der Anfänger schaut beim Synchron auf den Mund. Der Profi schaut auf die Augen, denn dort spielen sich die Gefühle der Figuren ab.“ Vermutlich ist das einfach die Übersetzung für: „Es gibt Anfänger, und es gibt Leute wie mich!“
Der deutsche Schauspieler Fritz Rasp gehört zu den Charakterköpfen des Kinos, Films, Hörspiels und Theaters, der ein Weltstar hätte werden müssen, hätte nicht zunächst die Nazizeit (in der das für Rasp so treffliche Horror-Genre nicht gepflegt wurde) und danach die erbarmungswürdige Qualität der Filmproduktion in der Wirtschaftswunder-Zeit ihn ausgebremst. Nach Meinung des Kulturjournalisten Florian Pauer hätte Rasp, gleich einem Lugosi, Karloff, Christopher Lee oder Peter Cushing, sonst als Charakterdarsteller und Horror-Star in die Filmgeschichte eingehen können.
Rasp – dessen intelligente, raunend-fistelige Stimme niemand vergessen wird, der sie einmal gehört hat – war bereits 70, als er in den Edgar-Wallace-Filmen zumindest das deutsche Publikum ohne erkennbare Anstrengung das Gruseln lehrte. Er war fünfmal in dieser Reihe zu sehen, hatte aber gefühlt eine viel höhere Präsenz darin. Seine letzte Arbeit war 1975 eine tragende Nebenrolle in dem sozialkritischen Film „Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat“.
Anfang 2011 hatte Fritz Rasp noch einmal einen ganz großen internationalen Auftritt. Seine Performance in „Metropolis“ war zum größten Teil der Verstümmelung zum Opfer gefallen, die diesen legendären Stummfilm 83 Jahre lang gezeichnet hatte. Die wiederentdeckte knappe halbe Stunde vergrößerte seine Rolle erheblich, als der restaurierte Film weltweit gefeiert wurde. Fritz Rasp ist „der Schmale“, ein Handlanger des verderbten Magnaten Fredersen, ein leichenhaft-mechanischer Vollstrecker, dessen Augen – wie sich gehört – kälter sind als die der Roboterfrau, die im Labor des irren Rotwang erschaffen wird.
So verwandt die Berufe des Sprechers am Mikrofon und des Schauspielers sind, sind es auch die Fehler und Unfälle, die da und dort passieren können. Der Umgang damit ist allerdings grundverschieden. Vor Publikum müssen Texthänger oder Versprecher überspielt werden (ggf. im Ensemble), während man im Studio sofort abbrechen sollte, wenn man einen Fehler bemerkt bzw. kommen fühlt oder darauf hingewiesen wird. Die betreffende Stelle der Darbietung ist nicht mehr zu retten. Sie wird wiederholt und schließlich in der Nachbearbeitung ungeschehen gemacht.
Die nächstschlimmere Panne, die auf der Bühne passieren kann, ist dann auch gleich die größtmögliche, die dem Einzelnen technisch-künstlerisch überhaupt passieren kann, sie ist Gegenstand von Albträumen und Traumata: das Blackout. Der Texthänger, der sich zu einer völligen Lähmung des Hirns ausdehnen kann. Wie man immer wieder hört (und in dem Musical „Mame“ auch gezeigt bekommt), sind die armen Opfer dieser Unpässlichkeit so vollständig in ihr gefangen, dass ihnen nicht einmal mehr die Souffleuse helfen kann: auch das Gehör fällt dann aus. Das Text-Blackout ist am Mikrofon schon deshalb unmöglich, weil ja der gesamte Vortrag vom Blatt geschieht. Doch auch hier können sich Dinge zutragen, die den Produktionstag zum erliegen bringen. Eine Kollegin, an die ich mich erinnere, betonte zum Beispiel das Wort „Alkohol“ auf der letzten Silbe. Als man sie darauf hinwies, es müsse stattdessen die erste sein, konnte sie das nicht ändern, und auch das unermüdliche Vormachen der richtigen Aussprache durch Regisseur und Tonmeister half nicht. Der Tag endete ohne eine brauchbare Aufnahme des Wortes „Alkohol“. Versprecher erschüttern in beiden Sphären das Selbstbewusstsein und die Souveränität. Man merkt das zum Beispiel daran, dass es in den Nachrichten im Radio selten nur einen einzelnen Versprecher gibt. Wenn ein Ausrutscher geschieht, folgt in der Regel noch mindestens ein weiterer, weil die Routine des fließenden Vortrags sich erst wieder fangen muss. Den vor Publikum künstlerisch arbeitenden Darsteller trifft das wesentlich härter. Dort erschüttert ein Versprecher nicht nur die Routine, er untergräbt die Selbstsicherheit. „Es ist als würde man aus dem Nichts eine Ohrfeige bekommen“ (Joachim Meyerhoff). Die niedrigeren unterschiedlichen Schweregrade gibt es am Mikrofon wie auf der Bühne: den Verhaspler und den sinnentstellenden Wort-Dreher. Der „das Stück komplett vor die Wand fahrende Katastrophen-Versprecher“ allerdings ist ein „Martyrium wie es nur wenige Berufe zu bereiten vermögen“. Die Tätigkeit des Sprechers sollte nicht dazugehören.
betr.: 100. Jahrestag der Veröffentlichung von „Der Zauberberg“* / Hörspielfassung auf BR2 und in der ARD Audiothek
Und weil’s so schön ist: auch auf das Hörspiel nach der berühmten Vorlage soll noch einmal hingewiesen werden, mit allen Infos auf einen Blick. Auf die Wiederholung der TV-Verfilmung des „Lindenstraße“-Produzenten Hans W. Geissendörfer wird im aktuellen Trend übrigens verzichtet, obwohl sich ein solcher Beitrag im Festtagsprogramm gut machen würde. (Das muss gar kein abfälliges Werturteil sein, denn dazu müsste man den Anlass in unseren TV-Redaktionen ja immerhin ernst nehmen.)
BAYERN 2 RADIO REVUE Bayern 2 Hörspiel
„Der Zauberberg“ von Thomas Mann Hörspiel in 10 Teilen
Erste Folge: Mittwoch, 25.12.2024 20:03 bis 21:00 Uhr
Mit Udo Samel, Horst Sachtleben, Konstantin Graudus, Hans-Werner Meyer, Felix von Manteuffel, Friedhelm Ptok, Oliver Stokowski, Angelika Bender, Christiane Bachschmidt und anderen Komposition: Michael Riessler Regie: Ulrich Lampen BR 2000 Verfügbar ab 20.12. in der ARD Audiothek und als CD-Edition bei Der Hörverlag
Der Zauberberg, der 1924 erschien, ist ein Jahrhundertroman. Gerhart Hauptmann schrieb während der Lektüre an den Verleger Samuel Fischer: „Ich bin überzeugt, dass, wenn er sich fortsetzt wie bisher und an epischer Ruhe, Haltung und innerem Reichtum nichts verliert, er unter die wenigen Meisterwerke seiner Gattung zu rechnen ist“. Der Bayerische Rundfunk präsentiert nun eine zehnstündige Radiofassung des „Zauberbergs“ mit Udo Samel als Erzähler und Konstantin Graudus in der Rolle des Hans Castorp. Hans Castorp reist eigentlich nur für drei Wochen nach Davos, um einen kranken Vetter zu besuchen. Doch dann diagnostiziert Hofrat Behrens ein Lungenleiden, und der Aufenthalt des jungen Ingenieurs zieht sich über sieben Jahre hin. In Davos begegnet Castorp seinen zwei Erziehern, die allerdings nicht unterschiedlichere Positionen vertreten könnten. Lodovico Settembrini, ein gewandter, höflicher, italienischer Freimaurer, ist ein Vertreter der Aufklärung. Sein starker Hang zur Pädagogik erschwert jedoch den Umgang mit ihm. Als sein Gegenspieler tritt Leo Naphta auf, ein Jesuit und Kommunist, für den Georg Lukács als Vorbild diente. Und Castorp begegnet der schönen Russin Clawdia Chauchat, die ihn an seine homoerotische Neigung zu einem Schulkameraden erinnert. Nach Monaten wagt er es in der Faschingsnacht, sie anzusprechen. Die Russin erhört ihn, doch schon am nächsten Tag muss sie abreisen. Zwar kehrt sie zurück, doch zur großen Enttäuschung von Castorp in Begleitung von Mynheer Peeperkorn, einem reichen Lebemann, der aber von einem Fieber ausgezehrt ist. Gerhart Hauptmann gab für diese imposante Erscheinung das Vorbild ab. Der Selbstmord von Peeperkorn sowie ein Duell von Naphta und Settembrini läuten das Ende des „Zauberbergs“ ein. Der 1. Weltkrieg setzt den „Siebenschläfer“ Castorp vor die Tür. Der Roman endet auf einem namenlosen Schlachtfeld.
1. Teil: Eintritt des vom Examen erschöpften Hans Castorp in die Welt des Sanatoriums. Sein Vetter Joachim klärt ihn über die Gesellschaft und ihre Regeln auf. Castorp begegnet zum ersten Mal dem scharfzüngigen Literaten Settembrini. (53’10)
2. Teil: Madame Chauchat, die schöne Russin, erregt Aufsehen. Castorp akklimatisiert sich, er hat Anzeichen von Fieber und fühlt sich schwach. Er entwickelt die Theorie, dass Krankheit eine Art von Verfeinerung darstellt. Bei einer Bergwanderung befällt ihn ein heftiges Nasenbluten. (53’15)
3. Teil: Castorp lässt sich endlich untersuchen. Behrens stellt ein Lungenleiden fest. Castorp, der sich in Chauchat verliebt hat, bleibt also. Settembrini diagnostiziert eine erste Entfremdung vom gewöhnlichen Leben und die Anpassung Castorps an die ausgesetzte Zeit des Zauberbergs. (53’15)
4. Teil: Nachdem er drei Wochen liegend eine Erkältung auskuriert hat, kehrt Castorp in den Ess-Saal zurück. So kann er für Frau Chauchat die Tür öffnen. In den Zimmern von Hofrat Behrens sieht er das Ölporträt der Angebeteten. (53’30)
5. Teil: 7 Monate ist Castorp schon in Davos. Er liest anatomische Lehrbücher und besucht die Todkranken. Beim Fasching tanzt er mit Chauchat, die er einfach zu duzen beginnt. Aber schon am nächsten Tag wird sie abreisen. (53’10)
6. Teil: Castorp hat als Pfand von Chauchat eine Röntgenaufnahme bekommen. Der Jesuitenschüler und Kommunist Naphta tritt auf und befindet sich sogleich im Streit mit Settembrini um Gott und die Welt. Der italienische Literat sorgt sich um die geistige Unversehrtheit Castorps. (49’45)
7. Teil: Ein ganzes Jahr schon wohnt Castorp im Sanatorium. Der Vetter Joachim Ziemßen reist gegen den Rat der Ärzte ab, und auch Castorp wird von Behrens freigegeben. Er bleibt. Die Familie schickt einen Onkel, um nach dem verlorenen Sohn zu schauen. Doch der Onkel flieht nach wenigen Tagen Halsüberkopf. Bei einem Schneesturm kommt der mutwillige Castorp fast ums Leben. (53’10)
8. Teil: Castorp erfährt von Naphta, dass Settembrini einer Freimaurerloge angehört. Der Vetter Joachim kehrt zurück, ernster erkrankt als bei seiner Abreise. Innerhalb weniger Monate stirbt er. Auch Chauchat trifft wieder ein, in Begleitung des Holländers Peeperkorn. Sie macht beide Verehrer miteinander bekannt. (53’30)
9. Teil: Die imposante Erscheinung Peeperkorn hat eine starke Wirkung auf Castorp, was Clawdia Chauchat irritiert. Im Gespräch muss Castorp ihm alles von der Faschingsnacht mit Chauchat erzählen. Wegen seiner Impotenz begeht Peeperkorn Selbstmord. (53’30)
10. Teil: Der große Stumpfsinn beginnt. Castorp bekämpft seine Langeweile mit Kartenlegen, einem Grammophon, dann mit Seancen. Naphta erschießt sich beim Duell mit Settembrini. Der Ausbruch des 1. Weltkriegs beendet Castorps siebenjährigen Aufenthalt. (53’50)
Thomas Mann (1875-1955) zog nach dem Tod seines Vaters mit seiner Mutter 1893 von Lübeck nach München. Dort war Thomas Mann zunächst Volontär einer Versicherungsgesellschaft. 1898 arbeitete er als Redakteur beim „Simplizissimus“. Nach Stationen in Oberammergau, Tölz, Davos, lebte er von 1914 bis 1933 wieder in München. 1929 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Mann emigrierte 1933 über Holland, Belgien und Frankreich in die Schweiz. 1939 folgte er einem Ruf als Professor an die Princeton University (USA), später zog er nach Kalifornien. Während des Zweiten Weltkriegs nutzte er die BBC für Rundfunkansprachen, in denen er das Hitler-Regime scharf angriff. Ab 1952 wohnte er in der Nähe von Zürich. Wichtige Romane und Erzählungen sind „Die Buddenbrooks“ (1901), „Tonio Kröger“ (1903), „Der Tod in Venedig“ (1912), „Der Zauberberg“ (1924), „Josef und seine Brüder“ (1933-1943), „Dr. Faustus“ (1947) und „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ (1954). ___________ * Siehe auch https://blog.montyarnold.com/2024/11/20/100-jahre-zauberberg/ und https://blog.montyarnold.com/2024/11/10/26657/
Max Linders Fußstapfen im amerikanischen Slapstick
betr.: 107. Geburtstag von Robert Youngson
Robert Youngson hat mit seinen Dokumentar- und Kompilationsfilmen ganz wesentlich dazu beigetragen, den verdienten Ruhm der Stummfilmkomödie ins späte 20. Jahrhundert – und damit in unsere Tage hinein – zu retten. In den frühen 60er Jahren brachte er die ersten wichtigen Kinocollagen zum Thema heraus und setzte die Wiederentdeckung von Laurel & Hardy in Gang. Mit „Laurel & Hardy’s Laughing Twenties“ („Laurel & Hardy im Flegelalter“) etablierte er die Praxis des Zusammenfügens und Kommentierens kürzerer und längerer Ausschnitte zu einem servierfähigen Programmangebot. Ganz neue Generationen von Fans wurden an die Stummfilm-Comedy herangeführt, auch als der britische Komiker Bob Monkhouse das Prinzip mit „Als die Bilder laufen lernten“ („Mad Movies“, 1965-67) ins Fernsehen mitnahm, das bald in aller Welt weitergeführt wurde.* Ohne diese oft als respektlos geschmähte Art der Wiederverwertung wäre Hollywoods Slapstick-Ära heute nur noch einer Handvoll sozial isolierter Privatsammler überhaupt ein Begriff! Nicht einmal die berüchtigten „Nerds“ würden sich dafür interessieren.
Im Grunde gibt es in Youngsons Arbeit nur eine schmerzliche Blindstelle: Max Linder, den ersten Filmstar der Slapstick-Komödie. In „Jubel, Trubel, Sensationen“ („Days of Thrills and Laughter“) verkündet der Erzähler zwar, die „ersten kleinen Filmkomödien“ seien aus Frankreich gekommen, zeigt und erwähnt Linder jedoch nicht. Dessen Versinken in der Vergessenheit hatte bereits eingesetzt.
Dabei war Linder, ehe sein Werk 1925 abriss, in Hollywood durchaus gewürdigt worden. Durch die offen erklärte Wertschätzung, die ihm Charles Chaplin zuteilwerden ließ – unzweifelhaft der Hauptvertreter dieser Zunft und damals der berühmteste Mensch der Welt – dürfen wir davon ausgehen, dass man sich der Bedeutung von Linders Pionierarbeit allgemein im Klaren war.
Sein Einfluss ist universell. Doch wieviel von Max Linders Humor hat es in das Werk Laurel & Hardy geschafft? Im Gegensatz zu den halsbrecherischen Sujets solcher Kollegen wie Larry Semon oder Buster Keaton, bespielten Stan und Ollie mit Vorliebe das gesellschaftliche Parkett, auf dem sich auch Max Linder eingerichtet hatte (also: die Innendekoration). Doch während Max, der leichtlebige Bonvivant, buchstäblich in jedem Film eine neue, in der Regel gut betuchte Verehrerin vor den Kopf stieß, waren Stan und Ollie lediglich bestrebt, in die feineren Kreise und zu den Herzen der dortigen Damenwelt vorzudringen. Was der eine den Frauen an schlechten Manieren und egomanischen Eskapaden zumutete, das bekamen die anderen zurückgezahlt: von einer ganzen Riege großartiger Komödiantinnen aus dem Roach-Ensemble, die als ihre zänkischen Ehefrauen auftraten.
Als Laurel & Hardy 1939 nach Paris reisten – wenn auch nur in ein im Studio nachgebautes – war Max Linders Welt der Belle Époque längst untergegangen. Der Beginn von „The Flying Deuces“ zeigt uns Ollie in einer Situation, bei der ihn Linder gut hätte beraten können: seine Angebetete gesteht ihm per Brief, dass sie einen anderen liebt. Daraufhin will Ollie ins Wasser gehen – in die Seine. Stattdessen landen Stan und Ollie schließlich in der Fremdenlegion.
betr.: 82. Jahrestag der Uraufführung des Films „Casablanca“
Unter https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/casablanca diskutiere ich mit meinem jüngeren Kollegen Torben Sterner im Rahmen des Podcasts „Alle 42 Kultfilme“ über die heutige Wirkung desjenigen Titels, der in seiner Dreifaltigkeit aus Klassiker, Kultfilm und geflügeltem Wort alle anderen überragt. Dieser Status bringt es mit sich, dass längst nicht alle „Casablanca“ tatsächlich kennen, die ihn an- oder seine zahllosen klassischen Dialogzeilen im Munde führen. Das ist schade, denn er ist tatsächlich noch immer berührend und amüsant. Sogar ein Film, der ihn und seinen ikonischen Hauptdarsteller Humphrey Bogart sowie eine der besagten Regewendungen parodiert, hat es zu Kultstatus gebracht: „Mach’s noch einmal Sam“ („Play It Again, Sam“) von 1971 auf der Basis eines Theaterstücks von Woody Allen und mit diesem in der Hauptrolle (wenn auch unter fremder Regie). Mit diesem Film wird sich unser Podcast im Januar beschäftigen, wenn uns die nach deutschen Titeln grob alphabetische Reihe dorthin führt.
Im Drama „Mehr denn je“ hatte ich ein skurriles déja-vu. Der Film handelt von einer todkranken jungen Frau (Vicky Krieps), die im Internet eine Brieffreundschaft zu einem Leidensgenossen aufnimmt, dessen pragmatisch-unweinerlicher Blog ihr Kraft gibt. Der schriftliche Dialog geht in einen Chat über. Sie bittet, ihn in Norwegen besuchen zu dürfen – um ihn persönlich kennenzulernen, aber auch, weil ihr diese Reise eine Flucht aus dem sehr eng gewordenen Alltag verspricht. Ihrem loyalen, liebenden Mann (Gaspard Ulliel) trotzt sie ab, diese Reise allein zu unternehmen. Bei ihrem Gastgeber angekommen, erfährt sie, dass sein einsam gelegenes Haus in einem großen Funkloch liegt. Das war abzusehen, wurde aber nicht vorab geklärt, da beide weniger Banales zu bereden hatten. Und so muss die Heldin einen Hügel erklimmen, den „Reception Hill“, um ihren Mann zu erreichen, der sich schon über den abgebrochenen Kontakt sorgt. Als sie den Hügel erreicht, sitzen dort viele Menschen im Gras und telefonieren vor sich hin. Das ist ebenso naheliegend wie die Information mit dem Funkloch, und ebenso überraschend für uns. Oder jedenfalls für mich: ich hatte mich abermals von diesem alltäglichen Aspekt ablenken lassen. Diese Szene ereignet sich zu Beginn des zweiten Aktes und ist nicht übermäßig wichtig, ist keine Schlüsselszene. Aber sie hat mich sehr berührt. Auch deshalb weil sie mich an das ergreifende Schlussbild aus „Fahrenheit 451“ denken ließ. Es zeigt die „Book People“, die sich vor einem Regime, das das Lesen verboten hat und Bücher verbrennt, in die Einöde geflüchtet haben, um dort ihre Lieblingswerke auswendig zu lernen und sie so durch diese finstere Zeit hindurch zu bewahren. „Plus que jamais“ vollbringt noch weitere Wunder, und die meisten davon werden auch jenen einleuchten, die bei der Hügel-Szene nicht auf so merkwürdige Vergleiche kommen. Man kann zum Beispiel darüber staunen, dass ein großer Konflikt keinen Bösewicht haben muss. Und selbstverständlich muss man nicht krank oder verzweifelt sein, um diesen Film zu mögen.
„Das Haus an der Stör“ (1963), in dem die Hamburger Schauspielerin Helga Feddersen einen frühen beachtlichen Auftritt hat, hat sich als Archivperle in milder Rotation im linearen Fernseh-Angebot erhalten. Es ist eine besonders beliebte Folge der historischen deutschen Krimiserie „Stahlnetz“ (1958-68). Die Fälle waren in sich abgeschlossen, die Kommissare wechselten. Diesmal ist der Charakterkomödiant Rudolf Platte an der Reihe, der sich mit einer jungen Kollegin auf eine Zugfahrt vom schleswig-holsteinischen Itzehoe nach Bad Tölz begibt, um einen alten Fall wieder aufzurollen. Fast die gesamte Handlung wird auf der langen Bahnfahrt in Rückblenden erzählt, die wiederum hauptsächlich „Bilder von sprechenden Menschen“ zeigen (wie Hitchcock diese Kammerspielsituationen etwas abfällig nannte). Der Reporter Jürgen Roland, der dank dieser Serie zum lebenslang gefeierten TV- und gelegentlichen Kinoregisseur aufstieg, war sich dieser Problematik bewusst. Und so ordnete er seinem Bestreben, keine bildgestalterische Langeweile aufkommen zu lassen, alles andere unter. Seine Figuren dürfen niemals stillsitzen. Die beiden Fahrgäste müssen immerzu aufstehen, auf den Gang hinaustreten, wo sogleich eine Karawane von Mitreisenden an ihnen vorbeidrängelt, müssen das Fenster auf- und wieder zumachen. Komparsenbesuche im Abteil sorgen für zusätzliche Funktionsdialoge. Rudolf Platte, der auch in den Rückblenden agiert, ermittelt meist nicht stehend oder sitzend, sondern muss mit Ernst H. Hilbich von dessen Verkaufsstand auf der Mönckebergstraße zur Wurstbude hetzen und eine Wurst kaufen, die dann keiner isst, Harry Wüstenhagen beim Flaschenputzen helfen, mit Friedrich Schütter einen Tatort begehen, den er schon einmal begangen hat. Alle gehen während der Befragung umso emsiger ihren jeweiligen Berufen nach. Selbst in seinem Büro kommt Platte nicht zur Ruhe, es wird ständig herumgestromert und mit der Zeugin („Ich helf Ihnen.“) Kaffee gekocht, den dann keiner trinkt. Die ohnehin stetig wechselnden Schauplätze – in jedem von ihnen wohnt ein illustrer Stargast – werden nach Kräften durchmessen, erwandert, erschlossen. Die meisten dieser Kulissen wirken so realistisch wie man es sich bei diesem dokumentarischen Serienformat wünscht, nur der Ohnsorg-Star Henry Vahl als Gerichtsmediziner wird in ein expressionistisches Totenkopfkabinett gesetzt, in dem sich Dr. Mabuse zu Hause gefühlt hätte (auch die dämonische Beleuchtung von unten hätte ihm gefallen).
Der erkennbare gute Wille ist nicht unsympathisch, und unzweifelhaft war Jürgen Roland mächtig stolz darauf. Doch seine Mühen lassen den Krimiklassiker zum skurrilen Kabinettstückchen verschrumpeln. Helga Feddersens Auftritt als Schneiderin gegen Ende des Films ist auch deshalb so gelungen, weil sie die ihr auferlegte Umtriebigkeit sehr charmant unterspielt. (Der knallige Kollege Hilbich zeigt uns das andere Extrem.) Wer dem Film etwas Gutes tun will, kann ihn als „Rail Movie“ betrachten, das die Erfindung bzw. Ausdefinition des „Road Movie“ durch „Easy Rider“ (1968) vorwegnimmt.
Der ARD-Krimi-Hörspiel-Podcast „Kein Mucks!“ ist wieder da! Und das ist eine gute Nachricht, zumal die „Sommerpause“ mit einem knappen halben Jahr diesmal verdächtig lang ausgefallen ist. Wie sich das gehört, hat Bastian Pastewka ein weiteres Update seiner endlos langen, kugellustig gemeinten Intro-Collage zusammengezimmert, doch diesmal klingt sogar er selbst etwas angestrengt. Der extradicke Übereifer seines Moderationsstils (weniger wäre schon immer mehr gewesen) ist wackerer öffentlich-rechtlicher Routine gewichen. Immer wieder in dieser Ausführlichkeit erklären zu müssen (oder zu wollen), worin das recht simple Konzept dieses Podcasts besteht, ist besonders mühsam, wenn man es so lange nicht gemacht hat. Und „Der Tod greift ein“ aus der tutigen „Inspektor Hornleigh“-Serie ist auch nicht gerade ein Kavalierstart in den Krimi-Herbst. (Besonders, wenn der zuletzt gesendete Fall der geniale Dreiteiler „Nachruf auf einen Spion“ gewesen ist!) Schwamm drüber! Handschellen strammziehen und weiter zuhören – mit der alten Vorfreude.
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