Eine Graphic Novel von Monty Arnold
mit Zeichnungen von Stefan Sombetzki


Eine Graphic Novel von Monty Arnold
mit Zeichnungen von Stefan Sombetzki


betr.: 64. Geburtstag von Leander Haußmann
„Es gibt viele Verehrer von Loriot – und einige kennen seine Texte fast auswendig!“ heißt es aus Anlass einer frischen Kino-Aufbereitung der Loriot-Cartoons in einem TV-Beitrag. Da merkt man, wie die Zeit vergeht. Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, da bekam man ebenso ungefragt wie unentwegt Loriot-Sketche heruntergebetet: im Alltag, auf Parties, im Büro. Das vielleicht größte Talent des vielseitigen Knollenmeisters bestand in der Imitationslust, die er in seinem Publikum entfesselte. Seit seinem Ableben haben diese Rezitationsbemühungen nachgelassen.
Im besagten Kulturbeitrag kommt nun Leander Haußmann aus der Deckung und prahlt: „Ich kenne sie alle! [Die Sketche von Loriot] Auf jeden Fall!“ Zum Beweis erinnert er sich an „Herren im Bad“: „‘Ich lasse jetzt die Ente zu Wasser!‘ Das ist der entscheidende Satz!“
Mo-ment! … wird der Satz wirklich so gesagt? Nach meiner Erinnerung (ich bin nämlich auch einer von diesen unausstehlichen Loriot-Auswendigkennern, übe es aber nicht aus!) versucht Herr Dr. Klöbner wortlos, die Ente zu Wasser zu lassen, woraufhin Herr Müller-Lüdenscheidt ausruft: „Die Ente bleibt draußen!“ Später überlegt er es sich anders und sagt genau umgekehrt: „Sie lassen sofort die Ente zu Wasser!“ …
Um es genau zu wissen, werden wir jetzt wohl ins Kino müssen!
betr.: 120. Geburtstag von George Orwell
Der ORF hat auf seinem famosen Kulturkanal Ö1 in der vergangenen Woche, die dem o. g. Jahrestag voranging, seine winzige werktägliche Rubrik „Gedanken für den Tag“ einer Serie gewidmet, in der die Medienethikerin und Theologin Claudia Paganini über George Orwell nachdenkt. Aufgrund eines technischen Fehlers lässt sich diese Rubrik nicht nachhören, was normalerweise mit dem gesamten Programm von Ö1 sieben Tage lang und somit noch dieses Wochenende möglich ist. Das ist nicht ohne Ironie, hat doch Orwell in seiner wichtigsten Dystopie „1984“ auch den Medien den gebührenden Platz eingeräumt.
Eine Empfehlung, die Reihe in einem Rutsch nachzuhören, kann ich daher leider nicht aussprechen, dennoch sei Ö1 einmal mehr leidenschaftlich gepriesen.

Und das haben wir verpasst:
1. George Orwell – Vom Beobachter zum Aktivisten
George Orwell wurde am 25. Juni 1903 als Eric Arthur Blair in der britisch-indischen Provinz Bengalen geboren. Nach dem Besuch von Eliteschulen und einem Studium in England trat Orwell 1922 in den Dienst der „Britischen Polizei“ in Burma ein. Dabei begegnete Orwell der Kolonialherrschaft im Laufe der Zeit zunehmend mit Ablehnung.
Ein besonders erschütterndes Erlebnis war für ihn eine Hinrichtung, deren Zeuge er wurde und gegen die er nichts unternehmen konnte. Weiterlesen
betr.: Werkanfänge mit Theater-, Musik- oder Medienbezug


betr.: 10. Todestag von Richard Matheson
Zumindest auf dem deutschen Buchmarkt ist der Science-Fiction-Autor Richard Matheson ein Phantom. Die vereinzelten Erzählungen, die von ihm in deutscher Sprache erschienen sind, sind entweder lange vergriffen oder in Sammelbänden versteckt, die ihrerseits vergriffen sind. Ganz anders ist es bei Philip K. Dick, der das adäquateste Gegenstück zu Matheson darstellt. Dicks Romane und Kurzgeschichten wurden und werden immer wieder aufgelegt, letztere sind sogar vollständig in einer fünfbändigen Hardcover-Edition versammelt worden.
Matheson und Dick dürften die beiden meistverfilmten und -adaptierten phantastischen Erzähler ihrer Generation sein (Ray Bradbury folgt mit wenigen Lichtjahren Abstand), in Film, TV, Streaming und den noch unbekannten Medien der Zukunft.
Doch während Dick seinem überfälligen Durchbruch zum Weltruhm knapp weggestorben ist – kurz nach der Premiere der Verfilmung seines „Blade Runner“-Stoffes – hat Matheson frühzeitig für das Kino geschrieben oder seine literarischen Arbeiten selbst adaptiert. Das ist für die ungleiche Präsenz im Bücherregal freilich keine Erklärung, denn seine Leser hat er nie vergessen und emsig weiter beliefert.
Die Juniausgabe 1986 des Magazins „The Twilight Zone“ hatte ihn auf dem Titelbild. Das „hat ihm nicht den Kopf verdreht … wohl aber einer Anzahl von Leserinnen“, erinnert sich der Herausgeber J. N. Williamson. „Doch der hochgewachsene, sportliche Richard Christian Matheson kann mit ganz anderen Dingen auftrumpfen als mit seinem beneidenswerten Aussehen. Er ist als Redakteur, Berater oder Drehbuchautor für die Fernsehserien ‚Quincy‘, ‚The Incredible Hulk‘, ‚Simon & Simon‘, ‚Three’s Company‘, ‚Amazing‘ und ‚The A-Team‘ tätig, ferner als Autor einer brandneuen Sammlung mit dem Titel ‚Scars And Other Distinguishing Marks‘ [wieder so ein Buch, das es nicht in die deutschen Regale geschafft hat …]. Richards ansprechendes Äußeres habe ich nur erwähnt, weil ich mir kaum jemanden vorstellen kann, der besser geeignet wäre, um eine Sammlung eigenwilliger und mysteriöser Geschichten (…) vor der Kamera zu präsentieren.“ – Die Art von Anthologie-Formaten, auf die Williamson hier anspielt – Serien, in denen grundsätzlich Mystery verabreicht wird -, sind bei uns erst seit einigen Jahren heimisch geworden – mit Präsentatoren wie William Shatner, Forest Whitaker, Morgan Freeman oder Jonathan Frakes. Die wenigen deutschen Beiträge zu diesem Schema liegen gut 40 Jahre zurück und wurden ohne Moderator präsentiert. Für Richard Mathesons persönlichen Einsatz auf der Mattscheibe ist es zu spät. Für eine Übersetzung und Herausgabe seiner Bücher nicht.
betr.: Sprechen am Mikrofon / Was macht eine gute Hörbuch-Interpretation aus?*
Wenn ich also gefragt wäre, wer auf dem Hörbuchmarkt zum Vorbild taugt, muss ich nicht lange überlegen.
Dietmar Bär ist meiner Meinung nach gegenwärtig der beste der prominenten belletristischen Vorleser. Er gelangte nicht etwa zu diesem Job, weil er ihn (wie auch das Schauspiel) so gut beherrscht, sondern als Nebeneffekt seiner langjährigen Kölner „Tatort“-Hauptrolle. – Ein glücklicher Zufall also. Unter den Krimis, die man ihm auf dieser Basis meint, zutrauen zu dürfen, befindet sich mitunter richtige Literatur, die so geschäftstüchtig ist, sich als Krimi auszugeben. Dazu zählt die „Millennium-Trilogie“ von Stieg Larsson. Wenn nicht andere Titel aus einzelnen Erwägungen näher liegen, empfehle ich meinen männlichen Schülern diese leider gekürzte Lesung von 2009 immer zuerst.
Auf diese Weise erfuhr ich erst von der Alternative, die mittlerweile auf dem Markt ist. „Millennium“ wurde nämlich unterdessen auch von Dietmar Wunder eingelesen, und das ist ein sehr interessanter Fall!
Hörprobe Dietmar Bär (© by Schall & Wahn)
Hörprobe Dietmar Wunder (© by Schall & Wahn)
Dietmar Wunder wiederum ist einer der besten männlichen Hauptrollen-Sprecher der Berliner Synchronbranche, beinahe schon eine Klasse für sich. Da zu seinen Stammschauspielern auch Daniel Craig zählt und dieser in einer soliden aber letztlich überflüssigen Neuverfilmung des ersten „Millennium“-Bandes die Hauptrolle spielte, war es unausweichlich, dass man Dietmar Wunder anbot, auch von Dietmar Bärs Hörbuch ein Remake vorzulegen. Dagegen ist natürlich gar nichts einzuwenden, zumal die zweite Version nunmehr den ungekürzten Text bereithält. Darüberhinaus lohnt ein Vergleich – gerade deshalb, weil Dietmar Wunder ein so versierter Sprecher ist.
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mit Zeichnungen von Stefan Sombetzki


betr.: 44. Jahrestag des ersten „Garfield“-Strips

Der Kater hat in der westlichen Kulturgeschichte der Zeichenkunst (Katzen sind als Hauptfiguren rar) drei große Phasen durchlaufen: den Feind einer niedlicheren Tierart, der folglich ein Verlierer zu sein hat (Tom in „Tom & Jerry“, Sylvester in „Tweety & Sylvester“ …), den frechen Großstadtkater, der sich die Butter nicht vom Brot nehmen lässt (Trickfilmheld „Top Cat“, Underground-Comicheld „Fritz The Cat“ …) und schließlich den nur scheinbar domestizierten Hedonisten auf vier Pfoten. Als reinster, archetypischer Vertreter der letzteren Gattung sollte sich „Garfield“ erweisen.
Während es der Cartoon-Kater „Heathcliff“ (ab 1973 und optisch Garfield nicht unähnlich) hierzulande nie geschafft hat, wurde Garfield für einige Zeit zu einem Star erst des Comic-Strips, dann der Sammelbände und schließlich des Merchandisings, bald darauf auch der TV-Serie und des Kinofilms. Sein Erfinder war der aus Marion, Indiana Zeichner Jim Davis (* 1945), den man zu Beginn seines Weltruhms noch mit einem Serien-Schauspieler gleichen Namens verwechseln konnte.
1986 freute sich ein Branchenblatt über einen Erfolg, den – je nach Rechenmodell – nicht mal die „Peanuts“ zustandegebracht hätten. Der so heiß geliebte getigerte Brocken ist „frech, fett, faul und filosophisch“, liebt Lasagne und benimmt sich so herrchen- und frauchenverachtend wie die „Besitzer“ echter Katzen es regelmäßig an ihren Lieblingen loben und preisen. So präzise hatten sie es aber noch in keinem Comic nachlesen können! Garfield klopft Sprüche wie „Ich bin nicht übergewichtig, ich bin untergrößig!“ oder „Kaum hast du einen Montag gekillt, kommt schon der nächste!“, die ihn sogleich als waschechtes Kind der Achtziger ausweisen. Er war nicht nur als Strip in vielen Zeitungen und Zeitschriften vertreten, er wurde auch zum Thema ihrer Feuilletons. „Time“ etwa bestaunte die von ihm angerichtete „Küchenapokalypse zerfetzten Geflügels und geritzter Menschen“.
Die von Garfield schwer geprüften Nebenfiguren sind sein junges Herrchen Jon Arbuckle und der Hund Odie („Natürlich ist der Hund der beste Freund des Menschen! Unterdrückte Rassen müssen zusammenhalten!“), ferner das Kätzchen Nermal, das aber nur zu Besuch kommt.
Jim Davis zeigte in Interviews einige Wesenszüge, die nahelegen, er könnte seinen Helden nach eigenem Ebenbilde erschaffen haben. So hat er einen Großteil der zeichnerischen Arbeit seine Assistentin Valette Hildebrand erledigen lassen. Den Vornamen des Protagonisten steuerte Davis‘ Großvater bei, ein „korpulenter Bullenbeißer“ namens John Garfield Davis.
Kater Garfields Ruhm verblasste früh genug, um ihm eine Demütigung besonderer Art zu ersparen. Neben den dummen Gesichtern in Abertausenden viraler Katzenvideos hätte er doch recht feinsinnig und wohlgeraten gewirkt.

Abbildungen: Wolfgang Krüger Verlag Frankfurt
Betr.: 81. Geburtstag von Christof Stählin
Auch ohne meine Lieder ginge die Welt nicht zugrunde. Schön, aber ich möchte darauf hinweisen, dass die Welt ausschließlich aus Dingen besteht, ohne die sie nicht zugrunde gehen würde. Man kann doch nun die Welt nicht einfach so ihrer Bestandteile berauben! Also singe ich.
C.S.
Der verstorbene Tübinger Liedermacher Christof Stählin hat viele junge Kollegen beiderlei Geschlechts unterrichtet und gefördert, in denen seine Kunst und sein Kunsthandwerk fortleben. Gut, das sagt nicht viel aus, befinden sich unter ihnen doch sowohl Sebastian Krämer als auch Bodo Wartke. So halten wir uns vielleicht einstweilen an das ebenfalls hinterlassene Buch „SAGO – Alles, was ein Lied braucht“. Darin geht es um den handwerklich richtigen Weg zu einem guten Chanson. Der folgende Beitrag ist auch auf der Homepage der Christof-Stählin-Gesellschaft aufzuspüren: www.christof-staehlin-gesellschaft.de
Anzapfen
Was ist das? – ein Bierfass. Und so weit sind wir uns mit unseren Nachbarländern einig: Beer barrel – Fût de bière – Fusto di birra. Was aber den Inhalt angeht, da gibt es interessante Unterschiede, die uns Dichtende interessieren sollten. Die europäischen Sprachen haben nämlich ganz unterschiedliche Begriffe für das gefunden, was dort herausgeholt wird: In England sagt man «drafted beer» (wörtlich: «gezapftes Bier»). In Frankreich nennt man das «bière pression» (wörtlich: «Bier unter Druck» oder «Gepresstes Bier»). Die Italiener nennen das Getränk «birra alla spina» (wörtlich: Bier vom Zapfhahn). Und wir Deutsche sagen «Bier vom Fass». Welche Sprache hat – im poetischen Sinne – die beste Bezeichnung gefunden, aus der sich das meiste für die Kunst des Liedermachens lernen lässt?
Der Zapfhahn
Zunächst einmal: Der englische Begriff «drafted beer» benennt die Tätigkeit, die notwendig ist, um an das Bier heranzukommen (zapfen). Dieses Zapfen muss abgeschlossen sein (sonst wäre das Glas ja leer), deshalb das Partizip Perfekt «drafted». Der französische Begriff erklärt den physikalischen Vorgang, der das Bier ins Glas befördert (Druck). Und der deutsche nennt das große Ganze, das das Bier umschließt (Fass). «Bier vom Fass» klingt gleichzeitig ein bisschen adelig, weil das «vom» die Zugehörigkeit des Kleinen zu einem Größeren betont, gleichzeitig aber die Schwere und Macht des Ganzen in das von ihm Genommene zurückgibt. Dies sind gute Begriffe in dem Sinne, dass sie das Gemeinte eindeutig und unverwechselbar beschreiben. Aber im poetischen Sinne ist «birra alla spina» weit überlegen. Warum?
Das italienische Wort bezeichnet ein herausgenommenes Detail, das für das Ganze typisch ist. Der Zapfhahn ist die Stelle, an die der Zapfende seine Hand tun muss, die Stelle, wo man das Glas drunterhalten muss und wo das Bier fließt, wo es sichtbar wird. Der Zapfhahn steht stellvertretend für das große Fass, an dem er befestigt ist. Wenn ich ihn nenne, entsteht es in Gedanken gleich mit, denn ohne Zapfhahn ist das Fass so sinnlos wie der Zapfhahn ohne Fass.