Wie man sowas macht

Anfang des Monats lief „Three Thousand Years Of Longing“ an, der neue Film von George Miller, dessen wichtigstes Projekt die „Mad Max“-Filme sein dürften.
Einst erzählte er einem Filmjournalisten von den unterschiedlichen Absichten, die ihn bei einem Interview antreiben (wohlgemerkt im Interview, nicht unbedingt beim Filmemachen), etwa vom „Kniefall vor dem eigenen Ego“ und von dem Verlangen weiterzuvermitteln, was er gelernt habe: „Da besteht so eine Art Verantwortung, meine ich. Spielberg analysiert dauernd, was er macht. Er arbeitet mit Kindern und verallgemeinert sofort, was er tut. Er sagt dir, warum er so und nicht anders mit Kindern arbeitet. Ich habe viel von ihm gelernt…“
Obwohl Miller das voll Bewunderung erzählt, findet er die exakte Umschreibung für das Gefühl, das mir Spielbergs Filme zuverlässig bereiten: ich fühle mich von diesem Regisseur immer wie ein Kind behandelt. Und zwar wie eines, dem man nach jeder Bevormundung auch noch erklärt, warum man sie so und nicht anders durchgeführt hat. Er macht das, um seine Sub-Botschaft zu unterstreichen und sicherzustellen, was ich den Spielberg-Effekt nennen möchte: Ich bin der Erwachsene, und du nicht. Ohne meine Betreuung wärest du an einem Ort wie diesem völlig aufgeschmissen! – Er meint den Kinosessel.

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Berg- oder Gardinenpredigt

Gegen die Botschaften der Bergpredigt ist ja nun wirklich nichts einzuwenden, aber eine Stelle habe ich nie gutgeheißen: Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halte ihm auch die linke hin!
Ist das nicht eine Aufforderung zur Feigheit? Hat man jemals einen Angreifer dadurch besänftigt, einen Konflikt dadurch beigelegt, dass man sich alles gefallen ließ?

Aber Jesus könnte es ganz anders gemeint haben, habe ich mir kürzlich sagen lassen.
In biblischer Zeit schlug man nur mit der rechten Hand. Die linke Hand galt als unrein. Der Schlag auf die rechte Backe war also nur mit dem Handrücken möglich. Das war eine Geste der Erniedrigung, so schlug ein Herr seinen Sklaven.
Die linke Backe hinzuhalten, wie in der Bergpredigt verlangt, demonstriert: ich bin dir gleichgestellt! Es bedeutet: du kannst mich noch einmal schlagen, aber damit würdest du anerkennen, dass wir auf Augenhöhe sind. So wird es zu keinem zweiten Schlag kommen, denn der Herr wird sich nicht auf die Stufe eines Sklaven begeben. Dann hat die Gewalt ein Ende.

Das hätte mir einleuchten können.
Es liegt in der Natur der Sache, dass man Kindern solche Bilder nicht erklärt.

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Unkraut aus dem Blätterwald

betr.: Ixen für Anfänger

Dieser Screenshot von der Website der „Stuttgarter Zeitung“ wird uns heute als Stilblüte präsentiert. Der belustigende Effekt entsteht aber erst, wenn man die Zeile laut liest und auf dem letzten Wort betont – dann bedeutet sie nämlich: es sitzen zu wenig Ärzte im Knast, angesichts ihrer nicht korrekt ermittelten und aufgearbeiteten Verfehlungen. Journalistisch beabsichtigt ist vermutlich der Sinn, der bei der Betonung des dritten Wortes entsteht: in unseren Justizvollzugsanstalten mangelt es an Medizinern. Auf diese wohlmeinende Betonung ist die Überschrift angewiesen, will sie nicht missverstanden werden – insofern ist sie in der Stilblüten-Spalte ganz richtig aufgehoben.
Überaus Spitzfindige Sarkasten können auch das zweite Wort betonen und damit einem somit unterstellten gesellschaftlichen Klima widersprechen, das davon ausgeht, man habe als Knacki sein Anrecht auf medizinische Versorgung verwirkt, und jeder Gefängnisarzt sei einer zuviel.

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„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (48)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/10/06/19056/

Fortsetzung vom 1.9.2022

Monk konnte es sich nicht leisten, Beautys Stimmbänder heilen zu lassen, weil er weder dessen Sprache noch dessen Stimmlage mächtig war. Doc dagegen hatte eine ungewöhnliche Fähigkeit, die Stimmen und Dialekte anderer Menschen nachzuahmen.
„Wo ist dieser verdammte Beauty?“ brüllte der Playboy wieder. „Ich schlage so lange auf ihn ein, bis er wieder reden kann!“
Doc Savage ahmte die Stimme des Piloten nach. „Ich glaube, wir sind nicht mehr weit vom Ziel.“
Der Playboy presste das Gesicht an ein Fenster und verfluchte abermals sein Missgeschick, das ihn mit Blindheit gestraft hatte.
„Wie sieht’s unten aus?“ wollte er wissen. Doc beschrieb ihm die Szene. Sie befanden sich über einer gewaltigen Ebene aus Packeis, das mit einer Schneeschicht bedeckt war. Einzelne Böen wirbelten den Schnee auf, in der Ferne ragte ein niedriges Gebirge auf.
„Sie sind verrückt!“ kreischte der Playboy. „Sie haben sich verflogen!“
„Innerhalb der nächsten fünfzehn Minuten müssen wir die Stelle erreichen, die Sie als Ziel angegeben haben“, sagte Doc. „Ich habe die Position genau überprüft.“
„Sagen Sie mir Bescheid“, befahl der Playboy. „Sie sollen mir die Gegend beschreiben. Vorläufig kommt mir alles ziemlich sinnlos vor.“
Doc ging wieder zu Monk ins Cockpit. Er hatte sich auf einer Karte den Längen- und den Breitengrad, den der Playboy genannt hatte, mit einem Punkt markiert; eine rote Linie deutete die Strecke an, die sie bereits zurückgelegt hatten. Sie war nicht mehr weit von dem Punkt entfernt, und Monk wunderte sich, denn die Gegend wirkte, als sei sie für die menschliche Besiedlung absolut ungeeignet.
„Die Gegend macht mir den Eindruck, als wäre noch nicht einmal ein Forscher hier gewesen”, bemerkte er bissig.
Doc schwieg. Monk überlegte, wie sie im Fall einer Havarie den Weg zurück in die zivilisierte Welt finden sollten; das Ergebnis seiner Überlegungen stimmte ihn traurig.
„Das ist bestimmt die menschenleerste Ecke der ganzen Erde“, brummelte er. „Da heißt es immer, der Nordpol wäre erforscht, aber das ist bestimmt eine maßlose Übertreibung.“
Doc seltsame goldene Augen starrten aufmerksam nach vorn.
„Dort!“ sagte er plötzlich und deutete mit dem Finger.
Monk griff nach einem Fernglas.
„0 Gott!“ sagte er fassungslos. Er beugte sich vor, um das seltsame Gebilde, das aus Eis und Schnee ragte, besser zu erkennen. „Was … was ist das?“
„Die Blaue Kuppel“, sagte Doc.
Monk blickte verständnislos zu Doc auf.
„Die … was?!“ fragte er.

Nach allen Seiten dehnte sich die scheinbar endlos weiße Fläche, nur direkt vor der Maschine gab es eine Unterbrechung. Hinter einem schmalen offenen Wasserstreifen erhob sich eine Insel, die anscheinend aus einem einzigen, riesigen Felsen bestand, der nicht die geringste Vegetation aufwies. Der Felsen ragte glatt und kalt aus dem Atlantik und wirkte so fest und unerschütterlich wie der Felsen von Gibraltar. Das Meer hatte die Eismassen gegen den Felsen geschoben und sie zermalmt und zu Schollen aufgetürmt, einige waren so groß wie Häuser. Die blaue Kuppel erhob sich wie ein Gebilde aus einer anderen Welt über das Eis und über die Insel und funkelte wie ein blauer Achat, den ein Titan in dämmeriger Vorzeit hier verloren hatte.
Monk starrte auf das Gebilde und schluckte trocken hinunter. Er war plötzlich so heiser, als hieße er wirklich Beauty und hätte seine Stimme eingebüßt. Er räusperte sich.
„Das . . . das ist ungewöhnlich“, stammelte er. „Das habe ich nicht erwartet. Es war also doch schon mal jemand hier . . .“
Abermals schielte er zu Doc; dann begriff er, dass einer der wenigen Menschen, die je in diese Einöde vorgedrungen waren, Doc Savage war. Nicht einmal Doc hätte beim Anblick dieses Gebildes eine solche Gelassenheit zur Schau tragen können — wenn er dieses Gebilde nicht gekannt hätte.
„Doc“, sagte Monk leise.
Der Bronzemann schien ihn nicht zu hören. „Doc!“
Der Bronzemann wandte sich um. Monk packte Doc an der Schulter und rüttelte ihn. „Du weißt, was es ist!“ rief er. „Was ist es?“
Doc antwortete nicht, er fand keine Gelegenheit mehr dazu, denn in diesem Augenblick steckte der Playboy seinen Kopf ins Cockpit und sagte laut: „Ich hab‘ euch gehört!“

Ende des 14. Kapitels

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Der eigene Beruf und seine Folgen

Als ich heute eine meiner Lieblings-Radiosendungen nachhörte, wurde ich Zeuge eines hochinteressanten Smalltalks. Am Ende der Sendung fragte der Moderator den übernehmenden Kollegen, was denn heute so bei ihm geplant sei. Er antwortete, zu Gast erwarte er später eine Psychologin, die in einer Langzeitstudie zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen sei: „Hättest du gedacht, dass der Beruf für unsere Persönlichkeitsentwicklung  viel entscheidender ist als andere wichtige Faktoren wie z.B. die Geburt des ersten Kindes?“
Antwort: „Ich hätte gedacht, sie ist nicht wichtig, weil sie schon auf dem eigenen Charakter aufliegt und auf Vorheriges folgt.“ (Mein Lieblingsmoderator fügte noch mit feiner Ironie hinzu, ihn überrasche, dass es so etwas wie Persönlichkeitsentwicklung überhaupt gebe.)
Da ich die folgende Sendung ja nun schon verpasst hatte, diskutierte ich ein wenig mit mir selbst.
Aktueller Stand: ich glaube, der Beruf, den wir tatsächlich ausüben, hat immensen Einfluss auf unsere Entwicklung. Denn er weicht ja bei vielen von demjenigen ab, den sie sich vielleicht einmal gewünscht haben. Nach meiner Beobachtung kann der tatsächliche Bedarf an Prinzessinnen, Models und Medienschaffenden keinesfalls mit der Zahl derer mithalten, die zu solchen Tätigkeiten bereit wären. Viele haben mir erzählt, sie hätten sich noch nie gefragt, was sie eigentlich werden wollten – „es hat sich einfach so ergeben“. Das ist häufig äußeren Zwängen geschuldet. Aber zu dem Zeitpunkt, da solche Weichen gestellt werden, scheinen andere Themen einfach interessanter zu sein.

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Was ist ein Gopnik?

betr.: SZ-Artikel über „Tracks East“ bei arte

Ein Gopnik (russisch für „Kleinkrimineller“) ist ein halbseidener bzw. krimineller Mensch osteuropäischer Prägung („den dürren Körper im Trainingsanzug mit Wodkaflasche und Zigarette im Mund“). Das habe ich gerade in einem Zeitungsartikel gelernt, der – ebenso wie sein rezensatorischer Gegenstand –  darum bemüht ist, Klischees über Osteuropa „über den Haufen“ zu werfen. Alarmiert las ich weiter. (Warum alarmiert? Weil nach meiner Überzeugung, Klischees – im Gegensatz zu den meisten Vorurteilen – ausnahmslos stimmen! Jedenfalls alle, die ich bis heute überprüfen konnte.)
Der Artikel war dann gar nicht so schlimm, denn ich habe einige einschlägige Metaphern dazugelernt und meine Kenntnisse über „Tristesse und Plattenbau-Elend“ ordentlich ausbauen können. Und schon im zweiten Absatz hielt er einen Trost für all die Nostalgiker bereit, die ohne folkloristische Gruselvorstellungen nicht zurechtkommen (also Leute wie ich): der „Gopnik-Stlye“ sei popkulturell einer der wenigen, „die der Osten nicht vom Westen übernommen hat“.
Na also!

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Wo die Zahnbürste hinkommt

Gestern sprach ich mit einem Freund über die Wirksamkeit von Werbung. Die meisten behaupten ja, dagegen vollkommen immun zu sein. Mein Freund, der beruflich mit dem Thema ein wenig zu tun hat, fand das albern. „Werbung wirkt!“ beharrte er.
Natürlich ist es albern, sich von solchen Einflüssen völlig freizusprechen.
Ich gebe zu, dass zuweilen sogar schlecht gemachte Spots bei mir funktionieren. Ich denke vor allem an die auf ein gerontisches Publikum ausgerichtete TV-Werbung, die sich bei den Öffentlich-Rechtlichen vor den abendlichen Hauptnachrichten als kleine Insel erhalten hat. Da gibt es immer wieder Hinweise auf Präparate, die gegen Blähungen helfen sollen. Ich glaube keine Sekunde, dass irgendein Produkt Blähungen mindert. Trotzdem bin ich nicht unempfänglich für die Reklame, denn inzwischen habe ich sie sehr oft genossen. Sollte ich tatsächlich mal in dieser Angelegenheit zur Apotheke laufen – „für eine ältere Freundin“ oder weil mich das eigene brummende Arschl irgendwann zum Äußersten treibt – was werde ich dann wohl kaufen? Das wirkungslose Mittel, dessen Namen ich auswendig weiß.

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Unerhörtes aus dem Archiv

betr.: 113. Geburtstag von Hans Carste

Als Freund nutzlosen Wissens aus dem Themenkreis „Funk und Fernsehen“ habe ich mir schon bei der ersten Gelegenheit den Namen des Komponisten der Tagesschau-Fanfare gemerkt: Hans Carste. Erst viel später schnappte ich auf, dass es ein Rahmenwerk dazu gibt. Der Komponist hat die Tonfolge gar nicht als Jingle konzipiert, sondern als Abschluss einer sinfonischen Dichtung. Der Titel „Hammond-Fantasie“ verrät uns ihr charaktervolles Solo-Instrument: eine Orgel, die vor allem im Jazz und in der Popmusik der Nachkriegszeit zu Hause ist – und auch dort auf viele Ohren etwa so anheimelnd wirkt wie ein Dudelsack. Die Hammond-Orgel – sie ist im ursprünglichen Arrangement des Tagesschau-Openings tatsächlich noch zu hören – lässt ahnen, dass es sich um eine reichlich kuriose Komposition handeln könnte.

So sah der Meister aus – das besprochene Werk findet sich leider nicht in dieser Sammlung „unvergänglicher Melodien“.

Da ich für sinfonische Dichtungen (besonders für kuriose) eine Schwäche habe, habe ich mir das achtminütige Stück bei einem Radio-Wunschkonzert geordert und sauber fürs eigene Archiv mitgeschnitten (man findet es in kleinerer Auflösung freilich auch auf YouTube).
Die emotionale Wirkung, die der Genuss der „Hammond-Fantasie“ über große Lautsprecher auf mich hatte, kann ich kaum beschreiben. Mein Kopfkino lief auf Hochtouren. Immer wieder musste ich auflachen –nicht aus Spott, sondern weil ich mich so gut amüsierte. Die Blechbläser im Mittelteil klingen sehr nach Wirtschaftswunder-Jazz, doch die Partitur ist so elegant, dass sich das Stück souverän aus der Kleinbürgerlichkeit dieser Assoziation erhebt.
Hans Carstes „Hammond-Fantasie“ ist ein Meister- und Kabinettstückchen zugleich, ein ganz großer Hit von der Größe und Kostbarkeit des „Warschauer Konzerts“ von Richard Addinsell mit dem Unterhaltungswert der Stummfilmmusik von Fred Strittmatter und Quirin Amper jr.: es ist skurril und unbeugsam (aber niemals „humorig“!), es ist sinfonischer Slapstick. 

Der in Wien ausgebildete Hans Carste war ein gutbeschäftigter Unterhaltungs- und Filmkomponist  im Dritten Reich, außerdem frühes Parteimitglied. Er musste dennoch an die Ostfront, wo er schwer verwundet in Gefangenschaft geriet. Dort soll die erste Niederschrift der „Hammond-Fantasie“ entstanden sein.
In der Bundesrepublik machte Carste später eine beachtliche Karriere – etwa beim RIAS und bei der GEMA – und bleibt ferner als Schöpfer solcher Schlager wie „In der Schweiz“ und „Küß mich (bitte, bitte küß mich!)“ in Erinnerung.
Carste starb 1971. Allein die sechs Tönchen der Tagesschau haben seiner Witwe Grit-Sieglinde noch bis ins neue Jahrtausend hinein eine monatlich vierstellige GEMA-Ausschüttung beschert.

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Werden Übersetzer wirklich so schlecht bezahlt?

Die unverzichtbare und künstlerisch anspruchsvolle Tätigkeit des Übersetzers wird weder ausreichend gewürdigt noch gut bezahlt, darüber herrscht allgemeine Einigkeit. Näheres dazu erzählten dem hr in Interviews Zwei, die es wissen müssen: Gisbert Haefs* und Conny Lösch.

Lösch räumt ein, dass sich hinsichtlich der Bewertung ihrer Tätigkeit viel getan hat: „In den 80er Jahren wurde noch  zwischen ‚hoher Literatur‘ und ‚Unterhaltung‘ unterschieden. Wer etwa Krimis übersetzte, wurde teilweise nur im Kleingedruckten genannt und ganz miserabel bezahlt.* Das war der Qualität der Übersetzungen wiederum nicht förderlich.“
Aber wieviel bekommt man heute?
„Pro Normseite wird ein Honorar vereinbart, dass zur Zeit zwischen 14 und 25 Euro liegt. – 14 Euro ist eigentlich absolut indiskutabel, unabhängig vom Inhalt, aber ich weiß, dass das vereinzelt noch so gemacht wird. Ab 20 Euro kann man sich damit blicken lassen. Es können noch Tantiemen dazukommen …“ Gisbert Haefs gibt zu bedenken: „Wer einen 400-Seiten-Roman übersetzt und für eine Seite karge 15 Euro bekommt, hat 6000 Euro verdient. Der unbekannte deutsche Autor, der einen 400-Seiten-Roman schreibt, kann froh sein, wenn er auch nur halb so viel als Vorschuss bekommt. Ich glaube auch, Verlage würden sowohl Übersetzern als auch Autoren gern mehr bezahlen, wenn sie denn könnten. Einer meiner dickeren historischen Romane kostete vor der Einführung des Euro 45 Mark. Damals kostete die Pizza 7 Mark. Die kostet heute 7 Euro, ein vergleichbares Buch 19 Euro 95. Der Kuchen von dem Autoren / Übersetzer / Herstellung / Verlage / Buchhandel leben können, ist immer kleiner geworden.“
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* Siehe auch https://blog.montyarnold.com/2022/04/08/20400/
** Ein prachtvolles Beispiel aus den frühen 70er Jahren läuft in diesem Blog als Serie: https://blog.montyarnold.com/2021/10/06/19056/

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Peter Kreuder auf Schatzsuche

betr.: 64. Jahrestag der Premiere der Kreuder-Operette „Madame Scandaleuse“

Während ihre schwedischen Landsleute Zarah Leander ihre guten Kontakte zu den Nazis sehr verübelt haben, war ihr in der jungen Bonner Republik eine Fortsetzung ihrer großen Karriere beschieden – lediglich verringert um den silbrigen Glamour der großen Leinwand und heimgesucht von der zunehmenden Schludrigkeit der matronenhaften Diva.
Auch in Wien war sie weiterhin beliebt. Der Titel ihrer 1958er Musik-Komödie „Madame Scandaleuse“ von Peter Kreuder dichtet das in ihrem Evergreen „Yes Sir!“ umschriebene Rollenfach weiter: die Frau, die sich – je oller, je doller – die Butter nicht vom Brot nehmen lässt.
Auch Kreuder hat sich mit den Nazis sehr gut verstanden, aber als Komponist war er ein Mann des Hintergrunds, bei dem das Publikum sich für solche Details noch weniger interessierte.

Kreuder hat unzählige Hits geschrieben, doch einer seiner größten Einfälle könnte eine Ausgrabung gewesen sein. Die Johann–Strauss-Operette „Blindekuh“ war im Dezember 1878 nach 16 Aufführungen abgesetzt worden. Es könnte am Libretto gelegen haben: eine verwirrende Angelegenheit, in der unentwegt neue Identitäten angenommen werden. Als sich am Ende alles wieder eingerenkt hat, fragt eine der Hauptpersonen, wieso man sich eigentlich diese Mühe gemacht habe, das Versteckspiel wäre doch gar nicht nötig gewesen. Das soll das Publikum auch so empfunden haben. 
Von „Blindekuh“ gibt es nicht einmal einen Querschnitt, geschweige denn eine Gesamtaufnahme. Immerhin – solche Wiederverwertungen waren üblich – hat Strauss eine Walzerfolge, eine Quadrille und drei Polkas für Orchester aus seinem Werk destilliert.

Wie das bei vergessenen Bühnenwerken manchmal so ist, ist ein Hit daraus hervorgegangen: „Sag beim Abschied leise servus“. Peter Kreuder hat ihn 1936 im Film „Burgtheater“ präsentiert. Die Melodie war ihm in „Blindekuh“ aufgefallen. Das geschah, als Kreuder die Strauss-Operette im Jahr vor dem „Burgtheater“-Film neu bearbeitete. Das Projekt wurde jedoch vom Reichsdramaturgen im Berliner Propagandaministerium abgelehnt. Zunächst war nur überliefert, die Tonfolge sei „in einer Polka“ versteckt gewesen. Und: da eine Polka im Zweivierteltakt gehalten und „Sag beim Abschied leise servus“ nun mal ein langsamer Walzer ist, musste Kreuder sie in den Dreivierteltakt übersetzt haben. Aber wo genau hat er sie aufgespürt? In den genannten Orchesterstücken ist sie ebensowenig enthalten wie in der Ouvertüre.
Der verstorbene WDR-Moderator Xaver Frühbeis fand sie schließlich im Klavierauszug auf Seite 131: in „Sie lachen über mich?“, einem Duett im zweiten Akt, das eine kurze Durchgangspassage enthält. An der Stelle „Mag er lachen – ha ha ha!“ beginnt Kreuders Fundstück. Strauss geht über diesen Einfall hinweg und nimmt ihn nie wieder auf. Welches Potenzial in diesen wenigen Takten steckt, hat erst Peter Kreuder erkannt.

Eine Gesangsaufnahme dieses Liedes existiert nicht. Man findet die Passage in der „Flitterpolka“, die in den 60er Jahren von einem Kapellmeister nach Strauss-Melodien eingerichtet wurde. Die Stelle „Mag er lachen – ha ha ha!“ kommt gleich zu Beginn und ist genauso schnell vorbei wie in der Operette.

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