Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Meckern im Mäusekino – Auflösung

Auflösung des Rätsels vom 1. April

1. Das Ziel des Ausflugs ist von vorneherein ein vornehmer Nachtclub (obwohl es hellichter Tag ist), der Umweg über die Bowlingbahn kommt nicht vor.

2. Es ist Stan, der das Geld beiseitegeschafft und den Trick ersonnen hat und der von seiner Gattin enttarnt wird.

3. Kein Geldsack wird versteckt, sondern ein Geldbeutel.

4. Nicht beide Frauen nehmen das Geld aus dem Versteck, sondern nur Mrs. Laurel (lt. Zwischentitel „Mrs. Pincher“).

5. Die Damen wurden nicht nur versetzt, sondern zum Essen eingeladen und auf der Zeche sitzen gelassen. Die Einladung durch Stan und Ollie ist schon die zweite.

6. Stan wirft den „beruhigenden Blick“ nicht vor dem Essen, sondern als die erste kleine Zahlung für die Schokoladenlady fällig wird. Vorher hat er nur nach der Geldbörse in seiner Jacke getastet.

7. Der Verräter ist kein Nachbar, sondern die regionale Tratschtante, konsequent verkörpert von Patsy O’Byrne und in der ersten ZDF-Fassung „Trine Giftzahn“ genannt. Sie will die Ehefrauen ins Amüsierlokal begleiten, um die Früchte ihres Rufmordes zu genießen, versinkt aber auf dem Weg dorthin in einem tiefen Schlammloch, mit denen die Welt (bzw. die Innenstadt) von Laurel & Hardy so überreich gesegnet ist.

8. Die Küchenschlacht arbeitet mit allerlei Speisen und Geschirr, der Suppenteller bekommt aber als einziger eine lange Nahaufnahme.

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Das Genre der Stunde: der Diktatorenroman

Der „Diktatorenroman“ ist das ureigene Literaturgenre Lateinamerikas, der Gewaltherrscher ist die Schicksalsfigur dieses Kontinents. Gabriel García Márquez, der mit „Der Herbst des Patriarchen“ das krönende Werk dieser Gattung vorgelegt hat, merkte dazu an: „Die einzige Erscheinung von mythologischer Dimension, die uns die lateinamerikanische Geschichte beschert hat, ist die Diktatur.“
„Nicht eine Nation auf diesem Kontinent hat sich dem Phänomen zu entziehen vermocht“, führt Hanjo Kesting in seiner Buch- und Veranstaltungsreihe „Erfahren, woher wir kommen“ weiter aus. „Es ist ein verführerisches Thema. Zunächst weil es von der Macht und ihren Wirkungen handelt, außerdem weil es in Lateinamerika mythologische Dimensionen angenommen hat. Seit den Tagen Simón Bolívars beherrschten zahllose Diktaturen die Länder des südlichen Amerika und wechselten einander so häufig ab, dass sich nur wenige Namen dem Gedächtnis einprägen konnten. Demokratische Strukturen entwickelten sich über anderthalb Jahrhunderte hinweg nur spärlich, Wahlen – wenn sie überhaupt stattfanden – stellten meist eine Farce dar, Machtwechsel wurden in der Regel durch Militärputsche herbeigeführt. Der Grundtypus des Herrschers war der Caudillo – noch der spanische Diktator Franco hat sich so genannt -, eine Bezeichnung die in andere Sprachen kaum übersetzt werden kann. In unterschiedlichen Ausprägungen haben solche Caudillos die Geschichte des ganzen Kontinents bestimmt, und das so tiefgreifend, dass sich um diese Gestalten eine ganz besondere Aura herausgebildet hat. Und immer wieder wurden sie auch zum Gegenstand großer Literatur, zu Hauptfiguren von Büchern wie man sie so nur aus Lateinamerika kennt. So wie sich der Abenteuerroman in England, der Bildungsroman in Deutschland und der psychologische Gesellschaftsroman in Frankreich entwickelt hat, so hat sich in Südamerika in immer neuen Ausprägungen der Diktatorenroman herausgebildet. Als in den späten 60er Jahren der mexikanische Schriftsteller Carlos Fuentes ein Sammelwerk zum Thema ‘Die Väter des Vaterlandes‘ plante, suchte er namhafte Kollegen aus den Ländern Lateinamerikas für das Unternehmen zu gewinnen. Jeder Autor sollte ein Kapitel über die Diktatur in seinem Lande beisteuern. Als die Bitte um Mitarbeit den Peruaner Mario Vargas Llosa erreichte, arbeitete dieser bereits an seinem Roman ‚Gespräch in der Kathedrale‘, der 1969 in Barcelona, also in Europa, publiziert wurde. Augusto Roa Bastos aus Paraguay war mit der Niederschrift des Romans ‚Ich, der Allmächtige‘ beschäftigt, der gleichfalls einen Diktator in den Mittelpunkt stellt und 1974 in Buenos Aires erschien. Und der Kubaner Alejo Carpentier schrieb an dem Roman ‚Die Methode der Macht‘, der ebenfalls 1974 in Mexiko herauskam, ein Jahr vor ‚Der Herbst des Patriarchen‘ von Garcia Márquez. Die zeitliche Koinzidenz ist nicht zufällig. Alle erwähnten Autoren, so unterschiedlich ihre Perspektiven und Schreibweisen sein mochten, lieferte die Wirklichkeit Lateinamerikas Anstoß und Material für ihre Bücher.“ Die jeweiligen Machthaber wurden nicht als Personen karikiert, die Erzählungen versuchten die Essenz dieser Wirklichkeit und ihre Gesetzmäßigkeiten zu ergründen. „Als Ausgangspunkt und Modell gilt allgemein der Roman ‚El Señor Presidente‘ von Miguel Ángel Asturias aus Guatemala, geschrieben 1932, aber erst 14 Jahre später in Mexiko veröffentlicht.“ Die Verzögerung hatte politische Gründe …

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Die wiedergefundene Textstelle: Wohnwelten (4)

betr.: 108. Geburtstag von Robert Bloch

So lebt Norman Bates in Robert Blochs „Psycho“ – nur unwesentlich anders als in der filmischen Version.

Eine Viertelstunde später klopfte sie an die Tür des großen Holzhauses oben am Hang. Im Wohnzimmerfenster brannte nur eine einzige Lampe, doch der erste Stock war hell erleuchtet. (…)
Zunächst konnte [Mary] nicht fassen, was sie da sah. Sie hätte sich nie träumen lassen, dass es einen solchen Raum in der heutigen Zeit noch gab. Selbst bei einem so alten Haus wie diesem fanden sich normalerweise Anzeichen dafür, dass die Inneneinrichtung verändert und verbessert worden war. Aber das Wohnzimmer war nie modernisiert worden. Die Tapeten mit Blumenmuster, die dunklen, kunstvoll verschnörkelten Holzmöbel, der Teppich in Türkischrot, die schweren Polstersessel mit der hohen Lehne und der getäfelte Kamin stammten direkt aus dem letzten Jahrhundert. Es gab nicht einmal einen Fernsehapparat, der deplatziert hätte wirken können, sondern lediglich ein aufziehbares Grammophon auf einem Beistelltisch. (…)
[Mary] folgte [Norman] den Flur entlang, der unter der Treppe hindurchführte. „Ich hoffe, es macht Ihnen nichts aus, in der Küche zu essen“, murmelte er. „Es steht alles bereit. Setzen Sie sich, ich schenke uns Kaffee ein.“
In der Küche sah es aus wie im Wohnzimmer. An den Wänden waren deckenhohe verglaste Geschirrschränke um eine altmodische Spüle mit einer Handpumpe gruppiert. In einer Ecke kauerte ein großer Holzofen, der eine anheimelnde Wärme ausstrahlte. Und auf einem langen Holztisch waren Würste, Käse und hausgemachte Essiggurken in Glasschüsseln einladend angerichtet. Mary kam keinen Augenblick in den Sinn, über dieses Idyll zu lächeln, noch nicht einmal über das unvermeidliche handgehäkelte Motto an der Wand: „Gott segne unser Heim“.

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Lange Sätze – Lesen vom Blatt

betr.: Sprechen am Mikrofon / Übung

Während des Wochenendes fielen die Aasgeier über die Balkone des Präsidentenpalastes her, zerrissen mit Schnabelhieben die Drahtmaschen der Fenster und rührten mit ihren Flügeln die innen erstarrte Zeit auf, und im Morgengrauen des Montags erwachte die Stadt aus ihrer Lethargie von Jahrhunderten in der lauen, sanften Brise eines großen Toten und einer vermoderten Größe. Erst dann wagten wir einzutreten, ohne weder die zerbröckelnden Festungsmauern zu rammen, wie die Beherztesten unter uns forderten, noch das Hauptportal mit Ochsengespannen aus den Angeln zu reißen, wie andere vorschlugen, denn es brauchte einer nur dagegenzustoßen, damit die mächtigen gepanzerten Türflügel nachgaben, die William Dampiers Bombarden in des Bauwerks heldenmütigen Zeiten widerstanden hatten.

Gabriel García Márquez‘ Diktatorenroman „Der Herbst des Patriarchen“ beginnt nicht nur mit zwei langen Sätzen, er besteht ausschließlich aus ebensolangen und noch längeren. Auf der nächsten Seite heißt es etwa:

In dem weiten ersten Innenhof, dessen Fliesen dem unterirdischen Druck des Unkrauts nachgegeben hatten, sahen wir die verwüstete Wachstube der geflüchteten Wachposten, in den Waffenschränken zurückgelassene Waffen, den langen Plankentisch mit den halbgefüllten Tellern des von panischem Schrecken unterbrochenen Sonntagmittagessens, wir sahen den dämmrigen Schuppenbau, in dem die Verwaltungskanzleien untergebracht waren, die farbigen Schwämme und bleichen Lilien zwischen unerledigten Eingabeschriften, deren üblicher Instanzenweg langwieriger gewesen war als die dürrsten Lebensläufe, wir sahen in der Mitte des Innenhofs das Taufbecken, über dem mehr als fünf Generationen mit martialischen Sakramenten christianisiert worden waren, wir sahen im Hintergrund den in eine Remise umgewandelten uralten Marstall der Vizekönige, und wir sahen zwischen Kamelien und Schmetterlingen die Berline aus den Zeiten des Aufruhrs, den Pestkarren, die Staatskarosse aus dem Jahr des Kometen, den Leichenwagen des Fortschritts innerhalb der Ordnung, die schlafwandelnde Limousine des ersten Jahrhunderts des Friedens, alle in gutem Zustand unter staubbedeckten Spinnweben und alle bemalt mit den Farben der Landesflagge.

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Wer ist 300 und hüpft nicht mehr?

betr.: 300. Geburtstag von Giacomo Casanova / 100. Geburtstag von Hans Rosenthal

Zwei sehr runde Geburtstage fallen auf den heutigen Tag, und obwohl der jüngere von beiden, Hans Rosenthal, den älteren im medialen Echo vordergründig weit überholt, haben sich doch beide in den öffentlich-rechtlichen Mediatheken abgelagert und können in der nächsten Zeit mit Muße nachbetrachtet werden.
Zu Giacomo Casanova gibt es zwar kein neu produziertes Biopic, aber immerhin ein paar Programmschwerpunkte. Vor der Lesung des Schauspielers Martin Held (Berlin 1965) wird jedoch an anderer Stelle gewarnt, beruht sie doch auf der „bereinigten, total korrumpierten“ Übersetzung von Heinrich Conrad – so Kai Luehrs-Kaiser, ein ausgesprochener Fan der unbereinigten Casanova-Autobiographie.
Zu welcher sollten wir also greifen, wenn wir nicht den bequemen Weg zur unten erläuterten Lesung zurücklegen möchten?
Die auswahlweise Lesung von Otto Sander (2 mp3-CDs für c.a. 15 Euro), so höre ich, sei nicht nur gut vorgetragen, sondern arbeite auch mit der einzig verlässlichen Übersetzung von Heinz von Sauter, erschienen bei Propyläen.

Das online verfügbare Hörbuch von Martin Held findet sich hier:
https://www.ardaudiothek.de/sendung/giacomo-casanova-geschichte-meines-lebens/14327729/

In „Geschichte meines Lebens“ schildert Giacomo Casanova (1725 – 1798) auf mehr als viertausend Seiten die ersten 49 Jahre seines wechselvollen und ungewöhnlichen Lebens. Mit seinen Memoiren lieferte er ein umfangreiches und einzigartiges Sittengemälde des 18. Jahrhunderts. Sie gehören zur Weltliteratur.
Casanova wurde als Sohn eines Schauspieler-Paars geboren. Er studierte ab 1737 Theologie und Jura an der Universität Padua und erwarb 1742 den Titel des Doktors beider Rechte. 1755 wurde er in Venedig wegen „Schmähungen gegen die heilige Religion“ in den Bleikammern des Dogenpalastes eingekerkert, aus denen ihm 1756 seine berühmte Flucht gelang. Casanova reiste durch Europa und verkehrte in den höchsten Kreisen der Gesellschaft. 1757 gründete er die erste Lotterie Frankreichs und verdiente damit ein Vermögen. Ab 1758 benutzte er den selbstverliehenen Adelstitel „Chevalier de Seingalt“. 1760 ernannte ihn Papst Clemens XIII. zum „Ritter des goldenen Sporns“. Er hielt sich an den Höfen Friedrichs des Großen, Josephs II. und Katharinas der Großen auf, traf berühmte Zeitgenossen wie Voltaire, Johann Joachim Winckelmann, Benjamin Franklin oder Madame Pompadour. 1785 nahm der Sechzigjährige, mittellos und des Reisens müde, eine Stelle als Bibliothekar des Grafen Waldstein auf Schloss Dux in Böhmen an, wo er seine Memoiren schrieb.

In dieser Lesung hören Sie Auszüge aus dem ersten Buch der Memoiren in der Übersetzung von Heinrich Conrad.
Lesung mit Martin Held
Produktion: SFB 1965

1. Casanova berichtet von seinen Eltern und den Kindheitsjahren. Seine erste Erinnerung ist: Als die Großmutter mit ihm wegen seines Nasenblutens nach Murano bei einer Hexe vorspricht. Sechs Wochen danach stirbt sein Vater. – 28 min.

2. Als Junge muss Casanova weg von zu Hause, nach Padua, wo er bei Dr. Gozzi wohnt. Seine erste Liebe findet er bei dessen erst 14-jährigen Schwester Bettina. Casanova erlebt Eifersucht, aber auch tiefe Zuneigung. – 37 min.

3. Mit 15 Jahren kehrt Casanova zurück nach Venedig. Senator Malipiero protegiert ihn und bereitet ihn auf eine kirchliche Laufbahn vor. Doch Eitelkeit und die Liebe machen alle Pläne zunichte. – 29 min.

4. Vor seiner ersten Predigt speist Casanova ausgiebig mit dem Grafen Monte Realo, steigt also mit vollem Magen und leeren Kopf auf die Kanzel. Das geht gründlich schief, und er entsagt dem Beruf des Predigers endgültig. – 25 min.

5. Als 17-Jähriger ist Casanova unglücklich verliebt. Die Schwestern Nannetta und Martina arrangieren ein heimliches Treffen mit Angela. Eine ganze Nacht versucht der Liebestolle, sie von seiner Liebe zu überzeugen. – 35 min.

6. Auf einer Reise von Neapel nach Venedig teilt sich Casanova eine Kutsche mit einem Advokaten, dessen Frau und ihrer Schwester. Die Ehefrau gefällt Casanova außerordentlich, das scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen. – 29 min.

7. In Ancona lernt Casanova eine Schauspielerfamilie kennen: zwei hübsche Mädchen, ein Junge, der als Tänzer auftritt und ein Kastrat. Bellino aber gibt sich so anmutig, dass Casanova glaubt, er ist in Wahrheit ein Mädchen. – 43 min.

8. Um sich Geld für das Glücksspiel zu beschaffen, will Casanova in Treviso einen Diamanten versetzen. Auf der Fahrt dorthin trifft er Christina. Sie hat mit ihrem Onkel in Venedig einen Ehemann gesucht – erfolglos. – 44 min.

Verfügbar bis 28. September 2025

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Meckern im Mäusekino: „Die Geldgierigen“* mit Laurel & Hardy

betr.: Filmrätsel

Dasjenige Buch, das den Stil, die Wirkung und die Magie von Laurel & Hardy am besten begriffen und für uns alle nachvollziehbar gemacht hat, ist William K. Eversons „The Films Of Laurel & Hardy“ von 1967. Zum Zeitpunkt der Recherche und Abfassung war es noch notwendig, Archive aufzusuchen, um die Filme zu sichten. Einige waren verschollen (manche sind es noch heute) und mussten vollkommen aus der Erinnerung geschöpft werden. So kundig und präzise der Autor bei seinen Analysen auch ist, so gern unterlaufen ihm daher hie und da Fehler bei den Inhaltsangaben, was auch angesichts der Menge von 100 Titeln verzeihlich ist. Im vorliegenden Fall sind es außergewöhnlich viele, für gewöhnlich funktioniert das Gedächtnis des Autors tadellos.
Wo verstecken sie sich bei der Inhaltsangabe des Kurz-Stummfilms „Their Purple Moment“?

Auflösung folgt.
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* In einer weiteren, stark gekürzten zweiten deutschen Bearbeitung, die das ZDF fürs Vorabendprogramm vornahm, hieß der Film „Mit dem Essen im Gesicht“.

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Die Ballade in Wort und Musik

Eine Erzählung in Strophen, oft in Reimen, die auf ein dramatisches Ende zuläuft und die von mysteriösen oder märchenhaften Ereignissen berichtet – so die Merkmale der literarischen Ballade.
Kann das Klavier so etwas auch erzählen? Chopin war wahrscheinlich der erste, der in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts vier reinen Klavierkompositionen den Titel „Balladen“ gab. Angeblich wurde er zu diesen Stücken durch die Balladen des polnischen Dichters Adam Mickiewicz inspiriert. Auch wenn sehr fraglich ist, ob diese Geschichte stimmt, den Charakter dieser vier Stücke kann man durchaus als balladenhaft bezeichnen: nicht nur durch ihre Steigerung gegen Ende, sondern auch durch ihre abrupten Stimmungswechsel, wie unvorhersehbare Ereignisse in einer mysteriös-märchenhaften Erzählung.
Was das Klavier kann, kann das Orchester erst recht. „Der Zauberlehrling“, das bekannteste Werk des Komponisten Paul Dukas, sei hier genannt. Es ist die Vertonung der gleichnamigen Ballade von Johann Wolfgang von Goethe, erschien 1897 unter dem Titel „L’Apprenti sorcier“ und ging mit Walt Disneys Konzertfilm „Fantasia“ in die Popkultur ein.

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Der Song des Tages: Joy In The Morning

Zum Tode von Richard Chamberlain unmittelbar vor seinem 91. Geburtstag

Das Wichtigste zuerst: die Deutschen, die Richard Chamberlain phasenweise sehr geliebt haben, sprechen ihn falsch aus (auch bei den Nachrufen wird das so bleiben): er heißt nicht Tschemberläin, sondern – umgekehrt wird ein Schuh draus – Tschäimberlin.
Weniger wichtig, aber interessanter ist: als jemand, der als ein typischer Vertreter seiner Schauspielergeneration hin und wieder zum Singen genötigt wurde, zählte er zu jenen, die das tatsächlich konnten. Nicht nur die Titelmelodie seiner Serie „Dr. Kildare“ (in den USA sehr erfolgreich, bei uns völlig unbekannt) hat er interpretiert: „Three Stars Will Shine Tonight“, hie und da wurde er auch anlässlich seiner Kino-Hauptrollen ans Mikrofon gebeten.
Als er 1984 seine bei uns beliebteste Rolle spielte – den Pater Ralph im TV-Vierteiler „Die Dornenvögel“ -, war das Genre des Filmsongs bereits versunken, und so blieb der Titelmusik von Henry Mancini eine Vokalfassung verwehrt.
Das Liebesdrama „Joy In The Morning“ haben wir nie in einer deutschen Version gesehen, und das ist mindestens hinsichtlich des Soundtracks ein Verlust. Er stammte von Bernard Herrmann, den Song steuerte das bewährte Team Fain & Webster bei.
Mit „Dr. Kulani – Arzt auf Hawaii“ und den Wiederholungen von „Shogun“ konnte Chamberlain seinen deutschen Serien-Ruhm im jungen Privatfernsehen noch etwas dehnen. Die LP, die ihm der verantwortliche Sender SAT.1 in diesem Zusammenhang widmete, vermochte ihn als Sänger leider nicht bei uns etablieren.

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