Meine Pantherstunden

betr.: 150. Geburtstag von Rainer Maria Rilke (morgen) / „Der Panther“

Immer wieder höre ich aus Kennerkreisen, Rilkes „Panther“ zu lieben, sei eher eine oberflächliche Wahl, jedenfalls innerhalb seines Werkes.
Ich habe dieses kurze Gedicht nicht als Schullektüre kennengelernt, sondern eher zufällig, erst in der Berufsschule, wo ich mit meiner Technologieklasse eine stillgelegte Druckerei besichtigte. Der Siegeszug des Offsetdrucks hatte diesen Laden überrollt, und so liefen wir zwischen verlassenen Setzkästen umher und atmeten ein letztes Mal das Aroma des Hochdrucks.
An einer Säule hing, vermutlich zu Übungszwecken für den jungen Schriftsetzer, ein vergilbtes Zettelchen, auf dem der „Panther“ mit Schreibmaschine getippt war. Ich war so verzaubert davon, dass ich diese drei Vierzeiler sogleich auswendig konnte. Trotzdem nahm ich den Zettel mit.

Jahre später lernte ich auf einer Dienstfahrt nach München einen jungen Mann kennen, der versuchte, sich als Künstler selbst zu erfinden. Seine zeichnerischen Ambitionen investierte er u. a. in ein aufwändiges Tattoo. Als er einige Zeit später unter dem Namen Logan McCree als schwuler Pornostar Karriere machte, dauerte es nicht lange, bis sich – diesseits und jenseits dieses Segments – viele seiner Fans ähnlich tätowieren ließen.
Irgendwann dazwischen hat er mich einmal in Hamburg besucht und mir die obige Zeichnung geschenkt, nachdem ich ihm meine kleine Panther-Geschichte erzählt hatte.

Veröffentlicht unter Literatur, Monty Arnold - Biographisches | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Nun filmt er wieder, gottseidank …

Woody Allen zum 90. Geburtstag

Auf meine Fantasie lasse ich nichts kommen. Wenn also ein Schuft ist, wer Schlechtes denkt, muss das unseren gottlosen Zeiten liegen.
Beim Anblick dieses in der Mitte gefalteten Feuilletons habe ich tatsächlich einen Schreck gekriegt – und erst einen Augenblick später begriffen bzw. erinnert, dass die zum Bild gehörende Artikelüberschrift unter demselben steht, nicht links daneben, und ich dazu die Zeitung auseinanderfalten muss.
Der F.A.Z.-Artikel ist fair und erfreulich (im Gegensatz zum einschlägigen NDR-Musikfeature) und bringt mir z.B. die Information, dass Woody noch immer filmt. Diese Neuigkeit ist für mich ein wie kühler Lufthauch am Jüngsten Tag.

Veröffentlicht unter Film, Hörfunk | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Narren und ihre Wärter

Hörspieltipp zum Tode von Tom Stoppard

But soon a wonder came to light,
That showed the rogues they lied:
The man recovered of the bite,
The dog it was that died.

.          Oliver Goldsmith,  „An Elegy on the Death of a Mad Dog“

Tom Stoppard gehört zu den meistgespielten zeitgenössischen Theaterautoren und ist mit dem Drehbuch für „Shakespeare in Love“ auch für die noch größere Gruppe der Filmbegeisterten gut zu fassen. Ich habe zuletzt über ihn gestaunt, als der SRF unlängst sein Jubiläum „100 Jahre Schweizer Hörspiel“ feierte, was auch im Netz gut nachzuverfolgen war und ist.

Da lief Stoppards Originalhörspiel-Oldie „Es war der Hund, der starb“ von 1983, eine Parodie auf die Spionage-Romane seines Landsmannes John Le Carré und dessen Held „Smiley“. Es geht um Purvis, einen alten Spion, der einen kompromittierenden Brief schreibt, bevor er seinen Selbstmord verpfuscht. Sein Kollege Blair, soll ihn am Krankenbett und später in der Klapse verhören, um herauszubekommen, was dieser schräge Typ eigentlich weiß und was er möglicherweise noch alles vorhatte.
Abgesehen von wenigen Misslichkeiten ist diese Produktion bemerkenswert flott und wird mit einem präzisen Comedy-Timing angeliefert, wie es (Klischee hin oder her) im Schweizer Hörspiel nicht üblich ist. Herausragend: Wolfgang Reichmann als Blair – schwer geprüft von dem Unsinn, den der überlebende Purvis so redet, fehlbesetzt wie immer: besagter Purvis Hans Helmut Dickow (ein Liebling der SRF-Hörspielredakteure), dem man seine ausgestellt gute Laune wie gewöhnlich einfach nicht abnehmen will. Auch die Esels-Leidenschaft von Mrs. Blair ist etwas zu absurd. Damit ist das Sündenregister aber auch erschöpft. Hans Hausmann leitet ein Ensemble zum Küssen, das bei Blairs Ankunft in der Klinik zu besonderer Hochform aufläuft (mit Hein Bender-Plück als „Commodore“ und Hanna Burgwitz als irre Oberschwester). Der Wortwitz (Übersetzung: Hilde Spiel) sprüht, dass man am Ende gleich wieder von vorn anfangen möchte.
Der SDR produzierte im selben Jahr eine Fassung von „The Dog It Was That Died“ mit Horst Bollmann und Lukas Ammann als Purvis und Blair.

https://www.srf.ch/audio/krimi/es-war-der-hund-der-starb-von-tom-stoppard-gespraech?id=AUDI20251016_NR_0091

Veröffentlicht unter Hörspiel, Krimi, Theater | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

Veröffentlicht unter Cartoon (eigene Arbeiten), Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Kultfilm Azubis: Und ewig schleichen die Erben

Die heutige Folge unseres Podcasts spannt den Bogen vom alten Hollywood in die Swinging Sixties:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/frau-ohne-gewissen-und-andere-erbschleicher

Frau ohne Gewissen / Double Indemnity
US-Kriminaldrama von 1944

Mit kühler Raffinesse wickelt Phyllis Dietrichson den braven Versicherungsmakler Walter Neff um den Finger, um ihren Mann erst zu versichern und dann um die Ecke zu bringen. Die beiden schaffen es sogar, einen Unfall vorzutäuschen, was die Prämie verdoppelt. Doch als Walters Freund und Kollege Barton Keyes ihnen auf die Schliche zu kommen droht, beginnt das perfekte Team auseinanderzubrechen …

James M. Cains Buchvorlage wurde innerhalb weniger Jahre in Hollywood zweimal prominent verfilmt. Es war die Version des eigentlich auf Komödien spezialisierten Billy Wilder, die nicht nur besser funktionierte, sie gilt heute als archetypisches Beispiel für den klassischen Film Noir. Es duellieren sich: Barbara Stanwyck, Fred MacMurray und Edward G. Robinson.

Die Strohpuppe / Woman Of Straw
Britischer Thriller von 1963

Der Millionär Charles Richmond tyrannisiert seine Mitwelt vom Rollstuhl aus: er quält seine schwarzen Bediensteten, die er schlechter behandelt als seine Hunde, und demütigt seinen Neffen Anthony, einen bei ihm angestellten Lebemann, dessen Vater er in den Selbstmord getrieben hat, um sich die Mutter zu angeln. Nun ist auch sie nicht mehr am Leben, und Anthony sinnt auf Rache. Er engagiert die ahnungslose Italienerin Maria, um sie für sein Komplott zu benutzen …

Die James-Bond-Produzenten verbaten Sean Connery, pro Jahr mehr als einen weiteren Film zu drehen, was seinen Hass auf die 007-Rolle schürte und ihn von Anfang an zu einer vielseitigen Rollenwahl antrieb. Basil Dearden ließ ihn an der Seite von Gina Lollobrigida und dem Altstar Ralph Richardson seine bis zuletzt fieseste Rolle verkörpern.

Nächste Woche: Harry und Sally und Haus der Schatten

Veröffentlicht unter Film, Krimi, Podcast | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

Zwei neue „Familienfilme“ – Die aktuelle Kritik

ANEMONE
Familien- und Polit-Drama von Ronan Day-Lewis

Die aktuelle Kritik im Odcast

Jem Stoker (Sean Bean) will nach langer Zeit endlich seinen Bruder Ray (Daniel Day-Lewis) wiedersehen, der in absoluter Abgeschiedenheit in den Wäldern lebt. Ray ist nach überaus traumatischen Erfahrungen in der Irisch-Republikanischen Armee desertiert und hat mit der Welt gebrochen. Von heute auf morgen ließ er seine Frau Nessa und den gemeinsamen Sohn Brian zurück. Jem hat sich schließlich um die beiden gekümmert und musste mit ansehen, wie auch Brian zum Militär eingezogen wurde und dort mit seinen eigenen Dämonen ringt. In Rays Hütte liefern sich Jem und Ray ein Psycho-Duell, ohne sich zunächst recht im Klaren darüber zu sein, wie sie sich dessen Ausgang eigentlich wünschen.

Daniel Day-Lewis gilt seit den frühen Tagen seiner Karriere, spätestens aber seit dem Oscar für „Mein linker Fuß“ von 1989, als einer der besten Filmschauspieler der Welt. Er macht sich auf der Leinwand so rar, dass bereits sein schieres Auftauchen auf derselben wie eine Marienerscheinung gefeiert wird. Mit diesem Glanz will er nun auch seinen Sohn Ronan bestrahlen, der ihm dieses Drama als Mitautor und Regie-Debütant auf den Leib geschneidert hat.

Wir stellen uns die Frage: Was taugt der Film?

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/anemone-aktuelle-kritik


Außerdem heute als Kurzkritik im Podcast:

ROOFMAN – Der Hochstapler
Komödie von Derek Cianfrance

Der ehemalige Army Ranger Jeffrey Manchester (Channing Tatum), hält sich mit Überfällen auf Fast-Food-Restaurants über Wasser, seit er bemerkt hat, dass die Lokale von McDonalds baugleich sind und sich ihre Sicherheitsvorrichtungen alle auf die selbe Art umgehen lassen.
Zugang verschafft er sich übers Dach, was ihm den Spitznamen „Roofman“ einbringt. Als er nach mehr als 40 erfolgreichen Einbrüchen gefasst wird, gelingt ihm der Ausbruch aus dem Gefängnis – nicht zuletzt, weil er das Wachpersonal mit der gleichen harmlos-liebenswerten Ausstrahlung täuscht, mit der er die ausgeraubten Restaurantmitarbeiter regelmäßig in Erstaunen versetzt hatte.
Jeffrey verlässt nicht etwa die Gegend, wie die Polizei vermutet, sondern versteckt sich hinter der hohlen Wand einer nahegelegenen „Toys ‚R‘ Us“-Filiale, wo er sich häuslich einrichtet. Nach Ladenschluss startet er von dort behutsam in ein neues Leben. Nebenbei züchtigt er den Personalchef (Peter Dinklage) für seine Hartherzigkeit. Sogar eine neue Liebe (Kirsten Dunst) kann er sich auf seinen Freigängen erobern. Es dauert eine ganze Weile, bis ihn die Vergangenheit einholt …

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/roofman-aktuelle-filmkritik

Veröffentlicht unter Film, Podcast, Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Warum wir Anglizismen nicht loswerden

Anglizismen werden fast so gerne sinnlos beklagt und verteufelt wie Bürokratie. Der Ärger über sie wird nicht kleiner, weil es neben der komplett sinnlosen Variante (Begriffe, die man genausogut auf Deutsch ausdrücken könnte) auch Bezeichnungen gibt, die etwas Neues Bezeichnen, das tatsächlich woanders entwickelt wurde und dessen internationale Bezeichnung uns daran erinnert, wie gut die Bundesrepublik inzwischen in vielerlei Hinsicht vom Rest der Welt abgehängt wurde. Daneben könnten uns Wörter wie „Handy“ nachdenklich machen, die englisch klingen, aber wiederum eine deutsche Erfindung sind. Richard Schuberth* hat die erste Variante beschrieben, eingeordnet und noch weitere Auswüchse aufgespürt:

Kulturell hat die angelsächsische Welt längst ihre Leitfunktion, niemand mehr hält (…) UK und (…) USA für cool und nachahmenswert. Englisch oder zumindest englisch klingende Begriffe als Prestigewert jedoch sind Selbstläufer und offenbaren die vierfache Zombiehaftigkeit der Menschen. Erstens reproduzieren sie stumpfsinnig den Fetisch des coolen Fachbegriffs; zweitens übertreiben sie in ihrem Sprachgebrauch geradezu jenes Prinzip parodistisch, dass sich die jeweils größte Konformität am nonkonformistischsten vorkommt und die jeweils letzten Schreie konzertierte Kanons sind; drittens offenbart es die Lust auf Herdenintelligenz, solange nur die Illusion aufrechterhalten bleibt, man wäre der Leithammel oder zumindest die Avantgarde-Herde, die der restlichen über die Abbruchkante vorausspringt; viertens – weniger zombiehaft als sehr menschlich – der Klangzauber, der magische Glaube, durch den banalen englischen Begriff statt eines banalen deutschen im Besitz besonderer Macht zu sein, der Macht, auf dem Wellenkamm der allerneusten Trends zu surfen, auf Augenhöhe mit den neuesten internationalen Entwicklungen. Ich rede nicht von Eindeutschungen englischer Idiomatik wie „Sinn machen“ (to make sense) oder dem noch ulkigeren „sein Hirn nicht darum wickeln können“ (I can’t wrap my brain around). Ihre volle Komik entfalten englische Angeberverben, wenn sie in deutschen Sätzen als Partizip Perfekt auftauchen: „Ich wurde gedisst!“, „Er hat mich gemansplaint!“, „Ich habe sie gegaslighted.“ (…) Es gleicht den Kindern, die Fantasie-Englisch brabbeln, weil sie spüren, wie viel eingebildete Souveränität die Erwachsenen aus der nackten Phonetik dieser Sprache ziehen. So parodieren sie die Eigenparodie der Erwachsenen mit tierischem Ernst.

_______________

* Das neue Buch des Wiener Schriftstellers und Kulturwissenschaftlers Richard Schuberth „Der Paketzusteller“ ist gleichermaßen Bildungsroman wie Gesellschaftssatire. Seine wenig sympathische Protagonistin, die Facebook-Queen Gerhild, propagiert in ihrem digitalen Salon die totale Social-Media-Präsenz und beherrscht den digitalen Überlebenskampf. In analogen Dingen sieht die Sache allerdings anders aus …
Richard Schuberth, geboren 1968 in Ybbs a.d. Donau, lebt in Wien, wo er u.a. als Romancier, Essayist, Cartoonist und Songwriter in Erscheinung tritt. 2021 erhielt er den Theodor Kramer Preis für Schreiben im Exil und Widerstand.

Veröffentlicht unter Gesellschaft, Medienkunde, Medienphilosophie, Philologie | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

Veröffentlicht unter Cartoon (eigene Arbeiten), Gesellschaft | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Ghost In The Machine

betr.: Udo Kier

„Variety“ meldet den Tod von Udo Kier, unserem Mann in Hollywood, dem Star zahlloser Arthaus-, Trash- und Independent-Filme. Besonders gern erinnert sich Poki Pokinsson an die Arbeit mit ihm im Rahmen der Arbeit an dem Computerspiel „1½ Ritter“ nach dem gleichnamigen Film von Til Schweiger. Schon Kiers „Husky-Augen“ werden ihm unvergesslich bleiben, obwohl sie naturgemäß nicht von der Sprachaufnahme für das Spiel eingefangen werden konnten.
Dieser Teil meines 16-Stunden-Gespräches mit dem innovativen Game-Creator Poki ist als Bonus-Track einer der letzten Folgen meines Kultfilm-Podcasts zu hören:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/star-trek-mit-stahlhelm-und-andere-gespenstergeschichten

Das ganze Gespräch wird demnächst unter dem Titel „Deponia And Beyond“ vom ST. GEORGE HERALD veröffentlicht.

Veröffentlicht unter Film, Podcast | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Schändung eines Nachlasses

betr.: 35. Todestag von Roald Dahl

Das Wort „Negerkönig“ in den Kinderbüchern von Astrid Lindgren wäre eine wunderbare Gelegenheit, beim Vorlesen innezuhalten, dem Kinde das N-Wort zu erklären und ihm klarzumachen, warum man es im Alltag nicht benutzen sollte. Das wäre jedenfalls in Haushalten so, in denen das Vorlesen noch gepflegt und als eine Einladung zum Dialog betrachtet wird.
Wäre. Da das Wort (wie so viele andere) aus den Neuauflagen der Lindgren-Bücher bekanntlich ausradiert wurde, fällt diese Möglichkeit weg. Das Kind wird es also irgendwann von anderen Menschen lernen. Und die finden es vielleicht gut, es zu verwenden, worauf man dann keinen Einfluss mehr hat.
Wäre es nicht besser, solche Prägungen selbst mitzugestalten?
Dazu müsste man sich aber darauf verlassen können, das in Kinderbüchern nicht wohlmeinend herumgeschmiert wird. Jedenfalls nicht so planlos wie es leider geschieht.
Zu dieser Überlegung konnte mir noch niemand ein vernünftiges Gegenargument erwidern. Ich bin aber auch selbst schuld. Mir ist die Lust zu dieser Debatte ziemlich vergangen.

Was sich die kulturfernen Putzerfische bei Roald Dahl erlaubt haben, geht weit über dieses Ärgernis und noch albernere bei Otfried Preußler (inzwischen ein insgesamt hochverdächtiger Autor) hinaus. Der britische Verlag Puffin Books, der zu Penguin Random House gehört, macht in „Charlie und die Schokoladenfabrik“ aus einem „enorm fetten“ Jungen einen lediglich „enormen“ und aus seinen „riesigen Fettwülsten“ schlichte „Wülste“. Doch die Verflachungen gehen nahtlos in inhaltliche Verfälschungen über: aus Kassiererinnen und Sekretärinnen werden Naturwissenschaftlerinnen und Geschäftsführerinnen. Was dieses Lektorat im einzelnen antreibt ist mir ein Rätsel, aber es ist gewiss abgründiger und makabrer als der Stil eines Autors, der für ebendiesen geschätzt wird und dessen andauernder Erfolg den Verlag davon zurückhält, die als anfechtbar empfundenen Titel einfach aus dem Programm zu nehmen und ihre Publikation Mitbewerbern zu überlassen, die auch Kinderliteratur als Literatur betrachten.

Veröffentlicht unter Gesellschaft, Literatur, Medienphilosophie | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen