Die Verschwörung der Laien

betr.: 119. Geburtstag von Billy Wilder

Loriot hat uns darauf hingewiesen, dass man sich nicht auskennen muss, um zu lachen. Auch ohne einen Beruf erlernt zu haben, kann man dessen Verulkung genießen; Charlie Chaplin hat seine frühen erfolge praktisch auf diesem Effekt aufgebaut. Um Loriots Weinvertreter in „Weihnachten bei Hoppenstedts“ komisch finden, genügt es, ungefähr zu wissen, was Wein und was ein Vertreter ist. Loriot gab zu, vor der Herstellung dieser Szene nie einen solchen Herrn kennengelernt zu haben.
In seinem vielleicht schmerzlichsten Misserfolg „Kiss Me, Stupid“ lässt der große Billy Wilder zwei erfolglose Songschreiber auftreten, zwei nicht-professionelle, die davon träumen, diese Tätigkeit zu ihrem Beruf zu machen. Die deutsche Synchronisation ist 1963 dermaßen gut in Form, dass ich diese Szene (wie überhaupt die erste halbe Stunde des danach abrutschenden Films) als Glanzleistung erlebte: der beknackte Text der Freizeit-Künstler hätte in der Originalsprache nicht funktioniert, denn schließlich handelt die Szene ja (auch) vom Dichten.

Als jemand, der Loriots These unbedingt zustimmt – ich habe mich in meiner Arbeit immer ihr gemäß verhalten – habe ich mich in diesem Grenzfall doch gefragt: liebe ich die Liedermacher-Verrenkungen von Ray Walston und Cliff Osmond vielleicht doch deshalb so sehr, weil ich weiß, wie gut hier die Dynamik wiedergegeben wird, die sich zwischen einem Texter und seinem Pianisten entfaltet?
Für den Erfolg oder Misserfolg des Films war sie sicher unerheblich. Sie ist ein Kabinettstückchen.  

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… sonst ändert sich nix

In meiner Lehrzeit machten Sabine, ein Lehrmädchen, das ein Jahr weiter war, und ich uns gegenseitig Mixtapes. Wir wollten voneinander hören, was für einen guten Geschmack wir doch haben, und waren meistens völlig unerfreut von dem, was wir auf den Cassetten des jeweils anderen vorfanden. Sie hasste die alten amerikanischen Entertainer (Frank Sinatra und Dean Martin) und wurde von den Instrumentals (Filmmusik von Ron Goodwin u.ä.) nicht erreicht. Ich wiederum war der Meinung, dass sie mit ihrer Auswahl das Thema eigentlich verfehlte. Sie suchte die Songs nämlich vor allem danach aus, ob sie eine Botschaft in den Texten erblickte oder ihr der Interpret (es waren alles Männer oder Jungsgruppen: Cat Stevens, Ralph McTell …) als edler Überbringer einer guten Absicht erschien: Lieder für den Frieden, für die Umwelt und andere sehr lobenswerte Sachen. Die Musik an sich war ihr vollkommen schnuppe.
Ich erkannte, dass wir hier aneinander vorbeimixten und verließ das Projekt.
Heute musste ich plötzlich wieder an unser kulturelles Experiment zurückdenken.
Besonders heiß wurde die Kölner Gruppe BAP von Sabine geliebt. Nun lese ich in einer Zeitschrift, dass die drei Großbuchstaben BAP inzwischen eine neue Bedeutung haben, die meiner Kollegin wie auch dem Bandleader Wolfgang Niedecken nicht unangenehmer sein könnten: der „Bronze Age Pervert“ ist offensichtlich eine Organisation, die sich für eine Wiederbelebung alter männlicher Verhaltensklischees starkmacht und Feminismus entsprechend ablehnt.
Jetzt bräuchten wir uns nicht mal mehr über Geschmack zu streiten…

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Kultfilm Azubis (5): Junge und Apparat

In der aktuellen Folge unseres Podcasts sprechen wir über zwei Filme, in denen Halbwüchsige sich mit sehr mächtigen Androiden anfreunden.

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/terminator-2-der-gigant-aus-dem-all

A) Terminator 2 – Tag der Abrechnung / Terminator 2 – Judgement Day
Amerikanischer Science-Fiction- und Actionfilm von 1991

Intelligente Maschinen haben sich mit der Menschheit einen Atomkrieg geliefert und die Macht übernommen. In rauchenden Ruinen leisten die Rebellen um John Connor letzten Widerstand. Um diesen charismatischen Anführer auszuschalten, wird der Flüssigkristall-Droide T-1000 – ein Gestaltwandler – aus dem Jahr 2029 in das Los Angeles unserer Gegenwart, die frühen 90er, gesandt. Er soll Connor schon im Kindesalter ausschalten. Das umgepolte Auslaufmodell T-800 wird hinterhergeschickt, um ihm beizustehen.
In den Kampf wird auch Johns Mutter Sarah verwickelt, die sich seit Teil 1 zu einer Elitekämpferin entwickelt hat, nun aber in der Klapsmühle sitzt weil sie zu eindringlich vor dem Krieg der Maschinen gewarnt hat … 

Terminator 2 bricht mit mehreren Naturgesetzen des kommerziellen Kinos: als einziger Actionfilm begeisterte er Mainstream und Kulturkritik gleichermaßen. Er bestand den Test Of Time besser als der Rest des Genres und ist einer der seltenen zweiten Teile, die noch besser sind als ihr Vorgänger. Der selbstironische Bodybuilder Arnold Schwarzenegger wurde damit zu einem der versiertesten Schauspieler des Unterhaltungskinos.

B) Der Gigant aus dem All / The Iron Giant
Amerikanischer Science-Fiction-Animationsfilm von 1999

1957 befinden sich die USA im Kalten Krieg. Dessen Nebenschauplatz ist der Wettlauf ins All, bei dem die Sowjets durch ihren Satelliten Sputnik gerade die Nase vorn haben.
Im neuenglischen Hafenstädtchen Rockwell wünscht sich der kleine Hogarth ein Haustier, was seine Mutter ihm ausschlägt. Dieser Wunsch erfüllt sich im Übermaß, als Hogarth einen 15 Meter hohen Kampf-Droiden aus dem Weltraum – er sieht wirklich zum Fürchten aus – dabei erwischt, wie er im Wald das örtliche Elektrizitätswerk anknabbert. Nachdem er den Riesen vor einem gewaltigen Stromschlag gerettet hat, will er ihn auch behalten. Nun muss er ihn nicht nur vor seiner Mutter und den anderen Erwachsenen verstecken, sondern auch vor einem Regierungsbeamten, der eine russische Geheimwaffe in der ländlichen Idylle vermutet. Der nette Schrotthändler und Schrott-Künstler Dean ist der einzige, den Hogarth ins Vertrauen zieht. Doch auch er kann den erbarmungslosen Lauf der Dinge nicht aufhalten …

Diese märchenhafte Parabel ist besinnlich, ohne uns belehren zu wollen, rührend, ohne gleich rührselig zu werden, und ein Grund, den Umstand zu bedauern, dass Animationsfilme nicht länger Zeichentrickfilme sind.

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Lange Sätze – Lesen vom Blatt

betr.: Übung / Lesen vom Blatt

In Einschüben und Satz-Verschachtelungen lassen sich freilich auch hochkomplexe, abendfüllende Vorgeschichten beiläufig unterbringen – so in „Das Haus des Richters“ von Bram Stoker.

Sie berichtete ihm, dass es im Ort so genannt würde, weil es vor vielen Jahren – wie lange her, konnte sie nicht sagen, weil sie selbst aus einer anderen Gegend stammte, doch glaubte sie, vor hundert oder mehr Jahren – der Wohnsitz eines Richters gewesen war, der wegen seiner furchtbaren Urteile und wegen seiner Grausamkeit gegen Strafgefangene Angst und Schrecken verbreitete.

(Da passt natürlich noch mehr rein. Man will sich gar nicht ausmalen, wie weit David Foster Wallace diese Konstruktion gejagt hätte.)

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Wohnwelten (8): Winston Smith, ein Mensch des Jahres „1984“

Im Flur des Victory-Blocks roch es nach gekochtem Kohl und feuchten Fußmatten. An der Rückwand war ein grellfarbiges Plakat, das für einen Innenraum eigentlich zu groß war, mit Reißnägeln an der Wand befestigt. Es stellte nur ein riesiges Gesicht von mehr als einem Meter Breite dar: das Gesicht eines Mannes von etwa fünfundvierzig Jahren, mit einem dicken, schwarzen Schnauzbart und ansprechenden, wenn auch derben Zügen. Winston ging die Treppe hinauf. Es hatte keinen Zweck, es mit dem Aufzug zu versuchen. Sogar zu den günstigsten Stunden des Tages funktionierte er nur selten, und zur Zeit war tagsüber der elektrische Strom abgestellt. Das gehörte zu den wirtschaftlichen Maßnahmen der in Vorbereitung befindlichen Hass-Woche. Die Wohnung lag sieben Treppen hoch.
Drinnen in der Wohnung verlas eine klangvolle Stimme eine Zahlenstatistik über die Roheisenproduktion. Die Stimme kam aus einer länglichen Metallplatte, die einem stumpfen Spiegel ähnelte und rechter Hand in die Wand eingelassen war. Der Apparat, ein sogenannter Televisor oder Hörsehschirm, konnte gedämpft werden, doch es gab keine Möglichkeit, ihn völlig abzustellen. Er war gleichzeitig Empfangs- und Sendegerät. Jedes von Winston verursachte Geräusch, das über ein ganz leises Flüstern hinausging, wurde von ihm registriert. Außerdem konnte Winston, solange er in dem von der Metallplatte beherrschten Sichtfeld blieb, nicht nur gehört, sondern auch gesehen werden.
Er ging quer durchs Zimmer in die winzige Küche, in der es nichts zu essen gab außer einem Stück Schwarzbrot, das für den nächsten Tag zum Frühstück aufgehoben werden musste. Er nahm aus dem Regal eine Flasche mit einer farblosen Flüssigkeit, die dem schmucklosen weißen Etikett nach „Victory-Gin“ war. Das Getränk strömte einen faden, öligen Geruch aus, wie chinesischer Reisschnaps.
Winston ging ins Wohnzimmer zurück und setzte sich an ein links vom Televisor stehendes Tischchen. Dann zog er aus der Tischschublade einen Federhalter, eine Tintenflasche und ein dickes, unbeschriebenes Diarium im Quartformat mit rotem Rücken und marmorierten Einbanddeckeln hervor.   
Aus irgendeinem Grunde war der Televisor in seinem Wohnzimmer an einer ungewöhnlichen Stelle angebracht. Statt wie üblich an der kürzeren Wand, von wo aus er den ganzen Raum beherrscht hätte, war er an der Längswand gegenüber dem Fenster eingelassen. An seiner einen Seite befand sich die kleine Nische, in der Winston jetzt saß und die vermutlich beim Bau der Wohnung für ein Bücherregal bestimmt gewesen war. Wenn er sich so in die Nische setzte und vorsichtig im Hintergrund hielt, konnte Winston wenigstens visuell, außer Reichweite des Televisors bleiben. Nun war er im Begriff, ein Tagebuch anzulegen. Die ungewöhnliche Anlage des Zimmers war zum Teil für den Gedanken verantwortlich …

Redigiert aus der Ullstein-Ausgabe (1976) des Romans von George Orwell

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Die weite Welt des Wirtschaftswunders

betr.: 98. Geburtstag von Martin Böttcher

Auf einem Teldec-Doppel-Album mit seinen wichtigsten Film- und TV-Melodien ließ sich Martin Böttcher 1974 mit diesem Text abfeiern, der und die skurrile Welt der alten Bundesrepublik wieder am Bein hochkrabbeln lässt. Das lässt nur dadurch übertreffen, diese oder andere Platte des Meisters tatsächlich aufzulegen.

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Hörspielfreunde auf Diät

betr.: Ebbe in der ARD Audiothek

Kann es sein, dass die Archivschätze schon alle gehoben sind?
Das ist sehr unwahrscheinlich, und doch bricht in der ARD-Audiothek gerade eine Sauregurkenzeit an. Das ist keine reine Sommerpause. „Kein Mucks“, der nostalgische Krimipodcast, hat sich mit dem besorgniserregenden Hinweis aus der aktuellen Staffel verabschiedet, man wisse noch nicht, wann es weitergehe. Der Science-Fiction-Podcast „Das war morgen“ wurde gar von wenigen Wochen ganz eingestellt – immerhin mit dem Versprechen, man wolle „so etwas“ bald wieder mal machen. Wer nun zum nostalgischen Hörspielpodcast des SRF flüchten will, hat ebenfalls einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt: dort laufen gegenwärtig nur Heimat-Mehrteiler und aktuelle „Radio Tatorte“.

Liebe Online-Redaktionen: holt doch unterdessen mal eure alten Features aus dem Keller (also die Dokus zum Hören). Die wären mal was ganz Neues – wenn der Kalauer gestattet ist.
Und da wir schon dabei sind: auf dem Hörbuch-Sektor habt ihr auch noch allerhand zu liegen. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit! Wir haben das alles schließlich mit unseren Gebühren bezahlt!

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Ein Tag im Leben des Harry Rowohlt

betr.: 10. Todestag von Harry Rowohlt

Noch zu Lebzeiten des unersetzlichen Künstlers portraitierte ihn Christian Maintz in der taz.

Ein Mann mit Namen Harry Ro-
wohlt lebte einst in Gütersloh?

Ach Quatsch! In Hamburg wohnt der Mann –
Ich fang nochmal von vorne an:

In Hamburg-Eppendorf – na klar! –
Lebt Harry schon so manches Jahr.

Er hat kein Amt und kein‘ Verlach –
Was macht der bloß den ganzen Tach?

Schon früh um sechs, mit ernster Miene,
Sitzt Harry an der Schreibmaschine

Und übersetzt Schnurrpfeifereien
Des irren Iren Flann O’Brien.

Nach circa 48 Seiten
Lege Harry den Gebenedeiten

Beseite, lutscht jedoch sofort
Rund fünf Kapitel Frank McCourt;

Drei Stories noch von Vonnegut,
Dann fühlt sich Harry etwas matt.

Er zieht ein Zigarettchen durch
Und schläft zwei Stunden wie ein Luch.

Kaum aufgewacht, so gegen vier,
Wirft er paar Verse aufs Papier.

Die stehen später – kein dumm Tüch, Mann! –
An jeder Klowand und im Büchmann.

Doch halt, wir greifen schon voraus,
Denn jetzt geht Harry aus dem Haus,

Eilt, in Ermanglung eines Huts,
Mit Mütze und in Cowboy-Boots,

In die Fabrik, nach Altona;
Und wir, wir sitzen auch schon da

Und freuen uns und sind ganz Ohr,
Denn jetzt liest Harry uns was vor.

In Jeans und Boots und dunklem Shirt
Liest Harry Frank und Flann und Kurt,

Und dann liest er von Pooh, dem Bären,
Und wir, als ob wir Kinder wären,

Wir weinen, weils so schön und wahr ist,
Und weil auf einmal alles klar ist,

Weil Harry so verdammt gut liest,
Und weil die Zeit so schnell verfließt,

Und weil die Welt vor allen Dingen …
Doch jetzt fängt Harry an zu singen;

Er brummt ganz ohne Gottvertrauen:
„Stadt Hamburch an der Elbe Auen …“

Und geht. Wir danken kollektiv:
„So long, old Harry, hol di stief!“


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Das Schweigen zwischen den Zeilen

Lesen vom Blatt / Sprechen am Mikrofon

Fortsetzung vom 4.12.2024

Wie entscheidend der Subtext ist und wie verheerend die Folgen, wenn er bei der Lesung außer Acht gelassen wird, mag das 10. Kapitel aus einem meiner Lieblings-Übungsbücher veranschaulichen: „Mord im Spiegel“ von Agatha Christie (nachlässig verfilmt in den frühen 80er Jahren).

Der Dialog spielt sich zwischen Mr. Rudd (einem Zeugen und potenziellen Verdächtigen) und Inspektor Craddock ab. Die Unterhaltung verläuft nach den üblichen Gesetzen des Plüschkrimis: die Sprechenden leben in Frieden und Wohlstand, so etwas wie Stress gibt es gar nicht, die Umgebung ist ländlich und wiederum wohlhabend. Obwohl es um eine Mordermittlung geht, ist die Stimmung von heiterer Gelassenheit. Erstens, weil das Unglück hier nicht als solches, sondern unter rein analytischen Gesichtspunkten erörtert wird („Warten Sie mal, Herr Kommissar, ich versuche, mich genau zu erinnern, was der Reihe nach geschah …“). Zweitens weil in der altmodisch-gemütlichen Welt von Agatha Christies „Countryside“ ja ein Mord insgesamt nichts Ungewöhnliches ist.

Lesen wir den Dialog nun ein zweites Mal, ändern aber den Kontext (und damit: den Subtext). Aus einer inoffiziellen Befragung machen wir einen Prozess. Wir stellen uns vor, der Fragende wäre ein Staatsanwalt – etwa in „Zeugin der Anklage“ von derselben Autorin (einmal famos fürs Kino, noch einmal starbesetzt, aber vermurkst fürs Fernsehen verfilmt). Mr. Rudd würde nun im Zeugenstand befragt werden.
Was bleibt gleich?
Hier wie dort werden die Ereignisse aus der Distanz nachträglich betrachteter Fakten behandelt, die sich nicht mehr ändern lassen. Aber diesmal geschieht das alles vor Publikum, und besonders der Staatsanwalt wird unentwegt auf seine Wirkung achten mit dem Publikum flirten (zu dem auch die Betrachter des Gerichtsfilms gehören).
Der Effekt lässt sich besonders gut imaginieren, wenn wir die Rede des Fragestellers mit Einschüben würzen wie „My Lords and Ladies, verehrte Geschworene“ oder „Hohes Gericht!“.

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Kultfilm-Azubis (4): Spinnt sie oder spinnt sie nicht?

Unser Service zu Freitag, dem 13.! In der heutigen Folge des Podcasts geht es um zwei Filme, in denen eine Frau, an deren Verstand wir gewisse Zweifel hegen, ganz allein mit ihren Problemen ist – und dann bricht auch noch die Dunkelheit herein.

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/tanz-der-toten-seelen-carnival-of-souls-die-nacht-der-tausend-augen

A) Tanz der toten Seelen / Carnival Of Souls
Amerikanischer Indie-Horrorfilm von 1962

Nachdem sie als einzige aus ihrer Klicke einen Autounfall auf einer Brücke überlebt hat, fährt die junge Organistin Mary Henry nach Salt Lake City, wo sie eine Stelle als Organistin in der Kirchengemeinde angenommen hat. Als sie auf dem Weg dorthin an einem alten, verlassenen Rummelplatz vorbeifährt, erscheint ihr das erste Mal das Gesicht eines Mannes im Fenster ihres Wagens. Dieser Untote sucht sie nun immer wieder und mit wachsender Intensität heim.
Am Ziel angekommen nimmt Mary sich ein Zimmer und tritt ihre neue Stelle an. Aber ihre Visionen entfremden sie immer stärker ihrer Umwelt, von der sie sich abwechselnd bedroht und nicht wahrgenommen fühlt.
Außerdem zieht sie der Pavillon des alten Rummelplatzes magisch an. Als sie sich schließlich wieder dorthin wagt, um ihren Ängsten auf die Spur zu kommen, erfüllt sich ihr Schicksal …

Der Werbefilmer Herk Harvey schuf für‘n Appel und’n Ei einen konsequenten, außergewöhnlich irritierenden Film, einen abendfüllenden Alptraum, der von der Öffentlichkeit ignoriert wurde und der einzige Spielfilm des Regisseurs blieb. Erst 25 Jahre später brachten beinharte Fans das Werk wieder ins Kino und in die Fachpresse. Inzwischen hatte die ihrerseits von einer Story des Ambrose Bierce inspirierte Schauerballade längst unzählige ungleich erfolgreichere Filmprojekte angeleitet, von George A. Romeros „Nacht der lebenden Toten“ bis zum kompletten Lebenswerk von David Lynch.

B) Die Nacht der tausend Augen / Night Watch
US-Thriller von 1973

Die reiche Londonerin Ellen Wheeler leidet unter Schlaflosigkeit. Von ihrem Fenster aus blickt sie auf ein verlassenes Grundstück auf der anderen Straßenseite. Im oberen Stockwerk der vermoderten Bruchbude will sie die Opfer eines Mordes erspäht haben, als ein nächtlicher Sturm die Fensterläden aufklappen ließ und Blitze den Raum erleuchteten. Ihr Ehemann John glaubt ihr nicht, doch er verständigt die Polizei. Die untersucht das Haus und findet nichts. Ellen bleibt bei ihrer Darstellung. Als sie immer wieder Alarm schlägt, hat der Zuseher drei Optionen: will man die durch ein früheres Eheerlebnis traumatisierte Dame in den Wahnsinn treiben, ist sie tatsächlich verrückt, oder hat sie am Ende recht? – Wie sich herausstellt, gibt es noch eine vierte Möglichkeit …

Dieser kleine Thriller der Autorin Lucille Fletcher gehört zu den vergessenen späteren Arbeiten der legendären Diva Elizabeth Taylor. Ein Kammerspiel, das menschliche Abgründe auslotet und uns bis zuletzt an seiner Heldin zweifeln lässt.

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