Auf ein Wort über „Metropolis“!

betr.: 15 Jahrestag der Präsentation des beinahe wieder hergestellten Stummfilmklassikers „Metropolis“ in Berlin

Die Verlängerung dieses lange verstümmelten deutschen Films von Weltrang hatte niemand mehr ernsthaft auf dem Schirm, als es dann durch einen Zufallsfund in Südamerika doch dazu kam – nicht etwa „in einem osteuropäischen Archiv“ wie es in diesem Zusammenhang immer so schön heißt.
Dass dieser Film unverändert notorisch ist und dass er viel schlampiger gefertigt ist, als je ein Mensch öffentlich zugegeben hat, erfahren Sie in der einschlägigen Folge des Podcasts „Alle 42 Kultfilme“ (die übrigens nur 22 Minuten dauert): https://www.podcast.de/episode/654518526/metropolis
Und noch einiges mehr.

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Spione und gekrönte Häupter

betr.: 45. Jahrestag der Erstausstrahlung von „Der dritte Mann“ im deutschen Fernsehen

30 Jahre hat es gedauert, bis dieser Klassiker es von der Leinwand in unsere Wohnstuben schaffte: „Der dritte Mann“ vom Autor Graham Greene und dem Regisseur Carol Reed. (Zu diesem Zweck wurde sogar eine zweite Synchronfassung erstellt, die sich allgemein durchgesetzt hat.) Da dies außerdem ein Kultfilm ist, wird er selbstverständlich in der Podcast-Reihe „Alle 42 Kultfilme“ erst sorgfältig vorgestellt, dann ganz subjektiv der Frage unterzogen, was er heute eigentlich noch taugt: https://plus.rtl.de/podcast/alle-42-kultfilme-jwn9qyohi5tck/der-dritte-mann-gh03bblbme3k5

Am selben Tag erlebte übrigens auch die nur wenige Jahre ältere Komödie „Nothing But Trouble“ ihre TV-Premiere, einer der letzten Filme mit Laurel & Hardy. Die rührselige Geschichte über ein jugendliches Staatsoberhaupt, das um die Ecke gebracht werden soll und dann von Stan & Ollie gerettet wird, ist ein typisches Beispiel für die ächzende Mittelmäßigkeit, in der Hollywood sein größtes Komikerduo hatte versinken lassen. Doch sie hat gewisse Familienfilm-Qualitäten, und so gehörte sie in den nächsten Jahren zu den am häufigsten wiederholten Langfilmen von Laurel & Hardy.

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Die Stille nach dem Stunk

Wenn es um das delikate Thema von Kindern geht, die den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen, wird jeder instinktiv einer der beiden Seiten spontan zuneigen – je nachdem, welche Perspektive sich für sie oder ihn persönlich zuletzt ergeben hat oder (wenn man solche Probleme glücklicherweise nicht hat) welche Beobachtungen man im Freundes- und Bekanntenkreis machen konnte.

Das DLF–hr2-Radiofeature „Funkstille – Wenn Eltern ihre Kinder verlassen“* lässt Vertreter beider Lager zu Wort kommen, und alle klingen (da sie einzeln angehört werden) vernünftig und ihrer jeweiligen Verletzung glaubwürdig. Doch beim genauen Zuhören tut sich einmal ein bezeichnender Widerspruch auf. Eine Mutter wirft ihrem abwesenden Sohn im selben Atemzug sowohl vor, sie verlassen zu haben, ohne sich mit ihr auszusprechen, als auch, ihr Vorwürfe gemacht zu haben. Da haben wir’s: Kritik wird als Vorwurf markiert und nicht als Mitteilung, die einen inhaltlich etwas angehen müsste. Tja! So wird das natürlich nichts, liebe Eltern.
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* https://www.hr2.de/programm/feature/feature–funkstille–wenn-kinder-ihre-eltern-verlassen,epg-feature-1074.html

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Mrs. Gale, wir werden gebraucht!

betr.: 103. Geburtstag von Patrick Macnee / 15. Todestag von Johnny Dankworth (gestern)

Ich bin sicher, dass es schon vielen Fans der Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ so ergangen ist wie mir: nachdem man sich wieder einmal die Emma–Peel-Folgen mit Diana Rigg angesehen hat, gibt man zähneknirschend ihrer Nachfolgerin Tara King eine Chance – und scheitert schon nach wenigen Minuten. Das liegt nicht nur an den Unzulänglichkeiten der Schauspielschülerin Linda Thorson, die ein sehr schweres Erbe antreten musste, es liegt auch am Konzept. Dadurch dass John Steed neuerdings mit seiner Kollegin schläft, bekommt der subtil-parodistisch angelegte Dandy, den Patrick Macnee jahrelang so amüsant verkörperte, etwas Lustmolchhaftes. Auch die Qualität der Bücher verschlechtert sich schlagartig. Gleich zu Beginn der neuen Staffel platzierten die Produzenten die überdurchschnittliche Folge „Puzzlespiel“, doch es nützte nichts. Der farbenfrohe Swinging-Sixties-Spoof der „Avengers“ taugte nur noch zum Selbstplagiat. Das vielleicht Schlimmste: die King-Folgen lachen sich unentwegt über sich selber tot, ein Effekt, der auch die berühmten „Tatort“-Folgen aus Münster nach einer kurzen Phase der Innovation und Frechheit ungenießbar machte.

Im Dezember 1970 begrüßte Rudi Carrell die Stars von „Mit Schirm, Charme und Melone“ in seiner Show. Linda Thorson war auch dem deutschen Fernsehpublikum inzwischen bekannt, doch der Rausch der Emma-Peel-Begeisterung war noch nicht vollständig verflogen.

Was also tun, wenn man mit den Staffeln 4 und 5 durch ist? Ich empfehle, mit dem Vorleben von John Steed weiterzumachen, seinen schwarzweißen Abenteuern mit Honor Blackman als Mrs. Cathy Gale. Auch sie ist freilich etwas blasser als Emma Peel – zumal die Folgen auf schmierigem Videomaterial festgehalten wurden und der schräge Humor der Serie sich erst allmählich andeutet. Aber die Fälle sind teilweise sehr gut ausgedacht, und Honor Blackman hat – auch im Duett mit Macnee – ein eigenes Profil, an das weder Linda Thorson noch die Steed zuletzt zugeteilten Partner Joanna Lumley und Gareth Hunt aus „The New Avengers“ herankommen.

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Die wiedergefundene Textstelle: Falladas Schulzeit

betr.: 78. Todestag von Hans Fallada (gestern)

In der Schule, oder, wie wir sie nur nannten, in der Penne spielte ich zu jener Zeit eine höchst unselige Rolle. Ich ging auf das Prinz-Heinrich-Gymnasium in der Grunewaldstraße, und das war damals ein sehr feines Gymnasium, womit gesagt werden soll, dass dort in der Hauptsache die Söhne vom Offiziers- und Beamtenadel, auch von reichen Leuten die Schulbank drückten. Meine Eltern aber waren für äußerste Sparsamkeit, so kam es, dass ich, war eine Hose durchgerutscht, keine neue bekam, sondern dass meine Mutter ein paar handfeste Flicken in die arg verwundete setzte. Da sie nun aber oft keinen genau passenden Stoff hatte, so wurden ohne erhebliche Hemmung auch andere Stoffe dafür gewählt. Das ist nun gut fünfunddreißig Jahre her, und doch sehe ich diese Hose des Unheils noch genau vor mir: es war eine dunkelblaue Bleyle-Hose, und mit grauen Flicken wurde sie geziert. Ach, über den Hohn und das Gespött, die mir diese Hose eingetragen hat! Es waren natürlich nicht die wirklich »Feinen« in der Klasse, die mich damit aufzogen. Die übersahen den Defekt vornehm, freilich war ich auch für jeden Umgang mit ihnen erledigt. Fragte ich sie etwas, so antworteten sie mir nur kurz mit geringschätziger Herablassung, was mich tief schmerzte und auch empörte. Aber die andern, die Coyoten der Wölfe gewissermaßen, wie offen und schamlos verhöhnten sie mich! Da war einer, über einen Kopf war er größer als ich, Friedemann hieß die Canaille, im Unterricht durch äußerste Unwissenheit ausgezeichnet, schon dreimal bei der Versetzung »kleben« geblieben – aber etwas verstand dieser Bursche ausgezeichnet: mich zu zwiebeln!…

Oh, wie ich ihn gehaßt habe, diesen langen Friedemann mit seinem weißen, pickligen Gesicht, mit den frechen blassen Augen hinter einer Nickelbrille! Wenn er da mit seiner näselnden, überlegenen Stimme anfing, mich nach meiner Ansicht über Flickschneiderei zu befragen, über die Farbwahl bei Flicken, ob ich Rot nicht für eine wunderschöne Farbe hielte, nein, nicht? Aber vielleicht Grün mit Rot, rechts Rot, links Grün, und ein gelber Flicken vorne –? (Beifallsgejohle der andern.) Mein Vater flickte ja wohl auch meine Schuhe, der Rüster an meinem rechten Schuh sehe ihm ganz danach aus! Da könne man eben nichts machen, es gebe heile Familien und es gebe geflickte Familien. Es sei nur gut, daß ein Exemplar der Flickfamilien auf diesem Gymnasium vertreten sei, als Anschauungsmaterial.

Hans Fallada rückblickend in seiner nachgelassenen Erzählung „Warnung vor Büchern“

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Bescheidenheit als handwerkliche Tugend

betr.: Mikrofonarbeit

Sobald der Sprecher vom Hörer bewusst wahrgenommen wird, lenkt er dessen Aufmerksamkeit vom Text ab. Dann ist etwas schiefgelaufen. Das mag durch die schiere Prominenz des Interpreten geschehen – wobei sich die Fans an die Gegenwart ihrer Idole Rufus Beck, Christian Brückner o.ä. sicher bald gewöhnt haben. Heikler ist eine Ablenkung durch die Besonderheiten des Vortrags: Unsauberkeiten, Sprachmarotten (auch Dialekt oder übermäßiges Atmen und Schmatzen zählt dazu), Betonungsfehler. Ebenso störend sind „gut gemeinte“ Effekte, die auf reinen Übereifer hinauslaufen.
Obschon die Lesung eines Textes eine anspruchsvolle künstlerische Leistung darstellt, kann sie nur gelingen, wenn sie im Hintergrund abläuft und gar nicht bemerkt werden will. Sie ist eine dienende Disziplin. Ganz genauso verhält es sich mit der Arbeit an der Filmkamera. Sobald ich von irgendeiner Kamerabewegung daran erinnert werde, dass dahinter jemand arbeitet, ist das streng genommen das Indiz einer Nachlässigkeit.
Wie wir wissen, wird beiden Gewerken regelmäßig Bewunderung zuteil, und kein halbwegs interessierter Mensch wird ihre Wichtigkeit bezweifeln.

Ich habe mich über dieses Thema einmal mit einem jungen Kameramann gestritten. Aufhänger war die von uns beiden sehr geschätzte Serie „Breaking Bad“. Irgendwann fiel mir auf, dass hier grundsätzlich mit Handkamera gearbeitet wurde, also auch in den statischen Dialogszenen innerhalb geschlossener Räume, die einen beträchtlichen Teil der dramatischen Handlung ausmachen. Das leichte Gewackel des Bildausschnitts störte mich und erschien mir wie eine absichtliche Freiheit, die sich genommen wurde, um dem Betrachter unter der Hand zuzuraunen: „Schon toll, was die Kameramänner und -frauen da so alles leisten.“ Diese Bewegungen waren minimal, aber völlig unnötig, und deshalb sprach ich den Kameramann darauf an. Er solidarisierte sich natürlich sofort mit seinen amerikanischen Kollegen und bestätigte meine Vorbehalte ungewollt. Er erklärte mir sinngemäß, es sei ja das gute Recht dieser Leute, auch mal auf sich aufmerksam zu machen. Sonst würde ihre Arbeit ja allzuleicht übersehen. Da ich keinen Streit wollte, habe ich schnell das Thema gewechselt.

Die Stars im Bild stehen immer im Vordergrund – und überragen damit die (Synchron)Sprecher ebenso wie die Kameraleute, die Regisseure und – ganz besonders – die Autoren. Das liegt in der Natur der Sache. Wenn sie ihre Sache gut machen, wird das trotzdem Würdigung erfahren. Und ein guter „director of photography“ darf nach meiner Ansicht gerne ein Stativ benutzen, wenn es der Qualität des Ergebnisses zugutekommt. Diesen Fluch der Unauffälligkeit teilen die Mikrofon- und Kameraleute übrigens mit anderen selbstbewussten Spezialisten: Kriminalbeamten, Schönheitschirurgen, PR-Beratern und Spionen.

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Eröffnungssatz mit Vorspiel

betr.: 64. Geburtstag von Dietmar Bär / Lesen vom Blatt

Fortsetzung von 24.10.20222

Es kann vorkommen, dass der erste Satz eines Textes erst an zweiter Stelle kommt, will heißen: der eröffnende, die Situation etablierende Satz hat ein Vorspiel, das auch später platziert werden könnte, ohne das Verständnis zu behindern.
Ein Beispiel hierfür ist der Prolog eines der beliebtesten Erzählwerke der Jahrtausendwende: „Verblendung“, erster Teil der „Millennium-Trilogie“ von Stieg Larsson, die so erfolgreich war, dass sie in kürzester Zeit in verschiedene andere Medien übertragen und zweimal verfilmt wurde. Zu den berühmtesten Buchanfängen gehört er nicht, aber das kann ja noch werden …

Es wäre auch möglich, die beiden eröffnenden Sätze durch einen Doppelpunkt zu verbinden. Doch so steht es geschrieben:

Es wiederholte sich alljährlich. Der Empfänger der Blume feierte seinen zweiundachtzigsten Geburtstag. Sowie die Blume bei ihm angekommen war, öffnete er das Paket und entfernte das Geschenkpapier. Danach griff er zum Telefonhörer wählte die Nummer eines ehemaligen Kriminalkommissars, der sich nach seiner Pensionierung am Siljan-See niedergelassen hatte. Die beiden Männer waren nicht nur gleich alt, sie waren sogar am selben Tag geboren, was in diesem Zusammenhang nicht einer gewissen Ironie entbehrte. Der Kommissar wusste, dass der Anruf um elf Uhr morgens nach der Postzustellung eingehen würde, und trank Kaffee, während er wartete. Dieses Jahr klingelte das Telefon bereits um halb elf. Er nahm den Hörer ab und sagte hallo, ohne sich mit Namen zu melden.
„Sie ist angekommen.“
„Was für eine ist es dieses Jahr?“
„Keine Ahnung, was für eine Blume es ist. Ich werde sie bestimmen lassen. Weiß ist sie.“
„Kein Brief, nehme ich mal an?“
„Nein. Nur die Blume, sonst nichts. Der Rahmen ist derselbe wie letztes Jahr. So ein Billigrahmen zum Selberzusammenbauen.“
„Poststempel?“
„Stockholm.“
„Handschrift?“
„Wie immer, alles in Großbuchstaben. Gerade, ordentliche Buchstaben.“
Damit war das Thema erschöpft, und ein paar Minuten saßen die beiden schweigend am jeweiligen Ende der Leitung. Der pensionierte Kommissar lehnte sich am Küchentisch zurück und zog an seiner Pfeife. Er wusste jedoch, dass von ihm keine erlösende oder bestechend intelligente Frage mehr erwartet wurde, die ein neues Licht auf diese Angelegenheit hätte werfen können. Diese Zeiten waren seit vielen Jahren vorbei, und das Gespräch der beiden alternden Männer hatte beinahe schon den Charakter eines Rituals – eines Rituals um ein Mysterium, dessen Lösung keinen anderen Menschen auf der ganzen Welt interessierte.

Von Dietmar Bär stammt die gekürzte, aber unübertroffen feinfühlige Hörbuch-Fassung des Dreiteilers.

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Zweimal Roter Drache

betr.: 82. Geburtstag von Michael Mann (morgen)

Im Herbst 2002 war es für mich schon zu einem sehr seltenen Erlebnis geworden, ins Kinocenter zu gehen und mich mit einer großen Menschenansammlung über einen neu gestarteten Film aus Hollywood gemeinsam zu amüsieren. Der „Rote Drache“ gefiel mir ebensogut wie dem übrigen Publikum. Danach gingen der Blockbuster-Mainstream und ich endgültig getrennte Wege – was ich sehr bedaure aber nicht ändern kann.
„Roter Drache“ ist nicht etwa ein Fantasy-Film, sondern der dritte Auftritt von Anthony Hopkins als Hannibal Lecter, der in der Erzählhandlung allerdings an den Anfang gehört, vor den Durchbruch von Lecter / Hopkins in „Das Schweigen der Lämmer“ (1989). Zuallererst hatte es bereits eine Verfilmung des ersten Romans der Reihe gegeben, in der Dr. Lecter, der längst zum beliebtesten Filmbösewicht überhaupt aufgestiegen ist, nur am Rande mitwirkt: „Manhunter“ von Michael Mann, bei uns „Blutmond“ bzw. „Roter Drache“ (1986).

Es kommt häufig vor, dass ein Film von seinem Remake aus der Wahrnehmung des Publikums verdrängt wird. In der Regel geschieht das zu Unrecht, da die meisten Neuverfilmungen (wie auch „zweite Teile“) wenigstens unter künstlerischen Gesichtspunkten vollkommen überflüssig sind. „Roter Drache“ ist ein komplizierterer Fall. Für sich betrachtet ist er großartig, aber schon wenige Jahre später kam er gewissermaßen aus der Mode. Seine Fortsetzung (im Roman wie im Kino) definierte den Charakter Hannibal Lecter nicht nur durch ihre brillante Interpretation durch Anthony Hopkins vollkommen neu, sie machte ihn auch zu einer Hauptfigur, die sogar gegen die schillernde Gegenspielerin – Jodie Foster als Agent Starling – bestehen kann. Obwohl kein Remake, hat „Das Schweigen der Lämmer“ dem „Roten Drachen“ von Michael Mann den Garaus gemacht – und mit ihm auch der wirklich untadeligen Darstellung der Lecter-Rolle durch Brian Cox.

Mir wurde hin und wieder erzählt, die Fassung von 1986 sei besser als die von 2002. Doch das ist wie gesagt nicht so einfach. Was Michael Manns „Manhunt“ an Glamour und Übereinstimmung mit der ikonischen Hopkins-Reihe abgeht, macht er dadurch wett, dass er seinem Nachfolger eine Vielzahl kluger Anleitungen gibt. „Roter Drache“ 2002 folgt ihnen teilweise penibel, mag oder muss aber auf einiges davon verzichten. Nicht nur Dr. Lecter nimmt mehr Raum ein, auch der Killer „Zahnfee“ wird – da mit Ralph Fiennes prominent besetzt – ausführlicher präsentiert und verliert dadurch viel von seinem Geheimnis. Das wiederum löst das Remake sehr gut, indem es diesen Charakter in einem charismatischen Zwiespalt hält, statt ihn als gruseligen Widerling zu zeichnen, wie es Tom Noonan in „Manhunt“ und dem Killer aus „Das Schweigen der Lämmer“ widerfuhr. Wer sich „Manhunt“ heute anschaut, wird sich vielleicht an der Konsequenz erfreuen, mit der unnötige Ekel-Effekte vermieden werden. Was ihn letztlich doch etwas schlechter abschneiden lässt, sind zeitgeschmackliche Dinge: ein billiger Rock- und Synthesizer-Soundtrack (typisch für die 80er), der besonders die Schlussbilder völlig verramscht, und der (in Kenntnis der Romanvorlage wie auch der Neufassung) allzu flotte Showdown. Das Ende des Bösewichts kommt seltsam früh.
Ein Jahr nach „Manhunter“ war ein Thriller in die Kinos gekommen, der unsere Sehgewohnheiten für immer veränderte. Es war ein Film, in dem die vermeintlich bereits zur Strecke gebrachte Schurkin Glenn Close noch einmal aufstand und erneut angriff: „Fatal Attraction“.

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