betr.: Skandinavier und Balten reisen zum Kämpfen in die Ukraine
Als die Pandemie sich entfaltete, erlebte ein alter Bestseller seine Wiederauferstehung: „Die Pest“ von Albert Camus. Ähnlich war es zuvor im Rahmen der Finanzkrise Hans Falladas „Kleiner Mann – was nun?“ ergangen. Wer dieses Prinzip weiterverfolgen möchte, dem sei nun die Lektüre von Ernest Hemingways „A Farewell To Arms“ empfohlen, dessen deutscher Titel „In einem anderen Land“ uns den Zusammenhang mit der heutigen politischen Lage aufzeigt: wer vor 1917, da die Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg eingriffen, als Amerikaner für die Mächte der Entente (also Großbritannien, Frankreich, Italien und deren Verbündete) ins Feld ziehen wollte, musste sich bei der Streitmacht eines anderen Landes verpflichten. Hemingway meldete sich als Sanitäter bei den Italienern.
Einer der besten Soundtracks für einen Kriegsfilm überhaupt (leider klingt die Platte nicht gut): Mario Nascimbenes Musik für „In einem anderen Land“ (1958).
Gegenwärtig zieht es viele Freiwillige aus dem Ausland in die Ukraine, um dort gegen Russland zu kämpfen. Sie ziehen damit nicht nur in die Schlacht zur Verteidigung der Demokratie, die von vielen zurzeit gesehen wird, sie folgen auch dem Aufruf des charismatischen Präsidenten der Ukraine Wolodymyr Selenskyj, eine „Internationale Brigade“ zu bilden. In Europa wird diese Bitte allgemein unterstützt, sogar mit raschen Gesetzesänderungen. Auch Großbritannien solidarisiert sich mit Selenskyj, weist aber darauf hin, wie wichtig eine militärische Ausbildung sei, um sich an der Front wirklich bewähren zu können. Alle anderen sollten lieber Geld spenden. Militärexperten pflichten dem bei: unerfahrene Freiwillige würden womöglich nicht lange von Nutzen sein und könnten – schlimmer noch –ihre Kameraden durch unvorsichtiges Handeln sogar gefährden. Um sich im Gefecht angemessen verständigen zu können, seien außerdem ukrainische Sprachkenntnisse notwendig. Auch die geplante Schaffung von Ausländerbrigaden würde das Kommunikationsproblem nicht vollständig lösen. Der dänische Veteranenverband wies auf die langfristigen gesellschaftlichen Folgen hin: Was wird aus den Heimkehrern, die im Umgang mit der Waffe sehr viel besser geschult sein werden als in der Bewältigung ihres Traumas? Und was wird mit der Gesellschaft geschehen, die sie zuerst nicht auf diese Erfahrung vorbereiten konnte und die danach mit ihrer Therapierung überfordert sein dürfte?
Die Polizei traf wenig später am Tatort ein und forderte Erklärungen, die nicht ganz einfach zu geben waren. Hätte es sich lediglich um die Schießereien und Messerstechereien gehandelt, hätte die Polizei ein normales Verbrechen konstatiert und wäre zur Tagesordnung übergegangen. Aber dieser Fall war so unglaublich, dass er schon wieder glaubwürdig war. Nicht nur hatte sich der russische Diplomat Serge Manow buchstäblich in Rauch aufgelöst, sondern auch der berühmte Doc Savage war am gleichen Ort von einem Russen namens Civan überfallen worden — und dieser Civan war nun von hier entführt worden, während über die gesamte nähere Umgebung eine ungewöhnlich schwarze Nacht hereingebrochen war. „Einen Augenblick“, sagte der Captain der Polizei zu Doc. „Warum hat dieser Civan versucht, Sie zu ermorden?“ „Ich weiß es nicht“, entgegnete Doc. Die Polizisten begriffen noch, dass die Männer in den blauen Anzügen ihren Kumpan Civan wiederhaben wollten; aber die jähe Dunkelheit leuchtete ihnen so wenig ein wie das Verschwinden Manows in einer Rauchwolke. Es war einfach unmöglich; so etwas gab es nicht; irgendjemand musste sich geirrt haben.
Doc überließ die Polizisten ihrem Problem, das allerdings zugleich sein Problem war, und ging mit Monk, Ham und Long Tom zu den Wagen. Sie verfügten nun über zwei Fahrzeuge. Es stellte sich heraus, dass alle drei Assistenten mit Doc fahren wollten; die hofften, unterwegs von ihm nähere Aufschlüsse über die geheimnisvollen Vorgänge zu erhalten. Schließlich wurde gelost. Monk verlor. Mürrisch klemmte er sich hinter das Steuer des zweiten Wagens und fuhr hinter Doc her. Er grübelte über die Ereignisse in Serge Manows Haus nach, gleichzeitig ärgerte er sich über Ham. Mechanisch achtete er auf den Verkehr, und es störte ihn nicht, dass er den Wagen mit Doc und den beiden anderen Freunden aus den Augen verlor. Er wusste, dass sie zu Docs Wohnung fuhren.
Die jüdische Kaufmannstochter Lotte Eisner ist 1933 vor den Nazis aus Berlin geflohen. Sie gelangte nach Paris, in die Hauptstadt der großen Kinonation, wo sie nach dem Krieg als Filmarchivarin, Filmhistorikerin und als eine der ersten Filmkritikerinnen wahre Wunder vollbrachte. Sie war die fleißigste Mitarbeiterin von Henri Langlois, dem Leiter der Cinémathèque Française, und dieser Langlois hat sie gehörig ausgenutzt, wie eine sehenswerte TV-Doku zu ihrem 125. Geburtstag enthüllte.
Unter den Zeitzeugen der Sendung befindet sich auch ein alter Herr, der wirkt, als hätte er gerade eine besonders beseelende Substanz eingeworfen. In Wahrheit freut sich der Mann einfach über sich selbst – also über Werner Herzog, der vermutlich jeden seiner eigenen Filme stehen- und liegenlassen würde, wenn er sich stattdessen selbst beim Reden zuschauen dürfte. Dazu muss er natürlich erst einmal dabei gefilmt werden …
Kurt Eugen Ludwig schrieb nicht nur die deutschen Dialogbücher für „Raumschiff Enterprise“, er synchronisierte auch den schottischen Maschinisten Scotty – außerdem den „Schrecklichen Sven“ in der parallel laufenden Trickserie „Wicke und die Starken Männer“ (eine Rolle, die man ihm vermutlich übergeben hat, nachdem er für Raimund Harmstorf im „Seewolf“ stimmlich eingesprungen ist). Die Geschwindigkeitseinheit „Warp“ hat Ludwig zunächst mit „Sol“ übersetzt, aber „Bones“ hieß immer schon „Pille“.
Als Musikfreund kommt man ins Staunen – und dieser Tage auch ins Nachdenken – wenn man sich bewusst macht, wie viele Künstler, die wir immer als „Russen“ betrachten und bezeichnen, ursprünglich und recht eigentlich Ukrainer sind. Viele von ihnen werden gar als Hauptvertreter der „Russischen Schule“ geführt. Seit dem 24. Februar bedeutet das einen gewissen Widerspruch. Einer der vielen Radiomenschen, die dieser Tage „blau-gelb geflaggt“ haben, gehört auch Kai Luehrs-Kaiser, der seiner letzten Sendung diese Musiker verstärkt auflegte: Komponisten, Dirigenten und Interpreten ukrainischer Herkunft, darunter natürlich auch viele zeitgenössische Vertreterinnen und Vertreter. Er orientierte sich bei der Zusammenstellung des Programms an einem zehn Jahre alten Artikel von Volker Tarnow aus dem Magazin der Berliner Philharmoniker. Man kommt nämlich, wie der Moderator versicherte, nicht einfach auf eine solche Liste, wenn man einfach schnöde in der Wikipedia herumstochert – was sich ja möglicherweise gerade ändert. Gespielt wurden Aufnahmen von oder mit Isaac Stern, Vladimir Horowitz, Dawid Oistrach, Sviatoslav Richter, Sergej Prokofiev und vielen anderen.
Tiomkin-Portrait vom Umschlag eines Songbooks von 1993
Wie sich das unter diesen Umständen gehört, war ein Komponist nicht in der Sendung, der zu unserer Ahnungslosigkeit über die russische Musiktradition erheblich beigetragen hat, erlaubte ihm doch seine Arbeit für Hollywood in dessen großer Zeit (und während des Kalten Krieges!) eine besondere Wirkungsmacht. Ich selbst habe mich an dieser Stelle mehr als einmal darüber amüsiert, dass es ausgerechnet der Russe Dimitri Tiomkin gewesen sei, der als wichtigster Western-Komponist gelten muss – wohlgemerkt: als wichtigster Soundtrack-Schreiber des amerikanischen Edelwestern (bevor sich dann ein jüngerer italienischer Kollege um den Italo-Western gekümmert hat). Einer der größten Songschreiber (wenn man die Popularität seiner Arbeit, nicht unbedingt seines Namens bedenkt) war er außerdem. Im Laufe von sieben Jahren brachte er vier Oscars nach Hause. So sei es hier noch einmal in aller Deutlichkeit verkündet: der Komponist solcher Songs wie „The High And The Mighty“, „Rawhide“, „The Green Leaves Of Summer“, „Rio Bravo“ und „High Noon“ war der in der Ukraine geborene Dimitri Tiomkin.
Auf der monatlichen „Liederbestenliste“, die durch die Punktvergabe einer Expertenjury aus Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz erstellt wird, lautet die aktuelle Album-Empfehlung: „Die Sonne scheint für alle“ vom Sänger und Gitarristen Stefan Kleinkrieg, auch als St. Kleinkrieg bekannt, ein Veteran der NDW-Band „Extrabreit“.
Der Song „Nie wieder jung“ ist weitaus heftiger bei mir eingeschlagen als Oldies vom Schlage „Hurra, hurra, die Schule brennt“. Auf der Homepage der „Liederbestenliste“ lobt Michael Lohse das Album als ein „nostalgisches Alterswerk, auf dem der 66jährige alle Register seines Könnens zieht und bei dem die Sonne der Inspiration in der Tat kräftig durchs Fenster des Hagener Plattenstudios geschienen hat, denn so hat man dieses Urvieh des Deutschrock noch nicht gehört: Zusammen mit seiner exzellenten jungen Band erfindet er sich musikalisch neu und bleibt doch ganz bei sich. ‚Ich tu nie wieder, als sei ich jung‘ singt er in ‚Nie wieder jung‘ – und klingt doch an keiner Stelle wie ein alter Mann. Da erzählt einer aus seinem Leben, der alle Höhen und Tiefen des Showgeschäfts erfahren hat und sich nichts mehr beweisen muss. (…) Sein von langjährigem Zigarettenkonsum geadeltes Bass-Timbre entfaltet einen magischen Sog, der einen durch die 15 kompakten, meist autobiographisch gefärbten Songs dieses Albums zieht. Nicht nur die Stimme, auch der lässig-lakonische Tonfall und die abgeklärten Pointen erinnern an Cohen.“ Leider nicht nur an den. Wer wie ich nicht zu den beinharten Fans des Musikers gehört und seinen Sound entsprechend verinnerlicht hat, wird beim Hören dieser Aufnahme möglicherweise an den unwürdigen Greis Udo Lindenberg denken müssen, aus dessen Mund dieser Text eine ungewollte Ironie entfaltet hätte. Da ich mich von diesem Reflex auch beim mehrmaligen Anhören einfach nicht freimachen kann, wünsche ich diesem Song im Laufe der Zeit viele Neu-Interpretationen! Einen festen Platz im zeitgenössischen Chanson-Repertoire hat „Nie wieder jung“ ohnehin verdient.
„Star Trek“ ist inzwischen so lange erfolgreich, dass sich Epochen der Fernsehgeschichte daran ablesen lassen. „Star Trek Discovery“, die seit 2017 laufende neueste Reihe innerhalb des Geschichten-Universums aus Kino, Fernsehen, Büchern, Comics, Games und Merchandise, ist ein episch erzähltes Unterhaltungsangebot auf der Höhe der heutigen Rezeptionserwartung. Als die vielgestaltige Saga um das liebenswerte Raumschiff vor 50 Jahren erstmals bei uns unter dem Titel „Raumschiff Enterprise“ zu sehen war, sah die Welt noch anders aus. Serienepisoden waren in sich angeschlossene Geschichten, die sich beliebig umschichten ließen. Das kam uns insofern entgegen, als wir gerade mal zwei Fernsehsender hatten, die gemeinsam wenige Stunden Programm pro Tag bespielten. Wir bekamen zunächst nur eine Auswahl der 79 Folgen zu sehen, der Rest wurde in den 80er Jahren vom neu eingeführten Privatfernsehen nachgeholt.
Gene Roddenberry hatte schon recht
Antikriegsparabeln wie „Seit es Menschen gibt“ und „Pokerspiele“ lassen sich als Kommentare zur heutigen politischen Situation noch immer gut anschauen. „Let That Be Your Last Battlefield“ kannte ich zunächst nur aus dem Panini-Sammelalbum. Dort trug die später „Bele jagt Lokai“ betitelte Folge die Überschrift:
1977 widmete der Komiker und Filmregisseur Mel Brooks dem Lebenswerk seines großen Kollegen Alfred Hitchcock – das, wie wir heute wissen, bereits abgeschlossen war – die Parodie „High Anxiety“. Der Titel spielt auf einen der berühmtesten Hitchcock-Filme an, den damals nicht zugänglichen „Vertigo“. Der Film selbst greift viele der zahlreichen Klassiker des Meisters auf, besonders aus dem Spätwerk. „Für Fans“ ist „High Anxiety“ recht vergnüglich, leider ist er nicht halb so komisch wie Brian De Palmas (ernstgemeinte!) Hitchcock-Hommage „Obsession“, die wenige Jahre zurücklag. Hitchcock jedenfalls adelte die Arbeit von Mel Brooks mit einer Mischung aus dem Suspense-Sadismus, für den er berühmt war, und der Milde und Großzügigkeit, die man sich in späten Jahren auch als professioneller Angstmacher gönnen darf. Nachdem er ihn einige Tage auf die Folter gespannt hatte, schickte Hitchcock Mel Brooks „Als kleinen Beweis meiner Zuneigung für Sie und Ihren Film“ eine Kiste Bordeaux des 1961er Jahrgangs. (Die Rede ist sogar von „Magnums“, aber das kann ich kaum glauben.) Mir und allen anderen, die nichts von der Sache verstehen, erklärte der so reich Beschenkte: „Fragt man die Franzosen danach, sagen sie: Il n’existe pas. Es gibt ihn nicht mehr! – Ich besitze also eine der letzten Kisten von diesem Wein. Ich wurde fast ohnmächtig! Ich habe ihn zusammen mit Gene Wilder getrunken. Wilder ist auch Weinkenner. Und meine Frau Anne Bancroft? Sie tut Eisstückchen in ihren Wein. In den weißen. Sie weiß inzwischen soviel, dass sie es bei rotem nicht mehr wagt.“
Ich halte es mit der Außenseiterin dieser Geschichte. Nur dass ich außerordentlich große Eisstücke nehme. In den roten.
Es mag uns gefallen oder nicht: die Endlos-Serie “Tatort“ ist das Größte, was das lineare Fernsehen noch zu bieten hat. Bis man sich mit Thomas Gottschalk über neue Folgen von „Wetten dass ..?“ geeinigt haben wird, wird sie außerdem das einzige bzw. „das letzte große Lagerfeuer“ der deutschen TV-Nation sein. Mittlerweile gibt es beim „Tatort“ mehr Jubiläen (was Jahre, Episoden und Ermittlergedenkfeiern betrifft) als andere Serien Episoden haben. Regelmäßig werden „Bestenlisten“ herausgegeben, zum Beispiel diese:
Die Liste stammt aus einem „Tatort“-Handbuch von 2000 (also zum 30. Geburtstag der Serie). Sie basiert auf den Nennungen der Episoden in den Artikeln des Buches, ist aber dennoch repräsentativ. Sie gleicht auffallend der Top 5 der Hitparaden, die regelmäßig in TV-Zeitschriften und Krimiforen präsentiert werden. Deshalb sei sie hier stellvertretend näher betrachtet, auch als Platzhalterin für die vielen Rankings, die überhaupt in den Medien stattfinden. Dabei geht es nicht um die Verwerfung eines sicher wohlbegründeten Urteils, sondern um die ganz praktische Frage: dürfen wir diese Liste als Empfehlung lesen, welche Folgen es wert wären, mal wieder angeschaut zu werden?
Platz 1: „Reifezeugnis“ (NDR 1977) ist tatsächlich eines der schönsten Fernsehspiele der Bonner Republik und dürfte seinen Ehren-Spitzenplatz in sämtlichen einschlägigen Aufzählungen weiterhin behaupten. Nebenbei ist es eine Freude, dass es damit auch beim ermittelnden Beamten, dem köstlichen Kommissar Finke aus Kiel (Klaus Schwarzkopf), den Richtigen getroffen hat.
Platz 2: „Frau Bu lacht“ (BR 1995) ist unzweifelhaft ein Höhepunkt des Tatort-Breitbildzeitalters. Dass ihm niemals ein anderer Fall des bis heute amtierenden Duos Batic/Leitmayr vorgezogen wird, ist aber eine Verneigung vor seinem Regisseur Dominik Graf, der – ähnlich wie bei „Reifezeugnis“ der spätere Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen – inzwischen über Vergleiche mit Kollegen erhaben ist. Außerdem zeugt solch stabile Huld von der großen Unlust der jeweiligen Jury, das Repertoire noch einmal zu sichten und neu zu bewerten. Mein persönlicher BR-Favorit dieser Amtszeit ist „Nie wieder frei sein“, der 14 Jahre nach Erstellung dieser Liste herauskam.
Platz 3: „Tote Taube in der Beethovenstraße“ (WDR 1973) ist eine seismische Peinlichkeit, ein missgestaltetes Kuriosum, Anwärter für ein ganzes Körbchen goldener Himbeeren. Die mittlere Hollywood-Größe Samuel Fuller wurde gewonnen, Regie beim Filmstar-haftesten Tatort-Ermittler zu führen, der sich bis heute denken lässt: beim (in der Tat international tätigen) Sieghardt Rupp. Ich war nicht dabei, bin aber überzeugt, dass der Zollfahnder Kressin schon dem damaligen Publikum als Cartoonfigur erschienen sein muss, die sich der WDR als größte und leistungsfähigste ARD-Anstalt einfach mal gönnen durfte. Ausgerechnet bei diesem Fall kommt Kressins Selbstironie an ihre Grenzen: man nimmt sich allenthalben so ernst, dass das absurde Buch, die popelige Action und die knödelige Synchronisation ein umso groteskeres Gemisch ergeben. Spätestens mit dem heutigen Abstand.
Platz 4: „Duisburg-Ruhrort“ (WDR 1981) verfügt über eine denkwürdige Eröffnungsszene, die das Entrée des bahnbrechenden TV-Ermittlers Horst Schimanski enthält. Abgesehen von diesem historischen Aspekt gibt es natürlich bessere Episoden. (Die frühen und die späten der 30 Einsätze machen mir insgesamt mehr Spaß als die in der Mitte.) Aber alles in allem ist Schimanski weitaus schlechter gealtert als sein vergleichsweise „konventioneller“ Vorgänger Kommissar Haferkamp alias Hansjörg Felmy, auf dem die Schimanski-Hersteller seit 40 Jahren nicht müde werden, herumzuhacken. Klar: Georges Macken, seine Körperlichkeit, die Schnodderigkeit, der triste Realismus, die dramaturgische Wichtigkeit der Kommissare … all das war flott und gewagt – und gehört inzwischen ja einfach dazu. Aber wo „Kult“ draufsteht, ist häufig ebensoviel Trash drin. Ähnlich wie heute Jan Josef Liefers, himmelte sich Götz George in seiner Rolle so penetrant selber an, dass die Verehrung von Fans gar nicht mehr gebraucht wurde.
Platz 5: „Tod im Häcksler“ (SWF 1991) ist inhaltlich ein solide-mittelprächtiger Einsatz für Lena Odenthal, aber mit Ben Becker als prominentem Traumduo-Partner und Nico Hoffmann als Mitautor und Regisseur mal wieder so ein Fall von „Mensch, das muss ja doll sein“. Im Zweifelsfall: einfach mal selber anschauen und nicht zu viel erwarten.
Was sollte man sich sonst / stattdessen ansehen?
Es gibt Juwelen der Reihe, die offiziell weniger hermachen, etwa „Flucht nach Miami“, „Alles umsonst“, „Ohnmacht“ oder „Die Abrechnung“ (WDR 1975 – der Titel wurde nochmals vergeben). Bis auf wenige Ausnahmen sind ein besonderes Vergnügen: die wenigen Fälle mit Horst Bollmann als MAD-Oberstleutnant Delius (NDR) sowie Gustl Bayrhammers Veigl-Tatorte aus dem München der 70er Jahre – hier sind dramatisches Kammerspiel und Humor so gut ausbalanciert wie sonst nur bei Kommissar Finke.
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