Kultfilm Azubis (9): The Hole in the Donut

In der heutigen Folge des Podcasts geht es um zwei Helden, die völlig aus der Welt gefallen sind und sich doch erstaunlich planvoll in ihr bewegen, einer davon eine Kunstfigur, der andere der Erfinder seiner selbst.

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/forrest-gump-buster-keaton-wie-hollywood-ein-genie-zerbrach

A) Forrest Gump
Amerikanische Komödie von 1994

Auf einer Parkbank in Savannah unweit einer Bushaltestelle sitzt ein Mann namens Forrest Gump. Er ist angereist, um eine Jungendfreundin zu überraschen und hat als Präsent für sie eine Schachtel Pralinen auf dem Schoß. Den wechselnden Passanten, die im Laufe des Films neben ihm platznehmen werden, erzählt er seine wechselvolle Lebensgeschichte: seine Entwicklung vom gehbehinderten Außenseiter im amerikanischen Süden mit einem IQ von 75 zum Supersprinter, sein Einsatz im Vietnamkrieg, seine Karriere als Pingpong-Meister, seine Arbeit als Shrimps-Fischer, die unerfüllte Liebe zu Jenny, die ihn wegen seiner sexuellen Unreife nicht als festen Partner in Erwägung zog. Der Zufall führt Forrest mit Elvis Presley, John Lennon, der Hippie-Bewegung und mehreren US-Präsidenten zusammen. Unverdrossen bewahrt er sich Zuversicht und Optimismus und hält sich an Lebensweisheiten von der Sorte: Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man bekommt.

Trotz seines schwermütigen Helden und dessen mühsamen Lebensweges wurde Forrest Gump zu einem der größten Feelgood-Movies der Jahrtausendwende: die Geschichte eines reinen Toren, der sein Land liebt und seinem Herzen folgt. Hauptdarsteller Tom Hanks hatte die sprichwörtliche Rolle seines Lebens gespielt, erhielt den zweiten Hauptrollen-Oscar hintereinander und beschränkte sich für den Rest seiner Karriere hauptsächlich auf positive Helden und leichte Stoffe.

B) Buster Keaton – Wie Hollywood ein Genie zerbrach
Französische TV-Doku von 2016

Buster Keaton zählte neben Charles Chaplin und Harold Lloyd zu den erfolgreichsten Komikern der Stummfilmzeit und hat letzteren in der heutigen Bewertung meilenweit hinter sich gelassen. 1928 ist er auf dem Höhepunkt seiner Karriere – und sieben Jahre später ganz unten: ein arbeitsloser Alkoholiker, den die Ehefrau aus der gemeinsamen Villa und aus der Familie verstoßen hat. Der entscheidende Auslöser dieses Absturzes ist eine einzige tragische Fehlentscheidung. Keaton wird in Hollywood nie wieder zu alter Größe aufsteigen, doch er wird sich berappeln und sogar ein Glück erfahren, das nur wenigen zuteilwird: das Miterleben der eigenen Wiederentdeckung durch die Nachwelt.

Kunstvoll verwebt die Dokumentation Bilder aus Keatons Filmen zu einer biographischen Erzählung und – das ist das Ungeheuerliche – zu einem weiteren Film des großen Poeten der Stummfilmzeit. Handlung: das Schicksal eines Künstlers, der im Räderwerk des alten Studiosystems zerrieben wird.

Nächste Woche: „The Big Lebowski“ und „Der Mann, der zweimal lebte“

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Prima vista 0,5: „Die Katzen von Ulthar“

betr.: Lesen vom Blatt / Übung

Eine Prima Vista Lesung in abgemilderter Form lässt sich durchführen, wenn man sich verschiedene Übersetzungen der selben Textpassage vornimmt: die erste wird still gelesen, die zweite laut.
Der Inhalt ist bekannt, der Wortlaut ändert sich.

Heutiges Beispiel aus „Die Katzen von Ulthar“ von H. P. Lovecraft

Variante 1:

Es heißt, in Ulthar, das jenseits des Flusses Skai liegt, darf niemand eine Katze töten; und wenn ich sie betrachte, die am Feuer sitzt und schnurrt, kann ich das durchaus glauben. Denn die Katze ist kryptisch und vertraut mit seltsamen Dingen, die den Menschen verborgen sind. Sie ist die Seele des alten Aigyptos und Trägerin von Geschichten aus vergessenen Städten in Meroe und Ophir. Sie ist vom Geschlecht der Herren des Dschungels und Erbin der Geheimnisse des ehrwürdigen und sinistren Afrika. Die Sphinx ist ihre Cousine, und sie spricht ihre Sprache; aber sie ist viel älter als die Sphinx und erinnert sich an das, was jene vergessen hat.
In Ulthar lebten, bevor die Bürger das Töten von Katzen überhaupt verboten, ein alter Kätner und dessen Frau, die ihr Vergnügen daran fanden, die Katzen ihrer Nachbarn in Fallen zu fangen und umzubringen. Warum sie dies taten, ich weiß es nicht; außer, daß vielen die Stimme der Katze in der Nacht verhaßt ist und sie es übel aufnehmen, daß Katzen im Zwielicht verstohlen über Höfe und Gärten huschen. Doch aus welchem Grund auch immer, diesem alten Mann und seiner Frau machte es Spaß, jede Katze zu fangen und umzubringen, die in die Nähe ihrer elenden Hütte kam; und wegen mancher Laute, die nach Einbruch der Dunkelheit erklangen, stellten sich viele Einwohner vor, daß die Art des Umbringens mehr als eigentümlich war. Doch die Leute sprachen mit dem alten Mann und seiner Frau nicht über solche Dinge; das lag an dem habituellen Ausdruck auf den verwelkten Gesichtern der beiden und daran, daß ihre Hütte so klein war und so dunkel verborgen unter den Eichen hinter einem vernachlässigten Hof lag. So sehr wie die Katzenbesitzer diese merkwürdigen Leute haßten, fürchteten sie sie in Wahrheit doch mehr; und anstatt sie als brutale Meuchelmörder anzugehen, besorgten sie nur, daß sich kein umhegter Liebling oder Mäusefänger zu dem abgelegenen Schuppen unter den dunklen Bäumen verirrte.

Übersetzung: Michael Walter für die „Phantastische Bibliothek“, Suhrkamp 1997 / 1980

Variante 2:

Man erzählt sich, dass in Ulthar, jenseits des Flusses Skai, niemand eine Katze töten darf; und ich bin durchaus willens, dem Glauben zu schenken, während ich jene betrachte, die schnurrend vor dem Kamin sitzt. Denn die Katze ist rätselhaft und steht den seltsamen Dingen nahe, die für Menschen unsichtbar sind. Sie ist die Seele des antiken Ägyptos, und mit ihr kamen Geschichten aus vergessenen Städten in Meroë und Ophir. Sie ist verwandt mit den Herren des Dschungels und erlebte die Geheimnisse des uralten und finsteren Afrika. Die Sphinx ist ihre Cousine, und sie spricht ihre Sprache. Aber sie ist älter als die Sphinx und erinnert sich an das, was jene vergessen hat.
Lange bevor die Bürger das Töten von Katzen verboten, lebten in Ulthar ein alter Kleinbauer und seine Frau, die sich daran ergötzten, die Katzen ihrer Nachbarn zu fangen und zu töten. Warum sie dies taten, weiß ich nicht; obgleich viele die nächtlichen Gesänge der Katzen hassen und es übelnehmen, dass Katzen in der Dämmerung durch Höfe und Gärten schleichen. Doch dieses alte Ehepaar fand, weshalb auch immer, Vergnügen daran, jede Katze, die sich ihrer Kate näherte, zu töten; und eingedenk einiger nach Einbruch der Nacht vernommener Geräusche stellten sich viele Dörfler vor, dass die Tiere auf ganz sonderbare Weise getötet wurden. Die Dörfler sprachen jedoch nie mit dem Alten und seiner Frau über solche Dinge; wegen des berüchtigten Ausdrucks in den verwirrten Gesichtern der beiden und weil ihr Häuschen so klein war und in einem finsteren Winkel, im Schatten ausladender Eichen am hinteren Rand eines vernachlässigten Hofes stand. Um die Wahrheit zu sagen – sosehr die Katzenbesitzer diese kauzigen Leute auch hassten, sie fürchteten sie noch viel mehr; und anstatt sie brutale Mörder zu schimpfen, achteten sie lediglich darauf, dass kein geschätztes Haustier und kein geschätzter Mäusejäger sich je in Richtung der abgelegenen Bruchbude unter die dunklen Bäume verirrten.

Übersetzung von Andreas Fliedner und Alexander Pechmann für „H. P. Lovecraft – Das Werk II“, FISCHER Tor 2021

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Depublikation – Ändern, was sich nicht mehr ändern lässt

Obwohl das Internet bekanntlich nichts vergisst, kann es immerhin guten Willen zeigen. Harald Martenstein erläutert das mit dem „Depubliziertwerden“ im „Zeit-Magazin“ aus der Perspektive des Betroffenen: „Eine Zeitung löscht im Netz einen bereits gedruckten Text, weil er angeblich furchtbar ist. Der Text ist vor allem deshalb furchtbar, weil er in einem für die Zeitung relevanten Milieu für Empörung sorgt. Auch in der Redaktion brennt die Luft Die Zeitung steht von innen und außen unter Druck. Der Text ist in der Welt, das lässt sich nicht ändern. Und er wird jetzt erst recht gelesen. Das Depublizieren im  Netz ist eine Demutsgeste, ein rituelles Opfer. Dem Autor des furchtbaren Textes wird öffentlich eine Backpfeife verpasst, in der Hoffnung, die Götter dadurch milde zu stimmen und Nachahmer abzuschrecken. Der Inhalt des Textes wird als Tabu markiert.“
Leider funktionieren die digitale Öffentlichkeit wie auch die von ihr geführten „Diskurse“ wie das sprichwörtliche ungezogene Kind, das eine Sache erst dann richtig sexy findet, wenn sie ihm verboten wird (Martenstein deutet es bereits an).
Es hat also Tradition. Die Methode hat Tradition und ihre Sinnlosigkeit ebenfalls. In der Ära der Holzmedien fiel sowas noch unter „Zensur“ bzw. „Selbstzensur“.
Im Fernsehen gab es für solche Inhalte früher den berühmten „Giftschrank“, aus dem Beiträge nach langer Schmorzeit auch wieder herauskommen konnten – so gut oder schlecht wie zuvor, jetzt aber eingestänkert mit dem lockenden Aroma des Skandals.

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Prima vista 0,5: Der Wind in den Weiden

Wie Alexander Solloch im bereits an dieser Stelle gepriesenen Buch über den „Unübersetzer“ Harry Rowohlt berichtet, zählt der Kinderbuchklassiker „The Wind In The Willows“ von Kenneth Grahame mit rund zehn deutschen Bearbeitungen zu den am häufigsten ins Deutsche übersetzten Büchern. Er räumt auch ein, dass es angesichts dessen nicht ohne weiteres feststellbar sei, ob Harrys Übersetzung wirklich die beste wäre, aber vieles spricht dafür. (Gerd Haffmanns attestierte seinen Arbeiten „eine oder zwei Synapsen mehr als andere Übersetzungen“.)

Bei Grahame beginnt das Buch so:

The Mole had been working very hard all the morning, spring-cleaning his little home. First with brooms, then with dusters; then on ladders and steps and chairs, with a brush and a pail of whitewash; till he had dust in his throat and eyes, and splashes of whitewash all over his black fur, and an aching back and weary arms. Spring was moving in the air above and in the earth below and around him, penetrating even his dark and lowly little house with its spirit of divine discontent and longing. It was small wonder, then, that he suddenly fung down his brush on the foor, said ‘Bother!’ and ‘O blow!’ and also ‘Hang springcleaning!’ and bolted out of the house without even waiting to put on his coat. Something up above was calling him imperiously, and he made for the steep little tunnel which answered in his case to the gravelled carriage-drive owned by animals whose residences are nearer to the sun and air. So he scraped and scratched and scrabbled and scrooged and then he scrooged again and scrabbled and scratched and scraped, working busily with his little paws and muttering to himself, ‘Up we go! Up we go!’ till at last, pop! his snout came out into the sunlight, and he found himself rolling in the warm grass of a great meadow.

Wir wollen drei der deutschen Buchanfänge betrachten, die in den letzten 100 Jahren erschienen sind.
1929 erschien in Stuttgart die „Einzig berechtigte Übersetzung ins Deutsche“ von Else Steup.

Der Maulwurf, Cornelius Grabfuß, hatte großes Frühlingsreinemachen. Er hatte den ganzen Morgen wie wild in seinem kleinen Häuschen geschuftet, erst mit Besen, dann mit Staubtüchern und dann mit einem Eimer voll Tünche und einem Pinsel auf Leitern und Tritten und Stühlen. Schließlich hatte er Hals und Augen voll Staub, seinen schwarzen Pelz voller Tüncheflecken, und dazu taten ihm Rücken und Arme weh. Überallhin drangen die Frühlingslüfte, sie waren oben in der Luft und unten in der Erde um ihn herum. Sie erfüllten sogar sein düsteres armseliges Häuschen mit ihrem Geist göttlicher Unruhe und Sehnsucht.

Harry Rowohlt eröffnete 1973 so:

Den ganzen Vormittag hatte der Maulwurf geschuftet: In seinem kleinen Haus war der Frühjahrsputz ausgebrochen. Zuerst mit Besen und Staubtuch, dann auf Leitern und Trittleitern und Stühlen und drittens mit Pinsel und Tünche. Bis er Staub in Gurgel und Augen hatte und Placken weißer Tünche auf dem schwarzen Pelz und ein Reißen im Rücken und Schmerzen in den Armen. Der Frühling rumorte oben in der Luft herum und unten in der Erde herum und rund um den Maulwurf herum.

Und so wird es weitergehen, denn der Ruhm von Grahames Werk ist ungebrochen.
Zuletzt legte Michael Stehle 2019 die so beginnende Bearbeitung vor:

Der Maulwurf hatte den gesamten Vormittag dem Frühjahrsputz seines kleinen Hauses gewidmet. Zuerst mit dem Besen, dann mit einem Staubtuch und zuletzt, ausgerüstet mit einem Pinsel und einem Eimer weißer Farbe, stand er auf Stühlen und Leitern. Bis er schließlich Mund und Augen voller Staub hatte und sein schwarzer Pelz mit weißen Farbklecksen übersät war. Außerdem taten ihm der Rücken und die Arme weh – und all das, während um ihn herum die Luft und die Erde vom Duft des Frühlings erfüllt waren.

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Was ist ein Programmkino (und wie kommt man da rein)?

Heute geht ein Podcast auf Sendung (sagt man so?), bei dem mein Kollege Torben Sterner und ich zu Gast sein dürfen: die neue Folge des „SumsCity Podcast“, in dem es darum geht „das erste Mal“ zu beschreiben. Die Kollegen Addy und Moritz stellen die Fragen „Wie hat es angefangen? Wo kommt es her? Wie begleitet es uns heute in unserem Leben?“ heute zu meiner großen Freude zu einem Thema, dass zu uns beiden Kultfilmern bestens passt: „Programmkino“.
Torben und ich können berichten, wie wir an einem solchen Ort (dem Hamburger „Abaton“) unseren ersten aller 42 Kultfilme gemeinsam angeschaut haben („Harold And Maude“). Und Torben erzählt – was mir gar nicht bewusst war -, wie ich ihn zu seinem ersten Programmkino-Besuch mitnahm: ins „Metropolis“ (wiederum in Hamburg“) zu meiner Reihe über den Beruf des Comedians im Film. Und siehe da: in einem der beiden gezeigte Filme spielte Torben sogar mit.
Wirklich irre aber ist, was Addy zu berichten hat …

Hier kommt alles raus:
https://www.bing.com/videos/riverview/relatedvideo?&q=98+-+Programmkino+(mit+Monty+Arnold+und+Torben+Sterner+von+Alle+42+Kultfilme)&qpvt=98+-+Programmkino+(mit+Monty+Arnold

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Kultfilm Azubis (8): Dicke Luft in der Wildnis

In der heutigen Folge des Podcasts geht es um zwei Männer mit großen Plänen, die sich an einen entlegenen Ort zurückziehen, um gottgleiche Macht an sich zu reißen:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/apocalypse-now-der-mann-der-koenig-sein-wollte

A) Apocalypse Now
Vietnam-Kriegsfilm von 1979

Captain Willard erhält von seiner Stabsstelle den Auftrag, in den Wirren des Vietnamkriegs nach Colonel Kurtz zu suchen, einem Elitekrieger, der eines Tages im Dschungel Kambodschas untertauchte und – offenbar verrückt geworden – ein Terrorregime errichtet hat. Für die US-Army ist er außerdem ein Sicherheitsrisiko. Willards Eintauchen in den Urwald wird zu einem Trip in die eigenen Abgründe und zur sprichwörtlichen Reise ins Herz der Finsternis.

Ungeachtet seines Ruhmes, seines Erfolges und dem Prädikat, der wichtigste aller Vietnam-Filme und ein Meisterwerk des Kinos zu sein, wird immer wieder punktuelle Kritik an Apocalypse Now geübt, der sehr freien und doch treffenden Verfilmung einer Erzählung von Joseph Conrad. Auch sein Regisseur Francis Ford Coppola hat die Welt immer wieder irritiert: mit der immensen Kluft zwischen schimmernden Ruhmestaten – wie Der Pate 1 und 2 – und Murks – wie One From The Heart, Megalopolis oder Der Pate III.

B) Der Mann, der König sein wollte / The Man Who Would Be King
Amerikanische Literaturverfilmung von 1975

Indien 1882: als Beschmutzer der Ehre ihrer Krone sollen die abgemusterten britischen Soldaten Danny Dravot und Peachy Carnehan eigentlich in den Knast. Doch die Fürsprache eines Logenbruders ermöglicht es ihnen, ins ferne Kafiristan zu ziehen, um ihr Glück zu machen. Dort, wo man seit Alexander dem Großen keinen Weißen mehr zu Gesicht bekommen hat, schlummern sagenhafte Reichtümer.
Am Ziel einer strapaziösen Reise helfen die fröhlichen Taugenichtse dem Bürgermeister eines Bergdorfes beim Kampf gegen die benachbarte Stadt, und durch einen Zufall gerät Danny dabei in den Ruf der Unsterblichkeit. Man erklärt ihn zum Gott und krönt ihn zum König.
Peachy möchte am liebsten so schnell wie möglich die Reichtümer zusammenraffen, die man ihnen nun zu Füßen legt, und in die Heimat zurückreisen. Doch Danny hat längst Gefallen an der Verehrung gefunden, die ihm entgegenschlägt, und träumt davon, ein Großreich zu gründen. Er überredet Peachy, noch zu bleiben, bis er eine schöne Eingeborene geehelicht hat. Ein fataler Fehler …

Der Erstling von Regisseur John Huston war der Film-Noir-Klassiker „Die Spur des Falken“ – wir behandelten wir in unserer ersten Staffel „Alle 42 Kultfilme“. Für ein knappes halbes Jahrhundert blieb er eine der respektiertesten und gefeiertesten Persönlichkeiten des US-Kinos und bespielte souverän alle dramatischen Genres.

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Superman – Die Filmkritik

Die Fakten

Supermans Erzfeind Lex Luthor tritt als waghalsiger Tech-Milliardär auf, der nun auch nach politischer Macht strebt. Mit Waffenlieferungen und Fake-News-Kampagnen unterstützt er einen autoritären Balkan-Staat bei dessen Eroberungskrieg gegen ein schwächeres Nachbarland. Kern seiner Kampagne ist es, Superman als Bedrohung – als interstellaren Einwanderer – zu brandmarken. Die Rechnung geht auf. Mit staatlicher Genehmigung sperrt Luthor den Helden in ein privates Zwischenweltgefängnis ein. Doch Superman wird nicht nur von Lois Lane vom „Daily Planet“ unterstützt, sondern auch von der „Justice Gang“ – und von Krypto!
Seit 1938 rettet Superman die an New York angelehnte Planstadt Metropolis. Zu seiner multimedialen Erfolgsgeschichte zählen – Gastauftritte mitgerechnet – insgesamt 15 Filmauftritte. Seine aktuelle Mission ist larger than life. Mit seinem neuen Film soll er für DC ein Cinematic Universe begründen, dessen Marvel-Vorbild gerade die Abenddämmerung erlebt.

Die Wahrheit

… gibt’s in Gespräch mit Torben Sterner und Hennes Bender in der Sonderausgabe unseres Podcasts:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/superman-sonderausgabe



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Menschen im Hotel

betr.: „Die Wahrheit“ in der „taz“ vom 4.7.2025

Mit der üblichen ernsten Ironie macht sich die „taz“ auf ihrer Witzseite über ehemalige Fußballstars lustig. Es wird beklagt, wie pupsig und dröge das Altenteil dieser Leute heute aussieht: „Manche studieren, werden ‘Sportpsychologen‘ oder ‘Ernährungsberater‘. Laaaaangweilig“. Doch nicht nur der Ruhestand, auch die aktive Zeit war einst eine Sause aus dem vergangenen Jahrhundert: „Es gab (…) nicht für jeden Scheiß gleich die gelbe Karte – die Regelauslegung war noch nicht von weinerlichen Snowflakes gekapert. Die meisten Schiedsrichter kamen direkt aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Auch im Trainingslager ging es noch richtig ab. Ins Hotelfoyer gepinkelt, um erst mal den Claim abzustecken, Zimmermädchen belästigt und jeden Abend alle Mann mit zusammengeknoteten Bettlaken am Fenster im sechsten Stock des Mannschaftshotels abgeseilt, Räuberleiter über den Stacheldrahtzaun und ab ins nächste Bordell mit Branntweinausschank. Um drei Uhr morgens stockvoll zurück. Herrlich, es war wie eine Klassenfahrt für schwer erziehbare Testosteronopfer – das war noch richtiger Teamsport.“

Das Verhalten in Hotels spielte auch in der Welt der Filmstars eine große Rolle, vor allem auf den Zimmern, wo von Produzenten gern Bademantel „gecastet“ wurde, während die Schauspieler den Ort gleich ganz verwüsteten, um sich in der Klatschpresse ein Ansehen zu geben. Insgesamt sind diese seligen Fußball-Zustände in der Welt des Showbiz durchaus noch beim Alten. Die zwischenzeitlichen MeToo-Bemühungen lösen sich gerade exemplarisch in milden Weinstein-Urteilen und –Revisionen auf, während immerhin die Filme selbst vor Wokeness und Sauberkeit blubbern.
Dass eines durchschnittlichen Mannes Kraft nach wie vor nicht unbegrenzt ist, zeigen uns die einander gleichenden Bilder von einst und jetzt. Der deutsche Weltstar Klaus Kinski fühlte sich in seiner Spätphase genausosehr von sich und der Welt gedisst und betrogen wie heute sein Kollege und Landsmann Til Schweiger.

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