Die wiedergefundene Textstelle: Ein Killer wird gedungen (1)

betr.: 23. Todestag von Frederick Knott (vor drei Tagen)

Bei Anruf Mord
Dial M For Murder

Warner Brothers 1954
Drehbuch von John Michael Hayes nach dem Theaterstück von Frederick Knott
Regie: Alfred Hitchcock

Zeit: Gegenwart
Ort: Der Londoner Stadtteil Maida Vale, eine vornehme Wohnung

Tonys Monolog – Teil 1: Die Vorgeschichte

Der elegante Mittvierziger Tony Wendice nutzt die Abwesenheit seiner Frau und ihres Gastes aus New York, um einen Mann namens Lesgate unter einem Vorwand in seine Wohnung einzuladen. Erst als die beiden bei einem Cognac zusammensitzen, eröffnet er ihm, dass er ihn von früher kennt. Dann beginnt Tony von seiner Ehe zu erzählen …

Kurz nach unserer Heirat spielte ich in verschiedenen Turnieren und nahm Margot überallhin mit. Aber es gefiel ihr nicht, und als wir zurückkamen, wollte sie, dass ich das Tennis aufgebe und lieber Ehemann spiele. Wir schlossen schließlich einen Kompromiss. Ich fuhr allein zu den Meisterschaften nach Amerika und kam nach ungefähr drei Monaten wieder zurück. Ich merkte sehr bald, dass sie sich verändert hatte, während ich fort war. Sie schien nicht mehr in mich verliebt zu sein. Es kamen Anrufe, die sie sofort unterbrach, wenn ich in der Nähe war. Dann tauchte eine Schulfreundin auf, die sie öfters besuchte. Eines Tages stritten wir uns. Ich hatte für ein Hallentennisturnier gemeldet, und sie wollte mich wie immer nicht begleiten. Ich war im Schlafzimmer, als das Telefon klingelte, das Gespräch schien sehr lebhaft. Und jetzt schien es ihr plötzlich sehr recht zu sein, dass ich spielte, also packte ich meine Sachen in den Wagen und fuhr ab. Aber ich parkte den Wagen zwei Straßen weiter und ging zu Fuß zurück. Zehn Minuten später kam sie aus dem Haus und nahm eine Taxe, ich folgte ihr in einer zweiten. Die Schulfreundin war ein Junggeselle, der in Chelsea wohnte. Ich konnte durch ein Fenster beobachten, wie sie Spaghetti auf einer Gasflamme kochten. Sie sprachen nicht viel, sie schienen sich sehr gut zu kennen.
Es ist wirklich komisch, wie man Leuten ansieht, dass sie verliebt sind.
Ich ging lange durch die Straßen und überlegte mir, was passieren würde, wenn sie mich verlässt. Zunächst einmal müsste ich anfangen, Geld zu verdienen. Es wurde mir plötzlich klar, wie abhängig ich von ihr war. Ich hatte mich an einen gewissen Luxus gewöhnt auf der Höhe meines Ruhmes. Und jetzt war es bald mit dem Tennis vorbei und mit meiner Ehe anscheinend auch. Sie können sich nicht vorstellen, wie mir zumute war. Ich ging in eine Bar und fing an zu trinken. Als ich da so in meiner Ecke saß, kamen mir die unmöglichsten Gedanken. Ich überlegte mir, wie ich den Mann umbringen könnte, dann, ob ich meine Frau töten sollte – und das erschien mir viel vernünftiger. Als ich gerade dabei war, mir diese Situation zu überlegen, kam ich plötzlich auf einen ganz anderen Gedanken. Ich fuhr schließlich gar nicht zu dem Turnier.
Als ich nach Hause kam, saß sie an der gleichen Stelle, an der Sie sitzen. Ich sagte ihr, ich wolle das Tennis aufgeben, um mich ihr besser widmen zu können. Wie sich dann herausstellte, hätte ich mich gar nicht so aufzuregen brauchen. Die Spaghetti waren anscheinend ein zärtliches Abschiedsessen. Der Herr Freund musste wieder nach New York zurück.
Es kamen lange Briefe von drüben, meistens kamen sie donnerstags an. Und sie verbrannte sie alle – außer einem. Den steckte sie von einer Handtasche in die andere und trug ihn immer bei sich. Dieser Brief fing an, mich zu verfolgen, ich musste wissen, was darin stand. Und es gelang mir auch. Der Brief war äußerst interessant. Ich habe ihn ihr gestohlen. Ich bot ihn ihr sogar zum Kauf an in zwei anonymen Briefen. Ich hoffte, sie würde sich dann mit mir aussprechen. Sie tat es nicht, also behielt ich den Brief.
Jedenfalls hatten meine Briefe gewirkt. Sie müssen ihr Gewissen aufgerüttelt haben, denn die Korrespondenz schlief ein. Seither leben wir glücklich miteinander.
Wissen Sie, es ist komisch, dass es genau ein Jahr her ist, seit ich in der kleinen Bar saß und mich mit Mordgedanken trug. Ich hätte mich vielleicht dazu verleiten lassen, wenn ich nicht etwas gesehen hätte, was alle meine Pläne über den Haufen warf.
Ich habe Sie gesehen.

Bearbeitet von Monty Arnold

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Kultfilm Azubis: Die Hütte brennt

„Cabin Fever“ könnte man die heutige Podcast-Folge überschreiben. Wir fahren in die Berge und ziehen uns mit den handelnden Personen jeweils in ein kleines Chalet zurück. Der Kultfaktor des ersten Filmes ist diesmal ungewöhnlicherweise eine sehr elitäre Angelegenheit.

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/the-man-from-earth-und-noch-mehr-cabin-fever

A) The Man from Earth
Amerikanischer Independent-Film von 2007

Eine Gruppe von Akademikern überrascht den jungen Universitätsprofessor John Oldman bei der Auflösung seiner Wohnung – eines Hauses in den Bergen – und beim etwas übereilten Aufbruch mit dem Pick-Up-Truck, den er gerade mit seiner Habe belädt. Sie wundern sich über den abrupten Fortgang ihres Freundes und wollen ein wenig Abschied feiern. John lässt sich darauf ein und kehrt noch einmal mit ihnen in die weitgehend leere Wohnung zurück. Auf ihr Nachfragen gesteht er ihnen, dass er nie länger als 10 Jahre an einem Ort bleibe, und die seien nun um. Sie entlocken ihm den Grund: er sei ein 14.000 Jahre alter Mensch der seit der Altsteinzeit viele Leben gelebt und immer wieder neu begonnen habe. Mit dem Insistieren auf dieser Erklärung ruft er in der gelehrten Runde unterschiedliche Reaktionen hervor, und es kommt zu einer ebenso persönlichen wie philosophischen Debatte …

Der Film ist die posthume Realisation eines Originalrehbuchs des Science-Fiction-Autors Jerome Bixby, eine 200.000-Dollar-Indie-Produktion, die nur auf DVD herauskam. Die Gesichter des Ensembles sind uns aus Episodenrollen in diversen US-Serien vertraut. In einem amerikanischen Chatforum wurde dieses theaterhafte Kammerspiel so beliebt, dass sich Regisseur Richard Schenkman bei der Community bedankte und darum warb, die DVD zu erwerben und den Film weiterzuempfehlen. 

B) Die Falle
Deutsches Fernsehspiel nach einem Theaterstück von Robert Thomas von 1982

Grübelnd sitzt Daniel in einer Ferienhütte in den Bergen: mitten in den Flitterwochen hat er sich mit Elisabeth dermaßen zerstritten, dass sie fortlief und seither verschwunden ist, vielleicht auch verunglückt. Der Kommissar aus Chamonix versichert ihm, nach ihr zu suchen. Da klopft ein Pfarrer an und berichtet, Elisabeth sei wieder da und wolle sich aussöhnen. Er hat die Dame als Überraschung gleich mitgebracht. Daniel schwört, die Frau noch nie gesehen zu haben. Doch sie will nicht gehen. Und sie weiß einfach zu gut über alle Einzelheiten der kurzen Ehe bescheid, um sie dem Kommissar gegenüber als Betrügerin bloßzustellen. Ein Nervenkrieg nimmt seinen Lauf …

Das Stück von Robert Thomas wurde – so geht die Legende – erst vom Verlag abgelehnt, woraufhin er das Skript verärgert im Vorzimmer liegen ließ. Dort wurde es nachträglich entdeckt – und ein Erfolg. Alfred Hitchcock kaufte die Filmrechte, es kam leider nicht mehr dazu. Während „8 Frauen“, ein eher tutiges Werk des Autors, später Furore machte, ist „Die Falle“ gründlich vergessen und wird auf Krimi-Dinner-Abenden verheizt. Für Oswald Döpkes ZDF-Verfilmung mit den einstigen TV-Lieblingen Wolf Roth, Judy Winter und Hans Caninenberg können wir nur dankbar sein. Rolf Kühns Soundtrack verströmt edles Ennio-Morricone-Feeling.

In der nächsten Woche: Kevin – Allein zu Haus und Feivel der Mauswanderer

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Trouble im Paradies

Die aktuelle Filmkritik im Podcast

Was der dritte Teil der auf fünf überlange Filme angelegten Avatar-Saga taugt und wie gut man sich mit dem Stoff auskennen muss, um ihn überhaupt zu verstehen, ob es nicht vielleicht sogar ratsam ist, ihn sich einfach unvorbelastet anzuschauen, darüber spreche ich mit Volker Robrahn und Torben Sterner:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/avatar-fire-and-ash-aktuelle-filmkritik

AVATAR: FIRE AND ASH
Fantasy-Drama von James Cameron


In seinem neuen Leben ist der ehemalige Marine Jake Sully der Anführer der Omaticaya. Er und Neytiri trauern um ihren verstorbenen Erstgeborenen, während ihr überlebender Sohn Lo’ak sich die Schuld an der Katastrophe gibt. Als es gelingt, ihren Ziehson, den Menschenjungen Spider, von seiner Atemmaske zu befreien und die Luft von Pandora atmen zu lassen, interessiert sich das Militär dafür, wie sie das geschafft haben und will ihn entführen. Um General Frances Ardmore bei ihren Eroberungsplänen zu unterstützen, verbündet sich Colonel Quaritch mit der Schamanin Varang, Herrin des Asche-Clans Mangkwan und schlimmsten Feindin der Omaticaya.

Sigourney Weaver, Sam Worthington, Stephen Lang, CCH Pounder, Kate Winslet und viele andere agieren unkenntlich vor atemberaubender, wenn auch fiktiver Naturkulisse.

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Viel Kleinkram, aber keine Kompromisse!

Zum Tode von Rosa von Praunheim

Es gehört zum Wesen eines Provokateurs, dass er auch jenen zuweilen auf die Nerven geht, die seine Arbeit schätzen und ihm für vieles dankbar sein müssen.
Anfang der 90er Jahre wurde in der schwulen Subkultur diskutiert, ob es statthaft sei, versteckt-homosexuelle Prominente zu outen. Soweit ich mich erinnere (es mag trügen), war ich der einzige in meinem Blickfeld, der diese Maßnahme grundsätzlich für legitim hielt. Die jüngeren wie die älteren politisch aktiven Schwulen – die sogenannten Bewegungsschwestern – waren der Meinung, das dürfe man nicht und musterten mich indigniert. Ich hatte mich selbst in meinem konservativen Lehrbetrieb geoutet und damit letztlich sehr gute Erfahrungen gemacht – einige besonders offene Feindseligkeiten inklusive, die mir die Beendigung eines würdelosen Zustandes jedoch wert waren. Außerdem empfand ich den damaligen Zeitgeist als günstig, um der Gesellschaft mit einigen Denkanstößen aufzuhelfen. Das Ganze war ohnehin ein Gedankenspiel: ich hatte nicht die Absicht, irgendjemanden zu outen und hätte dafür auch gar nicht über die notwendige Öffentlichkeit verfügt.
Rosa von Praunheim verfügte darüber.
1991 saß er in einer Krawallsendung des jungen Privatfernsehens auf dem titelgebenden „Heißen Stuhl“ und sprach, wie es so seine Art war, über mancherlei, hauptsächlich aber über sich selbst. Die Koketterie, mit der in einem flüssigen, auf beiläufig gemachten Nebensatz Alfred Biolek und Hape Kerkeling outete, war mir unsympathisch. Aber sie wirkte: Rosa war in aller Munde, Biolek verhielt sich großartig (als die „Bild“ ihn darauf ansprach, bremste er sie mit dem Spruch „Das weiß doch jeder!“ für alle Zeit aus), und auch Kerkeling erfüllte meine niedrige Erwartung: erst stritt er auf wenig originelle Weise alles ab (indem er andeutete, Rosa wolle sich dafür rächen, dass er ihn habe abblitzen lassen), dann erkannte er, dass ihm sein Publikum diese Enthüllung keineswegs übelnahm, und schließlich ließ er sich von der Schwulenszene als wackerer Vorreiter feiern und auf zahlreiche Partys und Schnittchen-Büffets einladen, gerade so, als habe er sich tapfer selbst geoutet.

Es ist anzunehmen, dass Rosa von Praunheim mit diesem Outing zweier letztlich unverwüstlicher Publikumslieblinge tatsächlich dazu beitrug, dass sich das gesellschaftliche Klima in seinem Sinne weiter entspannte. Auch die Auswahl stimmte: hätte er zwei Fußballer von Bayern München für seine Enthüllung gewählt, wäre es denen übel ergangen.

Der für die Schwulenbewegung ebenfalls bedeutsame Comic-Künstler Ralf König, den von Praunheim für den Sender arte einmal portraitierte, weiß dessen Verdienste zu schätzen, nennt ihn und seine Arbeit aber auch als einen der Gründe dafür, dass er seiner Community niemals als jemand erscheinen wollte, der ihr erklärt, wie sie sich zu verhalten habe.

Dass alles einmal Erreichte nicht für die Ewigkeit war, dass sich die Lage heute wieder zunehmend homophob gestaltet, dafür kann Rosa von Praunheim nichts.
Was bleibt, sind seine c. a. 180 Filme, die unterschiedliche Genres bespielen und auch in der Qualität sehr voneinander abweichen. Meine beiden Favoriten sind seine RainerWernerFassbinder-Doku* (der einzige mir bekannte Film zu diesem großen Thema, der eine gewisse Ausgewogenheit besitzt) und das Dokumentarspiel „Härte“**. Ich glaube, diese Titel werden ihren Wert noch eine Weile behalten.  
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* https://blog.montyarnold.com/2022/04/12/fuer-mich-gabs-nur-noch-fassbinder/
** https://blog.montyarnold.com/2022/07/23/haerte-rosa-von-praunheim/

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Die Kunst, das Richtige wegzulassen

Der Pulitzer-Preisträger Bill Mauldin (1921-2003), bekannt durch seine Landser-Karikaturen aus dem Zweiten Weltkrieg, lobte einst, was auch der wichtigste deutsche Comic-Künstler der Gegenwart, Ralf König, schätzt (und was er besonders bei seinem großen Vorbild Claire Bretécher am Werk sieht): Minimalismus. Verdichtung. Die Kunst, mit möglichst wenigen Strichen alles Nötige zu sagen.
Für Mauldin scheinen die meisten großen Comic Strips „in großer Hast gezeichnet zu sein. Selbst ihre begeistertsten Leser schienen zu glauben, dass die Autoren sich beim Ausdenken der Geschichten so erschöpft hatten, dass für die Zeichenkunst nicht mehr viel übrigblieb. Keinesfalls! Die einfachste Form des Zeichnens ist die einer wirren Überfülle. Zeichner, die jedes Fleckchen ihrer Werke mit Details beladen, gelten in der Branche als ‚Nietenpinsel‘, weil bei ihnen jede Niete in jedem Heizkörper stimmt. Was macht es dabei schon aus, wenn die Hauptsache im Bild verrutscht ist? Sie bieten dafür eine Rechenmaschine mit hunderten von Schaltern oder einen Baum mit jedem Blatt. Nichts überzeugt den Leser wohl mehr als ein Baum, an dem kein einziges Blättchen fehlt.“ (Man beachte Mauldins seherische Qualität, wenn er in diesem Zusammenhang von einer „Rechenmaschine“ spricht …)
Am Beispiel von Johnny Hart und dessen Strip „B. C.“ führt der Zeichner weiter aus: „… man gehe hin und platziere zwei ungewaschene Höhlenmenschen vor eine horizontale Linie, die die Oberfläche eines Moores oder die Unterkante eines bedeckten Himmels sein könnte, – oder vor eine geschwungene Linie, die den Hang eines Berges oder den Rand eines Regenbogens darstellen mag – und die Platzierung der Hauptsache im Bild darf einfach nicht verrutschen. Sie muss stimmen!“

Die frühen Cartoonisten des amerikanischen Zeitungscomics – und später die Humoristen unter ihnen – waren Großmeister der Verdichtung auf das Wesentliche. Dik Brownes „Hägar der Schreckliche“ ist ein berühmtes, „Tiger“ vom genialen Bud Blake** ein vergessenes Beispiel. Als die fleißigsten „Nietenpinsel“ dürfen die Vertreter des fotorealistischen Comics angesehen werden.
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* Siehe auch https://blog.montyarnold.com/2020/04/27/humor-omnia-vincit-12/
** Siehe https://blog.montyarnold.com/2014/11/26/die-verschollenen-nachbarn-der-peanuts/

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Wie kuckst du?

In der Stummfilmzeit war das Filmbild sogar quadratisch, bald setzte sich für viele Jahre das beinahe quadratische Bildschirmformat 4:3 durch. Cinemascope-Filme – Kinofilme im 2,35:1-Format, wie sie ab 1953 gedreht wurden – erschienen also im Pantoffelkino mit schwarzen Balken. Das wirkte auf das Publikum recht cool, obwohl rechts und links immer noch Teile des Bildes fehlten. Weil es den mathematischen Kompromiss zwischen beiden Formaten darstellte, wurde ab den 80er nach und nach das 16:9-Format im Fernsehen eingeführt, Jahre bevor die Bildschirme zu Hause tatsächlich breiter wurden. Mitte der 2000er Jahre hörten die deutschen TV-Sender damit auf, Programme in 4:3 zu produzieren, die Amerikaner machten noch bis etwa 2010 damit weiter.  

Das Format 16:9 entspräche eher dem menschlichen Gesichtsfeld, hieß es in der Übergangszeit hin und wieder im Kulturteil und in der Reklame der Elektromärkte. Das deckt sich zumindest nicht mit meiner Lebenserfahrung: mein Gesichtsfeld kommt mir eher 4:3 vor. Inhaltlich war das Breitbildformat auch kein purer Segen, denn was bei manchen Kinofilmen im Fernsehen hinzukam, fiel bei anderen weg, die nun oben und unten abgesägt wurden, um breiter auszusehen. Die Balken rechts und links – die sogenannten Pillarbox-Balken – wurden im Gegensatz zu den horizontalen Cinemascope-Balken von den meisten Programm-Anbietern eher als uncool empfunden.

Im Kino sitze ich meistens ziemlich allein in einer der vorderen Reihen, weil die meisten meiner Freunde auf das TV-Feeling nicht verzichten wollen und sich möglichst weit nach hinten setzen. Mir gefällt es, wenn mein Gesichtsfeld – sei es nun eher quadratisch oder querformatig – von der Leinwand genau ausgefüllt wird.

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Die wiedergefundene Textstelle: Das große Erlebnis des Meeresbodens

Früher war für uns die Welt am Ufer des Meeres zuende. Wir begnügten uns mit 145 Millionen Quadratkilometer Festland und hatten wenig oder keine Möglichkeit, die 355 Millionen Quadratkilometer Wasser zu erforschen oder in Besitz zu nehmen. Das hat sich entscheidend geändert.
Von Neugier oder aus Interesse getrieben, sind Männer in die Tiefe vorgedrungen, um unsere Kenntnisse von der Welt unter Wasser zu erweitern.
Wir haben diese Welt in drei Stockwerke eingeteilt: das Parterre (es reicht vom Grund bis 1000 Meter unter dem Wasserspiegel) nennen wir die bathypatelagische Zone, darüber (von 1000 bis 200 Meter Tiefe) liegt die mesopelagische Zone, auch als Dämmerungszone bekannt, und von 200 Meter bis zur Oberfläche folgt dann die epipelagische Zone.
Die Welt unter Wasser liegt in einer Durchschnittstiefe von 4000 Metern.
Sie weist Ebenen auf, Täler und Berge, und wir wissen, dass die tiefsten Abgründe des Meeres tiefer sind als die höchsten Berge des Festlandes hoch. Zwar gelingt es einem Freitaucher noch nicht, in diese bemerkenswerten Abgründe hineinzukommen. Gleichviel: wenn man eine mittlere Betätigungstiefe von 50 bis 60 Metern ansetzt, so steht dem Taucher heute ein Gebiet zur Erforschung offen, das so groß ist wie – na, wie sehr groß. Die Wissenschaftler haben bereits mit der Erforschung begonnen. Und viele von ihnen tragen einen Taucheranzug: Meeresbiologen, Hydrographen, Ozeanographen, Physiologen, Ernährungskundler, Archäologen und Ingenieure.
Auch wir werden eines Tages auf den Meeresgrund hinabsteigen. Doch bis dahin gilt es noch viel zu lernen.

Luigi Luagi (Siegfried Lenz) in „Auf Wiedersehen unter Wasser“ (1960)

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Er tut’s trotzdem

Heute bin ich zu Gast bei Mischa Lorenz im Podcast „Never Meet Your Idols“, was mich sehr freut. Wir hatten einander so viel zu erzählen, dass unser Gespräch gar nicht komplett in die Folge reinpasst:

https://creators.spotify.com/pod/profile/mischalorenz/episodes/28–Monty-Arnold–Synchron–Kritik–Frher-war-alles-Besser-e3c7ovh

Es kommt vor, dass man in solchen Interviews nach seinem Lieblingsfilm gefragt wird. Hier wurde ich nach meinen fünf liebsten Filmen gefragt. Das ist sehr rücksichtsvoll – und auch sonst hat es viel Spaß gemacht.
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Der Podcast:

In „Never Meet Your Idols“ spreche ich, Mischa Lorenz – freier Fotograf, Gründer von „bad kids production“, und ehemaliger Musiker – mit Menschen, die Beeindruckendes erreicht haben. Wir reden über die Höhen und Tiefen, die Herausforderungen hinter den Erfolgen und warum es manchmal besser ist, seine Vorbilder nicht persönlich zu treffen.

In dieser Folge ist Monty Arnold zu Gast – Kabarettist, Autor und Sprecher – und heute außerdem Blogger und Podcaster . Wir sprechen über seinen Weg von der Bühne ins Studio, Rätselhaftes aus der Synchronwelt, kreative Stolpersteine und warum ehrliche Kritik so viel Spaß macht. Außerdem geht’s um Lieblingsfilme, das schöne Hamburg, die goldene Ära der Funkwerbung – und natürlich „Deponia“.

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Kultfilm Azubis: Wir müssen drinnen bleiben

Wir kennen es aus dem Lockdown: manchmal darf man nicht raus. Blake Snyder erblickte darin sogar den Gegenstand eines ganzen Filmgenres: „Eingeliefert“. Ein moderner Klassiker und ein Film, der diesen Status knapp verfehlt hat, beschäftigen uns in der heutigen Folge des Podcasts:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/breakfast-club-zu-heiss-gebadet

A) Breakfast Club – Der Frühstücksclub
/The Breakfast Club
US-Jugendfilm von 1985

Fünf Jugendliche – Zitat: „ein Schlaukopf, ein Muskelprotz, eine Ausgeflippte, eine Prinzessin und ein Freak“ – müssen am schulfreien Samstag acht Stunden lang in der Schulbibliothek nachsitzen und einen Aufsatz darüber schreiben, wer sie sind. Beaufsichtigt werden sie von Konrektor Vernon, der die Kids zwar nicht mag, aber gern von ihnen als harter Hund bewundert werden will. Zwar wird im Laufe des Tages gegen viele Regeln verstoßen, doch letztlich funktioniert die Maßnahme: die Jugendlichen stellen sich ihren Vorurteilen, Zwängen und Ängsten, entdecken neue Seiten an sich und erkennen, was sie miteinander verbindet.

John Hughes‘ Film war mit einigen Stars des „Brat Pack“ besetzt, einer vielversprechenden Nachwuchsriege, zu der auch Tom Cruise, Matt Dillon und Nicholas Cage gerechnet wurden. Der theaterhafte Film wurde ein Überraschungserfolg und erwies sich als stilbildend für den amerikanischen Jugendfilm. Ein Teil seines Nachruhms beruht freilich darauf, dass man die Qualität dieses leicht erzählten Dramas vor allem an den nachfolgenden Teenie-Komödienund –Klamottengemessen hat.

B)Zu heiß gebadet / The Ladies Man
Musikalische US-Klamotte von 1961

Herbert H. Heebert muss am Tag seines erfolgreichen Schulabschlusses erkennen, dass das Mädchen seiner Träume einen anderen hat. Er schwört sich, nie wieder etwas mit Frauen zu tun haben zu wollen.
Der Ort, an dem er sich spätabends als Hausboy verpflichten lässt, entpuppt sich am nächsten Morgen als überdimensionales Puppenhaus einer früh verwitweten und kinderlos gebliebenen ältlichen Operndiva. Mrs. Helen Welenmelon fördert junge Künstlerinnen. Unversehens ist Herbert der einzige Mann in einem Haus mit 35 hinreißenden Musikerinnen, Schauspielerinnen und Tänzerinnen. Unter der Bedingung, nicht als Mann, sondern ausdrücklich als „Mädchen für alles“ angesehen werden, ist er bereit, zu bleiben. Vorerst!
Als das Fernsehen kommt, um die Diva in einer Homestory zu portraitieren, will sich Herbert nützlich machen. Mit ins Bild will er natürlich auch …

Der Starkomiker Jerry Lewis war tugendhaft genug, sich vor der Kamera nicht etwa mit Nieten zu umgeben, um selbst besser auszusehen – eine verbreitete Unsitte –, sondern Kollegen auszuwählen, die ihre eigenen Lacher verdienen konnten. Keiner von ihnen schaffte das häufiger als Kathleen Freeman, die bei ihm annähernd den Status der Evelyn Hamann im Loriot-Ensemble einnahm. Diesmal gesellt sich noch die leibhaftige Wagner-Diva Helen Traubel dazu. U.a. deshalb ist nicht etwa „Hallo Page“ die beste Konzeptklamotte des „total filmmaker“ Jerry Lewis, es ist „The Ladies Man“.

Nächste Woche: The Man From Earth und Die Falle

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Das kann doch nicht so schwer sein

betr.: „Neue Fälle für Miss Marple“ als Lesungen im SRF Krimi-Podcast

Macht ganz schön was mit: Miss Marple (Abb.: SRF Homepage)

Wer heute noch kreativ ist, ist selber schuld. Nicht genug damit, dass die KI es inzwischen gut genug kann, um damit Kohle zu machen. Es ist ganz allgemein so, dass sich schon Dagewesenes am leichtesten verkauft: alte Showkonzepte, immer dickere Franchises und gemeinfreie Dauerbrenner à la Sherlock Holmes. (Wenn auch Stefan Raab gerade eine andere Erfahrung macht …)
Das Werk der Agatha Christie ist noch urheberrechtlich geschützt, also werfen die Erben, organisiert in der „Agatha Christie Limited“, die Melkmaschine an, solange es noch geht. Miss Marple darf (muss …) weiterermitteln.

Der SRF Krimi-Podcast, in dem Wolfram Höll und Susanne Janson allwöchentlich donnerstags Hörspiel-Ursendungen und -Archivschätze präsentieren, wird sich in den nächsten Wochen der Serie „Neue Fälle für Miss Marple“ widmen. Höll hat vier Lesungen solcher Fälle eingerichtet und stellt diese nun mit begreiflicher Zuneigung dem Publikum vor. Auf der Homepage heißt es zum Inhalt nur knapp: „Der erste Fall seziert die Unterschiede zwischen Hausherren und Bediensteten.“ Das ist auch das Fazit der Moderatoren nach dem Anhören der Lesung: Frau Christie hätte sich etwas mehr um Klassenunterschiede kümmern und sich (mit meinen anderen Worten) an ihrer Nachschreiberin Lucy Foley ein Beispiel nehmen können, wenn sie sie noch hätte erleben dürfen.

Die SRF-Reihe wirbt mit der guten Margaret Rutherford (siehe Abbildung), weil die immer noch das unangefochtene Gesicht dieser Figur ist, und einer stupiden Jingle-Version der alten Filmmusik. Die Texte orientieren sich allerdings an der literarischen Figur der Hobby-Detektivin, die von ihrer ersten filmischen Verkörperung bekanntlich deutlich abwich. Obwohl Lucy Foley den Stil der Agatha Christie auf den ersten Blick leidlich parodiert (das wäre ja auch noch schöner!), sorgt die Unbescheidenheit dieses Ansinnens von Anfang an für den eigentlichen Nervenkitzel. Der Titel „Das Böse in kleinen Ortschaften“ lässt die Kenner der Christie-Bücher an St. Mary Mead denken, Miss Marples Heimat-Örtchen (das bei Rutherford „Milchester“ heißt). Doch die Detektivin ermittelt außerhalb. Die gruseligen Ereignisse, die man meinte, der Fangemeinde zum Einstieg anbieten zu müssen, sind doch zu groß und zu fruchtig, um sie vor Miss Marples Haustür anzusiedeln.
Selbstverständlich kann am Genie der Weltliteratin Agatha Christie niemand mal so eben hochklettern. Schon gar nicht – da muss ich Frau Foley in Schutz nehmen – wenn eine Erbengemeinschaft in den Texten herumschmiert. Doch ein bisschen mehr Verständnis für die zwischenmenschliche Beobachtungsgabe der Vorlage würde guttun – ständig „meine Liebe“ zu sagen macht noch keine Miss Marple. Was außerdem fehlt, ist der Respekt vor dem zutiefst humanistischen Weltbild Agatha Christies, das woke Marketing-Kraftmeiereien wie die weiter oben und unten zitierten ebensowenig nötig hat wie moralische Belehrungen der Nachwelt. Auch sonst musste ich beim Anhören der Geschichte an Hannibal Lecters berühmten Ausspruch über seinen Kerker-Psychiater denken: „Er fummelt an meiner Psyche herum wie ein Pennäler an einem Miederhöschen.“

Von eigener Inspiration kann bei einer solchen Unternehmung ohnehin keine Rede sein, aber ich hätte mich gern positiv überraschen lassen. Literarische Anspielungen gehören bei dieser Art von Belletristik zur Atmosphäre. Im neuen Fall wird auf Alfred Tennysons Ballade „The Lady Of Shalott“ bezug genommen. Das ist der Christie-Bastelgruppe nicht etwa selbst eingefallen – solche Bücher lesen diese Leute nicht – es ist eine Idee aus dem späten Miss-Marple-Krimi „The Mirror Crack’d From Side To Side“ von Agathe Christie, dessen Titel aus der besagten Ballade stammt.

Apropos anhören: was taugt die Lesung von Ilknur Bahadir (respektive die Regie von Susanne Janson)? Es ist ein solider, leicht unterdurchschnittlicher Vortrag, der zu allzu knalligen Chargen aufläuft, wenn man eine Figur besonders unsympathisch darstellen will (um der vermuteten Schwerfälligkeit des Publikums entgegenzukommen). Was man halt so macht, wenn man Teil eines so großen Produktes ist. Im Gespräch nach der Lesung spricht Susanne Höll sogar (mit Respekt) von den Vorschriften, die ihr bei der Produktion von der Christie-Vereinigung gemacht wurden.

Auf der Resterampe rutscht sich’s wie geschmiert: „Tod auf dem Nil“ und „Mord im Orient-Express“ lassen schon nächste Woche als Ideengeber grüßen. (Abb.: SRF-Homepage)

Nächsten Donnerstag wird die Schraube weiter an- und zwei der berühmtesten Fälle von Hercule Poirot (Marples berühmterem Kollegen im literarischen Kosmos der Autorin) mit in die Wurstmaschine hineingezogen: „Mord im Ostasien-Express! Miss Marple reist nach Hongkong: an Bord des Dampfers «Die Jadekaiserin». Sie freundet sich mit einem älteren chinesischen Herrn an. Bald wird er ermordet – und er wird nicht der einzige bleiben. Miss Marples Neugier für andere Kulturen ist gefragt …“
St. Mary Mead ist nicht genug!
Ich freue mich auf Folge 4. Da dürfte dann er erste Weltraumflug der alten Lady anstehen.
Leben Sie long and prosper, meine Liebe!

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