Herrliche Zeiten

So einig – Wenn das keine gute Nachricht ist! – waren sich noch nie alle, die was dazu sagten: das war ein schlimmes Jahr!
Die natürliche Fortsetzung eines solchen Stoßseufzers müsste in etwa lauten: aber das nächste wird besser. Das sagt aber kaum jemand. Warum nicht? Es handelt sich um eine Freud’sche Glanzleistung. Uns ist klar, dass wir es hier nicht mit einem einzelnen Jahr zu tun hatten, sondern mit einem Jahrzehnt zu tun haben.
Seit den „Wilden Zwanzigern“ vor 100 Jahren neigt der Mensch dazu, Jahrzehnte zu definieren und nummeriert einzutüten. Und er hat recht. Es ist verblüffend, wie sauber sich die meisten Dekaden (seither) auch inhaltlich von ihren Nachbarn absetzen. Wenn das auch nicht immer auf den Tag pünktlich geschieht. Während die vorigen „Roaring Twenties“ nicht am 31.12.1929 endeten, sondern zwei Monate zuvor mit dem Börsenkrach, so endeten die 2010er punktgenau gestern vor fünf Jahren mit der Verkündung von Covid19. Wir sind mittendrin!
Es sind herrliche Zeiten für Historiker!

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Beständig zum Fürchten

betr.: 86. Geburtstag von Anthony Hopkins

Seit Anthony Hopkins vor knapp 35 Jahren zum ersten Mal Hannibal Lecter spielte – als zweiter Interpret dieser Rolle – haben Schauspieler und Kunstfigur ihre rasch errungene Spitzenposition eisern behauptet. Anthony Hopkins gilt ungebrochen als Inbegriff britischer Schauspielkunst und hat die mit dem Vergessenwerden solcher Namen wie Gielgud, Olivier und Richardson freigewordene Bewunderung auf diesem Gebiet gleichsam mit auf sich genommen. Sein Dr. Lecter wird seither in einschlägigen Rankings regelmäßig zum gelungensten Filmbösewicht aller Zeiten gewählt, stets mit Norman Bates auf dem zweiten Platz. (Ironischerweise werden beide auf den realen Verbrecher Ed Gein zurückgeführt, der weder über Bates’ jugendlichen Liebreiz noch über Lecters universalgebildete Eleganz verfügte.)
„Das Schweigen der Lämmer“ ist einer dieser Filme, deren Ruhm sich längst verselbständigt hat, während viele ihn seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen haben.
Doch das ist in Ordnung: er ist nicht nur tatsächlich fabelhaft, er ist außerdem gut gealtert.

Mir ging bei der letzten Sichtung folgendes ganz nebenbei durch den Kopf:

Die berühmte Maske mit der vergitterten Mund-Öffnung, die Hannibal trägt, wenn er der Senatorin vorgeführt wird, macht ihn jünger. Vielleicht ist sie deshalb seither so gern parodiert und wiederverwendet worden.

Dass Anthony Hopkins raffinierterweise niemals mit geschlossenen Augen gezeigt wird, dass er nicht einmal zwinkert, ist Unsinn. Mit dieser Behauptung versuchen Party- und Talkshowgäste gern, ein „Ach wirklich?“ bei ihren weniger interessierten Gesprächspartnern auszulösen.

Die Synchronfassung wirkt bei jeder Betrachtung des Films sorgfältiger auf mich – was an der Gegenläufigkeit der tatsächlichen Entwicklung liegt. Hopkins’ Darstellung profitiert davon, dass es noch Rolf Schult ist, der ihn stimmlich vertritt (ein Könner, der sich bald darauf zurückzog). Der behutsam-spitzfindige Peter Matic macht aus dem Mund von Scott Glenn jedesmal große Freude, Jürgen Thormann ist wie üblich ein komödiantischer Hochgenuss – diesmal auf Anthony Heald, dem unausstehlichen Dr. Chilton. Nur in Kleinstrollen gestattet sich die Bearbeitung Nachlässigkeiten. Die wenigen Takes, von Mr. Lamar (ein Mitarbeiter des Bestattungsinstituts, der von dem versierten Kleinstrollenschauspieler Tracey Walter gespielt wird) sind fehlbesetzt und unsauber betont.

In der Filmmusik wird mehrmals eine Tonfolge aus Lou Alters „Manhattan Sereande“ zitiert – gewiss zufällig und ohne Hintergedanken.

Der Film war auf vielfache Weise stilprägend. Er setzte den Satz „Bereit wenn Sie es sind!“ in die Welt, er definierte, wie in Filmen mit Gefangenen umgegangen wird, die wir als ganz besonders gefährlich anerkennen sollen. Die Parallelmontage, in der wir fälschlich glauben, dass das FBI-Team das richtige Haus stürmen will, ist oft kopiert worden. Das Horrorhaus, in dessen Untergeschoss der Killer seine Opfer quält, inspiriert bis zum heutigen Tag den Einrichtungs- und Lebensstil unzähliger Serienmörder in amerikanischen Filmen und Serien.

Die wenigen Schwachpunkte des Films haben mich schon immer gestört, weitere sind nicht hinzugekommen. Dazu gehört etwa Jodie Fosters erster Abgang aus dem Kerkerflur (ein Affentheater wie in einem Durbridge-Hörspielkrimi). Und obwohl der Film insgesamt mit dem noch exotischen Thema sexueller Uneindeutigkeit sehr taktvoll umgeht, ist die Gestaltung des Unter-Bösewichts „Buffalo Bill“ so plump auf halbseidene Schrillheit gebürstet, dass einem die Achtziger Jahre an ihrem Ende noch einmal klebrig den Rücken herunterlaufen. Eine Kleinigkeit noch: als Jodie Foster angeblich durch das Nachtsichtgerät beobachtet wird, wirft sie gehörige Schatten.

An der Fortsetzung „Hannibal“ mochte Jodie Foster nicht mehr mitwirken. Das war in zweifacher Hinsicht eine gute Entscheidung. Erstens ist dieser Film schlichtweg Mist, zweitens wird auch ihre Figur Clarice Starling gehörig gerupft und entzaubert. Sie schafft es nicht mehr, an ihren ersten Erfolg beim FBI anzuknüpfen und muss sich einen Satz anhören, mit dem Dr. Lecter sie schon in vorigen Film aufgezogen hat: „Ihr Problem ist, dass Sie es nicht schaffen, mehr Spaß aus Ihrem Leben herauszuholen!“
Auch im Vergleich mit seinen unzähligen sonstigen Nachzüglern und -ahmern schneidet „Das Schweigen der Lämmer“ gut ab: er vermeidet die Unmäßigkeit der Mittel und das quasireligöse Gelaber, das viele davon auszeichnet (vor allem seit David Finchers „Seven“).

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Was bleibt?

Einigen der Kabarettisten, die 16 Jahre lang gegen Helmut Kohl anblödelten, könnte am Ende von dessen Regentschaft die Frage durch den Kopf gegangen sein, ob sie ihn mit ihrer „Satire“ und ihren Parodien (Kohl war sehr leicht zu parodieren) nicht vielleicht sogar unterstützt und qua Verharmlosung zu seiner Beliebtheit beigetragen haben. Verkürzt wurde seine Ära durch die zahllosen „Birne“- und Pfälzer-Witze jedenfalls nicht.
Aber es ist durchaus unwahrscheinlich, dass sich jemand diese Frage gestellt hat – die Berufsgruppe der Kabarettisten ist kein übermäßig selbstkritischer Menschenschlag.

Die Komiker von Monty Python haben in der langen Phase ihrer Auflösung durchaus über den gesellschaftlichen Effekt ihrer Kunst nachgedacht.
Terry Gilliam war rückblickend unzufrieden: „Wir haben ein langfristiges Gespür für das Absurde aufrechterhalten, und das ist in dieser Welt sicherlich gut, vor allem mit George W. Bush im Weißen Haus. Aber die Wirkung, von der wir träumten, haben wir sicher nicht erzielt. Vielleicht haben wir diesen Leuten sogar die Machtübernahme ermöglicht. Hätten die Menschen nicht gelacht, sondern sich konzentriert, wäre das vielleicht nicht passiert. Wir sind schuld, dass George W. Bush mit seinen Jungs an die Spitze kam! Das hat mir bei Satire und Comedy immer Sorgen gemacht: dass das Lachen die Menschen davon abhält, genug Wut zu empfinden, um aktiv für eine bessere Welt zu kämpfen. Es ist eher eine Ablenkung als ein Schritt zur Lösung.“
Das wird jeder nachvollziehen können, der dieses seltsam feierliche Gefühl schon einmal miterlebt hat, dass sich beim Schlussapplaus mitunter in einem Kabarett-Auditorium ausbreitet. Denen haben wir’s aber heute ordentlich gegeben, denkt der Applaudierende und geht mit der trügerischen Genugtuung nach Hause, seine Ration an zivilem Ungehorsam mal wieder für eine Weile abreagiert zu haben.

Terry Jones tröstete sich: „Ich weiß nicht, was Python tatsächlich geleistet hat. Das Beste ist vielleicht, was mir ein Freund erzählte, der in den 70ern an einer Großstadt-Gesamtschule als Lehrer arbeitete. Er meinte, seit den Python-Ausstrahlungen könnte man eine Veränderung im Verhalten von Jungen im Teenageralter feststellen. Während sie früher recht aggressiv gewesen seien, würden sie nun herumblödeln, und das führte er auf Python zurück. Für einen kurzen Augenblick war es mehr angesagt, zu blödeln statt zu bedrohen. Das war vielleicht unsere einzige Leistung: eine kleine Veränderung des Verhaltens großstädtischer Heranwachsender für eine kurze Phase in den 70ern. Was kann man mehr erwarten?“

John Cleese, der eiskalte Pragmatiker der Gruppe, kam zu diesem Fazit: „Die Pythons haben die Comedy-Welt sicherlich verändert. Aber auf recht negative Weise. Denn man nutzte unsere Errungenschaften nicht, um einen Schritt weiterzugehen, sondern rührte sie nicht an. Das resultierte darin, dass eine bestimmte Art von Humor zur Sackgasse wurde.“
Das wiederum erinnert mich an die Zeit als mir und meinen Kollegen in Vorbereitung eines Comedy-Ensembleformats (wir waren nicht zu sechst sondern zu neunt …) Monty-Python-Sketche vorgeführt wurden, um uns zu inspirieren. Die Redaktion hoffte, wir würden etwas daraus machen. Wir taten es nicht.

Aus dem Essay „Humor Omnia Vincit“

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Meine schönsten Hörbuch-Erlebnisse des Jahres: Gert Westphal liest „Das Parfum“

Gert Westphal hat mit Vorliebe die ganz großen, zeitlosen Literaturklassiker eingelesen. „Das Parfum“ ist ein modernes Beispiel, dem man seine Jugend nicht anhört, weil der Autor Patrick Süskind es mit großer Meisterschaft auf die stilistische Patina des 18. Jahrhunderts anlegt. Was kann schon schiefgehen, wenn der König des literarischen Vortrags sich einen der grandiosesten historischen Romane der Jahrhundertwende vornimmt? Nichts! Diese Lesung ist ein Hochgenuss! 
Westphals Könnerschaft erlaubt es ihm, sich in den emotionalen Strudel, den der Text vor uns auftut, ohne jede Scheu hineinzustürzen. Und uns mitzureißen, wo uns als Selbstleser hie und da die Möglichkeit bliebe, etwas langsamer umzublättern, um die Wüstigkeit der Geschichte besser zu verkraften.
Die Wiederbegegnung mit diesem Buch nach so langer Zeit (unterdessen entstand eine Verfilmung, die die den Stoff bei aller notwendigen Glättung und Verknappung sehr gut umsetzt) hat mich erstmals auf den Gedanken gebracht, dass wir es bei dem triebhaften Riech-Mutanten Grenouille mit einem Autisten zu tun haben; das ist eines jener Krankheitsbilder, die Mitte der 80er Jahre nur Spezialisten bekannt waren und die inzwischen als selbstdiagnostiziertes Wischiwaschi-Syndrom beim nichtstudierten Volksmund Karriere gemacht haben.
Und außerdem fiel mir auf … ach was, hören Sie selbst!

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

betr.: 125. Geburtstag von Mischa Spoliansky

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Der Song des Tages: „Umtauschen“

betr.: erster verkaufsoffener Tag nach Weihnachten

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Weihnachten in Shenzhen

Hallo Monty,

schön, dass Dir das Buch gefallen hat. Ich erzähle Dir auch ein bisschen, wie Weihnachten in China gefeiert wird.

In China ist Weihnachten kein Feiertag. Auch ich musste am 25. Dezember und heute arbeiten. Weihnachten ist hier eher ein Fest für Paare und damit die Geschäfte mehr verdienen können. So ähnlich wie der Valentinstag. Mein Feed in den sozialen Medien ist voll von Leuten, die ihre Weihnachtsbäume und ihre Freundinnen und Freunde gepostet haben. Dann gibt es einige, die einen Apfel essen. „Friedliche Nacht“ heißt „Pingan Ye“ und Apfel heißt „Pingguo“, was ähnlich klingt.

Den Weihnachtsmann, der hier „Alter Weihnachtsmann“ (Shengdan laoren) heißt, trifft man manchmal in Einkaufszentren. Dort hat er aber keine Elfen, sondern „Kleine Schwestern“ (Shengdan nülang), die ihm bei der Arbeit helfen. Das habe ich aber nur einmal gesehen und das Bild musste ich im „chinesischen Internet“ suchen. Wenn der Weihnachtsmann als Dekoration vor den Geschäften hängt, spielt er Saxophon. Keiner weiß warum. Ich glaube, das hat in den 90er Jahren angefangen, weil Bill Clinton Saxophon gespielt hat.

Es gibt ein paar Weihnachtsbäume, aber die sind seit diesem Jahr in öffentlichen Einrichtungen nicht mehr so beliebt. Wir sollten unseren Plastikbaum nicht mehr vor den Fahrstuhl stellen, damit man ihn nicht auf den ersten Blick sieht.

In Hongkong ist das ganz anders. Da wird Weihnachten richtig gefeiert. Der 25. Dezember ist dort auch frei. Kommerz wird dort aber mehr gelebt als bei uns. Dior hat mitten in der Innenstadt einen Weihnachtsbaum aufgestellt. Dort wurde ein kleiner Zaun aufgestellt, damit man besser Selfies um den Baum machen kann, wenn man vorher online einen Termin gebucht hat. Influencer überall. Das fand ich grenzwertig, musste aber fotografisch festgehalten werden. Der beste Baum stand aber vor dem Hong Kong Museum of Art. Den wollte meine Frau unbedingt sehen. Auf dem Weihnachtsmarkt waren wir auch.

Ich hoffe, der kleine Exkurs hat Dir gefallen.

LG
Sammy

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Noch’n Familienfilm

betr.: 28. Todestag von Dean Martin / 23.Todestag von Jason Robards (morgen)

Die Verfilmung von Lilian Hellmans Bühnenstück „Toys In The Attic“ stand 1963 am Ende einer langen Reihe modriger Südstaatendramen, die spätestens mit dem Theater- und Filmerfolg von Tennessee Williams’ „Endstation Sehnsucht“ begonnen hatte; der Erfolg des Films war entsprechend bescheiden. Der Titel ist eine Redensart, die unserer „Meise unterm Pony“ verwandt ist, und evoziert zugleich den verwinkelten Familiensitz als Schauplatz des Kammerspiels.
„Puppen unterm Dach“ bot Dean Martin Gelegenheit zu einer weiteren dramatischen Schauspielerleistung. Martin hatte noch immer mit Vorurteilen zu kämpfen. Der Sänger romantischer Schlager und frühere Teil des immens erfolgreichen Comedy-Duos mit Jerry Lewis war längst zum ernsthaften Schauspieler gereift, doch die Kritik ignorierte seine bisherigen Verdienste geflissentlich.
Für die Rolle des Julian ist er – als reine Verkörperung eines Charmeurs, den das Publikum die längste Zeit für einen lupenreinen Hallodri hält, ehe es erkennen muss, dass es sich in ihm geirrt hat – die Idealbesetzung. (Es fällt mir schwer, mir den lauernd-seriösen Jason Robards auf diesem Platz vorzustellen, der den Part in der Originalproduktion am Broadway innehatte.)
Einer der Reporter, die Dean Martin bei dieser Aufgabe gern scheitern sehen wollten, kam von der „New York Times“, die das Theaterstück drei Jahre zuvor abfällig gelobt hatte. Er besuchte den Star am Set und schrieb danach, dieser sei „sich durchaus darüber im klaren, dass er nach Ansicht einiger Leute mit dem Part des launischen, innerlich zerrissenen Südstaatlers überfordert sei“. Martin war so nett gewesen, ganz offen zu sprechen: „Ich verstehe nicht, warum mich alle fragen, wie ich zu dieser Rolle gekommen bin. Mein Agent hat sie mir beschafft. Herman Citron – er ist seit etwa fünfzehn Jahren mein Agent – hat das Stück gesehen. Es hat ihm gefallen, und er hat mir gesagt, dass es etwas für mich wäre. Ich denke, dass ich mich in diesen Dingen auf sein Urteil verlassen kann. Also sagte ich: Okay. Herman brachte den Deal mit Mirish unter Dach und Fach, und ich bekam die Rolle. Das ist alles, was ich dazu sagen kann. (…) Ich habe das Stück nicht angesehen, und ich habe es auch nicht gelesen.“ Aus soviel Offenheit zog der Reporter einen unerbittlichen Schluss – „Tatsächlich empfindet Mr. Martin eine generelle Abneigung gegenüber Theaterstücken.“ – und war über ein Detail besonders entsetzt: „die Lieblingsmethode, mit der er seine Texte auswendig lernt; er lässt sich auf dem Golfplatz von seinem Caddie Stichworte geben.“
Der Reporter – so berichtet Nick Tosches in seiner Dean-Martin-Autobiographie – sei stehenden Fußes in die Garderobe von Deans hochgeachteter Filmpartnerin Wendy Hiller geeilt, „die einen Novellenband von Henry James beiseitelegte“, um mit der „Times“ zu sprechen. Doch sie wusste nichts Negatives über Dean oder sein darstellerisches Handwerk zu berichten.

Wer sich von einer wahrhaft malerischen Leistung anlocken lassen möchte, für den bietet die Darstellerin des dritten Geschwisterkindes ein Motiv: Geraldine Page. Ihre Carrie ist eine verblühende Dame mit Stich in der Tradition von Williams’ berühmter Blanche aus „Endstation Sehnsucht“. Am Broadway trefflich mit der unberechenbaren Maureen Stapleton besetzt, wird diese Figur bei Geraldine Page zu einer stets am Rande des Wahnsinns entlangschrammenden und irgendwie gefährlich wirkenden Person. Wie immer bei Page, die außerdem eine herausragende Komödiantin war, erweisen sich sämtliche Befürchtungen als berechtigt.

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Unerwünschte Gefährten

In der Jahresbilanz der „Wochentaz“ findet sich dieser Absatz:

Mittelerde ist nicht Europa. Die fiktive Welt des Schriftstellers J. R. R. Tolkien hat gleichwohl Ähnlichkeiten mit diesem Kontinent. Und wenn es nach der italienischen Premierministerin Giorgia Meloni geht, hat das Zuhause von Figuren wie Frodo und Konsorten mit unserer Gegenwart sogar noch einiges mehr gemein. Die „Postfaschistin“ lässt keine Gelegenheit ungenutzt, um auf Tolkien zu sprechen zu kommen, dessen Roman „Der Herr der Ringe“ für sie ein „heiliger Text“ ist. Im November etwa gab sie sich bei der Eröffnung einer großen Tolkien-Ausstellung in Rom als Fan zu erkennen. Mit ihrer Begeisterung für den Roman „Der Herr der Ringe“ steht sie in Italien dabei in einer längeren Tradition. Dort versucht man seit Jahrzehnten, Tolkien von rechts zu vereinnahmen. Mittelerde als utopischer Ort für Faschisten, pardon, Postfaschisten? Meloni zumindest identifiziert sich im Kampf gegen das Böse regelmäßig mit den Hobbits. Man könnte meinen, dass ihre geistige Heimat Mittelerde ist, wobei unklar scheint, ob sie diese nicht großzügig mit der Realität verwechselt. In jedem Fall eine Beleidigung für den akribischen Philologen Tolkien. Der dachte sich seine mythologische Welt überhaupt erst aus, weil er begonnen hatte, alte Sprachen zu erfinden. Egal. Dass man sich die Wirklichkeit nach Wunsch bastelt, hat ja Konjunktur. Fantasiereiche braucht man dafür gar nicht.

Man kann sich seine Bewunderer bekanntlich nicht aussuchen – schon gar nicht, wenn man tot ist. Die Erfindung alter Sprachen lässt allerdings noch keine Gesinnung erkennen – weder rechts noch links. Und dass Tolkiens Werk es der rechten Seite zumindest recht einfach macht, vereinnahmt zu werden, ist dem ST. GEORGE HERALD schon einmal aufgefallen …*
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Siehe https://blog.montyarnold.com/2014/09/25/in-den-fesseln-von-shangri-la/

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„Das Mädchen in Weiß“ – ein Chanson

betr.: 28. Todestag von Effi Effinghausen 

Effi wird begleitetet von Eric Gabriel, der das Lied wie gewohnt auf Englisch verfasst, um ihm die Übersetzung zu überlassen.

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