Mein Gorilla, dein Gorilla

betr.: 119. Geburtstag von Walter Jurmann

Walter Jurmann war einer der Künstler, die am unerreicht frechen und witzigen Lied-Repertoire der Weimarer Republik mitgeschrieben und die erste große Blüte des Kabarett-Chansons geprägt haben. Zusammen mit seinem Partner, dem Polen Bronislaw Kaper, floh er Anfang der 30er nach Hollywood. Dort komponierte er mit ihm gemeinsam weiter: große Filmmusik, die zumeist ein singbares Titelmotiv hatte.
Für mich, den viel später geborenen Soundtrack-Sammler, ist es mitunter etwas verwirrend, wer von beiden nun welchen Anteil an den Werken hat.
Hier bin ich mit einem Jurmann-Kaper-Chanson zu hören, das ursprünglich in einem Hans-Albers-Film zu hören war: „Mein Gorilla“.

Mein Pianist Hans Peter Reutter und ich haben diese englischsprachige Version in Hamburg für die Synchronfassung von „Der bewegte Mann“ aufgenommen, die den Film in den USA populär machen sollte. Meine Sprechstimme wurde von einem Kollegen besorgt, den ich um seine hübsche Baritonstimme beneidet habe.

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Ixen für Anfänger – Die Macht des gesprochenen Wortes

betr.: Sprechen am Mikrofon

Warum ist es so tückisch, einen Satz laut zu lesen / ins Mikrofon zu sprechen, bevor man ihn wirklich verstanden hat?
Weil ein Fehler viel schwerer zu korrigieren ist, wenn man ihn sich erst einmal hat sagen hören. Er ist dann in der Welt.
Wenn wir einen Satz einmal gesagt haben, ist es, als ob wir ihn schon geübt hätten; wie ein Schauspieler, der einen Satz einstudiert.
Dieses archaische Prinzip greift sogar bei Vollprofis wie den Nachrichtensprechern des Deutschlandfunks. Die Kollegin Martina Sturm-Wende, der ganz besonders selten ein Versprecher unterläuft, sagte vor einigen Tagen „Kreise“ statt „Krise“. In den nächsten beiden Ausgaben der Nachrichten, 30 und 60 Minuten später, wiederholte sich der Fehler – vermutlich zu ihrer eigenen Überraschung. (Einmal entschuldigte sie sich sogar kurz dafür.)
Ohne die erste Panne wären die zweite und dritte wahrscheinlich nicht passiert.

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Rückwirkende Schreibblockade in Hollywood

Kürzlich stellte das Feuilleton der SZ den Trend von Filmreihen und TV-Serien fest, uns ihre Vorgeschichten aufzutischen. Der Autor wusste sogar, wo das wahrscheinlich angefangen habe: 2012 bei Ridley Scotts „Alien“-Nachschlag und -Vorlauf „Prometheus“. Doch das kann nicht stimmen – jedenfalls nicht, wenn man nur an Serien denkt. Das Musical „Wicked“ widmete sich 2003 sogar einem Klassiker der 30er Jahre, und auch das war längst nicht das erste Beispiel.
Jedenfalls ist der Artikel sehr zuvorkommend gehalten. Er kauft den Machern ihr Gerede ab, sie hätten das „Was zuvor geschah“ bereits in sich getragen, zunächst vieles weglassen müssen und dann – dem Erfolg ihrer Arbeit sei Dank – Gelegenheit erhalten, das Versäumte nachzuholen. Und für die Fans sei es „natürlich auch schön“ zu erfahren „warum die Targaryens mit ihren Drachen so irre sind“ und „woher der eine Ring kommt“.
Am Ende wird die Frage in den Raum gestellt, ob es auch anders ginge. Hier kommt die Antwort: auf keinen Fall, denn dann müssten sich die hirntoten Mainstream-Fuzzis ja etwas Neues ausdenken und auch noch den Mut haben, es überraschend rauszuhauen. Das wäre selbst unter den märchenhaften Bedingungen von Fantasy und Science-Fiction absolut unmöglich.

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Schaler Applaus

betr.: 31. Todestag von Roy Black

Der Blick des Auditoriums auf einen Star ist naturgemäß verkürzt und letztlich herzlos. Ich war entsprechend irritiert, wann immer sich Roy Black in Interviews beschwerte, wie unausgefüllt und missverstanden er sich als Künstler fühle. Als er überraschend starb, steckte er mitten in einem großen Comeback. Seine Hauptrolle in der Serie „Ein Schloss am Wörthersee“ führte zum größten Quotenerfolg, den bis dato ein Privatsender hatte feiern können. (Und es war die erste private Produktion, die später von der ARD aufgekauft und wiederholt wurde!)
Roy Blacks oft und gern geführte Klage, wegen seiner Erfolge als Schlagersänger würde ihn das Publikum für keine andere Tätigkeit je beklatschen wollen, war damit jedenfalls widerlegt (wobei er bei „andere Tätigkeit“ eher an Rockstar gedacht hatte). Trotzdem präsentierte er sich zuletzt als unglücklicher Mensch, der mit seinem Lebenswerk haderte. Er starb unmittelbar vor den Sendestart der bereits abgedrehten zweiten Staffel an – wie es dann immer so schön heißt – „gebrochenem Herzen“.
Der Sänger-Songschreiber Bernd Begemann widmete Roy Black das Lied „(Nenn mich nich‘) Gerd Höllerich“, in dem er zwischen den einschlägigen Rezeptions-Optionen schwankt: Bewunderung, Anteilnahme, Plattitüden. Die Zeile „Deine heile Welt fiel unter den Nierentisch“ verfehlt die Ära von Blacks großen Schlager-Platzierungen allerdings um einige Jahre. Schon wieder so ein Fehlurteil – passender wäre vielleicht gewesen „… rutschte hinter die Schrankwand“.

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Rettet Ridley Scott!

betr.: das Fernsehprogramm vom heutigen Samstag

Schwer zu glauben, dass ausgerechnet Ridley Scott, dem wir schließlich „Alien“ verdanken, diesen Film gemacht hat. In „Der Marsianer – Rettet Mark Watney” sammelt Matt Damon Gesteinsproben auf dem Mars. Nach einem Sturm halten ihn seine Kollegen für tot, reisen ab und lassen ihn zurück. Das Drehbuch sieht vor, dass er nun vier Jahre lang auf dem ungastlichen Planeten ausharren muss, nur von dem Umstand getröstet, dass er mit seinem Heimatplaneten kommunizieren darf und von dort das Versprechen erhält, man werde ihn bei den nächsten Marsmission auflesen.
Der Film schafft es nicht, die grauenvolle Lage des Helden spürbar zu machen – zu flapsig sind die Nebenfiguren angelegt (allen voran der Ober-Flappes Jeff Daniels), zu hell und freundlich ist es auf dem Mars. Am meisten kommt dem Film aber etwas anderes in die Quere: das Verstreichen der Zeit ist eine reine Behauptung, die nur im Dialog stattfindet. Als Mark Watney letztlich abgeholt wird, hat er gefühlt eine Spielfilmlänge auf dem Mars zugebracht.
Es gibt einen Cartoon aus den 90er Jahren von Gary Larson. Ein Astronaut steht auf einer öden Planetenoberfläche, oben rechts sieht man eine Rakete in All verschwinden. Der Astronaut liest einen Brief: „Wir haben gewartet und gewartet. Aber du kamst nicht. So haben wir uns also entschlossen, …“
Dieser kleine Bildwitz arbeitet die Situation besser heraus.

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„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (52)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/10/06/19056/

Fortsetzung vom 30.9.2022

16. Tricks im Schnee
(Snow Tricks)

Der Playboy fluchte, aber Sunlight ließ sich zu weiteren Auskünften nicht herbei. Er befahl, dem Playboy Whisky zu servieren, damit er sich ein wenig beruhigte. Der Gast wurde dann in eins der Zelte abgeschoben; Doc und Monk blieben bei ihm. Sie blieben nicht ganz freiwillig bei ihm. Sie hätten lieber die übrigen Zelte und die Flugzeuge erkundet, aber als sie durch die Öffnung des Zelts traten, hielt ihnen ein Wachtposten eine Gewehrmündung unter die Nasen.
„Ihr im Zelt bleiben“, sagte er in gebrochenem Englisch, von dem er hoffte, dass diese beiden Halbwilden es verstanden. „Wenn ihr gehen zu große blaue Kuppel, ihr ganz tot, verstehen?“ Doc und Monk kehrten zu dem Playboy zurück und setzten sich auf die Bärenfelle, die über den Boden gebreitet waren. Mehr konnten sie im Augenblick nicht tun, außerdem froren sie. Sie hatten in der vergangenen Nacht nicht geschlafen und fühlten sich ein wenig ausgelaugt. Der Playboy sang wieder wüste Lieder und fluchte vor sich hin, zwischendurch soff er. Als die Flasche leer war, war der Playboy voll und kippte um und fing an zu schnarchen. Doc und Monk legten einige Felle über ihn und begannen sich in der Taubstummensprache zu unterhalten, die sie häufig benutzten, wenn sie Lauscher fürchteten.
„Eine verrückte Geschichte“, gab Monk mit den Fingern zu verstehen.
„Nicht ganz“, erwiderte Doc. „Sunlight fühlt sich hier anscheinend ziemlich sicher, das könnte ihn zu einer Unvorsichtigkeit verleiten.“
„Aber was will er hier am Ende der Welt?“
„Er hat Verabredungen getroffen, um einigen Staatschefs einen anscheinend wichtigen Gegenstand zu verkaufen“, entgegnete Doc.
„Doc, diese blaue Kuppel . ..“
Monk kam nicht mehr dazu, seinen Satz zu beenden, denn im selben Augenblick gab es eine Unterbrechung. Giantia und Titania kamen ins Zelt, die eine trug einen Kessel, in dem etwas Undefinierbares zusammengekocht war, die andere hielt einen Topf heißen Kaffee und drei Blechbecher.
„Essen“, sagte Giantia ohne übertriebene Höflichkeit.
„Da!“ sagte Titania und schob Doc und Monk die Gefäße vor die Füße.
Die beiden Damen waren offensichtlich unzufrieden.
Sie betrachteten Doc und Monk mit deutlichem Widerwillen, aber sie schienen keine Angst zu haben. Sie schienen sich völlig auf ihre Geistesgegenwart und ihre Muskelkraft zu verlassen. Plötzlich richtete Doc sich auf; er lauschte nach draußen und legte beide Hände hinter die Ohren. Die Pantomime war allgemeinverständlich. Er gab zu verstehen, dass er etwas hörte, und forderte zugleich Titania und Giantia auf, ebenfalls zu horchen. Eine Sekunde lang war nur der arktische Wind zu vernehmen, der über die Insel und um die Zelte strich, dann flaute der Wind ab, und eine Stimme sagte leise etwas. Die Stimme gehörte zweifellos John Sunlight.
„Giantia und Titania sind blöd“, sagte die Stimme. „Sie wissen nicht, dass ihre Schwester Fifi in Sicherheit und bei Savages Leuten ist.“
Eine andere Stimme antwortete, aber sie sprach undeutlich und war nicht zu verstehen. Beide Stimmen schienen ziemlich weit entfernt zu sein; man hörte sie überhaupt nur, weil der Wind abgeflaut war.

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Ein geistig-moralischer Superheld

betr.: 117. Geburtstag von Wolfgang Liebeneiner

All About Liebeneiner – das gilt für die rechts abgebildete Neuerscheinung. In dem antiquarischen Titel links erfährt man Näheres über ein besonders interessantes Projekt des Regisseurs.

Der Schauspieler und Regisseur Holger Mahlich (auch als Sprecher hat er Fabelhaftes geleistet) hat die Romanbiographie eines der bekanntesten Kinoregisseure des Nationalsozialismus vorgelegt. Autor und Gegenstand sind einander familiär verbunden, wenn Mahlich seinem Schwiegervater auch nur einmal eher oberflächlich begegnet ist.
„Der Unpolitische“ bekommt das delikate Genre der zeitgeschichtlichen Berichterstattung in Romanform gut in den Griff. Im Grunde haben wir es mit einer Doppelbiographie zu tun; Mahlichs eigene Vita als junger DDR-Schauspieler fließt mit ein.
Was dem Buch in puncto Recherche hilft, fällt ihm leider auch auf die Füße. Wolfgang Liebeneiner war gewiss kein Fanatiker, der den NS-Amüsierapparat aus politischer Überzeugung befeuerte (noch weniger als Veit Harlan, und es gab noch weitaus Schlimmere). Die politische Integrität des Künstlers in barbarischer Zeit wird uns jedoch allzu aufdringlich aufgetischt. Was in Wolfgang Liebeneiner tatsächlich vorgegangen ist, kann niemand mehr sagen. Mahlich selbst fragt sich, wie er wohl in dieser Lage agiert hätte. Doch sobald wir Leser es ihm gleichtun wollen, kommt uns ein Protagonist in die Quere, der kein Wässerchen trüben kann. Auch Gustaf Gründgens, eine der prominenten Nebenfiguren dieses Romans, wird von allem Abgründigen und Zwielichtigen entkleidet. Derart rundgelutscht, ohne seinen Januskopf ist er kaum wiederzuerkennen – und eine seltsam platte Erscheinung.

„Der Unpolitische“ ist informativ und flott geschrieben, ein sehr gescheites Buch. Und doch konnte ich nicht verhindern, bei der Lektüre immer wieder an die Alters-Verrenkungen eines Götz George zu denken, der seinen Vater unbedingt zum verkappten Widerstandskämpfer hochzudekorieren versuchte.
Vor 30 Jahren hat der Filmkritiker Hans-Christoph Blumenberg einem von Liebeneiners Filmen übrigens ein ganzes Werk gewidmet. Es ist ein Hochgenuss. Man muss die beiden Bücher gar nicht gegeneinander ausspielen, sie ergänzen einander.
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* Eine Information zu diesem Text findet sich hier: https://mediarep.org/bitstream/handle/doc/10280/MEDREZ_1994_3_321_Jung_.pdf?sequence=-1&isAllowed=y

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Another James Bond Day

Heute vor 60 Jahren startete „Dr. No“. Das ist weder die Geburtsstunde des Helden James Bond noch sein erster Auftritt vor der Kamera, und doch ist es angemessen, heute einen runden Geburtstag zu feiern.
Diese Langspielplatte könnte der erste hiesige Sampler zum Thema gewesen sein. Die Filmreihe war damals noch nicht einmal 20 Jahre alt. Trotzdem gab es schon ein imposantes Titelsong-Repertoire zu präsentieren. „Underneath The Mango Tree“, der heimliche Hit aus „Dr. No“, fehlte übrigens, ebenso der Song „Nobody Does It Better“ aus „The Spy Who Loved Me“ (stattdessen gab es eine romantische Instrumentalversion vom Soundtrack-Album).

Man beachte das geschmackvolle Agentenportrait links: der Körper ist der von Sean Connery, der Kopf ist aus physiognomischen Elementen seiner Nachfolger George Lazenby und Roger Moore zusammengefügt.
Die ARD begann erst zwei Jahre später, die Bond-Filme erstmals im Fernsehen zu zeigen (sehr behutsam: nur zwei Stück pro Jahr!). Ich war also erst im Begriff, meinen ersten, „den neuen Bond“ im Kino zu sehen, als ich die Platte kaufte. Ich werde nie die Gänsehaut vergessen, die mich überzog, als ich zum ersten Mal „You Only Live Twice“ darauf hörte …

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„Hamilton“ – Zu interessant für die Zielgruppe?

betr.: übermorgige Hamburger Premiere des Musicals „Hamilton“

Meine Arbeit für die Joop Van Den Ende Academy brachte es mit sich, dass ich viele Jahre lang jede Musicalproduktion der Stage Entertainment ofenfrisch zu sehen bekam, gemeinsam mit den Dozentenkollegen und Studierenden. Was mir persönlich den meisten Spaß machte, hatte nicht automatisch Erfolg bei der Zielgruppe. An zwei Shows erinnere ich mich besonders gern.
2008 wurde in Essen „Ich will Spaß“ gestartet, das um die großen Hits der Neuen Deutschen Welle herumgebaut war. Der 80er-Look war nicht überzeugend getroffen, aber das machte nichts. (Die 80er nachzubilden, ist gar nicht so einfach wie alle glauben!) Die diversen Handlungsstränge und die Charaktere funktionierten, ich mochte auch die Kulisse, die als großes Puppenhaus angelegt war. Außerdem geschah etwas wirklich Überraschendes: die NDW-Schlager, die mich im Original allesamt entsetzlich nerven, waren so pfiffig in die Dialoge eingefügt, dass ich mich zurückhalten musste, nicht mitzusingen. Jeder Song hatte einen neuen Subtext – kein Vergleich mit dem freudlosen Abarbeiten des Repertoires bei „Ich war noch niemals in New York“ im Jahr zuvor.
2012 startete auf der Reeperbahn „Rocky – Das Musical“. Der soziale und berufliche Aufstieg des tumben aber liebenswerten Boxers Rocky Balboa hatte sogar Witz – ganz im Gegensatz zur Filmvorlage. Hauptdarsteller Drew Sarich war so gecoacht worden, dass sich sein Akzent wie der Slang eines Kieztypen anhörte. Ich freute mich über die stimmige Dekoration, in der die Tristesse von Rockys Bude, des Gyms oder Adrians Tierladen präzise bis zur letzten Stromrechnung rekonstruiert waren. Gut – das Michael-Kunze-Gesinge hätte ich persönlich nicht gebraucht, ebensowenig den choreographierten Boxkampf (zumal ich den Eindruck hatte, dass das Publikumsinteresse dabei etwas absoff), aber er leuchtete mir als großes Finale ein, und ich hatte mich bis dahin ja bereits ganz gut amüsiert. Der Plan, „Rocky“ erfolgreich an den Broadway zu bringen, scheiterte erwartungsgemäß.

Beide Shows hätten meiner Meinung nach gern kürzer sein dürfen (es dauert fast alles zu lang, was auf unseren Bühnen geboten wird, auch die guten Sachen). Bei „Ich will Spaß“ war etwa 20 Minuten nach der Pause alles Wesentliche erzählt. Es folgte aber noch eine rührselige Krebstod-Geschichte, die man wohl zu brauchen meinte, weil Unterhaltung allein zu leichtgewichtig sei (in einem Musical!) und weil die Show ohne diesen Appendix nicht auf die übliche Länge gekommen wäre.
Warum darf  eine Aufführung, deren Ticket über 100 Euro kostet, nicht trotzdem 90 Minuten dauern? Hat jemals irgendjemand das Publikum gefragt?    

Diese Dinge gehen mir jetzt wieder durch den Kopf, da abermals eine Musicalpremiere bevorsteht. Und sie ist ambitionierter als alles Dagewesene!  Es ist dieser Tage ausgiebig darüber berichtet worden. Und über den Beginn des Projektes „Hamilton“ in Barack Obamas Weißem Haus, über die erste Übersetzung dieses Musicals in eine andere Sprache, die für Hamburg gefertigt wurde, darüber, wie viel Hingabe auf diese deutsche Fassung verwendet worden ist, auf die Brisanz und Wichtigkeit dieses fast vollständig schwarz besetzten Stücks, über den stilistischen Wagemut der Originalproduktion, ihre Innovation und vieles mehr.
Mir leuchtet das alles ein, doch ich gestehe: mich plagt eine Sehnsucht nach simpler wenn auch intelligenter Unterhaltung, nach Eskapismus – besonders in Krisenzeiten. Und drei Stunden Hip-Hop würde ich gewiss nicht überleben. Aber meine bisherige Zurückhaltung muss ja kein schlechtes Omen sein – siehe oben. 

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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