„Momo“ und die staubigen Verpuffer

Aktuelle Filmkritik: „Momo“ von Christian Ditter

Für die ARD-Kinderserie „Lemmi und die Schmöker“ wurden mit der damals üblichen kruden Bluebox-Technik Teile von Jugendbüchern verfilmt, damit wir vor dem Fernseher Lust bekamen, das jeweilige Buch komplett zu lesen. Der titelgebende Held der Serie war eine Stricksocken-Handpuppe, die als Bücherwurm auftrat – heute würde heute jeder sagen „Was für’n Scheiß“. Auf diese Weise kam ich in den Genuss der unvergesslichen „Momo“-Folge. Die bürokratisch auftretenden Herren von der Zeitsparkasse, die per Kostüm und Maske auf Schwarzweiß getrimmt waren, rauchten und waren derart zum Fürchten, dass ich es nie über mich brachte, mit dem Rauchen anzufangen.

In „Momo“, dem Film, um den es heute geht, wird erst gar nicht geraucht. Das wäre nach Meinung der schlichten Gemüter, die hier am Werk sind, wohl „unpädagogisch“. Grauenerregend ist der Film schon, wenn auch auf einer ungewollten Ebene. Kinder dürften sich im Angesicht dieses überzüchteten Gruselkitsches eher unverstanden und ratlos fühlen. Und Michael Ende braucht sich nicht mal im Grab umzudrehen, denn er würde sein Werk in diesem Produkt gar nicht wiederfinden. Dazu müsste es nämlich eine Handlung geben, eine Botschaft. Selbst Schauspielerei, die diese Bezeichnung verdient, sucht man hier vergeblich. Alexa Goodall als Momo ist ein mimikfreies, ausgekochtes Schickimicki-Früchtchen, dem man weder das bescheidene Hausen in einem Ruinenkeller abnimmt, noch dass sie sich überhaupt für ihre Mitmenschen interessiert. Die plumpen Satzbausteine, aus denen sämtliche Dialoge zusammengesetzt sind, lassen ihre Darstellung besonders armselig wirken. Momos Freund Gino kommt als sozialmedialer Hipster daher, der tatsächlich agiert, als habe er kein anderes Ensemblemitglied persönlich getroffen, sondern sei mit diesen erst in der Mischung zusammenkopiert worden. Und Martin Freeman alias Meister Hora, der unvermeidliche Stargast aus Hollywood, ist nicht nur wegen der dicken Klebekante seines Haarteils eine Lachnummer.  
Die international-vielsprachige Besetzung und die am PC generierten Hintergründe geben dem Film eine fröstelnde Ortlosigkeit. Die Szenen im Hauptquartier der Zeitdiebe, einer Art Eventlocation, sind kein bisschen anheimelnder als die in der Stadt oder im abendlichen Amphitheater. Die Bösewichte marschieren in Armeestärke auf, nur um dann wegen jedem Pups und Fliegendreck zu Staub zu zerfallen, ohne für Momo jemals eine wirkliche Gefahr darzustellen. Zur Not kommt ihre chronische Atemnot gerade recht, um sie von selbst zu verpuffen zu lassen.  

Wie sich das heute gehört, ist diesem Machwerk eine persönliche künstlerische Handschrift überhaupt nicht anzumerken. Es wirkt wie von einer KI ausgespuckt – und liegt damit absolut im Trend. Und doch ist „Momo“ ganz besonders vulgär und ärgerlich. 
Die vornehmste Pflicht eines Kinderfilms ist es, zu verzaubern. Das ist im Übrigen die Voraussetzung dafür, dass irgendeine Botschaft übermittelt werden kann, falls das denn gewünscht ist. „Momo“ versucht erst gar nicht, zu einem jugendlichen Publikum zu sprechen. Dieser Film ist so poetisch und märchenhaft wie ein Motorradunfall.

Die Kritik im Podcast zum Anhören: https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/momo-aktuelle-filmkritik
Außerdem ein Gespräch mit Viktor Hacker zum heutigen Filmstart von „A Big Bold Beautiful Journey“: https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/a-big-bold-beautiful-journey-aktuelle-filmritik und mit Torben Sterner über „The Smashing Machine“: https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/the-smashing-machine-aktuelle-filmkritik

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Wie heilsam ist „Healing Fiction“?

In einer aktuellen Sonderausgabe des „Spiegel“ zum Thema „Mental Health“* erklärt Andreas Bernard den Begriff „Healing Fiction“ unter der hilfreichen Überschrift „Der Föhn für das gefrorene Meer in uns“ (niemand soll sagen, wir wären nicht gewarnt worden!): „Die Geschichte der Literatur hat viele Genres hervorgebracht, die beim Leser benennbare Effekte auslösen sollen: Krimis sollen Spannung erzeugen, Horrorstorys Angst, Pornographie Lust. Dass die Lektüre eines Romans ausdrücklich seelische ‚Heilung‘ verspricht, ist ein neues Phänomen. Das Genre (…) kommt aus Japan und Südkorea und hat in den vergangenen Jahren zuerst den englischsprachigen Literaturmarkt erobert und nun auch den deutschen. Das erfolgreichste Buch ist zweifellos ‚Bevor der Kaffee kalt wird‘ des japanischen Schriftstellers Toshikazu Kawaguchi, das mehr als sechs Millionen Mal verkauft wurde und sich inzwischen zu einer fünfteiligen Reihe ausgeweitet hat.“ Andere einschlägige Erfolgstitel sind „Die Katze, die von Büchern träumte“ von Sosuke Natsukawa, „Das Restaurant der verlorenen Rezepte“ von Hisashi Kashiwai, „Frau Yeoms kleiner Laden der großen Hoffnungen“ von Kim Ho-Yeon oder „Das Mondscheincafé“ von Mai Mochizuki.  Die Titel verraten bereits das Prinzip: heimelige, „aus der Zeit gefallene“ Schauplätze als Treffpunkt für Klischeefiguren mit konstruierten Problem(ch)en, an denen sich einfache Lösungen ergeben, zur Not mit etwas Magie. Wie sich diese Kümmernisse jeweils rechtzeitig zum Ende der Geschichte auflösen, ist nicht immer nachvollziehbar, und das ist der Trick bei der Sache: die Figuren verhalten sich nicht schlüssig, sondern können im entscheidenden stets über ihren Schatten springen.

Einen der Titel kenne ich sogar. „Frau Yeoms kleiner Laden der großen Hoffnungen“ ist die belletristische Version der seit vielen Jahren in Sachbuch-Form umgehenden Optimismus-Pornographie, die als „Lebensratgeber“ großen Absatz findet. Ich hatte bei diesem Buch zunehmend schlechte Laune – genau wie bei meinem exemplarischen Leseversuch der Vorgänger-Variante vor vielen Jahren, „Lebenskunst“ von Peter Lauster.
Einerseits ist nichts gegen eine Lektüre zu sagen, nach der sich jemand besser fühlt. Dass das tatsächlich der Fall ist, bezweifle ich allerdings. Es gibt weitaus mehr verkaufte Exemplare solcher Bücher als es ausgeglichene Menschen gibt.
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* Nr. 39a / 24.9.2025

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Ursünden der Popkultur

Wann fing das eigentlich an, dass man unter dem Begriff „Musical“ jenes brüllend oberflächliche, trutschige Herumgehopse verstand, in dem trotz präziser Interpretation des notierten Materials kein einziger Ton zu hören ist, der nicht emotional falsch klingt?
Inzwischen hat die Fachwelt ein später verfilmtes Broadway-Musical als Quelle ausgemacht, das noch vor der Lloyd–Webber-Invasion den gesanglichen Grundstein für diese Entwicklung legte, zu einer Zeit also, als der Begriff „Musical“ noch seine ursprüngliche Bedeutung hatte, die Gattung aber in einer gewissen Bedeutungslosigkeit versunken war: „Annie“, das Waisenkind-Rührstück von Charles Strouse. Das war im April 1977.
Kai Luehrs-Kaiser drückt es im rbb so aus: „Annie“ vereine „alle melodramatischen Kitsch-Eigenschaften der ‚Weihnachtsgeschichte‘ von Charles Dickens mit einer Aufstiegsstory à la ‚A Star Is Born‘. Es ist ein Schuss Shirley Temple mit dabei – oder Greta Thunberg, denn dieses elfjährige Waisenkind schafft es bis ins Weiße Haus zu Präsident Roosevelt, um ihm politische Messages einzuflüstern. Andrea McArdle, das losgelassene Opfer einer Eislauf-Mutter, pflegt in der Titelrolle einen plärrigen Baby-Sound. Das ist der Stil, in dem heute alle Musical-Sänger singen, ein Stimm-Typus, mit dem man in klassischen Musicals wie denen von Cole Porter oder Richard Rodgers nicht weit gekommen wäre. Insofern hat ‚Annie‘ Schule gemacht, was eine fatale Entwicklung ist.“

Der deutsche Synchron, der inzwischen ganz ähnlich klingt, hat einen ebensolchen folgenreichen Sündenfall. Das dürfte die TV-Serie „Mork vom Ork“ (ZDF 1979) gewesen sein. Nach der ersten Folge schrieb eine verstörte Leserin an meine Fernsehzeitung, der schrille Sound, in dem hier gesprochen würde einem die Ohren zerreißen. In der Folge machte sich dieses Idiom zunächst in anderen Sitcoms breit, bald darauf im ganzen Programm.

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Wohnwelten (14): Bei reichen Leuten mit Graham Greene

betr.: So leben literarische Figuren

Als sich die Haustüre geschlossen hatte und Baines, der Diener, in die dämmrige leere Halle zurückgekehrt war, begann für Philipp das Leben. Er stand vor der Türe des Kinderzimmers und lauschte auf das Geräusch des abfahrenden Taxis. Seine Eltern waren eben für vierzehn Tage verreist, und er war „zwischen zwei Kindermädchen“; das alte war entlassen worden und das neue noch nicht eigetroffen. Er war allein in dem großen Haus am Belgrave-Platz, alleine mit Baines und dessen Frau.
Nun konnte er überall hingehen, selbst durch die Türe mit dem grünen Vorhang, die zur Speisekammer und hinunter zur Kellerwohnung des Dienerpaares führte. Alles kam ihm fremd und vor in diesem Haus, weil er jeden Raum betreten konnte und niemand darin war.
Und doch spürte er überall einen Hauch der Abwesenden: im Rauchzimmer mit dem Pfeifenständer zwischen den Elefantenzähnen, mit dem geschnitzten Tabakstopf; im Schlafzimmer mit den rosa Tapeten und Vorhängen, mit dem kaum spürbaren Hauch verflüchtigten Parfums und den halbgeleerten Gesichtscremetöpfchen, die Frau Baines noch nicht weggeräumt hatte; im Salon mit dem schwarzglänzenden nie berührten Flügel, der Kaminuhr aus Porzellan, den kleinen geschweiften Tischchen und dem Silber. Aber hier war Frau Baines bereits an der Arbeit; sie nahm die Vorhänge ab und bedeckte die Fauteuils mit weißen Überzügen, um sie vor Staub zu schützen. (…)
Philipp Lane (…) ging schnell hinaus und öffnete zögernd die Türe hinter dem grünen Vorhang. Er warf einen Blick in die Speisekammer; aber Baines war nicht da. Dann betrat er zum erstenmal die Treppe, die in den Keller führte.

Beginn von Graham Greenes Novelle „Das Kellerzimmer“ („The Basement Room„)

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Kultfilm Azubis: Der letzte Schichtwechsel

Zwei Helden, die den Hard Bolied Detective der klassischen amerikanischen Kriminalliteratur weiterdenken und in andere Epochen der Popkultur versetzen, beschäftigen uns in der heutigen Folge des Podcasts. Diee Darsteller sind Kultstars höchsten Ranges, aber nur der erste von ihnen gibt uns genau das, was wir von ihm erwarten.

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/blade-runner-sein-leben-in-meiner-gewalt

A) Blade Runner
Science-Fiction-Parabel von 1982

Im Jahre 2019 ist Los Angeles ein verkommenes, überbevölkertes Drecksloch mit Schietwettergarantie, ein Sinnbild für das Scheitern des Kapitalismus und des amerikanischen Traumes – für alle, die diese Botschaft schätzen. Der früh verbitterte Expolizist Rick Deckard ist darauf spezialisiert, Replikanten aufzuspüren, menschliche Androiden, die geschaffen wurden, um fremde Planeten bewohnbar zu machen. Er bekommt den Auftrag, sechs von ihnen auszuschalten, die sich nach einer Revolte widerrechtlich auf der Erde aufhalten. Als Deckard persönlich mit ihnen zu tun bekommt, machen ihm ihre humanen Qualitäten die Arbeit schwer …

Der bienenfleißige Schriftsteller Philip K. Dick starb unmittelbar vor dem Erscheinen des Films, der ihn mittelfristig berühmt machen und zu einem der beiden meistverfilmten zeitgenössischen Science-Fiction-Autoren machen sollte. Für Harrison Ford war es nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zum ikonischen Kinohelden der 80er Jahre. „Blade Runner“ ließ den Optimismus von „Star Trek“ verfliegen, machte die Science-Fiction wieder zu dem, was sie die längste Zeit gewesen ist – ein dystopisches Genre – und den Cyberpunk zu einer kulturellen Strömung.

B) Sein Leben in meiner Gewalt / The Offence
Britisches Drama von 1972

Seit genau zwanzig Jahren dient der ehrgeizige Sergeant Johnson glanzlos im Polizeidienst Ihrer Majestät. Der andauernde Blick auf Dreck und Gewalt bereitet ihm ein Gefühl der Sinnlosigkeit, seine Ehe ist am Ende. Nun treibt ein Kinderschänder sein Unwesen. Als ein Verdächtiger aufgegriffen wird, will Johnson an ihm ein Exempel statuieren. Er vernimmt ihn allein, was gegen die Vorschrift ist. Als der Mann ihn verhöhnt und allzu tief in seine Seele blickt, brennt bei dem frustrierten Beamten die letzte notdürftige Sicherung durch. Er prügelt den Verdächtigen zu Tode und wird nun selbst Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens …

1971 ließ sich Sean Connery noch einmal rumkriegen, die ihm verhasste Rolle des James Bond zu spielen. Zur Belohnung mussten ihm United Artists zwei persönliche Projekte finanzieren, die sich als 007-Gegendarstellung verstanden. „The Offence“, basierend auf dem John-Hopkins-Drama „Diese Geschichte von Ihnen“, brachte in Deutschland nicht einmal die Synchronisations- und Kopierkosten wieder herein, in Frankreich fand er keinen Verleih, und insgesamt war er ein solcher Misserfolg, dass man von Connerys zweitem Entschädigungs-Projekt nie etwas gehört hat.

Nächste Woche: „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ und „Die Klavierspielerin“

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Lesen vom Blatt – Lange Sätze

betr.: Übung / Sprechen am Mikrofon

Woody Allens über Jahrzehnte gepflegte fleißige Tradition, pro Jahr einen Film herauszubringen, hat dazu beigetragen, dass selbst Juwelen seines Schaffens dazwischen versunken bzw. in den Online-Diensten „nicht verfügbar“ sind. In Allens Heimatland, den USA, kann „Harry außer sich“ (1997) schon wegen der frivolen Eröffnungsszene nicht recht funktioniert haben. Überhaupt wirkt dieser Film wie ein Gruß an seine europäischen Fans. Die nächste Anzüglichkeit folgt gleich in der 2. Szene, ein Auszug aus „Between Sisters“, dem fiktiven neuen Roman des Titelhelden:

Es war nicht nur so, dass Leslie abgestumpft war durch den hohlen Schwall schwerfälliger Betrachtungen, die Marvin für unheimlich witzig hielt, und es war nicht einmal das Bild, das sie boshaft mit Kent teilte von Marvins schlaffem, mikroskopischem Glied, das hin- und herwackelte, während er nackt auf Zehenspitzen auf den bloßen eiskalten Fußboden ihres Landhauses dribbelte, um die Sturmläden zu schließen – der Grund war, dass sie ihn niemals geliebt hatte, aber Kinder haben wollte, um sich an ihrer älteren Schwester zu rächen, die keine einzige mütterliche Ader im Leib hatte und mit jeder Faser, wie Leslie fand, von unersättlicher Eigenliebe erfüllt war.

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Der Song des Tages: „I Like To Hike!“

betr.: 38. Todestag von Norman Luboff

Gäbe es „Artists And Models“* nicht, wäre der unmittelbar zuvor entstandene „You’re Never Too Young“ für mich die rundeste und amüsanteste Musical Comedy von Dean Martin und Jerry Lewis. Ihre Partnerschaft war bereits von einem tiefen persönlichen Zerwürfnis überschattet, doch in ihrem Spiel ist die Freundschaft noch innig und erinnert (auf ganz unschuldige Art) fast an eine Romanze.
„You’re Never Too Young“, bei uns „Der Gangsterschreck“, variiert die Grundidee von Billy Wilders erster Regierarbeit „The Major And The Minor“ („Der Major und das Mädchen“) und wird in einigen Quellen sogar als dessen Remake geführt: Jerry Lewis gibt sich als Halbwüchsiger aus, um nicht den vollen Fahrpreis bezahlen zu müssen, wie es zuvor Ginger Rogers tat. Der größte Teil der Handlung vollzieht sich in einer Privatschule für Mädchen.
Die Chor-Arrangements sind insofern wichtig als die Musik unter der Leitung von Walter Scharf im  Martin-Lewis-Repertoire insgesamt eine große Rolle spielt. Selten ist der Einsatz des Chores so groß im Bild wie in der Nummer „I Like To Hike!“.
Dieses Lied geistert zwar als Song von Dean Martin durchs Internet, ist hier aber stets als Tonspurkopie aus dem Film zu hören, in der der musikalische Vortrag durch die Gags der beiden Stars unterbrochen wird. Um als Novelty Act zu funktionieren, ist die Bild-Ebene allerdings unerlässlich.
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* Siehe https://blog.montyarnold.com/2017/07/21/die-schoensten-filme-die-ich-kenne-35-der-agentenschreck/

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Happy Birthday Ernie Reinhardt

betr.: 70. Geburtstag von Ernie Reinhardt

Rätselhaft zu sein, ist eine nicht unwichtige Tugend für eine große Diva. Der Buchtitel „Waren Sie nicht mal Lilo Wanders?“ ist es in jedem Fall, denn Lilo Wanders war nicht, sie ist. Sie ist eine gegenwärtige und quicklebendige Figur, bei der das Schon-ewig-da-Sein und Mal-Gewesen-Sein eingebaut, aber eben nur eine kokette Behauptung ist.
Das Volkstück „Blaue Jungs“, in dem diese Kunstfigur 1989 erstmals auftrat, gehört zum Amüsantesten, was ich je auf der Bühne erleben durfte. Die Vorgängerproduktion im noch jungen „Schmidt“-Theater hieß „Sag‘ bitte, und ich sing“, war ebenso amüsant und hatte für mich als vom Land kommenden Neu-Hamburger außerdem eine transzendentale Qualität. Wie ich heute weiß, gewährte Ernie Reinhardt hierin noch einmal eine Art Hitparaden-Schnelldurchlauf all der ebenso anrührenden wie saukomischen Frauenportraits, die er in der Hamburger Subkultur der 80er Jahre kreiert hatte.*

Auch ohne dieses Hintergrundwissen war ich beseelt von diesem letzten Mal, an dem ich wirklichen Camp auf der Bühne erleben durfte – und außerdem sogar Georgette Dee und Terry Truck . In dieser Eröffnungsnummer des Abends (Regie und Mitautorenschaft: Claus Vinçon) ist außerdem Corny Littmann zu hören. Die vier stellen sich und einige ihrer Chargen dem Publikum vor.

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* Siehe https://blog.montyarnold.com/2022/05/20/20705/

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