Ein Allerlei aus Resten

Aktuelle Filmkritik

Seit dem Quellenwerk „Alte Frauen in schlechten Filmen“ wissen wir, dass ein Auftritt in einem Horrorfilm für Filmstars mit Vergangenheit ein böses Omen sein kann. Gilt das heute noch? Gilt heute überhaupt noch irgendwas? Ein flammneuer Gruselfilm gibt Auskunft!
Und der aktuelle Podcast:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/they-will-kill-you

They Will Kill You
Horrorfilm von Kirill Sokolov

Warte nur ein Weilchen: Zazie Beetz sucht den Ausgang … – Bild: WB / Nocturnia

Vor zehn Jahren schoss Asia Reaves auf ihren gewalttätigen Vater. Sie wanderte ins Gefängnis und musste ihre kleine Schwester Maria hilflos bei dem Mann zurücklassen, vor dem sie ihn eigentlich schützen wollte. Wieder auf freiem Fuß, will Asia ihre inzwischen erwachsene Schwester aufsuchen, doch Maria ist spurlos verschwunden. Ihr letzter bekannter Job war: Dienstmädchen in einer exklusiven Residenz mitten im gentrifizierten Manhattan, dem monströs-mondänen „Virgil“. Asia bemüht sich dort ebenfalls um eine Anstellung. Von Anfang an hat sie weniger mit der Versorgung der reichen Gäste als vielmehr damit zu tun, sich die Satanisten vom Hals zu halten, die das Haus bewirtschaften. Immerhin findet sie tatsächlich Maria wieder …

Sein Low-Budget-Kammerspiel „Why Don’t You Just Die!“ und den Nachfolger „No Looking Back – Ohne Rücksicht auf Verluste“ realisierte der russische Filmemacher Kirill Sokolov noch in der Heimat, dann siedelte er in die USA über. In seiner neuen Horror-Actionkomödie spielt Zazie Beetz, die wir aus „Deadpool 2“ kennen, die Hauptrolle. Ihre fieseste Gegenspielerin ist Patricia Arquette.
Das Eröffnungsbild ist großartig, wenn es auch als Botschaft dieses Films – ja, so etwas wird hier wirklich behauptet – nicht trägt: eine wohlhabende Familie, die von Schaufensterpuppen dargestellt wird, sehen wir erst aus der Nähe, dann durch eine Schaufensterscheibe, vor der ein übles Unwetter tobt. In dieser Welt leben die Heldin und ihre kleine Schwester. Immer mal wieder wird gegen „reiche Leute“ gewettert, auch ganz zuletzt, als Schlusswort.
In den nächsten Minuten werden noch ikonische Bilder als „Psycho“ und „Shining“ zitiert, dann verlöschen derart weit zurückreichende Anspielungen.
Beim Betrachten des Films fällt auf: Trash wirkt heute wertiger als früher, aber es bleibt Trash. Schlechtes muss nicht billig sein – oder doch zumindest nicht billig aussehen.

Zugegeben: das Wort „Horror-Actionkomödie“ habe ich aus der Verleihwerbung zitiert. Was hier missglückt, ist keine Komödie, es geht eher in Richtung Klamotte und tut auch dieser Gattungsbezeichnung unrecht.
Die mörderischen Action-Ballette, die vor knapp 30 Jahren noch eine Sensation waren, kann heute jede KI herstellen – was sie nicht muss, da uns solche Bilder längst zum Hals raushängen. Das hat Gruselmeister Sokolov nicht mitbekommen, und so beglückt er uns schon in der ersten Viertelstunde mit einem Gemetzel, das keine Steigerung mehr erfahren wird und das – was noch schlimmer ist – auch jedes Geheimnis zerstört, womit wir es bei diesem Edel-Spukhaus zu tun haben. Damit ist auch jeglicher Neugier der Hals umgedreht, was die Heldin in diesem Gemäuer noch erwartet. Zwar wird sich noch eine Erklärung fürs Finale aufgehoben, doch bis die kommt, sind wir längst gegen alles kreuzweise abgestumpft, was in irgendeiner Weise mit Feuer, platzenden Köpfen, Messerkämpfen, Augenverletzungen, Blutfontänen und choreographiertem KI-Slomo-Rumgehopse zu tun hat.
„They Will Kill You“ ist, selbst wenn wir die geringsten Splatter-Erwartungen zugrundelegen, ein derartig wertloser Mist, dass die Rezension hier zuende ist.

Für alle, die noch mögen, nutze ich die restliche Zeit, um zu sortieren, womit wir es hier zu tun haben: mit dem aktuellen Endstadium der Post-Tarantino-Epoche. Was wir hier geboten bekommen, ist restlos alles, worauf wir heute noch hoffen dürfen, wenn sich Schlachtfeste wie diese irgendwie in einen Film einbauen oder in seiner Handlung motivieren lassen. Auch der kürzlich bei den Oscars gefeierte „Blood And Sinners“ ist erkennbar ein Kind dieser Strömung.

Als Quentin Tarantino vor etwas über 30 Jahren seinen Durchbruch hatte, glaubten alle, sie wüssten jetzt, wie sowas geht. Es war, als wäre eine kurze Geheimformel aufgesagt worden, die man nur phonetisch nachplappern muss. Eine Flut von Filmen mit quasselnden Killern und flapsigen Psychopathen ergoss sich in der zweiten Hälfte der 90er Jahre auf die Leinwände. Auch im deutschen Film mangelte es nicht an halbstarken Imitationsversuchen.
Tarantino selbst wurde unterdessen in seinen Konzepten größer, in seinem Idiom opernhafter, in der Erzählung langatmiger. Waren es zunächst „Pulp Fiction“– und „Reservoir Dogs“-Nachahmungsversuche, die jetzt jeder zu beherrschen glaubte, kriegen wir heute hauptsächlich „Kill Bill“– und „Django Unchained“-Varianten zu sehen, nur ohne die popkulturelle Bildung und den persönlichen Geschmack, den wir bei Tarantino bis zuletzt spüren konnten, auch wenn wir letzteren nicht immer teilen mochten. Was ein hochmögendes Prestige-Produkt wie „Blood And Sinners“ mit Küchen-Abfall von der Sorte unseres heutigen Gegenstandes letztlich verwechselbar macht, ist dieses völlige Fehlen von einem Interesse für das Kino an sich, das Kino vor Tarantino, das diesen noch prägte und amüsierte.
Schon hier beginnt das große Missverständnis: Quentin Tarantino hat das, was er da zitierte, nicht nur unerwartet gemischt und zu etwas Eigenem gemacht, er hat diese Sachen erst einmal angeschaut und persönlich geliebt und nicht einfach nur geplündert. Wer ihn heute plündert, interessiert sich nicht für solche Sentimentalitäten. Inspiration ist was für alte Heinis. Sie ist out.   

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Bothered and bewildered

Zum Start des Films „Blue Moon“ am Donnerstag

Zum Hören: https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/blue-moon

Richard Linklater ist ein sehr sorgfältiger Autor und Regisseur, der lange an seinen Filmen arbeitet. Das können Mehrteiler wie die „Before“-Trilogie sein, aber auch eine Langezeitstudie wie „Boyhood“ oder der für 2040 angekündigte „Merrily We Roll Along“. Zurzeit sind zwei seiner Filme parallel unterwegs, beide nach realen Begebenheiten aus dem Kulturbetrieb: das Kammerspiel „Blue Moon“ und der programmatisch betitelte Schwarzweißfilm „Nouvelle Vague“ über die gleichnamige Strömung des französischen Kinos nach dem Krieg.
Zum Letzteren schrieb der „Spiegel“ etwas, das auf beide zutrifft: »Alle Protagonisten geben permanent geistreiche Sätze von sich, (…) ein Quell von Sentenzen, literarischen Zitaten, Apercus; und in manchen Passagen wirken die Dialoge wie eine zu dichte Aphorismensammlung. Verstärkt durch die perfekt kuratierten Kulissen erlangt die (…) Ästhetik stellenweise eine beinahe pornografische Intensität. In dieser Opulenz liegt schließlich auch der elementare Unterschied zwischen Original und Rekonstruktion.«

Während „Nouvelle Vague“ klassische Filmszenen wiederherstellt, ist „Blue Moon“ eher ein Backstage-Bericht, der am Premierenabend des Broadway-Musicals „Oklahoma!“ spielt. Dieses markierte 1943 den Wechsel des Erfolgskomponisten Richard Rodgers von seinem langjährigen Songtexter Lorenz Hart zu Oscar Hammerstein II. Heute wissen wir, dass dies eine endgültige Veränderung sein würde. Und dass das Musical wie auch das Duo Rodgers & Hammerstein Geschichte schreiben sollten.
Der aussortierte Liedtexter sitzt nun am Abend der Premiere im „Sardi’s“ und ist so niedergeschlagen, als wäre ihm beides schon bewusst. Als spitzfindiger, homosexueller Satiriker lässt er sich seine Endzeitstimmung nur mit starker ironischer Brechung anmerken.

Der erste Teil des Films wird hauptsächlich von Ethan Hawke als Lorenz Hart und von Bobby Canavale als Barmann getragen, deren Dialog aus einem pointierten Theaterstück stammen könnte. Dann treffen nach und nach die anderen Premierenbesucher und -beteiligten ein, schließlich auch Rodgers & Hammerstein. Sie lesen die ersten Kritiken (alle hymnisch) und brechen schließlich zu ihrer Feier auf. Hart wird ankündigen, später dazuzustoßen und natürlich nicht hingehen – wie käme er dazu? Er schwadroniert immerzu von seiner Gegenparty, auf der das Golden Gate Quartet singen wird.

Ich bin nicht unvorbelastet: die Details der Trennung von Rodgers & Hart, die abgesehen von Cole Porter die witzigsten, zeitlostesten Musicals der 30er Jahre verfasst haben und damit Dutzende unsterblicher Hits wie „My Funny Valentine“ und „The Lady Is A Tramp“, hat mich schon immer interessiert. Ich habe mich gefragt, wie es wohl gewesen sein mag, als sich der solide Erfolgskomponist Richard Rodgers – bürgerlich und brav, wenn auch kein treuer Ehemann – seines so wesensfremden Texters entledigte: des Partylöwen Lorenz Hart, der zunehmend mit Alkoholproblemen zu kämpfen hatte. Linklater erarbeitete sich das Buch aus dem Briefwechsel Lorenz Harts mit seiner jungen Vertrauten Elizabeth Weiland und benannte es nach dem Popsong „Blue Moon“, einem Erfolg des Teams Rodgers & Hart von 1933, den der Liedtexter selbstredend als unter seiner Würde betrachtete.
Gnädigerweise musste Lorenz Hart die Erfolgsgeschichte des neuen Musical-Duos, der „Klassiker-Fabrik“ Rodgers & Hammerstein, nicht mehr miterleben: er starb Monate später  an den Folgen seines Lebenswandels, wie wir schon zu Beginn des Films erfahren.
Der Charme von Hawke und Cannavale trägt diesen Film über Bitterkeit und die erbarmungslosen Gesetze des Showgeschäfts, der sonst allzuleicht in Häme und Selbstmitleid versacken könnte, gerade angesichts der geschliffenen Bosheiten, mit denen der Held seine Lage kommentiert. Neben diesem Risiko ist es vor allem das Namedropping eines solchen Kostümfilms in Echtzeit, vor dem man sich als Regisseur in Acht nehmen muss. Der Film bekommt das ganz ordentlich hin, jongliert er auch unablässig mit Liedzeilen und Showtiteln, außerdem mit „Casablanca“-Anspielungen – Hart und Barmann Eddie haben diesen aktuellen Kinohit schon mehrmals gesehen.
Ethan Hawke macht seine Sache sehr gut, obwohl er (soweit man das bei einem so versierten Schauspieler sagen darf) gegen seinen Typ besetzt ist. Als älterer Schwuler mit Haarausfall, der zudem unter seiner geringen Körpergröße leidet, wird er vor allem durch die Bemühungen der Tricktechniker behindert, seine tatsächliche Beinlänge zu überspielen.
„Blue Moon“ ist ein sehenswerter, ein kostbarer Film. Er wird es nicht leicht haben.
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Weiterführendes zum Thema: https://blog.montyarnold.com/2021/04/19/soliloquy-from-carousel/

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Diese un-entsetzlichen Lücken

»Ich bin eine hoffnungslose Nostalgikerin. Ich schwelge in meiner eigenen Vergangenheit, liebe es, mir alte Fotos anzuschauen, und trauere den sorglosen Schul- und Unizeiten hinterher. Ich möchte jedes Jahr an denselben Urlaubsort fahren, alte Lieblingsbücher wiederlesen und Familientraditionen aufleben lassen. Ich schlafe immer noch mit meinem Teddybären aus Kindertagen und kann mich nicht von persönlichen Erinnerungen trennen. Der Trend aus den sozialen Medien, die Musik und den Style von 2016 zu feiern – und die persönliche Entwicklung seitdem -, war für mich wie gemacht: Ich verlor mich für Stunden in meinem persönlichen Fotoarchiv und erinnerte mich an die guten alten Zeiten, in denen ich Mitte zwanzig war.«
Mit diesem launigen Bekenntnis beginnt Agnes Arnold-Forster ihren Artikel zum Thema “Nostalgie”*, in dem sie u.a. die schräge und hochinteressante Geschichte dieses Begriffs beleuchtet (seinen Ursprung als Diagnose einer Krankheit, die sogar tödlich verlaufen konnte).
An der oben zitierten Eröffnung verblüfft mich, wie wenig sie mit mir übereinstimmt (gar nicht!). Das wiederum sagt mir, wie vollkommen subjektiv wir diesen Begriff verwenden, wie zuverlässig er zu Missverständnissen führt (und warum ich ihn schon länger intuitiv vermeide).
Ich schaue mir sehr ungern alte Bilder an (ist doch alles nicht mehr zu ändern), hatte eine außerordentlich grauenvolle Schulzeit, finde Wegfahren stressig und urlaube am liebsten zuhause, komme kaum zum Wiederlesen meiner Lieblingsbücher, weil so viel noch Ungelesenes wartet (habe sie aber griffbereit, um sie jederzeit stellenweise wiederlesen zu können), und was meine Familie angeht … naja. Die / meine Trends von 2016? War das nicht gerade eben erst? Mit Mitte 20 (länger her als 2016) war ich vergleichsweise unglücklich. Immerhin habe ich mich seither verbessert. Und der sprichwörtliche Teddybär? Den gab es nicht. Ein Grund mehr, meine Nostalgie-Definition für mich zu behalten. Wenn man jemandem sagt: “Da war kein geliebter Teddybär”, dann wird man sicher ziemlich mitleidig gemustert. Schon in Ordnung, meine Lieben.
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* “Frankfurter Allgemeine Quarterly” 2 / 2026

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Immer noch der Captain

betr.: 95. Geburtstag von William Shatner

Wer hätte das gedacht: weder die unverwüstliche Kritik an seinen schauspielerischen Grenzen (nicht immer berechtigt) noch seine Karriere nur im Fernsehen und weniger im Kino (heute völlig anders bewertet) noch die Zeitzeugenberichte von mangelndem Wohlverhalten der Crew gegenüber (von ihm selbst schamvoll eingeräumt) konnten etwas daran ändern, dass William Shatner der einzig wahre Captain Kirk und als solcher eine der beliebtesten Typen Hollywoods ist. Zugegeben: dass er die oft an ihn gerichtete Aufforderung „Live long and prosper“ tatsächlich befolgt hat und immer noch da ist, hat dazu beigetragen, dass sein Kirk inzwischen sogar den eigentlich unschlagbaren Mr. Spock als heimlichen Star der Ensembleserie „Raumschiff Enterprise“ abgelöst hat. – Ich selbst hätte die beiden nie gegeneinander ausspielen wollen, bin aber inzwischen zweimal gefragt worden, ob Kirk nicht der Kultigere ist – schon das Aufkommen dieser Frage sagt etwas aus …
Inzwischen gibt es sowohl zu „Star Trek“ als auch seinen Helden sowie der Heldin Uhura viel Literatur, darunter sogar allerlei Autobiographisches. Das bei aller Fairness und Ausgewogenheit amüsanteste Buch, das ich über William Shatner bisher gelesen habe, ist längst vergessen und schon wegen seines weit zurückliegenden Erscheinungsdatums mit dem Makel der Nicht-Aktualität behaftet: „Der Captain“. Ich würde es trotzdem allen empfehlen, die anlässlich des heutigen Datums (oder einfach so) tiefer in das Thema einsteigen möchten. Bis 1995 gibt es keine schönere einschlägige Quelle – und außerdem bezeugt es die Langlebigkeit seines Gegenstandes.
Das Buch von Dennis W. Hauck erschien bei Heyne, versteht sich jedoch nicht als Beitrag zur Heyne-Filmbuchreihe.

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Auf der Spur von Yinni und Yann

betr.: Die Boomer mal wieder

Als Boomer hat man gegenwärtig viel kuratierte Nostalgie im Angebot. Reife Cassettenkinder und Fernsehkult-Fans werden mit Neuveröffentlichungen, Gesamtausgaben und Events zum Thema beglückt. Auch für die Comicfans häufen sich die runden Geburtstage. Voriges Jahr wurde das berühmte Jugendmagazin „Yps (mit Gimmick!)“ posthum 50 Jahre alt. Dazu gab es nicht nur ein Extra-Heft, sondern auch ein Jubiläumsbuch „ohne Gimmick“*.
Für mich war dieses Magazin weniger wegen der eingeschweißten Spielsachen, sondern hauptsächlich wegen der Comics interessant. Vom besagten Buch erhoffte ich mir nun beim Widersehen mit all diesen Serien (darunter viel spannende europäische Lizenzware) auch Aufschluss über deren Urheber. Wie bei „Fix und Foxi“ und den vielen anderen Rolf–Kauka-Produkten, war man auch bei „Yps“ sehr geheimnisvoll, wenn es um die Autoren und Zeichner der deutschen Eigenproduktionen ging.
Ganz besonders neugierig war ich auf die Herkunft von „Yinni und Yann – Die unglaublichen Abenteuer des Yps-Fernseh-Teams“. Darin ging es um drei Jugendliche, die „was mit Medien“ machten, als man so etwas handwerklich noch richtig ernst nahm. Das Format nahm mit seinen zwischen 7 und 10 Seiten mehr Raum ein und lief beständiger als die anderen Serien, daher rechnete ich mit einer prominenten Platzierung im Jubiläumsband. Zwar gibt es eine komplette Geschichte zu lesen, allerdings ist die recht willkürlich ausgewählt.
Irgendwo weiter hinten lesen wir zu diesem Thema die einzigen zusammenhängenden Sätze zum Thema:
»[Heinz] Körner war Schöpfer der Reporterserie „Yinni und Yann“, die im direkten Auftrag für „Yps“ entstand und mit einer Laufzeit von nahezu 25 Jahren Rekordhalter im Bereich der eigenständigen, nicht im Zusammenhang mit dem Känguru-Maskottchen stehenden Comics ist. Die in den „Yps“-Ausgaben Nr. 1 bis 1235 erzählten Abenteuer von Fernsehreporterin Yinni, ihrem Kameramann Yann sowie Tontechniker und Beleuchter Yorick nahmen die Leser mit in ferne Länder und an exotische Orte, wo geheimnisvolle Ereignisse zu klären sind oder sich gegen Bösewichte zur Wehr gesetzt werden muss, die unserer Umwelt schaden, die Menschenrechte verletzen oder andere Verbrechen begehen. Aus dem Studio berichtete zunächst Moderator Yack von ihren Erlebnissen, der aber nach wenigen Jahren nicht mehr auftauchte. Dafür entwickelte sich der liebenswerte Tollpatsch Yorick, dessen Missgeschicke oft als Handlungsträger fungierten, zum heimlichen Star der Serie.« – Hier irrt der Autor: Yack verschwand nicht etwa, er gesellte sich zum Außenteam und blieb eine gleichrangige Figur des Quartetts.

Der Look der frühen Tage: Yinni, Yack, Yann und Yorick (letztes Bild v.l.n.r.) im Heft mit dem Gimmick Nr. 27: Die Detektivuhr mit Geheimfach.

„Yinni und Yann“ wurden zuerst etwas steif und mit feinem Strich, dann nach knapp 40 Abenteuern mit einer an Cavazzano erinnernden Schmissigkeit umgesetzt. Heinz Körner war vermutlich der spätere Zeichner, denn im Buch wird von 1200 Abenteuern gesprochen, die er gestaltet habe. Ich wüsste zu gern, ob er auch der Autor gewesen ist. Als ich diese Geschichten später wiederlas, staunte ich über ihre perfekte Dramaturgie, wie gut sie die wenigen Seiten für ein komplexes Abenteuer nutzten, das auf wechselvollen Recherchen beruhte und stets zu einer hübschen Pointe fand. Ganz besonders in der zweiten Phase blühte ein slapstickreicher Wortwitz, von dem auch der anoraktragende Techniker Yorick (Migrationshintergrund) profitierte.
Näheres (hoffentlich) beim 75. Geburtstag von „Yps“.

Das Finale zeigt uns Yorick als Initiator der überstandenen Dienstreise – und der nächsten. Aus dem Yps-Heft Nr. 57.

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Kultfilm Azubis: Einfach weiterspielen!

Leute, die um ihr Leben spielen – oder darum, was sie dafür halten -, stehen im Mittelpunkt des heutigen Podcasts. Als Schnittmenge aus dem historischen Hintergrund des ersten Films und einem der Stars des zweiten wird uns außerdem ein berühmtes unvollendetes Projekt der Filmgeschichte interessieren, das Drama „The Day The Clown Cried“:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/sein-oder-nichtsein-king-of-comedy

A) Sein oder Nichtsein / To Be Or Not To Be
Amerikanische Antikriegskomödie von 1942

Eine Warschauer Theatergruppe spielt gerade ein antinationalsozialistisches Stück, als die Deutschen in Polen einmarschieren. Das Ensemble begibt sich in den Widerstand und nutzt die Uniformen aus dem Fundus, um einen Doppelagenten unschädlich zu machen. Doch Obergruppenführer Ehrhardt ist ihnen auf den Fersen. Die Eitelkeiten und Eifersüchteleien der Damen und Herren Schauspieler drohen ihre Flucht nach England in letzter Sekunde zu sabotieren …

Diese schwarze Komödie musste den Platz des größten einschlägigen Klassikers an Chaplins „großen Diktator“ abgeben, die erste von Hollywoods Nazi-Satiren der Kriegsjahre, und im Repertoire von Ernst Lubitsch wird allgemein „Ninotschka“ als Meisterstück genannt. Aber „To Be Or Not To Be“ ist raffinierter, und nicht wenige halten ihn außerdem für noch komischer. Viele Filmkenner, Entertainer, Schauspieler und Komiker nennen ihn als ihren Lieblingsfilm. 

B) King Of Comedy / The King Of Comedy
Amerikanische Mediensatire von 1982

Das New Yorker Muttersöhnchen Rupert Pupkin träumt von einer Karriere als Stand-Up-Comedian. Er verehrt den TV-Star Jerry Langford, der es vom Komiker zum gefeierten Host einer eigenen Show gebracht hat. Als alle Versuche scheitern, in dessen Sendung eingeladen zu werden, beschließt er gemeinsam mit seiner neurotischen Bekannten Masha, Langford zu entführen, um den großen Auftritt zu erpressen. Der haarsträubende Plan wird konsequent die Tat umgesetzt …

So wie Rupert sein Idol hauptsächlich wegen dessen Prominenz liebt, wird Martin Scorsese von seinen Fans für eine ganz bestimmte Art von Filmen geschätzt – besonders, wenn Robert De Niro darin die Hauptrolle spielt. „King Of Comedy“ fiel durch dieses Raster und war auch sonst zu speziell für den Mainstream: eine boshafte Satire, ein Film fast ohne Sympathieträger und eine Charakterrolle ausgerechnet für Jerry Lewis. Das war eher etwas für Kritiker.

Nächste Woche: American Psycho und Glengarry Glen Ross

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Der Komiker als Filmheld (19): „Is This Thing On?“

betr.: Aktuelle Filmkritik

Bei Tess und Alex Novak steht die Scheidung ins Haus. Den beiden kleinen Söhnen macht das umso mehr zu schaffen, weil sie von ihren Eltern für dumm verkauft werden.
Alex gerät eher zufällig in die Open-Mic-Veranstaltung eines Comedy-Clubs. Er improvisiert einen Monolog über seinen Beziehungsstatus und wird vom Publikum freundlich aufgenommen. Seiner Familie will er nicht verraten, was in den nächsten Wochen geschieht: er steigt im „Comedy Cellar“ zum angesagten Performer auf.

„Is This Thing On“ ist ein Film von der Sorte, die Hitchcock als „Kitchen Sink Movies“ bezeichnete, eine Art Doku-Soap auf der Leinwand. Er zeigt uns sehr kleinbürgerliche Menschen, die unentwegt aufgekratzt sind, über eine Verwandtschaft verfügen, die ihre Kauzigkeit erbarmungslos vor sich herträgt, und deren Strategien sich nicht immer schlüssig nachvollziehen lassen (selbst der Erfolg auf einer urigen Stadtteilbühne wird hier zum Skandälchen aufgeblasen, das um jeden Preis geheimzuhalten ist). Die größte Sorge all dieser Leute: den Verdacht der Intellektualität zu erregen.
„Is This Thing On?“ ist ein Feelgood-Movie für Familienmenschen. Solche Filme gelingen am besten, wenn sie sich nicht allzusehr mit Botschaft und Subtext aufladen. Für Bradley Cooper, der das Drehbuch für seine dritte Regiearbeit zusammen mit seinem Hauptdarsteller Will Arnett verfasste, war die Welt der Stand-Up-Comedy faszinierendes Neuland: „Dieser Keller in Manhattan, in dem wir gedreht haben, ist ein magischer Ort. Das ist eine richtige Kultur. Ein eigenes Ökosystem, seit Jahrzehnten.“  
Eine Show, in der jeder mitmachen kann und alle Applaus erwarten dürfen, ist ideal für jemanden wie Alex, der sich auf der Bühne therapieren möchte. Für den Besucher, der in einer solchen Spielstätte einen professionellen Kunstgenuss erwartet, vielleicht sogar Frechheit und Provokation, muss so ein Programm eine Folter sein. Man kann es eben nicht allen rechtmachen.
Bradley Cooper hat mit seiner Bestandsaufnahme nicht unrecht: die meisten Comedy-Clubs sind heute eher Begegnungsstätten für eine Community, die sich der Illusion eines freundlichen Miteinanders hingeben möchte. Eine Ablass-Praxis, vergleichbar der „guten Gesinnung“, derer man sich in früheren Zeiten im Kabarett versichern konnte.
„Kitchen Sink Comedy“ würde Hitchcock dazu sagen.
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Torben Sterner hat den Film in unserem Podcast so besprochen:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/is-this-thing-on-aktuelle-filmkritik

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Der wundersame Lückentext

Mindestens dann, wenn ich nichts oder wenig über jemanden weiß, ist der unverwüstliche „Proust’sche Fragebogen“ ein gutes Mittel, mich für jemanden einzunehmen (oder eben nicht). Wahrscheinlich ist genau das einst der Sinn und Zweck dieses „Gesellschaftsspiels“ gewesen.
Im aktuellen „F.A.Z. Quarterly“ zieht mich die Autorin / Moderatorin / Schauspielerin / Podcasterin Sophie Passmann so auf ihre Seite.
Wo sie leben möchte: „Wenn mir kalt ist, Los Angeles, wenn mir warm ist, New York. Niemals Berlin.“ (Hihi…)
Auf die Frage nach dem Lieblingsmaler bekennt sie sich zu einer einschlägigen Bildungslücke, bei ihrem größten Fehler zu Selbstmitleid und Fatalismus.
An einer Stelle beklagt sie kokett Prousts Obsession mit Heldentum, findet dieselbe bei Heldinnen dann zwar „natürlich viel einfacher“, macht aber doch ein selbstironisches Eselsohr in ihre Antwort, das für Wokeness-Militaristen unsichtbar ist.
Wo immer möglich, ohne dadurch unernst zu werden, erschafft sie kleine Pröbchen hübscher Literatur. Das vollkommene irdische Glück: „Frisch geduscht in meinem frisch bezogenen Bett liegen, eine Serie gucken, die mich wirklich interessiert, und dabei irgendwas essen, was auf der Decke keine nachhaltigen Krümel hinterlässt.“

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Was den Krimi vom Thriller trennt (2)

Fortsetzung vom 16. April 2023

Wie hält es der Profi?

Erfolgsautor Frank Schätzing – der niemals mit Krimis in Erscheinung tritt, dem Thriller aber in jedem Zusammenhang zu seinem Recht verhilft – erklärt es im Quarterly der „F. A. Z.“ so:

Thriller erzählen Geschichten vom Kontrollverlust, und den fürchten wir mehr als andere. Wir möchten Ordnung, ganz besonders die Deutschen. Darum bevorzugen wir hierzulande den Krimi. Da steht die Unordnung am Anfang. Auf dem Teppich liegt die Leiche, Kommissare treten auf, wo waren Sie gestern zwischen zehn und zwölf, binnen anderthalb Stunden wird die Ordnung wieder hergestellt, und wir atmen auf. Der Thriller funktioniert andersherum, näher an der Realität. In die Ordnung bricht etwas Verstörendes ein. Und eskaliert. Zusammenbruch und Chaos schreiten voran. Viele gute Thriller enden ganz offen. (…) Thriller sind für uns kathartisch. In der Realität kündigt sich der Weltuntergang beständig an, ohne wirklich einzutreten. Putin ist noch nicht über Europa hergefallen. Der Supermeteorit ist noch nie eingeschlagen. Wir leben in einer Gefühlslage permanenter Bedrohung von allen Seiten, ohne dass sich das Ganze auflöst. Das macht uns wahnsinnig. Wir müssen die Katastrophe zumindest einmal fiktional durchleben können, um Druck abzubauen. Horror- und Katastrophenfilme helfen dabei.

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