Hörbuch zu verschenken

Der tschechische Science-Fiction-Autor Karel Čapek hat uns vor etwa 120 Jahren das Wort „Roboter“ geschenkt. Sein zweitberühmtester Roman war lange vergriffen: in „Der Krieg mit den Molchen“ beschreibt er uns eine Welt, in der die Menschen nicht von Androiden oder Mutanten („man-made monsters“), nicht von Außerirdischen („alien ivaders“) sondern von intelligenten Molchen („ancient menaces“) verdrängt werden. Die sprachbegabten Riesenmolche, von ihren Entdeckern zunächst als billige Arbeitskräfte missbraucht, wenden sie sich schließlich gegen ihre Ausbeuter.
Die zehnteilige Lesung von Ilja Richter steht als Weihnachtsgeschenk der gern beschimpften Öffentlich-Rechtlichen zum Download in der Mediathek.

1. Teil
Die Leute sind verrückt nach Perlen, weiß Kapitän Jan van Toch, er will in das Geschäft einsteigen. Doch leider gibt es kaum noch welche im Meer – alles schon geplündert. Der Wirt auf der Südseeinsel aber hat einen Tipp.

2. Teil
Kapitän Jan van Toch hat inzwischen einiges über diese merkwürdigen Viecher aus dem Meer herausgefunden und wittert ein großes Geschäft. Dazu will er sich seinen stinkreichen Jugendfreund G.H. Bondy ins Boot holen …

3. Teil
Bald wird klar: Man kann die „Eidechser“ zum Perlen-Tauchen abrichten und so eine Menge Geld machen. Im Folgenden sind die schwarzen Kerlchen sogar nützlich für die Karriere einer dummen, schönen Schauspielerin.

4. Teil
Die Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf die Begegnungen mit den schwarzen Wesen aus dem Meer. Wissenschaftler vermuten, dass diese von dem ausgestorbenen Riesensalamander Andrias scheuchzeri abstammen.

5. Teil
Der Fabrikant G.H. Bondy hat einen großen Plan für die Welt: Die Molche sollen als Meeresarbeiter neue Kontinente aufschütten. Haltung und Transport der neuen billigen Arbeitskräfte werden deshalb in Masse organisiert.

6. Teil
Mit der Zeit kommt die Frage auf, ob die Molche eine Seele besitzen? Die Antwort dazu fällt unterschiedlich aus. Die Rektorin eines Mädchenpensionats fordert schließlich als Erste: Gebt den Molchen eine Schulbildung!

7. Teil
Es gibt ein Molchregister, amtliche Aufenthaltsgenehmigungen, eine Kopfsteuer … Doch vorläufiger Höhepunkt der Anerkennung ist: Der hochgelehrte Molch, Dr. Charles Mercier, wird zu einem Festvortrag nach Nice eingeladen.

8. Teil
Millionen von Molchen produzieren und bauen ohne Unterlass. Gefährdet das die Sicherheit? Die Seemächte bestimmen deshalb: Molche dürfen sich nicht bewaffnen. Doch es kommt zu Überfällen: Es riecht nach Krieg.

9. Teil
Philosophen denken nach über Menschheit und Molchtum. Der größte Fehler: Die Aufteilung in Nationen, Rassen, Arme und Reiche, in Gebildete und Ungebildete, in Herrschende und Beherrschte. So gibt es keinen Frieden.

10. Teil
Den Molchen fehlt es an Lebensraum im Wasser. Sie kündigen an, das Festland stufenweise abzutragen, wenn nötig, mit Gewalt. – „Ihr habt uns gewollt. Ihr habt uns über die ganze Welt verbreitet. Jetzt habt ihr uns.“

Die Illustrationen von Hans Ticha sind der aktuell vorliegenden Buchausgabe der Edition Büchergilde entnommen.
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Warum so verzweifelt?

Wie viele krampfhafte Witzchen passen in einen kürzeren Zeitungsartikel? Ungefähr so viele wie in einen Videoblog des selben Verfassers. Oder in einen Stand-Up-Monolog.
Auf alle Fälle sind es mehr als Sie denken, bevor Sie den untenstehenden SZ-Artikel gelesen haben. Es ist der Text eines Mannes, der auch ohne solche Gastbeiträge schon alle Hände voll zu tun hat, die Medienwelt zu bespaßen. Auf der selben Zeitungsseite heißt es in einem anderen Zusammenhang „Lustig? Nicht mehr lustig? Schon wieder lustig? (…) was noch lustig ist, verschwimmt (…) manchmal auf witzige, manchmal auf erschütternd dumme, manchmal auf gefährliche Weise“ „in einer von Ironie überreizten Lachgesellschaft“.
Für die Helden dieser Zielgruppe bedeutet das, so viele Pointenversuche wie noch nie in jeden Quadratzentimeter Bildschirm bzw. Zeitungspapier zu quetschen! Da kann dann auch schonmal ein Sprachbild verrutschen (das Schwein bläst zur Jagd) oder die kluge Metapher zum Schluss die Wohnsituation des Lesers verfehlen (bei mir ist nicht das Klo gekachelt, sondern das Badezimmer).
Und bei alledem bleibt auch noch Zeit zum Rumjammern! Doll!

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Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit (61)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/10/06/19056/

Fortsetzung vom 2. Dezember 2022

Sunlight hatte die Effekthascherei mit den Tropenkleidern aufgegeben, die ihm höchstens einen Schnupfen bescheren konnte; er trug jetzt einen dunklen Anzug und hatte sich eine schwarze Fliegerhaube auf den Kopf gestülpt. Er wirkte ausgesprochen finster und gefährlich; trotzdem zwang er sich zu einem liebenswürdigen Lächeln.
„Euer Chef behandelt euch ziemlich schlecht“, sagte er auf Spanisch.
„Wir können uns nicht beklagen“, erwiderte Doc in derselben Sprache, wobei er sich bemühte, möglichst raukehlig und ungebildet zu reden, um sich von dem wirklichen Adonis nicht zu unterscheiden. „Wir haben viele Vorteile.“
„Sind Sie schon lange bei Seiner Exzellenz?” erkundigte sich Sunlight.
„Eine ganze Weile“, entgegnete Doc.
Er konnte nur hoffen, dass diese Auskunft stimmte; die Zeit hatte nicht ausgereicht, den Lebenslauf der beiden Leibwächter zu studieren.
„Wo sind Sie geboren?“ fragte Sunlight.
Ohne nachzudenken nannte Doc ein kleines Gebirgsnest in der Heimat des Playboys.
„Davon hab‘ ich schon gehört“, sagte Sunlight. Er dachte nach. „Für euch muss diese Kälte scheußlich sein, ihr seid nicht daran gewöhnt. Ich war in Sibirien, da ist es nicht viel wärmer. Ihr habt es bald hinter euch. Ich nehme an, dass euer Chef heute abend zurückfliegt. Ich werde ihm eines meiner Flugzeuge zur Verfügung stellen.“
Monk atmete tief ein. „Doc, wenn wir ihn jetzt hochnehmen …“
„Nein“, flüsterte der Bronzemann. „Vorher müssen wir wissen, was er plant. Wir müssen unserer Sache ganz sicher sein. Wir ahnen, was er vorhat; das ist aber auch alles.“
„Meinetwegen.“ Monk stimmte zu. „Aber wenn ich noch lange den Leibwächter dieses Playboys spielen muss, bringe ich ihn um!“
„Das eilt nicht“, sagte Doc. „Wir sollten uns lieber um unseren Ausrüstungskasten kümmern.“
„Kann ich dir helfen?“
„Du kannst ihn holen“, sagte Doc. „Ich bleibe hier und beschaffe dir ein Alibi für den Fall, dass jemand dich vermissen sollte.“
Doc Savage blickte Monk nach. Monk verschwand in der Richtung, in der das versteck des Kastens lag, und wurde Sekunden später von der Dunkelheit aufgesogen. Der wirbelnde Schnee löschte seine Fußspuren aus.

Der Posten, der das Zelt bewacht hatte, war nirgends zu entdecken, und Doc fragte sich, was wohl aus ihm geworden war. Die Frage wurde bald beantwortet. Aus einem der Iglus drang ein schriller Schrei; Doc erkannte die Stimme des Postens. Offenbar war es ihm im Freien zu kalt geworden, er war in einen der Iglus gekrochen und eingeschlafen. Sunlight hatte ihn suchen lassen, und seine Leute hatten den Schläfer entdeckt.

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Demnächst wieder im Kino: „Der Strohmann“*

betr.: 32. Todestag von Martin Ritt

Martin Ritt begann als Assistent am Theater und war Schauspieler, bevor er zu seiner eigentlichen Bestimmung fand. Angeblich war er mit Mitte 20 immerhin so gut, dass er am Broadway um ein Haar die Hauptrolle in „Pal Joey“ bekommen hätte, mit der dann Gene Kelly seine Karriere startete. Als Regisseur entwickelte Ritt eine Vorliebe für soziale Themen. Als er 1975 „Der Strohmann“ drehte, der am 20. Und 25. Dezember im Rahmen einer Filmreihe im Hamburger METROPOLIS Kino gezeigt wird*, arbeitete er seine eigene Vergangenheit in der McCarthy-Ära auf. Interessant ist der Film auch wegen der Besetzung der beiden Hauptrollen. Woody Allen hat seinen besten Auftritt unter fremder Regie, und der Charakterkomödiant Zero Mostel bietet nach meiner Einschätzung seine imposanteste auf Film dokumentierte Leistung – seine klassische Broadway-Rolle als Milchmann Tevje in „Fiddler On The Roof“ durfte er nicht verewigen, weil der Regisseur der Filmversion, Norman Jewison, ihn nicht mochte, und die mittlere Phase von Mostels Schauspielerkarriere (insbesondere sein Filmschaffen) wurde wiederum durch seinen Platz auf McCarthys Schwarzer Liste sabotiert.

Woody Allen ist gespalten, was „Der Strohmann“ betrifft. In seiner Autobiographie „Ganz nebenbei“ bezeichnet er ihm als „den ersten brauchbaren Film über die Schwarze Liste“, fand ihn aber insgesamt enttäuschend. Allen: „Ich tippe auf Mängel im Drehbuch, die wir alle übersehen haben. Martys Regie war gut, wir haben alle ordentlich gespielt, aber, um keinem Geringeren als Blaise Pascal die Worte zu verdrehen: Die Kunst hat ihre Gründe, die der Verstand nicht kennt. (…) ‚Der Strohmann‘ war zwar gut geschrieben, und bis heute konnte niemand echte Fehler finden, aber irgendwo steckte da wohl der Wurm drin.“ Allen gibt sich am mageren Kassenerfolg ein wenig selbst die Schuld, weil der Film auf dem Plakat so aussah, als wäre er eine typische Woody-Allen-Komödie. „Trotzdem, er ging nicht komplett unter und wird bis heute oft an Colleges gezeigt, weil er zum Thema politische Bildung recht informativ ist.“

Um noch einmal auf Martin Ritt und seine verhinderte Darstellerlaufbahn zurückzukommen: von seinen Fähigkeiten auf diesem Gebiet man sich einen Eindruck verschaffen. Maximilian Schell ließ Ritt im Herbst 1974 die Hauptrolle des todkranken Ermittlers Hans Bärlach in Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker“ spielen.  
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* Die Filmreihe „Die freiwillig komische Leinwand“ basiert auf der ST. GEORGE HERALD-Serie „Der Komiker als Filmheld“. Am 20.12. um 19 Uhr läuft die deutsche Fassung mit Einführung, am 1. Weihnachtstag um 19 Uhr 15 die Originalversion.

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Yoknapatawpha Cologne

Für die Kunst zu arbeiten, ist beglückend. Es birgt aber auch das Risiko ihrer Entzauberung. Das Hobby der Jugendjahre zum Beruf des ganzen Lebens gemacht zu haben, kann gefährlich sein.
Wer Glück hat, der bewahrt sich auch nach 40 Jahren bienenfleißiger Arbeit voller Kränkungen, Hindernisse und Misserfolge die Liebe zum schöpferischen Handwerk  und bleibt weiterhin – und zuallererst – auch ein ergebener und dankbarer Konsument der Schönen Künste.

Dass Kultur zum Leben dazugehört, ist gerade bei Künstlern und Medienschaffenden keineswegs selbstverständlich. Mit dem zeitaufwendigen Konsumieren kompletter Netflix-Serien oder den unentwegten Griff zum Smartphone ist es nicht getan. Ich spreche von Menschen, bei denen Kultur (im weitesten Sinne) zum Alltag gehört und die sich mit musischen Dingen so selbstverständlich umgeben und versorgen wie sie sich feste und flüssige Nahrung zuführen. Beides geschieht von selbst und muss dem Alltag nicht zu festen Zeiten abgerungen werden wie eine Urlaubsreise oder der Besuch eines besonderen Genusses, zu dem man sich eigens hinbemüht.
Ich bin glücklich, einige Vertreter dieser Art zu meinen Freunden zu zählen.  Zum Beispiel Ralf König (- da ich weiß, dass er meinen Blog nicht verfolgt, kann hier ganz offen sein).
Abgesehen davon, dass Zeitgenossen, die bei hellwachem Verstand wirklich reinen Herzens sind, eine enorme Bereicherung bedeuten und nur schwer zu finden sind, bin ich einfach gern mit kreativen Menschen zusammen. Dieser Tage ist mir in bezug auf Ralf König etwas bewusst geworden: schon seit langer Zeit sehe ich Köln durch die Linse seiner Comics. Wann immer der Kölner Dom irgendwo abgebildet wird, denke ich an Ralf, „Konrad und Paul“.
Ralf hat diese mir wohlvertraute Miniatur-Metropole zu einem Mikrokosmos gemacht, der die ganze Welt beinhaltet – mit allen Bereicherungen und Einschränkungen, die sich aus menschlicher Unzulänglichkeit ergeben. Dass Köln bei allem, was es mir bedeutet, eine so hässliche Stadt ist – dass es sogar „dynamisch hässlich“ ist, wie Henryk M. Broder anerkennend beklagt -, macht diese Erkenntnis umso anrührender.
H. P. Lovecraft sagte: „Ich bin Providence“. Ich stelle hiermit fest: Ralf König ist Köln. Sein Köln ist unser aller Köln, so wie Kafkas Prag das tatsächliche Prag ist, wie wir Dublin gern mit den Augen von James Joyce betrachten. Es ist ein Köln ohne den lauten und deutlichen Dialekt, den viele von uns verstehen, den wir aber längst nicht alle beherrschen. Ralf Königs Kölner sind Erdenmenschen wie die Enten im Entenhausen des Carl Barks. Seine hedonistischen schwulen Knollennasen sind so sehr Leute jeglicher sexuellen Orientierung wie die Bürger von Yoknapatawpha County in den Erzählungen von William Faulkner.

Als ich Ralf zuletzt besuchte und ihm sagte, nein, ich habe diesmal nicht beruflich in Köln zu tun, ich käme privat, um ihn und auch die Stadt mal wiederzusehen, da war er ein wenig verblüfft. (Wir sind uns einig, dass Hamburg viel schöner ist!) Aber Literatur putzt, wie Thomas Mann so treffend bemerkte. Und wie schön Köln in diesem Glanze schimmert, muss demjenigen entgehen, der da poliert.

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Wieder da: Stummfilm live mit Laurel und Hardy

betr.: 17. Todestag von Hanns Dieter Hüsch

Am 21.12. erwachen im Hamburger METROPOLIS Kino wieder die „Väter der Klamotte“ zum Leben, wobei vier Kurzfilme von Laurel & Hardy live synchronisiert werden. Als ich das Programm vor etwas mehr als 30 Jahren erstmals spielte – damals wie diesmal mit Sören Sieg am Klavier – musste ich auf den Film „Double Whoopee“ verzichten, denn er war nicht im Verleih. Im Zuge fortschreitender Digitalisierung ist das kein Hindernis mehr, und so kann ich ihn diesmal mit aufführen.*
Die Texte basieren wie gewohnt auf der Arbeit von Heinz Caloué und Hanns Dieter Hüsch, Originalinterpret unserer Fassung. Hüsch brachte sich im Laufe der Zeit mehr und mehr in das Manuskript mit ein. Vier seiner Zeilen lesen Sie hier – aber eine davon stammt nicht aus „Der Prinz im Fahrstuhlschacht“ (wie der Film seither auch heißt), sondern aus einem seiner Chansons.
Die Auflösung dieser vorweihnachtlichen Quizfrage gibt’s am 21. Dezember im Kino!

Heute steht ein aufregendes gesellschaftliches Ereignis bevor: der Besuch eines hochwohlgeborenen Sprosses aus einer der erlesensten Familien des alten Kontinents.
„Was wollen Sie? Sind Sie der neue Gartenzwerg?“
Wer zählt die Leichen im Opium-Club?

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„Schön, Sie nicht kennenzulernen!“

betr.: ein DLF-Feature von Fritz Tietz

Ich nehme an, das Feature „Unbekannte Bekannte“ hätte Truman Capote große Freude gemacht. Es entwickelt diesen kribbelnden, leicht gruseligen Sog, der einige seiner besten Texte auszeichnet (etwa „Miriam“ oder „Baum der Nacht“).
Wenn Sie den Sendetermin vor einigen Tagen verpasst haben, ist das schon deshalb nicht schlimm, weil die Sendung „wegen eines technischen Problems“ ausfiel und man uns auf die Mediathek verwies.* (Im übrigen handelt es sich um eine Wiederholung von 2018.)
Fritz Tietz hat ein Thema gefunden und bespielt, das aus maximaler Nichtigkeit und Alltäglichkeit großen Nervenkitzel gewinnt. Zu allem, was hier erzählt wird, haben wir alle – Leugnen ist zwecklos! – eine persönliche Meinung. Aber viele von uns haben sie noch nie fertig ausgebildet oder darüber gesprochen. Mit seinem eigenen Beitrag zu der Frage, wie wir eigentlich zu jenen Menschen stehen, die wir alltags auf dem Weg zur Arbeit oder in unserem Viertel sehen ohne jemals mit ihnen zu reden, treibt der Autor uns lustvoll vor sich her und zitiert sogar große Schriftsteller, die ebenfalls darüber nachgedacht haben.

Am Rande dieses Gedankenspiels (und der fesselnden Recherche, die sich anschließt) fallen Kabinettstückchen fürs Leben ab. Tietz besucht u. a. den Humoristen Max Goldt, der – ehe er auf die Thematik eingeht – stolz eine knarrende Tür in seiner Wohnung vorführt. Dabei fiel mir eine Tür in meiner früheren Wohnung auf St. Pauli ein, die auch ein markantes Quietschen von sich gab. Immer, wenn ich sie öffnete spielte sie die ersten drei Töne eines Zwischenspiels aus Rimski-Korsakows „Scheherazade“. Beim Schließen gab sie keinen Mucks von sich.
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* Hier ist sogar ein Download möglich: https://www.hoerspielundfeature.de/unbekannte-bekannte-schoen-sie-nicht-kennenzulernen-100.html

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Der Besetzungsstapel

betr.: „Der bewegte Mann“, heute um 17 Uhr im METROPOLIS Kino Hamburg

Als es daranging, aus seinem Buch „Der bewegte Mann“ und dessen Fortsetzung „Pretty Baby“ einen Film zu machen, war man so nett und bat den Autor und Zeichner Ralf König um einen Vorschlag für die männliche Hauptrolle. In meiner Erinnerung gab es Anfang der 90er auf deutschem Boden keinen einzigen Mann in Ralfs Alter (Homo oder nicht), der sich freiwillig einen deutschen Film angesehen hätte – allenfalls sowas behaglich Eingestaubtes wie „Die Feuerzangenbowle“. Ralf dankte dennoch höflich, als man ihm einen hohen Filmstapel mit aktuellen deutschen Kinofilmen überreichte (ein besonders hoher und einschüchternder Stapel, da es sich um Videocassetten handelte) und sagte, man werde ihn nächste Woche einfach mal entspannt anrufen und nachfragen. Dass Ralf auch unfreiwillig keine Lust auf deutsches Kino hatte, wollte er den Kollegen von der Produktion ungern sagen.
Er war richtig verzweifelt, zumal ihn der zuoberst aufliegende Film besonders abtörnte. Auf dem Cover von „Stalingrad“ setzten Dominique Horwitz und zwei Kollegen mit frostverbeulten Gesichtern die Schrecken von Weltkrieg, Eis und Finsternis mimisch um.
Ich war glücklich, ihm den Tag retten und das längste SM-Wochenende seines Lebens ersparen zu können. Ich ging ja gern und regelmäßig in Pressevorführungen und kannte das deutsche Schauspiel-Ensemble außerdem aus den Shows, TV-Filmen und –Serien, die ich regelmäßig zu parodistischen Studienzwecken sichtete.
Ich sagte: schlag doch einfach Til Schweiger vor – wohl wissend, dass diese unbehaarte Nachwuchshoffnung Ralfs Vorstellung nicht vollends entsprechen konnte. Aber in seiner Manta-Klamotte hatte Schweiger ja wirklich entzückend ausgesehen. Und wir alle kennen den Aphorismus vom Angler, dem Fisch und dem Wurm. „Der kuckt mir ein bisschen zu listig“, meinte Ralf ohne Nachdruck. Angesichts der Lage war klar, dass Til Schweiger schon gewonnen hatte. (Nachhaltig, wie wir heute wissen.)

Katja Riemann war ohne unser Zutun gecastet worden, und sie vermittelte Ralf eine frühe Vorahnung davon, wie zweischneidig das Vergnügen werden könnte, sein Buch auf der Leinwand wiederzusehen. „Diese Doro ist ja eine grässliche Frau!“ soll sie dem Regisseur zur Begrüßung erklärt haben. „Also so spiel‘ ich die aber bestimmt nicht.“ Und überhaupt: sie fand Ralfs Comic frauenfeindlich.
Innerhalb des Regie-Konzeptes, das hier zum Einsatz kommen würde, sollte das jedoch kein Problem sein. Sönke Wortmann drehte die Pointe des Buchs um. Im Comic sind die Heteros ausnahmsweise die Exoten, das ist ja der Witz an der Sache. Auf der Leinwand war die gute Ordnung wiederhergestellt. Da Wortmann die köstlichen Dialoge aber übernahm, hatte das Publikum trotzdem seinen Spaß, strömte zahlreich und löste einen Boom deutscher RomComs aus. Katja Rieman bescherte der Trend den heute vergessenen Komödienerfolg „Stadtgespräch“, in dem sie ihr verbiestertes Rollenbild weiter verfeinern konnte. Wäre er früher entstanden, hätte dieser Film sicher auch im Stapel gelegen. In einer tragenden Nebenrolle erregte Moritz Bleibtreu darin erstmals richtig Aufsehen. Als sexy Jungschwuler.

Eines von Ralfs meistverehrten Vorbildern, Woody Allen, sah den Film übrigens auch. Er ging in New York in eine Präsentation dieser deutschen Komödie, von der er so viel gehört hatte – ich weiß nicht, ob er die englisch synchronisierte Fassung sah, die die Produktion zur besseren internationalen Wahrnehmung angefertigt hatte. Jedenfalls war Allen ratlos, was denn daran komisch sein solle. Über dieses vernichtende Urteil hat sich Ralf köstlich amüsiert.

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Queer in the Nineties im Dezember

Filmreihe im METROPOLIS Kino Hamburg in Zusammenarbeit mit der Queer Media Society in Kooperation mit der Aidshilfe Hamburg und dem Hamburg International Queer Film Festival.

DER BEWEGTE MANN (Sönke Wortmann) mit Til Schweiger, Katja Riemann, Joachim Król, Rufus Beck – DE 1994 35mm 93 min. – Einführung: Monty Arnold
4.12.  17:00
Der schöne Alex geht fremd und fliegt bei seiner Freundin Doro raus. Durch Zufall landet er auf der Gästecouch des schwulen Norbert, der nun damit fertigwerden muss, dass ein unberührbares Lustobjekt in sein Leben getreten ist.
Der Comic von Ralf König brachte das Kunststück fertig, die Homos als die Normalen erscheinen zu lassen und die Heteros als die Exoten. Die Verfilmung von Sönke Wortmann verzichtete auf diesen Aspekt, nutzte aber Königs geniale Dialoge, landete einen Erfolg, der eine ganze Lawine deutscher RomComs lostrat, und machte seine Hauptdarsteller zu echten Filmstars.

BOUND – GEFESSELT (Lana & Lilly Wachowski) mit Jennifer Tilly, Gena Gershon, Joe Pantoliano – USA 1996 OmU 109 min. – Einführung: Karola Oswald
12.1.  19.15
Im Regie-Debüt der Wachowski-Geschwister trifft die attraktive Violet auf die handwerklich begabte und frisch aus dem Knast entlassene Corky. Es ist der Beginn einer heißen Liebesbeziehung. Violets Ex-Lebensgefährte Caesar, ein fieser Mafioso, kommt ihnen dazwischen. Als er mit der Verwahrung von gestohlenen zwei Millionen Dollar betraut wird, planen Violet und Corky, mit der Beute durchzubrennen – ohne Caesar, versteht sich.
Dieser Thriller brachte eines der heißesten lesbischen Liebespaare der 90er auf die Leinwand.

BEAUTIFUL THING (Hettie Macdonald) mit Glen Berry, Linda Henry, Scott Neal – GB 1996 90 min. 35mm OmU 90 min. – Einführung: Eileen Pinkert
19.12.  19:15
Der 15jährige Jamie fristet mit seiner Mutter ein ödes Leben in einem Londoner Wohnsilo. Als der Nachbarsjunge Ste auf der Flucht vor seinem sadistischen Vater bei den beiden unterkriecht, müssen die Jungs das Bett miteinander teilen. Für Jamie schließt sich eine rätselhafte seelische Leerstelle, und wie durch ein Wunder werden seine Gefühle sogar erwidert. Diese zarte Sozialkomödie ließ unzählige begeisterte Zuschauer für 90 Minuten wieder zu Teenagern werden und war auch sonst erstaunlich zugänglich für ein breites Publikum.

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„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (60)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/10/06/19056/

Fortsetzung vom 25. November 2021

18.
Die vergiftete Robbe (The Poisoned Seal)

Abermals sprach Sunlight über Funk mit Civan und erfuhr, dass Porto Novyi sein Flugzeug reparierte. Sunlight war gutgelaunt und erklärte, eine Verzögerung spiele keine Rolle. Das war aber doch der Fall. Trotzdem mochte Sunlight nicht allzu barsch zu seinen Leuten sein; schließlich hatte bisher alles vorzüglich geklappt. Außerdem wollte diese Fifi ihm Savage ausliefern. Er hatte keinen Grund zur Unzufriedenheit.

Natürlich hielt Fifi sich für außerordentlich gerissen, sie legte Wert darauf, ihre Information nur ihm, Sunlight, anzuvertrauen; gewiss hoffte sie, sich auf diese Art loskaufen zu können. Sunlight beschloss, ihr eine Überraschung zu bereiten.
Er ging zum Zelt, in dem der Playboy schlief, und weckte ihn mit einem Tritt in die Rippen.
.„Sind Sie immer noch blind?“ fragte er.
Der Playboy schätzte es nicht, mit Tritten geweckt zu werden.
„Ich sehe schon viel klarer!“ sagte er tückisch. Sunlights gute Laune war unverwüstlich.
„Also dann in einer halben Stunde“, sagte er. „Sie werden überrascht sein.“
„Sie meinen, in einer halben Stunde wollen Sie mir endlich zeigen, weswegen Sie mich in diese Wildnis geholt haben?”
„Stimmt“, sagte Sunlight.

Der Playboy ärgerte sich immer noch über die Respektlosigkeit, mit der Sunlight ihn, einen Staatschef, behandelt hatte, und ließ seinen Zorn an Monk aus, den er nach wie vor für seinen Gardisten Beauty hielt. Er bearbeitete ihn ebenfalls mit Tritten; er benötigte einen Ausgleich für sein angeschlagenes Ego.
„Ich trete Sie so lange, bis Sie Ihre Sprache wiederfinden!“ schrie er auf Spanisch. „Verlassen Sie sich darauf!“
Monk fand seine Sprache nicht wieder, aber der Playboy fühlte sich nach dieser Behandlung ein wenig besser.
„Macht, dass ihr rauskommt!“ brüllte er. „Ich will eure hässlichen Visagen nicht mehr sehen.“
Doc und Monk fanden das Gesicht des Playboys auch nicht erfreulicher, und sie waren gern bereit, das Zelt zu verlassen — vorausgesetzt, dass die Posten vor dem Eingang sie nicht daran hinderten. Sie trotteten hinaus und standen vor John Sunlight.

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