geführt von Monty Arnold

geführt von Monty Arnold

betr.: 68. Todestag von Bela Lugosi
Literatur putzt – und im Falle von „Dracula“ putzt der Rest der Popkultur kräftig mit. Warum Rumänien vom einträglichen Hype um seinen halb-fiktiven berühmtesten Sohn touristisch lange nicht profitieren wollte, enthüllt das Radio–Bremen-Feature „Der Dracula-Mythos – Ein Roadtrip durch Transsylvanien“. Lange Zeit fanden es die rumänischen Machthaber nämlich unschicklich, mit einem Vampirgrafen assoziiert zu werden und unterdrückten die Verbreitung von Bram Stokers Roman ebenso wie dessen potenzielle Leser: „Bis heute gilt das rumänische Kernland Transsylvanien als mystisch, rückständig und nicht ganz ungefährlich. Irgendwas scheint nicht ganz geheuer – dort am Rande Europas. Doch als die ersten internationalen Dracula-Touristen in den 1970er Jahren ins kommunistische Land kamen, kannte nahezu kein Rumäne die Geschichte vom dämonischen Grafen Dracula. Der Roman wurde dort nämlich erst im Jahr 1990, also nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, veröffentlicht. Heute sind das vermeintliche Dracula-Schloss Bran in Brașov und der Borgo-Pass in den Karpaten Pilgerorte für Dracula- und Vampirfans.“
Tobias Nagornys hochamüsante Sendung steht in der ARD Audiothek.
Leider unauffindbar ist die großartige WDR-Doku „Diktatur der Vampire“ (1998) über das Ceaușescu-Regime. (Wenn noch jemand einen VHS-Mitschnitt besitzt, bitte ich um eine Zuschrift.)
Leichter dürfte sich ein Buch auftreiben lassen, dass unserem heutigen Geburtstagskind und seinem einschlägigen Gegenspieler gewidmet ist: „Karloff And Lugosi: The Story Of A Haunting Collaboration“. Gregory Manks Doppelportrait erschien 1990 – im rumänischen Erscheinungsjahr von „Dracula“ – bei McFarland, North Carolina.
betr.: Rätsel vom 7. August 2024
Das Ende von „Easy Rider“ wird in den meisten Büchern und Artikeln so beschrieben: Zwei ländliche Kleinbürger, denen die Rocker nicht passen, schießen aus dem fahrenden Wagen auf Billy (den besonders langhaarigen), „um ihm einen Denkzettel zu verpassen“. Sie treffen ihn tödlich, kehren zurück und erschießen auch seinen Freund Wilbur, der ihnen nachgefahren ist.
In „Reclams Filmführer“ wird die Sache so ausgelegt, dass Wilbur in einem verzweifelten, selbstzerstörerischen Racheakt die Mörder seines Freundes mit ins Verderben reißt, indem er ihren Wagen rammt.
Die Sache ist gar nicht so einfach. Nachdem der erste Schuss gefallen ist, sagt der Fahrer zu dem Beifahrer mit der Flinte: „Ist was passiert?“ (was eher auf Totschlag deutet) und fügt hinzu: „Wir fahren besser zurück.“ Sein Entschluss könnte ein letzter anständiger Reflex sein. Oder will er nur umkehren, um keine halben Sachen zu machen?
Die muss vor allen für das Kinopublikum verwirrend gewesen sein, das – im Gegensatz zu uns heute – nicht die Möglichkeit hatte, sie mehrmals abzuspielen und genau hinzusehen. Wir ahnen die Ereignisse mehr als wir sie sehen.
Es sieht aus, als wäre die Szene am Schneidetisch improvisiert worden. Eine Art Notlösung, aus Resten zusammengebastelt.
Als Apotheose eines unabhängigen Films, der sich so viel auf seine Botschaft zugutehält, ist sie in jedenfalls recht unbefriedigend.
Reclam ist mit seiner Auslegung von den meisten Quellen überstimmt worden, doch ich halte die dort beschriebene Auflösung tatsächlich für die interessantere.
betr.: „Alien: Romulus“ – und den ganzen anderen Mist
Kürzlich habe ich mich mal wieder einer Gruppe von Filmfans angeschlossen, um gemeinsam einen aktuellen Mainstream-Film anzuschauen. Sämtliche Trailer, die wir sahen, vielleicht neun im Ganzen, verwiesen auf Altes, das neu aufgelegt wurde: Franchises, Prequels, Sequels, Remakes, Reboots, Verfilmungen etablierter Vorlagen. Kein einziger Originalstoff wurde angekündigt, und auch der Hauptfilm war – logisch – Teil eines Cinematic Universe.
Der Film wurde von der Klicke vergnügt, aber routiniert und ohne große Begeisterung aufgenommen. Einmal kam etwas in die Bude, was ich Leben nennen würde: ein eingebauter Madonna-Song wurde mitsingend und mitwippend gewürdigt. Aber der war nach dreieinhalb Minuten vorbei.
Hätte ich einen meiner Begleiter beim Verlassen des Saales gefragt, was wir gerade gesehen haben, hätte er kurz mal scharf nachdenken müssen.
Einer der Trailer – er sei hier exemplarisch angeführt (eine Unterscheidung des aktuellen Angebots erübrigt sich) – war dem Film „Alien: Romulus“ gewidmet.
Unbesehen (abseits des besagten Trailers) glaube ich sofort, was die „Zeit“ in ihrem Verriss des „vorbildlich divers gecastet“en und in rostigen Retro-Dekos spielenden Films vorbringt: „Richtig verrostet ist allerdings das Drehbuch. Ohne Verschleierungsambitionen recycelt es Figuren des ersten ‚Alien‘-Films von Ridley Scott (jetzt Co-Produzent) … Der siebte ‚Alien‘-Film ist gleich ein doppeltes Recycling. Und vielleicht ist das Science-Fiction-Mainstream-Kino sowieso ein großer Wertstoffhof in der Weite des Alls. Eine Resterampe, auf der alles auseinandergeschraubt und neu zusammengebastelt wird.“
„Vielleicht“? Zuviel der vornehmen Zurückhaltung.
Die Rezension der „F.A.Z.“ drückt sich gänzlich vor einem Urteil, erzählt nur den Inhalt nach und gibt uns ein paar Querverweise (ein im heutigen Feuilleton häufig anzutreffender Modus der Pflichtunlust). Man muss die fehlende Begeisterung im Subtext suchen. Mitten im Artikel heißt es, der Regisseur mache „sich gar nicht erst die Mühe, dem Monstrum einen dramaturgischen Auftrag anzudichten“.
betr.: 125. Geburtstag von Alfred Hitchcock
Filmrätsel
Die Autoren alter Film-Fachliteratur hatten nicht unsere heutige Möglichkeit, sich jederzeit jeden beliebigen Klassiker nochmals anzuschauen, wenn sie über ihn schreiben wollten. Die so entstandenen Fehler sind zumeist verzeihlich.
Und dann gibt es besondere Fälle …
Welche zwei Fehler macht Reclams „Filmführer“ von 1973 in seiner Inhaltsangabe von „Psycho“?

Auflösung folgt

Jim Jarmusch – Marie-Agnes Strack-Zimmermann
Hörspiel von Hermann Ebeling aus der SDR-Reihe „Science fiction als Radiospiel“ von 1985, Regie: Andreas Weber-Schäfer, Länge: 56 min., Credits: https://hoerspiele.dra.de/vollinfo.php?dukey=1372023&vi=1&SID
„Seid ihr die Rekultivierungsstation?“ – „Klar. Das sieht man doch. Schaun Sie sich die Baumskelette an.“
Die Erde ist ein Wüstenplanet, die menschliche Zivilisation nur noch in keinen Resten vorhanden. Fernab von der nächsten Kuppelsiedlung forscht eine Handvoll Wissenschaftler in der Einöde nach Techniken des Terra-re-forming. Die Chefin der Kolonie, Dr. Steltak, ist bemüht, die Gruppe zusammenhalten, in der jeder für sich mit einem Lagerkoller ringt. Beim Kollegen Feldmann macht sich ein apokalyptischer Missionseifer bemerkbar. Mit seinem Geschwätz hat er bereits einen der anderen in den Selbstmord getrieben.
Beringer, der neu in der Einrichtung ist, findet in einer Ruine einen Computer vom Typ EDIT mit Dialogprogramm. Solche Geräte sind praktisch verschwunden, seit sie nach ihrem offiziellen Verbot zu tausenden zerstört wurden. Beringer beginnt heimlich, sich auf menschliche Art mit der Maschine auszutauschen. Doch seine Entdeckung spricht sich in der kleinen Community schnell herum. Da Dr. Steltak sich die Ächtung dieser Technologie nicht mehr recht erklären kann und da EDIT in den 30 Jahren seit seiner Abschaltung vermutlich ohnehin veraltet (und somit harmlos) sein dürfte, gestattet sie stillschweigend, dass die Crew sich dort in vertraulichen Einzelgesprächen Rat und Erbauung sucht. Es möge helfen, Aggression und Langeweile in Schach zu halten.
EDIT ist für alle da, auch für Dr. Steltak, sammelt Informationen und zieht ihre Schlüsse. Ihr besonderes Interesse gilt einer Lücke, die jede der Biografien aufweist.
Es dauert nicht lange, und EDIT verhilft den Wissenschaftlern zu einer Erkenntnis, die sie keineswegs glücklicher macht. Ihre Gefährlichkeit beginnt uns einzuleuchten …
Wer das möchte, kann „Edit – Große Schwester“ unter der Oberfläche seiner ökologischen Botschaft als eine Parabel über den Sinn und die Grenzen der Gesprächstherapie lesen. Doch auch als Genrebeitrag ist dieses Hörstück bemerkenswert. Hermann Ebeling jongliert meisterhaft mit den vertrauten Disziplinen der dystopischen Science-Fiction. Die häufig herbeigeschriebene Atmosphäre eines verlorenen Postens in endzeitlicher Ödnis wirkt frisch und unverbraucht. Der sich langsam zersetzende Pragmatismus der Eingeschlossenen lässt uns ungeachtet der Kürze des Mediums restlos in die Stimmung eintauchen. Die futuristischen Fachbegriffe wirken alltäglich, Pathos und Besserwisserei – die in dieser literarischen Disziplin gefährlichsten Versuchungen – werden anstrengungslos vermieden. Und dass es dem Autor 17 Jahre nach „2001: Odyssee im Weltraum“ gelingt, den Archetyp des hochgefährlichen, mit freundlicher Stimme sprechenden Computers völlig neu zu erfinden, ist schlicht eine Glanzleistung.
Das Hörspiel ist vollständig abrufbar unter https://www.ardaudiothek.de/episode/das-war-morgen/edit-grosse-schwester-1985/swr-kultur/13583691/
betr.: „Deadpool & Wolverine“
„Der Eiserne“, heute als „Iron Man“ ein Held der Popkultur, gehörte zu den Comics, die ich nicht chronologisch und gründlich lesen konnte. Seine eigene Heftserie wurde rasch wieder eingestellt, und von da an fanden sich seine Abenteuer halbiert im hinteren Teil der Reihe „Die ruhmreichen Rächer“ wieder, um das Heft als Füllmaterial auf 32 Seiten zu bringen.
Weitere Unbillen standen zwischen mir und dem „goldenen Rächer“: Taschengeldmangel, das Nielsen-Prinzip (ein vor allem für süddeutsche und Berliner Fans leserfeindliches Zeitschriften-Vertriebsprinzip, das auch die Marvel Comics betraf) und natürlich mein Zuspätkommen (die ersten Marvels hatte mir mein großer Bruder überlassen, als es mit ihrem Erscheinen in der alten BRD schon wieder zuendeging).
Auf diese Weise hatte ich nicht nur Wissenslücken bei „Iron Man“, sondern auch bei seinem Personal.
Tony Starks Chauffeur war eine komische Nebenfigur namens Happy Hogan. Er übernahm ihn in dieser Funktion von einem Gangster, den er in einer frühen Ausgabe zur Strecke gebracht hatte und hatte sich über seinen Anstand und seine Loyalität später nicht zu beklagen.
Hogan hatte herabhängende Posaunistenbacken mit noch tiefer gelegten Mundwinkeln. Er wurde oft auf seine Muffigkeit angesprochen, stritt aber immer alles ab und beteuerte, so sehe er nunmal aus, wenn es ihm richtig gut ginge: „Sie sollten mich mal sehen, wenn ich schlechte Laune habe!“
Er kam nicht eben als stattliche Erscheinung daher, besonders wenn sein schillernder Chef mit im Bild war.
Ich hatte mal wieder einige Folgen versäumt, als ich mitten in ein mehrteiliges Abenteuer hineingeriet, bei dem mir als erstes auffiel, dass der Zeichner gewechselt hatte. Gene Colan war nun im Amt, eine ewige Marvel-Spitzenkraft.
Die Geschichte sprach mich sofort an. Ein in Bettlaken gehüllter Mutant trieb sein Unwesen. Er erinnerte mich an den Riesen Ruk, der in einer spannenden „Raumschiff Enterprise“-Folge Captain Kirk nach dem Leben trachtete. Nach ein paar Seiten bekam ich mit, dass es sich bei dem Mutanten um Happy Hogan handelte, den eine Strahlendosis in dieses Ungetüm verwandelt hatte.
Als er davon kuriert war, erkannte ich Happy nicht wieder, so fabelhaft sah er auf einmal aus. Er war derart sexy, dass seine Wandlung mit einer Ernährungsumstellung nicht zu erklären war, zumal auch seine drollige miese Laune nicht mehr zu sehen war.
Ganz offensichtlich war der Charakter umgestaltet worden, wie es zuweilen geschieht, wenn der ausführende Künstler wechselt – wenn auch selten so umfassend.
Gerade war ich im Kino, um mir „Deadpool & Wolverine“ anzuschauen. Nach einem etwas epigonalen Intro (das gleiche computergenerierte Schlitzer-Ballett, das wir von Quentin Tarantino und aus früheren Deadpool-Filmen kennen und dass im Laufe des Films noch ein dutzendmal stattfinden wird) sehen wir den Helden in einem Büro sitzen. Deadpool ist unmaskiert und absolviert als Wade ein Vorstellungsgespräch. Nach einer Weile wird mir klar, wer der Anzugträger hinter dem Schreibtisch ist: Happy Hogan. Er spricht von den „Avengers“ als von „uns“, eine Hybris, die ihm der freche Deadpool natürlich nicht durchgehen lässt. So oder so wird er als Bewerber zurückgewiesen.
„You just said you want the job because you need it. But they do the job because the people need them. You see the distinction?“ wird Wade von Happy belehrt. Die freche Antwort: „What’s your superpower? Parallel parking? Sorry, I lash out when I’m nervous …“.
Wie schon zuvor in den MCU-Filmen wird die Rolle von Jon Favreau gespielt.
Happy ist wieder so unsexy wie in seinen frühen Comic-Auftritten, aber nicht mehr so komisch (weil nicht mehr so muffig). Immerhin darf er mit seinen Dialogen für etwas Slapstick sorgen.
Beim Anblick des Warner Brothers-Logos denken nicht wenige von uns als erstes an die großartigen Cartoons dieses Studios. Dem Warner-Cartoon-Department gelang es tatsächlich für gut zwei Jahrzehnte (in den 40er und 50er Jahren), den übermächtigen Disneys die Dominanz über den Trickfilm zu entreißen – zumindest über die klassische siebenminütige Form; Disney wandte sich verstärkt dem abendfüllenden Format zu. Bugs Bunny, dieses hochgradig pubertierende Kaninchen, und seine denkwürdigen Kollegen waren um ein vielfaches frecher als Micky, Goofy und Donald, und ihre Abenteuer wirken noch heute erheblich frischer.
1999 brachte Warner einen animierten Langfilm heraus, der ein leises, aber würdiges Nachwort zu dieser historischen Fußnote bildet. Scheinbar mühelos gelingt ihm die perfekte Balance all dessen, was Disney in seinen Erfolgsfilmen schon lange nicht mehr unter einen Hut bekommt. Vergebens: „Der Gigant aus dem All“ ist ein Geheimtipp geblieben.
1957 befinden sich die USA im Kalten Krieg und werden von den Parolen des Senators McCarthy ideologisch genarrt. Ein Nebenschauplatz der Feindschaft zwischen Ost und West ist der Wettlauf ins All, bei dem die Russen durch ihren soeben gestarteten Sputnik gerade die Nase vorn haben.
Auch im neuenglischen Hafenstädtchen Rockwell nimmt man daran großen Anteil. Dort wächst der kleine Hogarth auf (ein Bengel mit hinreißenden Steh-Ohren). Seine alleinerziehende Mutter arbeitet in einem Diner und hat mit ihren Erziehungsbotschaften keine Chance. So erfüllt sich der Wunsch ihres Jungen nach einem verbotenen Haustier im Übermaß, als Hogarth nach einem verbotenen langen Aufbleiben in den nächtlichen Wald läuft, um einer technischen Störung und einer seltsamen Spur in der Umgebung auf den Grund zu gehen.
Ein 15 Meter hoher Kampf-Droide aus dem Weltraum – er sieht wirklich zum Fürchten aus – ist dabei, das örtliche Elektrizitätswerk anzuknabbern. Hogarths kindliches Gemüt erlaubt den beiden, sich miteinander anzufreunden, nachdem er den Riesen vor einem gewaltigen Stromschlag gerettet hat.
Auch in weniger paranoiden Zeiten – und ohne den Hunger des Roboters nach nahrhaftem Eisen – wäre es kompliziert, diese Freundschaft auszuleben. Hogarth muss das Ungetüm nicht nur vor seiner Mutter und den anderen Erwachsenen verstecken, dummerweise taucht auch noch ein Regierungsbeamter auf, der eine russische Geheimwaffe in der ländlichen Idylle vermutet. Der Schrotthändler und Schrott-Künstler Dean erweist sich als netter Kerl und Hogarths hilfreicher Verbündeter. Doch auch er kann den erbarmungslosen Lauf der Dinge nicht aufhalten …
Als „The Iron Giant“ von Brad Bird herauskam, mutete sein klassischer Trickfilm-Look bereits altmodisch an, doch als 3D-Animation wäre er ebenso undenkbar wie es Charlie Chaplins „City Lights“ als Tonfilm wäre. Die nächtlichen Bilder der schlafenden Stadt, des herbstlichen Waldes, der Aussicht von der Handfläche des Riesen sind atemberaubend. Und unser Blick zu ihm hinauf ist bis zuletzt staunend und ungläubig. Es bleibt ein Rätsel, wie es den Zeichnern gelungen ist, diesen grobmotorischen Koloss mit so viel Wärme und Anmut auszustatten, wann immer die Geschichte danach verlangt.
Auch alle übrigen Abweichungen von den Gesetzen des animierten Langfilms, tragen das Ihre zu seiner Wirkung bei: das Fehlen eines oder mehrerer gefälliger Songs, der sparsame Umgang mit (dadurch umso wirkungsvollerem) Slapstick, die kleinen Auslassungen, die den Zuschauer ebenso ernst nehmen wie die Charaktere. So wird etwa das Fehlen des Vaters nie erwähnt – wir sehen sein Foto in einem Kameraschwenk vorbeihuschen und können uns denken, dass er im Krieg gefallen sein könnte. Es gibt auch keine knuffig-komische Nebenrolle, die uns mit der Synchronstimme von Eddie Murphy auf die Nerven geht. Und wie durch ein Wunder werden wir auch nicht mit Details über die Herkunft des Roboters belästigt. Zum Finale folgen wir sogar der Flugbahn einer tödlichen Rakete – und sehen sie explodieren.
„The Iron Giant“ unterläuft alle Formatierungen, die ihn auf eine bestimmte Zielgruppe ausrichten, und gerade das macht ihn zum einsamen Musterbeispiel dessen, was so gern mit dem verklemmten Ausdruck „Familienfilm“ bezeichnet wird. Trotz seiner humanistischen Botschaft wird es Eltern gegeben haben (und immer noch geben), die der Meinung sind, dieses Vergnügen lieber auszulassen.
Ein Verlust! Zum Glück einer, der sich leicht korrigieren lässt.
Pete Townsend, Gitarrist bei „The Who“, ließ sich 1989 von dem Kinderbuch „The Iron Giant“ von Ted Hughes zu einem Konzeptalbum inspirieren, das 1993 als Musical auf die Londoner Bühne fand. Townsend war an der filmischen Umsetzung als ausführender Produzent beteiligt.
geführt von Monty Arnold
