Auf der Spur von Yinni und Yann

betr.: Die Boomer mal wieder

Als Boomer hat man gegenwärtig viel kuratierte Nostalgie im Angebot. Reife Cassettenkinder und Fernsehkult-Fans werden mit Neuveröffentlichungen, Gesamtausgaben und Events zum Thema beglückt. Auch für die Comicfans häufen sich die runden Geburtstage. Voriges Jahr wurde das berühmte Jugendmagazin „Yps (mit Gimmick!)“ posthum 50 Jahre alt. Dazu gab es nicht nur ein Extra-Heft, sondern auch ein Jubiläumsbuch „ohne Gimmick“*.
Für mich war dieses Magazin weniger wegen der eingeschweißten Spielsachen, sondern hauptsächlich wegen der Comics interessant. Vom besagten Buch erhoffte ich mir nun beim Widersehen mit all diesen Serien (darunter viel spannende europäische Lizenzware) auch Aufschluss über deren Urheber. Wie bei „Fix und Foxi“ und den vielen anderen RolfKauka-Produkten, war man auch bei „Yps“ sehr geheimnisvoll, wenn es um die Autoren und Zeichner der deutschen Eigenproduktionen ging.
Ganz besonders neugierig war ich auf die Herkunft von „Yinni und Yann – Die unglaublichen Abenteuer des Yps-Fernseh-Teams“. Darin ging es um drei Jugendliche, die „was mit Medien“ machten, als man so etwas handwerklich noch richtig ernst nahm. Das Format nahm mit seinen zwischen 7 und 10 Seiten mehr Raum ein und lief beständiger als die anderen Serien, daher rechnete ich mit einer prominenten Platzierung im Jubiläumsband. Zwar gibt es eine komplette Geschichte zu lesen, allerdings ist die recht willkürlich ausgewählt.
Irgendwo weiter hinten lesen wir zu diesem Thema die einzigen zusammenhängenden Sätze zum Thema:
»[Heinz] Körner war Schöpfer der Reporterserie „Yinni und Yann“, die im direkten Auftrag für „Yps“ entstand und mit einer Laufzeit von nahezu 25 Jahren Rekordhalter im Bereich der eigenständigen, nicht im Zusammenhang mit dem Känguru-Maskottchen stehenden Comics ist. Die in den „Yps“-Ausgaben Nr. 1 bis 1235 erzählten Abenteuer von Fernsehreporterin Yinni, ihrem Kameramann Yann sowie Tontechniker und Beleuchter Yorick nahmen die Leser mit in ferne Länder und an exotische Orte, wo geheimnisvolle Ereignisse zu klären sind oder sich gegen Bösewichte zur Wehr gesetzt werden muss, die unserer Umwelt schaden, die Menschenrechte verletzen oder andere Verbrechen begehen. Aus dem Studio berichtete zunächst Moderator Yack von ihren Erlebnissen, der aber nach wenigen Jahren nicht mehr auftauchte. Dafür entwickelte sich der liebenswerte Tollpatsch Yorick, dessen Missgeschicke oft als Handlungsträger fungierten, zum heimlichen Star der Serie.« – Hier irrt der Autor: Yack verschwand nicht etwa, er gesellte sich zum Außenteam und blieb eine gleichrangige Figur des Quartetts.

Der Look der frühen Tage: Yinni, Yack, Yann und Yorick (letztes Bild v.l.n.r.) im Heft mit dem Gimmick Nr. 27: Die Detektivuhr mit Geheimfach.

„Yinni und Yann“ wurden zuerst etwas steif und mit feinem Strich, dann nach knapp 40 Abenteuern mit einer an Cavazzano erinnernden Schmissigkeit umgesetzt. Heinz Körner war vermutlich der spätere Zeichner, denn im Buch wird von 1200 Abenteuern gesprochen, die er gestaltet habe. Ich wüsste zu gern, ob er auch der Autor gewesen ist. Als ich diese Geschichten später wiederlas, staunte ich über ihre perfekte Dramaturgie, wie gut sie die wenigen Seiten für ein komplexes Abenteuer nutzten, das auf wechselvollen Recherchen beruhte und stets zu einer hübschen Pointe fand. Ganz besonders in der zweiten Phase blühte ein slapstickreicher Wortwitz, von dem auch der anoraktragende Techniker Yorick (Migrationshintergrund) profitierte.
Näheres (hoffentlich) beim 75. Geburtstag von „Yps“.

Das Finale zeigt uns Yorick als Initiator der überstandenen Dienstreise – und der nächsten. Aus dem Yps-Heft Nr. 57.

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Kultfilm Azubis: Einfach weiterspielen!

Leute, die um ihr Leben spielen – oder darum, was sie dafür halten -, stehen im Mittelpunkt des heutigen Podcasts. Als Schnittmenge aus dem historischen Hintergrund des ersten Films und einem der Stars des zweiten wird uns außerdem ein berühmtes unvollendetes Projekt der Filmgeschichte interessieren, das Drama „The Day The Clown Cried“:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/sein-oder-nichtsein-king-of-comedy

A) Sein oder Nichtsein / To Be Or Not To Be
Amerikanische Antikriegskomödie von 1942

Eine Warschauer Theatergruppe spielt gerade ein antinationalsozialistisches Stück, als die Deutschen in Polen einmarschieren. Das Ensemble begibt sich in den Widerstand und nutzt die Uniformen aus dem Fundus, um einen Doppelagenten unschädlich zu machen. Doch Obergruppenführer Ehrhardt ist ihnen auf den Fersen. Die Eitelkeiten und Eifersüchteleien der Damen und Herren Schauspieler drohen ihre Flucht nach England in letzter Sekunde zu sabotieren …

Diese schwarze Komödie musste den Platz des größten einschlägigen Klassikers an Chaplins „großen Diktator“ abgeben, die erste von Hollywoods Nazi-Satiren der Kriegsjahre, und im Repertoire von Ernst Lubitsch wird allgemein „Ninotschka“ als Meisterstück genannt. Aber „To Be Or Not To Be“ ist raffinierter, und nicht wenige halten ihn außerdem für noch komischer. Viele Filmkenner, Entertainer, Schauspieler und Komiker nennen ihn als ihren Lieblingsfilm. 

B) King Of Comedy / The King Of Comedy
Amerikanische Mediensatire von 1982

Das New Yorker Muttersöhnchen Rupert Pupkin träumt von einer Karriere als Stand-Up-Comedian. Er verehrt den TV-Star Jerry Langford, der es vom Komiker zum gefeierten Host einer eigenen Show gebracht hat. Als alle Versuche scheitern, in dessen Sendung eingeladen zu werden, beschließt er gemeinsam mit seiner neurotischen Bekannten Masha, Langford zu entführen, um den großen Auftritt zu erpressen. Der haarsträubende Plan wird konsequent die Tat umgesetzt …

So wie Rupert sein Idol hauptsächlich wegen dessen Prominenz liebt, wird Martin Scorsese von seinen Fans für eine ganz bestimmte Art von Filmen geschätzt – besonders, wenn Robert De Niro darin die Hauptrolle spielt. „King Of Comedy“ fiel durch dieses Raster und war auch sonst zu speziell für den Mainstream: eine boshafte Satire, ein Film fast ohne Sympathieträger und eine Charakterrolle ausgerechnet für Jerry Lewis. Das war eher etwas für Kritiker.

Nächste Woche: American Psycho und Glengarry Glen Ross

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Der Komiker als Filmheld (19): „Is This Thing On?“

betr.: Aktuelle Filmkritik

Bei Tess und Alex Novak steht die Scheidung ins Haus. Den beiden kleinen Söhnen macht das umso mehr zu schaffen, weil sie von ihren Eltern für dumm verkauft werden.
Alex gerät eher zufällig in die Open-Mic-Veranstaltung eines Comedy-Clubs. Er improvisiert einen Monolog über seinen Beziehungsstatus und wird vom Publikum freundlich aufgenommen. Seiner Familie will er nicht verraten, was in den nächsten Wochen geschieht: er steigt im „Comedy Cellar“ zum angesagten Performer auf.

„Is This Thing On“ ist ein Film von der Sorte, die Hitchcock als „Kitchen Sink Movies“ bezeichnete, eine Art Doku-Soap auf der Leinwand. Er zeigt uns sehr kleinbürgerliche Menschen, die unentwegt aufgekratzt sind, über eine Verwandtschaft verfügen, die ihre Kauzigkeit erbarmungslos vor sich herträgt, und deren Strategien sich nicht immer schlüssig nachvollziehen lassen (selbst der Erfolg auf einer urigen Stadtteilbühne wird hier zum Skandälchen aufgeblasen, das um jeden Preis geheimzuhalten ist). Die größte Sorge all dieser Leute: den Verdacht der Intellektualität zu erregen.
„Is This Thing On?“ ist ein Feelgood-Movie für Familienmenschen. Solche Filme gelingen am besten, wenn sie sich nicht allzusehr mit Botschaft und Subtext aufladen. Für Bradley Cooper, der das Drehbuch für seine dritte Regiearbeit zusammen mit seinem Hauptdarsteller Will Arnett verfasste, war die Welt der Stand-Up-Comedy faszinierendes Neuland: „Dieser Keller in Manhattan, in dem wir gedreht haben, ist ein magischer Ort. Das ist eine richtige Kultur. Ein eigenes Ökosystem, seit Jahrzehnten.“  
Eine Show, in der jeder mitmachen kann und alle Applaus erwarten dürfen, ist ideal für jemanden wie Alex, der sich auf der Bühne therapieren möchte. Für den Besucher, der in einer solchen Spielstätte einen professionellen Kunstgenuss erwartet, vielleicht sogar Frechheit und Provokation, muss so ein Programm eine Folter sein. Man kann es eben nicht allen rechtmachen.
Bradley Cooper hat mit seiner Bestandsaufnahme nicht unrecht: die meisten Comedy-Clubs sind heute eher Begegnungsstätten für eine Community, die sich der Illusion eines freundlichen Miteinanders hingeben möchte. Eine Ablass-Praxis, vergleichbar der „guten Gesinnung“, derer man sich in früheren Zeiten im Kabarett versichern konnte.
„Kitchen Sink Comedy“ würde Hitchcock dazu sagen.
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Torben Sterner hat den Film in unserem Podcast so besprochen:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/is-this-thing-on-aktuelle-filmkritik

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Der wundersame Lückentext

Mindestens dann, wenn ich nichts oder wenig über jemanden weiß, ist der unverwüstliche „Proust’sche Fragebogen“ ein gutes Mittel, mich für jemanden einzunehmen (oder eben nicht). Wahrscheinlich ist genau das einst der Sinn und Zweck dieses „Gesellschaftsspiels“ gewesen.
Im aktuellen „F.A.Z. Quarterly“ zieht mich die Autorin / Moderatorin / Schauspielerin / Podcasterin Sophie Passmann so auf ihre Seite.
Wo sie leben möchte: „Wenn mir kalt ist, Los Angeles, wenn mir warm ist, New York. Niemals Berlin.“ (Hihi…)
Auf die Frage nach dem Lieblingsmaler bekennt sie sich zu einer einschlägigen Bildungslücke, bei ihrem größten Fehler zu Selbstmitleid und Fatalismus.
An einer Stelle beklagt sie kokett Prousts Obsession mit Heldentum, findet dieselbe bei Heldinnen dann zwar „natürlich viel einfacher“, macht aber doch ein selbstironisches Eselsohr in ihre Antwort, das für Wokeness-Militaristen unsichtbar ist.
Wo immer möglich, ohne dadurch unernst zu werden, erschafft sie kleine Pröbchen hübscher Literatur. Das vollkommene irdische Glück: „Frisch geduscht in meinem frisch bezogenen Bett liegen, eine Serie gucken, die mich wirklich interessiert, und dabei irgendwas essen, was auf der Decke keine nachhaltigen Krümel hinterlässt.“

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Was den Krimi vom Thriller trennt (2)

Fortsetzung vom 16. April 2023

Wie hält es der Profi?

Erfolgsautor Frank Schätzing – der niemals mit Krimis in Erscheinung tritt, dem Thriller aber in jedem Zusammenhang zu seinem Recht verhilft – erklärt es im Quarterly der „F. A. Z.“ so:

Thriller erzählen Geschichten vom Kontrollverlust, und den fürchten wir mehr als andere. Wir möchten Ordnung, ganz besonders die Deutschen. Darum bevorzugen wir hierzulande den Krimi. Da steht die Unordnung am Anfang. Auf dem Teppich liegt die Leiche, Kommissare treten auf, wo waren Sie gestern zwischen zehn und zwölf, binnen anderthalb Stunden wird die Ordnung wieder hergestellt, und wir atmen auf. Der Thriller funktioniert andersherum, näher an der Realität. In die Ordnung bricht etwas Verstörendes ein. Und eskaliert. Zusammenbruch und Chaos schreiten voran. Viele gute Thriller enden ganz offen. (…) Thriller sind für uns kathartisch. In der Realität kündigt sich der Weltuntergang beständig an, ohne wirklich einzutreten. Putin ist noch nicht über Europa hergefallen. Der Supermeteorit ist noch nie eingeschlagen. Wir leben in einer Gefühlslage permanenter Bedrohung von allen Seiten, ohne dass sich das Ganze auflöst. Das macht uns wahnsinnig. Wir müssen die Katastrophe zumindest einmal fiktional durchleben können, um Druck abzubauen. Horror- und Katastrophenfilme helfen dabei.

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Jedenfalls nicht die Richtigen

betr.: Oscarverleihung 2026

In der „Spiegel“-Literaturbeilage „Beststeller“ protokolliert Lars-Olav Beier, was wir alle schon wissen, aber von Zeit zu Zeit sehr gerne lesen: „Bei den Oscars gewinnt (fast) immer der Falsche“. Gleich zu Beginn sekundiert er das mit einem etwas verdächtigen Bekenntnis zu seinen drei Lieblingsschauspielern (die freilich unprämiert geblieben sind): Cary Grant, Anton Wohlbrück und Steve McQueen. – Moment mal: Anton Wohlbrück? Hieß der nicht Adolf? Ein Blick in die Wikipedia verrät mir, dass nachsichtig betrachtet beides stimmt. Adolf Anton Wilhelm Wohlbrück wurde aber noch lange nach seinem Tod im Jahre 1967 unter seinem notorischen Rufnamen geführt, für den ja auch niemand schief angesehen werden kann, der drei Jahre vor seinem gruseligen Namensvetter zur Welt kam. (Ich lese / höre den Namen Anton in diesem Zusammenhang zum ersten Mal.)
Das ist die erste gute Nachricht für heute: die Faschos sind zwar auf dem Vormarsch, aber immerhin wird in der Sprachregelung fleißig die Geschichte aufgeräumt bzw. gefälscht.
Die beiden nächsten guten Nachrichten, sind schon seit zwei Monaten bekannt, erhalten aber am Tag der Oscarverleihung einen kleinen Aktualitätsschub:
Eine Neuerung im Regelwerk der Zeremonie ist die Tatsache, dass die Academy-Mitglieder fortan alle nominierten Filme in jeder Kategorie ansehen müssen, um sich an der finalen Abstimmung über die Oscar-Gewinner zu beteiligen. Darüber hinaus wird eine neue Preiskategorie für das Beste Casting („Achievement in Casting“) eingeführt.
Dass die Filme bisher nicht „alle“ angeschaut werden mussten, ist immerhin eine Erklärung dafür, dass bei den Oscars (fast) immer die Falschen gewonnen haben.

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Sternstunde der Lenz-Festspiele

betr.: 100. Geburtstag von Siegfried Lenz (übermorgen) / das Hörbuch „Der Mann im Strom“ in der NDR-Mediathek

Der Autor und sein Star im Hamburger Hafen – Abb.: NDR / Homepage „Am Morgen vorgelesen“

Wenn TV-Promis mit Geld gezwungen werden, Hörbücher einzusprechen, sind die Ergebnisse normalerweise eher etwas für Fernsehzuschauer als für Hörbuchfans. 2006 kam es routinemäßig zu einer solchen Jobvergabe, als der Schauspieler und Hamburger Lieblingsbürger Jan Fedder in der Siegfried-Lenz-Verfilmung „Der Mann im Strom“ die Hauptrolle spielte und parallel dazu auch den Urtext von Siegfried Lenz für den NDR aufnahm. Die beschriebene Sorge war in diesem Fall besonders berechtigt, weil der Schauspieler („Großstadtrevier“) ja gerade für seine Schnodderigkeit und sein „Geht auch so“-Temperament vom Publikum geliebt wurde, Wesenszüge also, die die Interpreten vieler fragwürdiger Hörbücher am Mikrofon vor sich hertragen.
Das Wunder ist geschehen: „Der Mann im Strom“ ist ein Hochgenuss! Jan Fedder macht seine Sache so gut, dass ich mir kaum vorstellen kann, das Fernsehspiel könne da mithalten. (Zugegeben: Ich habe es vor 20 Jahren gesehen, aber keine Erinnerung mehr daran.) In der Verfilmung wurde aus dem 50jährigen Helden, der im Roman immerzu als „alter Mann“ beschrieben wird, ein 55jähriger gemacht, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass 50 ja „heute kein Alter“ mehr ist.

Die werktägliche NDR-Funkreihe „Am Morgen vorgelesen“ präsentiert die Lesung von Jan Fedder zurzeit in zehn Teilen, Anlass ist der hundertste Geburtstag des Schriftstellers Siegfried Lenz am kommenden Dienstag.* Bis Montagfrüh sind die ersten 5 Folgen noch auf der Homepage nachhörbar, dann faltet sich diese Gelegenheit wieder tageweise zusammen, und man muss sich das Hörbuch besorgen.
Macht nichts, es lohnt sich!
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Die Handlung: Paul Hinrichs ist Taucher und hilft bei der Bergung von Schiffswracks aus dem Zweiten Weltkrieg. Um trotz seines fortgeschrittenen Alters eine Anstellung zu erhalten, fälscht er sein Taucherbuch, macht sich zehn Jahre jünger. Tatsächlich bekommt er eine Stelle bei einer kleinen Bergungsfirma im Hamburger Hafen. Bei gefährlichen Einsätzen erwirbt sich Hinrichs Respekt. Doch dann holt die Vergangenheit den Familienvater ein. Die Situation eskaliert vollends, als Hinrichs Urkundenfälschung auffliegt.

Der 1957 veröffentlichte Roman „Der Mann im Strom“ gilt als eines der bedeutendsten Frühwerke von Siegfried Lenz. Das Buch thematisiert die existenzielle Not und den Kampf um Würde im Hamburger Hafenmilieu der Nachkriegszeit. Der 2019 verstorbene Schauspieler Jan Fedder bekam für seine Hauptrolle in der TV-Romanverfilmung 2006 den Deutschen Fernsehpreis.
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* Siehe auch https://blog.montyarnold.com/2025/11/22/29122/

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Kultfilm Azubis: Das Grauen weit draußen

In der letzten Folge dieses Podcasts behauptete ich, von „The 5,000 Fingers Of Dr. T“ gäbe es keine deutsche Fassung. Ronny hat eine Synchronfassung im Netz gefunden, die der Sender RTL 1989 in Auftrag gegeben und ein einziges Mal gesendet hat. Man kann den Film exklusive der Songs also doch auf deutsch anschauen oder seine Kinder damit erschrecken.
Weiterhin ist die Umfrage, die wir hier zu diesem Podcast veranstaltet haben, inzwischen abgeschlossen. Lob und Tadel sowie Antworten auf einige Fragen werden wir hier demnächst vorstellen.
Um gruselige Ereignisse weit draußen vor den Toren der Stadt geht es heute. Und der erste Film wirkt so ähnlich wie die berühmte Limonade aus Österreich: er verleiht Flügel!

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/die-voegel-spiegelbild-im-goldenen-auge

A) Die Vögel / The Birds
Amerikanischer Öko-Thriller von 1963

Die extravagante, vermögende Melanie Daniels fährt nach Bodega Bay, um dem Juristen Mitch Brenner, den sie in San Francisco flüchtig kennengelernt hat, einen Streich zu spielen. Familie Brenner nimmt sie sehr freundlich auf und lädt sie ein, noch einen Tag zu bleiben, um an einer Geburtstagsfeier teilzunehmen. Indessen mehren sich unerklärliche Attacken von Vögeln und Vogelschwärmen, die immer aggressiver und koordinierter werden. Schließlich kommt es zu einem gefiederten Sturmangriff auf das Küstenstädtchen und auf das Haus der Brenners …

Daphne DuMauriers Kurzgeschichte „The Birds“ brachte die Angst der Briten vor der Tollwut und die Erinnerung an den Blitzkrieg der Nazis zum Ausdruck. Hitchcock machte daraus den ersten modernen Öko-Thriller, begründete den Viecher-Horror im Kino und definierte den Endzeitfilm wie wir ihn heute kennen. Viele ordnen das Werk als einen der wichtigsten Horrorfilme ein. Zuallererst ist der Film aber nur eines: großes Entertainment.

Unser heutiger Geheimtipp ist nur wenige Jahre später von einem anderen Hollywood-Altmeister inszeniert worden, doch darin machen sich die Menschen selbst das Leben schwer. Frei nach der alten Devise von Sarte: die Hölle, das sind die anderen.

B) Spiegelbild im goldenen Auge / Reflections In A Golden Eye
Amerikanisches Südstaaten-Drama von 1967

Major Penderton und Lt. Colonel Langdon leben mit ihren Ehefrauen auf einem Militärstützpunkt in Georgia am Rande großer Waldungen. Die kriegsfreie Zeit lässt Neurosen ins Kraut schießen, die allesamt sexueller Art sind. Der impotente Major (Marlon Brando) verzweifelt an seiner lebenslustig-gefühllosen Frau (Elizabeth Taylor), die sich mit Langdon vergnügt, während dessen Frau langsam durchdreht und der verschrobene Stallbursche Williams (Robert Forster in seinem ersten Filmauftritt) sie heimlich stalkt. Dass das nicht gut ausgeht, wird schon zu Beginn des Films verraten: „Dort im Süden steht ein Fort, in dem vor Jahren ein Mord geschah.“

John Hustons Verfilmung einer Erzählung von Carson McCullers zeigt uns eine Garnison in Friedenszeiten als Mikrokosmos verkorkster Beziehungen und Obsessionen. Die Rolle des verklemmt schwulen Major Penderton hätte für Montgomery Clift das Leinwand-Coming-Out werden sollen, doch Clift starb kurz vor Beginn der Dreharbeiten, und der von ihm beeinflusste Marlon Brando übernahm. Brandos Biograf Tony Thomas attestierte diesem „die komplizierteste, rundeste und intelligenteste schauspielerische Leistung“ seiner Karriere. Elizabeth Taylor glänzt einmal mehr als große Komödiantin in einem Drama.

Nächste Woche: Sein oder Nichtsein und King Of Comedy

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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